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Erstmals seit den 1980er Jahren ist die Krankenstandsquote (Verlust an Jahresarbeitszeit durch krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten) unter Österreichs unselbstständig Beschäftigten wieder gestiegen. Fehlzeiten von mehr als einem Monat (“Langzeitkrankenstände”) machen zwar nur sechs Prozent der Fälle, aber 40 Prozent aller Krankenstandstage aus. Und sie haben deutlich negative Auswirkungen auf die Erwerbskarriere: Nach einem zwei- bis vierwöchigen Krankenstand steigt das Risiko im Jahr danach den Job zu verlieren um 25 Prozent, nach drei Monaten um 60 Prozent. Besonders hoch ist das Risiko nach Krankheiten des Bewegungsapparates und psychischen Erkrankungen. Letztere sind offiziell nur Grund von fünf Prozent der Krankenstände, liegen aber bei den Ursachen für den Wechsel in die Invalidenpension an zweiter Stelle.
Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut verwies darauf, dass “alle Studien zeigen, dass die psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz steigt”. Dafür verantwortlich seien Rahmenbedingungen wie Prekarisierung, Arbeitszufriedenheit und Motivation. Betriebliche Gesundheitsförderung sei bei einer systematischen Durchführung rein ökonomisch sehr lohnend: der Faktor werde in verschiedenen Studien zwischen 1:4 und 1:10 angegeben, was bedeutet, dass sich die Volkswirtschaft für einen zur Gesundheitsförderung ausgegebenen Euro vier bis zehn Euro ersparen könnte. Noch sei dafür in Österreich allerdings nicht genügend Bewusstsein geschaffen. Die hohe Zahl an Frühpensionisten wirkt sich in Österreich nach Ansicht des Experten “beschönigend” auf die Statistik aus. In der Krankenstandstatistik ganz vorne liegen skandinavische Länder, in denen höhere Pensionantrittsalter die Regel sind.
Was haben moderne Kriegsführung und Wirtschaftspolitik gemein? Beide basieren auf dem Prinzip der Entmenschlichung ihrer Prozesse. Mit dieser Einsicht eines Ökonomen beginnt der Dokumentarfilm über die zunehmende Privatisierung ehemals staatlicher Institutionen. Der Film sucht die Orte der Privatisierung weltweit auf und führt Beispiele dafür an: In Südafrika ist es die Stromversorgung, in England die Bahn, das Gesundheitssystem auf den Philippinen, die Wassersorgung in Bolivien. Der Film lässt die Menschen zu Wort kommen, die nicht von diesen Entwicklungen profitieren. Ihnen werden die Vertreter der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Weltgesundheitsorganisation gegenübergestellt, die für die globalen Privatisierungstendenzen mitverantwortlich sind.
Ein sehenswerter und bewegender Film aus dem Jahre 2007 von Florian Opitz über die mannigfaltigen Auswirkungen der häufig als Lösung für Finanzierungsprobleme verkauften “Privatisierungen”.
Um die Produktion derartiger Dokumentationen zu unterstützen, sollten Sie das Video bitte auf DVD erwerben… und evt. weiterschenken.
Wer während der letzten Wochen die diversen Pressemeldungen verfolgte, konnte ein bemerkenswertes Bild über unseren gesellschaftlichen Zugang zu den “Umtrieben” heutiger Kinder und Jugendlicher bekommen: da wurde von einem oberösterreichischen Schuldirektor den SchülerInnen etwa das öffentliche Küssen untersagt (nach vehementen öffentlichen Protesten ist das Verbot mittlerweile wieder aufgehoben), angeblich werden Jugendliche immer dümmer (Computer und Fernsehen seien schuld), wir erinnern uns an die Debatte um bauchfreie T-Shirts vor 2 Jahren, seit vielen Jahren deuten einschlägige Studien in England aber vor allem auch auf steigende Angst der Öffentlichkeit vor Kindern und Jugendlichen hin: mehr Respekt wird da gefordert, und die Kategorie des “antisozialen Verhaltens” wurde geschaffen, um Jugendliche entsprechend mit ASBO’s (Anti-Social Behavior Orders) und einschlägigen Medikamenten zu disziplinieren. Mittlerweile bilden sich bereits Gruppierungen, die gegen diesen Trend zu mobilisieren versuchen, denn Überwachen und Strafen lösen – wie auch in anderen Lebensbereichen – die zugrundeliegenden Probleme nicht.
