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Jan 31

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Da selbst Metaanalysen in diesem Bereich nur inkonsistente Ergebnisse erbrachten, wurden in einer groß angelegten Meta-Studie nun die langfristigen Wirkungen der sog. “neuen Generation” von Antidepressiva untersucht. Die Studie verglich die Ergebnisse von 117 randomisierten Tests mit insgesamt 25.928 TeilnehmerInnen im Gesamtzeitraum von 1991 bis 2007, bei denen die akute Behandlung von unipolarer, rezidivierender  Depression bei Erwachsenen untersucht wurde.

Mirtazapin, Escitalopram, Venlafaxin (=Efectin) und Sertralin zeigten sich als signifikant mehr effizient als Duloxetin (=Cymbalta), Fluoxetin (=Citalopram), Vluvoxamin, Paroxetin (=Paroxat) und Reboxetin (=Solvex). Letzterer Wirkstoff war signifikant weniger wirksam als alle anderen getesteten Antidepressiva.

Die Analyse ergab, daß signifikante Wirkungsunterschiede in Bezug auf Effizienz und Akzeptanz zwischen den 12 hauptsächlich verschriebenen Antidepressiva festzumachen sind, wobei Escitalopram (Handelsnamen: Lexapro, Cipralex) und Sertralin (Handelsnamen: Gladem, Tresleen, Zoloft) besonders positiv hervorstachen. Sertralin scheint sich am besten am Behandlungsbeginn von mittelschweren bis schweren rezidivierenden Depressionen Erwachsener zu bewähren, es zeigte die beste Balance zwischen Vorteilen, Akzeptanz und Behandlungskosten. Mit beiden Medikamenten erfolgten auch am seltensten Abbrüche des medikamentösen Teils der Therapie.

(Quelle: The Lancet [1])

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß diese Studie die Wirkung der Substanzen nur bei der erwähnten, sehr spezifischen Form von Depression untersuchte, und auch z.T. begleitende Psychotherapien (heute an sich ’state of the art’ in der Depressionstherapie) leider nicht Teil der Metaanalyse waren. Im Bereich “Artikel” meiner Website finden Sie mehr zum aktuellen Stand der Depressionstherapie mit Unterstützung von Psychopharmaka.

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Jan 30

Wie eine kürzlich an der Universität von Kalifornien in San Diego abgeschlossene Studie herausfand, erleidet weltweit etwa jeder fünfte Mann im Laufe seines Lebens eine alkoholbedingte Störung. Das Risiko für Alkoholmissbrauch liegt bei Männern bei rund 15%, das für eine Sucht bei 10%. Frauen sind etwa halb so stark gefährdet1.

Menschen in Nord- und Osteuropa sind stärker alkoholgefährdet als Südeuropäer, und auch Bewohner von Industrieländern haben häufiger einschlägige Probleme als jene aus Entwicklungsländern. Dennoch gebe es ein ähnliches chronologisches Schema, schreibt der untersuchende Mediziner Marc Schuckit im Fachblatt “The Lancet”1.

So trinken die meisten Menschen das erste Mal etwa im Alter um 15 Jahre. Am stärksten wird der Drang nach Alkohol im Alter von 18 bis 22 Jahren. Mitte 20 beginnen viele Menschen wieder ihren Alkoholkonsum zu drosseln. Wer allerdings weiter regelmäßig trinkt, dem drohen psychische und körperliche Konsequenzen, die von Depressionen über Herzkreislauf-Erkrankungen bis hin zu einem erhöhten Leberkrebsrisiko und Krampfadern in der Speiseröhre reichen. Von der frühzeitigen Erkennung eines Suchtverhaltens profitieren die Patienten also langfristig ganz besonders1.

Hinweis: dieser Artikel wird laufend mit aktuellen Informationen zum Thema “Alkoholismus” erweitert.

Quellen: The Lancet [1]

Weiterführende Hinweise:
Literaturtipps zum Thema “Alkoholismus”
Selbsttest auf Alkohol-Mißbrauch

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Jan 22

Bild: kelvedoncostumes.co.uk

Laut einer Umfrage schätzen sich 67% der Hotel-Zimmermädchen als nicht körperlich aktiv ein – obwohl sie den ganzen Tag tragen, sich bücken und ständig in Bewegung sind. Dies wunderte die untersuchende Psychologin der Harvard-Universität Ellen Langer, und sie forschte nach.