Alarmierend ist die Verständnislosigkeit und Kälte, mit der der jungen Generation (wie man so schön sagt: unseren [hoffentlich!] “Pensionszahlern von morgen”) begegnet wird. Politik wird in erster Linie für die Erwachsenen und Pensionisten gemacht, an der Jugend besteht kaum ein anderes Interesse, als dass diese zu “funktionieren”, sich in das gesellschaftliche Gefüge einzuordnen habe. Das Bestehende wird verwaltet, Zukunftsdenken oder gar Visionen sind eher die Ausnahme als die Regel. Da ist es dann kein Wunder, wenn Klassengrößen trotz steigender sozialer Probleme und zunehmendem Integrationsbedarf immer größer werden und Lehrer immer mehr Erziehungsaufgaben zu übernehmen haben, gleichzeitig aber ihre Fortbildungsbudgets, sowie jene für Beratungsstellen und Psychotherapie schon seit Jahrzehnten ausgedünnt werden. Auch Eltern schaffen kaum den Spagat, ihre Karriereziele mit den Bedürfnissen ihrer Kinder nach Zuwendung zu vereinbaren.
Wie das Schicksal so spielt: während ich diese Zeilen schrieb, wurde eine Pressemitteilung der österr. Bildungsministerin Claudia Schmied veröffentlicht: nach einem heute stattgefundenen “Bildungs-Gipfel”, an dem 600 Experten von Schulaufsicht und Schulpartnern bis zu Polizei, Schulpsychologen und NGO’s teilnahmen, soll ein Fünf-Punkte-Programm für das Thema Gewalt an Schulen sensibilisieren und diese zu verhindern helfen. “Die Lehrer können soziale Probleme nicht alleine lösen”, so die Bildungsministerin.
Wichtigstes Ergebnis des Gipfels: im kommenden Jahr soll es um 20 Prozent mehr Schulpsychologen an Österreichs Schulen geben (derzeit kommen z.T. auf 5-10 Schulen 1 SchulpsychologIn, und das Engagement externer BeraterInnen wie im Projekt “SchulePlus” des Wiener GRG3 oder von “Schule mit Biss” bleibt fast ausschließlich Elternvereinen und engagierten Direktionen vorbehalten), und es wird einschlägige Schwerpunkte in der LehrerInnenausbildung geben. Gewalttätige Schüler, sogenannte ‘Bullies’ verursachen langfristig hohe Kosten für den Staat: addiert man Maßnahmen wie Pflege, Heimbetreuung, Gerichtsverfahren und Strafvollzug, kostet ein Bully den Staat über eine Million Euro. Die Lösung laut dem Psychologen Friedrich Lösel: “Kinder aus Risikofamilien sollten von der Geburt an betreut werden.”
Scheint, als wäre Österreich doch “anders” und als gäbe es begründete Hoffnung, dass das Steuer gerade noch herumgerissen werden kann. Sofern die Maßnahmen tatsächlich im Parlament bewilligt und dann auch konsequent umgesetzt werden jedenfalls.
50% der jungen Männer sind zu dick. 60% der Weltbevölkerung bewegen sich weniger als 30 Minuten am Tag, Bewegung und körperliche Arbeit werden immer weniger, die Kalorienzufuhr steigt. Die Folge: in den meisten europäischen Ländern sind zwei von drei Männern und jede 2. Frau übergewichtig. Hinzu kommen die chronischen Begleiterkrankungen des Herz- und Bewegungsapparats mit der Folge steigender Kosten für das Gesundheitssystem. Eine weitere Verschlechterung der Situation in den nächsten Jahren ist zu erwarten: dringend erforderlich sind Präventionskampagnen, die eine Lebensstiländerung hin zu einer gesünderen und “bewegteren” Lebensweise fördern.
Insbesondere bei 20- bis 25-Jährigen hat Übergewicht desaströsen Einfluß auf die Gesundheit. Bei den 25-jährigen Männern aber sind bereits 50% übergewichtig, 60% rauchen und rund ein Drittel ist sportabstinent. Zwar ist nur ein Viertel der 16- bis 25-jährigen Frauen übergewichtig, jedoch waren die weiblichen Studienteilnehmer wesentlich seltener sportlich aktiv. Lediglich ein Viertel aller Studienteilnehmer weist keinen der untersuchten kardiovaskulären Risikofaktoren auf.
Großen Einfluss hat auch das Bildungsniveau. Die Gefahr, wenigstens einen kardiovaskulären Risikofaktor im jungen Erwachsenenalter zu erwerben, ist mit abnehmenden Bildungsniveau deutlich größer: Im Vergleich zu Abiturienten/Gymnasiasten ist das Risiko der Realschüler um den Faktor 3,2 erhöht, bei den Hauptschülern ist es mehr als fünfmal so hoch.
Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind bei Menschen um die Fünfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3. Dies sind die Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten europäischen Langzeitstudien weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch die Fettverteilung für das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) veröffentlichte kürzlich seine Forschungsergebnisse in der Zeitschrift New England Journal of Medicine. Die Daten der europaweiten EPIC*-Studie, welche insbesondere den Taillen- und Hüftumfang berücksichtigen, boten die größte zurzeit verfügbare Datenbasis und erlaubten somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko.
“Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst”, sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufweisen würden. In der vorliegenden Studie hatten Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie stark Übergewichtige. “Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine Einschätzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend”, ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.
Als Ursache für den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.
Im Vergleich zu Männern mit einem Taillen-Hüftumfang-Quotienten unter 0,89 haben Männer mit einem Quotienten über 0,99 ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs. Bei europäischen Männern ist diese Krebsart die am häufigsten diagnostizierte und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Ursachen für Prostatakrebs sind noch wenig erforscht. Bekannte Risikofaktoren sind ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen. Die Gründe für den Zusammenhang zwischen Taillenumfang und dem Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, sind noch unklar.
Den Taillen-Hüftumfang-Quotient berechnet man, indem man den Wert des Taillenumfangs durch den des Hüftumfangs teilt. Der Taillenumfang und auch der Taillen-Hüftumfang-Quotient lassen auf die Menge an Körperfett schließen, die im Bauchraum eingelagert ist. Das Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziert auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern.
Einer Untersuchung der University of Maryland der Zeitbudgets von 30.000 Menschen über einen Zeitraum von 30 Jahren (1975-2006) zufolge sehen unglückliche oder unzufriedene Menschen länger fern, während die “sehr glücklichen” Personen mehr lesen und längere Zeit für soziale Kontakte aufwenden. Auch scheinen Arbeits- und Fernsehzeit negativ zu korrelieren: wenn Menschen mehr Zeit für sich zur Verfügung haben (z.B. durch mehr Freizeit bzw. geringere Arbeitszeiten oder Arbeitsplatzverlust), steigen sowohl der Fernsehkonsum als auch die Schlafzeiten.
Die glücklicheren Menschen sind sozial aktiver, gehen öfter in die Kirche, wählen öfter und lesen auch öfter Tageszeitungen, die unglücklichen Menschen fernsehen hingegen bis zu 20 Prozent mehr, auch wenn man Bildung, Alter, Einkommen, Geschlecht und andere Faktoren berücksichtigt, die sich auf Zufriedenheit und Fernsehschauen auswirken können. Zudem haben unzufriedene Menschen eher das Gefühl, mehr Zeit, als sie wollen zur Verfügung zu haben, gleichzeitig fühlen sie aber zeitlich auch eher wieder unter Druck.
Fernsehen sei eine Art Sucht, sagen die Soziologen. Es führe kurzzeitig zu Zufriedenheit, langfristig aber zu Elend, vor allem wenn die Menschen sozial oder persönlich benachteiligt sind. Überdies ist die Belohnung durchs Fernsehen leicht zu haben. Man muss nirgendwohin gehen, nichts ausmachen, sich anziehen oder sich anstrengen, um sofort zufriedengestellt zu werden.
Ungelöst scheint allerdings zu sein, ob nun die Unzufriedenen eher vom Fernsehen angezogen werden oder ob Fernsehen auch an sich Zufriedene ins Unglück stürzen kann. (Quelle) Oder handelt es sich nicht vielleicht viel eher um einen Teufelskreis?
Nahezu zeitgleich erreicht uns eine mindestens ebenso düstere Nachricht aus England:
Während verschiedenen Studien zufolge früher der Intelligenzquotient in westlichen Ländern um durchschnittlich 3 Punkte pro Jahrzehnt anstieg, scheint er nun wieder abzufallen, was die in den letzten Jahren bereits häufiger geäußerten Vermutungen von Psychologen zu bestätigen scheint: 800 13- bis 14-Jährige wurden Intelligenztests unterzogen, wonach die Ergebnisse mit einem ähnlichen Test aus dem Jahr 1976 verglichen wurden. Danach sind die durchschnittlich Intelligenten zwar klüger geworden, die Intelligentesten wurden aber “dümmer” bzw. weniger. Komplizierte Denkfähigkeiten, die mathematisches Wissen beinhalten, können nicht mehr 25 Prozent leisten, wie noch 1976, sondern gerade einmal noch 5 Prozent der Jugendlichen. Der untersuchende Psychologe Shayer meint, die Jugendlichen heute würden schneller antworten, könnten aber nur noch oberflächlich denken. Die Ursachen könnten im Schulsystem liegen, welches vor allem auf das Bestehen von Tests trainiert, oder auch in veränderten Freizeitbeschäftigungen, welche sich heute zu einem hohen Anteil auf elektronische Medien (Computer, Computerspiele, Internet, passiver Fernsehkonsum etc.) richten.
Ich frage mich ja schon seit langem, wie weit wir es mit dem alle Lebensbereiche durchdringenden “Zwang zur Optimierung” (welcher dann häufig auf etwas hinausläuft, das ich “aufwandsoptimierte Wunschresultatsproduktion” bezeichnen möchte..) noch bringen können. Allerorten muß “gespart” werden (freilich ohne, dass Sie oder ich etwas von den dadurch hereingespielten Gewinnen zu sehen bekommen!), die Leistung bzw. der Output muß jedoch stetig ansteigen, will doch vom Lehrer bis zum Finanzjongleur jeder steigende Kurven präsentieren können. Der Zwang zur “steigenden Kurve” kann aber, das ist den meisten Systemen immanent, nicht ewig durchgehalten werden, und auch beim besten Willen ist Leistungsfähigkeit endlich – Zitronen lassen sich nur bis zu einer bestimmten Grenze auspressen, ab dann geben sie immer weniger Saft… auf die äußere Welt übertragen: die Fehlerrate steigt, der “Unterbau” des Systems wird labil und brüchig. Es bilden sich, wie wir auch in der Finanzwelt beobachten können, “Blasen”, welche irgendwann platzen. Der Abschwung oder Crash ist also in jeder Aufwärtsentwicklung bereits vorprogrammiert, systemimmanent.
Wenn wir Kinder und uns selbst nur darauf trimmen, heute -oder bestenfalls noch morgen- zu bestehen, aber nicht auch ausreichend in langfristige und nachhaltige Ressourcenentwicklung investieren, wird eines Tages ein Preis dafür zu bezahlen sein. Es scheint, als näherten wir uns gerade auch in der westlichen Welt einem Scheideweg: wenn wir nicht bald wieder zu jenen Prinzipien zurückfinden, welche gerade Europa zu seiner weltweit anerkannten sozialen und wissenschaftlichen Entwicklung verhalfen, wie etwa Forschung und sozialen Grundprinzipien, haben wir – ähnlich wie die USA bereits seit einigen Jahren – den “Peak Point” unseres Fortschrittes vielleicht bereits überschritten. Nicht nur im Bereich der Intelligenz unserer Jugendlichen.
“Autisten sehen fast so gut wie Greifvögel”, titelte der Standard.
Denn autistische Menschen sehen tatsächlich fast so scharf wie ein Habicht, wie Sehtests an der Universität Cambridge unter der Leitung von Emma Ashwin ergaben. In dem Experiment konnten die 15 Probanden im Mittel bereits aus 20 Metern Details erkennen, die ein Normalsichtiger erst aus sieben Metern unterscheiden kann. Damit sehen Autisten fast so gut wie Greifvögel, die aus 20 Metern schon sehen, was Menschen erst aus sechs Metern Entfernung wahrnehmen. Bei vielen Autisten zeigt sich u.a. auch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Sinne. Dass diese nicht nur auf höherer Sensibilität, sondern auch auf körperlichen Eigenschaften beruht, ist eine neue Entdeckung. Mehr darüber finden Sie in der Dezember-Ausgabe des Magazins “Geo”.
Erstmals seit 1988 wurde erhoben, wie oft rechtskräftig verurteilte StraftäterInnen erneut vor Gericht bestraft werden. 62 Prozent der von den heimischen Strafgerichten Abgeurteilten werden kein zweites Mal verurteilt, und selbst unter den Vorbestraften bleiben knapp 50% ohne weitere Verurteilung, somit schaffte jeder zweite den Ausstieg aus der “Karriere”. Immerhin ein Fünftel allerdings wurde öfter als viermal wieder verurteilt. Bei Suchtmittel- und Vermögensdelikten war die Rückfallquote am Größten. Von den verurteilten SexualstraftäterInnen wurden nur 4% wieder einschlägig rückfällig.
Je geringer die Strafe ausfällt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, neuerlich vor Gericht zu landen – dies lässt sich ebenfalls aus der Statistik ablesen. 74 Prozent der zu einer bedingten Geldstrafe Verurteilten wurden überhaupt nicht mehr verurteilt, während 35 Prozent der zu unbedingten Haftstrafen neuerlich eine “Unbedingte” ausfassten. Die Wiederverurteilungsstatistik belegt auch deutlich die Sinnhaftigkeit von bedingten Entlassungen: während 67 Prozent der Personen, die zum vorgesehenen Zeitpunkt aus der Strafhaft entlassen wurden, wieder verurteilt wurden, waren es bei vorzeitig auf Bewährung Entlassenen nur 54 Prozent.
Diese “Wiederverurteilungsstatistik” bezieht sich auf sämtliche im Jahr 2003 rechtskräftig abgeurteilten Personen sowie jene, die im selben Jahr aus unbedingten Freiheitsstrafen entlassen wurden. Danach beobachteten die Wissenschaftler, wie viele Männer und Frauen bis Ende 2007 neuerlich strafrechtlich schuldig gesprochen wurden.
Eine hochinteressante Studie – auch wenn mir der Untersuchungszeitraum viel zu kurz erscheint, um zuverlässige Aussagen betreffend der Wiederholungsraten bzw. -wahrscheinlichkeit zu treffen. Die Tendenz vor allem hinsichtlich der Strafeffizienz (bedingte verglichen mit unbedingten Strafen, Strafhöhe) jedoch ist bemerkenswert, und könnte leidenschaftlichen Verfechtern von möglichst hohen Strafen (häufigstes Argument: “zur Abschreckung”) durchaus zum Nachdenken geben.
In seiner mittlerweile berühmt gewordenen “Marshmallow-Studie” präsentierte der Psychologe Walter Mischel 4-Jährige mit einer Herausforderung: “Iß’ ein Marshmallow gleich jetzt – oder warte eine Weile und bekomme zwei!”
Einige begannen sofort zu essen, andere dagegen waren in der Lage, zu widerstehen. 14 Jahre später fand Mischel erstaunliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen: jene, die gewartet hatten, waren vertrauenswürdig geworden, selbstsicher und hatten guten schulischen Erfolg; jene, die nicht gewartet hatten, waren dagegen vergleichsweise impulsiv, stur, und schnitten deutlich schlechter bei einem Psychologischen Test ab, der die Problemlösungskompetenz mißt (SAT Reasoning Test).
Der wichtigste Unterschied aber war nach Prof. Philip G. Zimbardo, PhD, ihre zeitliche Perspektive: Menschen, die ihre Belohnung aufschieben können, sind auch in ihrer Entscheidungsfindung zukunftsorientierter, während diejenigen, die eine sofortige Belohnung erwarten, an ihre gegenwärtigen Bedürfnisse gekettet sind. Jede Entscheidung ist demnach durch unsere internale Zeitperspektive bestimmt, eine Art unbewusste Reaktion, welche von Faktoren wie Familie, Wirtschaft, Geographie, Bildung und Kultur geprägt ist. Wichtig sei eine Balance zwischen der Orientierung auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, so Zimbardo – wenn man den dunklen Aspekten einer dieser Zeitebenen zu viel Aufmerksamkeit schenke, könne sich das desaströs auf unsere Gesundheit, Beziehungen und Finanzen auswirken.
Neigen Sie, das Leben in vollen Zügen zu genießen, haben aber nie genug Geld am Konto? Dann sind Sie gegenwartsorientiert, was sowohl das Potenzial für große Stärken, aber auch Risken hat: Gegenwartsorientierung findet sich einer einschlägigen Studie zufolge häufig bei Spielern und Menschen, die riskante Formen von Sexualverkehr ausüben, oft ist sie verbunden mit Drogenmißbrauch oder alkoholisiertem Fahren. Unter ihnen finden sich jedoch auch die am meisten energiegeladenen, freundlichen, spontanen und kreativen Menschen (Personality and Individual Differences Vol. 23, No. 6, p=1700).
Auch bei vergangenheitsorientierten Personen gibt es diese Polarität: “Vergangenheits-Negative” glauben, die beste Zeit liege hinter ihnen, oder sie machen die Vergangenheit für ihre aktuellen Probleme verantwortlich. “Vergangenheits-Positive” dagegen haben ein vergleichsweise hohes Selbstwertgefühl, schätzen Weisheit und zeigen Dankbarkeit. Aber beide Typen haben Probleme, wenn sie mit ihrem Denken zu sehr in der Vergangenheit verhaftet sind: es sind die sog. Fortschrittsverweigerer – sie zählen in einer Welt der ständigen Veränderung bald zu den Verlierern.
Hinsichtlich des materiellen und sozialen Erfolgs im Leben bewährt sich offenbar ein leichter Hang zur Zukunftsorientierung, erläutert Zimbardo anhand Mischel’s Studie. Zukunftsorientierte Denker sind öfters erfolgreich, sparen Vermögen an und achten mehr auf ihre körperliche und seelische Gesundheit. Eine zu starke Zukunftsorientiertheit allerdings kann zu sozialer Isolierung führen oder zur Vernachlässigung von Beziehungen, Sex und Schlaf zugunsten der Arbeit oder abstrakten Lebenszielen.
Das Wissen über die zeitbezogene Denkorientierung kann helfen, Patienten in Bezug auf ihre Therapieerfolge besser einzuschätzen, vielleicht auch zu unterstützen. Sowohl in der medizinischen Therapie, der Rehabilitation als auch in Psychotherapien sind Erfolge “vom Fleck weg” eher selten, zumeist muß eine Phase ohne deutliche Veränderung oder sogar Unwohlgefühle (in der medizinischen Therapie nicht selten auch Schmerzen) ausgehalten werden, um gute Heilungserfolge zu erzielen. Patienten, die Therapien frühzeitig abbrechen, sind meist vergangenheits- oder gegenwartsorientiert. Jene, die durchhalten, realisieren, daß es ihnen langfristig besser gehen wird, auch wenn es im Moment unangenehm ist oder gar weh tut.
Insofern ist es wichtig, Patienten zu helfen, diese Dynamik zu verstehen, sie dabei zu unterstützen, ihre Perspektiven je nach Notwendigkeit flexibel anzupassen und damit ihr Potenzial besser zu nützen. “Wenn es Arbeit zu erledigen gibt, seien Sie zukunftsorientiert. Nach der Arbeit aber legen Sie eine Pause ein, gönnen Sie sich eine Massage, belohnen und verwöhnen Sie die hedonistische Seite in Ihnen”, sagt Zimbardo. Auf die Balance kommt es an.”
Jede Partnerschaft durchläuft 7 unterschiedliche emotionale und spirituelle Stadien. Während wir uns durch diese Phasen bewegen, gelangen wir auf höhere Ebenen der Liebe. Auf diese Weise können diese Phasen zu einem Fahrzeug werden, um unser Bewußtsein hin zu einer spirituellen Dimension der Liebe zu führen.
1. Die Flitterwochen – “Falling in Love”
Alles fühlt sich gut an – Glückseligkeit, der romantische Himmel. Rote Rosen, Mondlicht und Leidenschaft. Man sagt sich: “Ich habe die Person meiner Träume gefunden, alles wird wunderbar. Alle meine Bedürfnisse werden erfüllt werden.”
2. Die Verpflichtung – Versprechen und Gelübde
Wir werden einander regelmäßig sehen, keine Verabredungen oder Sex mit anderen haben, zusammen leben oder heiraten. Wir anerkennen in vollem Bewußtsein, daß eine Beziehung existiert und weiter verfolgt wird.
3. Die Krise – Ein Riss in der Vase
Es zeigen sich Meinungsunterschiede, der Schleier der romantischen Illusion wird gelüftet, wir kommen wieder auf die Erde und erahnen, was die Realität ist, wir ärgern uns. Es entwickelt sich Spannung, während das Gefühl über die Wahrheit und Wirklichkeit zunimmt.
4. Die Tortur – Ein Machtkampf
Mängel, Fehler und größere -vorher noch unbemerkte- Unterschiede werden entdeckt, Zeit des emotionalen Wachstums und dunkle Seiten werden realisiert, wir versuchen, den emotionalen Schmerz, der in uns aufsteigt, zu beenden. Die Gelegenheit, eigene emotionale Schwächen zu erkennen, die unrealistischen Erwartungen an die Beziehungen werden aufgegeben.
Es ist die Zeit der Entscheidung: Leugnen/Verneinung oder der Beginn von Wachstum.
Diese Phase kann eine ganze Reihenfolge von Beziehungen umfassen.
5. Das Chaos – Verlust der Kontrolle
Aus der Qual entsteht Chaos. Eine Affäre, wiederholte Konflikte, Langeweile, oder einfach nur schrittweises Auseinanderdriften. Manchmal entsteht aus dem Chaos das endgültige Ende der Beziehung oder vielleicht ein neuer Anfang. Dies ist die Einladung der Seele an die spirituelle Ebene der Liebe.
6. Der Verzicht – Das Erwachen
Wir sehen jetzt den wahren Zweck der Tortur, wir geben die alten Ansichten auf. Wir lassen unsere zwanghafte Bindung an unsere Vorstellungen über die Form und Ziele der Beziehung los.
Wir beginnen, den Wert der Verbindung zu sehen, selbst wenn unsere Erwartungen nicht erfüllt waren. Wir sind wie neugeboren, sehen den wahren Zweck der vorangegangenen Qualen und durchbrechen unsere bisherigen psychologischen Grenzen.
7. Wahre Liebe – Transformation
Wir integrieren das Wachstum, das in uns stattgefunden hat.
Es müssen jetzt keine emotionalen Bindungen oder Bedürfnisse mehr gestillt werden, es gibt kein Festhalten, sodass wir jetzt die vollständige Annahme unserer selbst erreichen. Auf der spirituellen Ebene erkennen wir den höheren Zweck dieser Verbindung. Dies ist ein Moment großer emotionaler Lösung und spiritueller Erfüllung. Auch an diesem Punkt kann die Beziehung auseinanderbrechen – oder die Partnerschaft auf eine neue Ebene gelangen, auf der das Wachstum, das beide jetzt integriert haben, mit Teil der neuen Beziehung wird.
(frei aus dem Englischen übersetzt aus dem Buch “The Future of Love” von Daphne Rose Kingma, Doubleday, New York, 1998)
Ich halte das für einen schönen Text – ganz unabhängig davon, ob man den Hinweisen auf den spirituellen Aspekt einer Partnerschaft etwas abgewinnen kann oder nicht. Denn prinzipiell unterlaufen Partnerschaften i.d.R. tatsächlich die beschriebenen Stadien – und ebenso regelmäßig zeigt sich für mich bei der Begleitung von Paaren im Zuge einer Paartherapie häufig, dass am Ende einer Krisenphase eine neue Ebene der Beziehung erreicht wird.
Auf der russischen Raumstation Saljut 7 trat der erste dokumentierte Fall von sog. “Raumkoller” auf: 1985 mußte dort ein Auftrag abgebrochen werden, da sich zwei Astronauten ohne besondere Gründe derart zerstritten, dass ihre Arbeit darunter litt und schließlich der Kommandant kein Interesse mehr an seinen Aufgaben zeige und nur noch stundenlang in den Weltraum starrte. Um für kommende Unternehmungen wie z.B. den bemannten Flug zum Mars gewappnet zu sein, lässt die NASA deshalb im Rahmen des 1,74-Millionen-Dollar-Projekts Virtual Space Station unter Leitung des Harvard-Psychologen James Cartreine einen virtuellen Therapeuten entwickeln, der den Astronauten bei psychischen Problemen beiseite stehen soll. Dies ist deshalb nötig, weil die langen Latenzzeiten bei Funkverbindungen zur Erde von bis zu 40 Minuten ein therapeutisches Gespräch massiv erschweren würden.
Kern des Programms sind Bild- und Tonaufnahmen des menschlichen Therapeuten Mark Hegel, welcher die Astronauten durch eine problemlösungsorientierte Depressionstherapie führen soll.
Mit seinem virtuellen Abbild werden erst Gründe für die Depression identifiziert und anschließend anhand der Informationen, die der Astronaut auf Anfrage eingibt, Lösungsvorschläge gemacht. Durch interaktive Rollenspiele sollen die Astronauten außerdem neue Strategien zur Konfliktbewältigung lernen können. Darüber hinaus steht ihnen im Rahmen des Programms auch psychologische Fachliteratur zur Verfügung.
[..] Je nach Verlauf der aktuellen Tests des Programms könnte es sich auch als nützlich für den Einsatz auf der Erde erweisen, indem es beispielsweise Therapiestunden für immobile ältere Menschen auf dem Land bereitstellt, an deren Wohnorten es kein Breitband-Internet gibt. Auch könnten mit der Software Menschen erreicht werden, die zwar Behandlungsbedarf haben, denen aber der Besuch eines Therapeuten zu peinlich, zu teuer oder zu umständlich ist.
Um solche Hemmschwellen zu senken, wurde auch bei der Konzeption des Programms einiges unternommen: Es soll im Weltraum auf einem Laptop laufen, der nur einem einzigen Astronauten in relativer Abgeschiedenheit zur Verfügung steht. Auch bei der Begriffswahl wurde darauf geachtet, dass möglichst kein Raumfahrer von einer Inanspruchnahme abgeschreckt wird: Aus “Problemen” wurden so “Herausforderungen” und “Pannen”, die wie mechanische Störungen behoben werden können.
Bei derartigen Berichten denken wir sofort an das 1966 veröffentlichte Programm “Eliza” des heuer verstorbenen Computerwissenschaftlers Joseph Weizenbaum (und Star Trek-Fans wohl an den virtuellen Raumschiff-”Hausarzt” Lewis Zimmerman). Die bei den meisten Psychotherapie-Methoden neutrale und eher zurückhaltende sprachliche Kommunikationsebene läßt sich ja im Grunde verhältnismäßig einfach nachprogrammieren, und “Eliza” verzeichnete recht erstaunliche Erfolge. Ob derartige Konzepte auch für die Alltagsanwendung taugen, sei dahingestellt – vielleicht ist die Punzierung des Programms als “Stimmungs-Reparaturmaschine” ja sogar die einzige Chance, daß sie die Raumfahrer nicht gleich bei der ersten Gelegenheit in den Raummüll befördern – sobald sie nämlich über kurz oder lang den Anspruch stellen würden, von einem “menschlich” reagierenden Programm auch menschliche Reaktionen zu erwarten. Mit herkömmlicher Therapie noch am ehesten vergleichbare Erfolge erzielte nämlich auch “Eliza” nur dann, wenn die betr. Klienten nicht wußten, dass es sich beim Antwortenden um ein Computerprogramm handelte.
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