Überraschenderweise profitieren die Frauen von ihrer eigentlich bewegungsintensiven Arbeit offenbar gar nicht – bei vielen sind die Körperwerte unterdurchschnittlich. Ob Blutdruck, BMI oder Gewicht: bei den meisten stimmten die Indikatoren eher mit ihrem subjektiv wahrgenommen körperlichen Aufwand überein als mit dem tatsächlichen. Daraufhin wurde die Untersuchungsgruppe gesplittet: die eine Hälfte der Frauen bekam genau erklärt, was sie da eigentlich jeden Tag leisten und wie viel Kalorien dabei verbrannt werden, die andere Hälfte erhielte keine weiterführenden Informationen.

Einen Monat später maßen Langer und ihr Team die Körperwerte noch einmal. Und es kam, wie es kommen musste: in der aufgeklärten Gruppe waren Blutdruck und Gewicht gefallen, obwohl die Frauen ihre Tätigkeit genau so wie immer ausgeführt hatte.

Kann man sich demnach nun im Umkehrschluss zukünftig vor den Fernseher setzen und Schokolade futtern – wenn nur die Einstellung stimmt?

Quellen: Psychological Science 02/2007, Telepolis

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Jan 21

20.01.2009: Barack Obama’s Amtseinführung. Ich erhalte die Anfrage einer Redakteurin, welche durch Obama’s Wahlspruch “Yes We Can!” zu einer Story über Selbstbewußtsein und positives Denken inspiriert wurde. Könnte ich dazu ein paar Gedanken beitragen?

Nicht, daß mir gerade heute langweilig gewesen wäre – aber ich hatte mir  schon öfters zu Obama’s Wirkung auf die Menschen Gedanken gemacht (auch hier im Blog) und war gerne bereit, diese bei Gelegenheit in die Tasten zu klopfen:

Barack Obama’s Wahlslogan “Yes We Can!” war zweifellos ein genialer Wurf seines Teams. Jedes Wortelement des Slogans ist “stark” im Sinne einer Ermutigung und Hervorhebung des Wertes jedes Einzelnen, der/die sich der Wahlbewegung anschließt.

“Yes!” – ein erleichterndes, positives “JA” statt dem jahrelangen, negativen “Nein”, in dem vor allem die Gefahren, die auf die Menschen lauern, und die Feindlichkeit einzelner Facetten des Lebens beschworen wurden. Diese waren dann durch den  jeweiligen “War against XY” zu bekämpfen. Selbstsichere Menschen sagen “Ja” zum Leben und versuchen, Probleme zu lösen, statt die Schuld für die Umstände ausschließlich bei anderen zu suchen.

“We!” – auch wenn dies viele Menschen auf der Suche nach mehr Selbstbewußtsein mißverstehen: Selbstbewußtsein ist nicht mit Egomanie zu verwechseln, und schon gar kein Selbstzweck. Wir sind durch Jahrhunderttausende als soziale Wesen ‘programmiert’, Einzelgänger sind meist nicht dauerhaft glücklich und haben eine Tendenz, in eher skurille Weltbilder abzudriften. Obama’s Team beschwor das Gemeinsame – gemeinsam erreicht man mehr als allein, große und schwierige Projekte sind überhaupt nur so zu bewältigen. Schön fand ich, wie liebevoll und offen diese Familie augenscheinlich miteinander umgeht, und sich Obama selbst in den heißesten Wahlkampfphasen immer wieder Zeit für das “We!” rund um die eigene Familie nahm.

“Can!” – ein ganz wesentlicher Bestandteil eines positiven Lebensgefühls ist die Erfahrung, etwas Sinnvolles bewirken oder etwas an einem Mißstand verändern zu können. Selbst kleinste Aufgaben ermöglichen es uns, am Glücksgefühl über das Gelungene teilzuhaben. Es war rührend, in TV-Dokumentationen sogar an Obama-Plakaten mitbastelnde Kleinkinder, Alte, geistig Behinderte usw. zu sehen – aber in ihrer aller Augen leuchtete dieses “Can!”-Gefühl. Und – sie haben es tatsächlich geschafft!

Ich bin zu sehr Realist, um zu glauben, daß positives Denken diesen Erfolg bewirkt hat – ermöglicht hat er ihn aber definitiv. Dieses Potenzial “positiven Denkens” aber sollte uns auch – bei aller kritischen Selbstreflexion – im ganz normalen Alltag ermutigen, die Herausforderungen des Lebens letztlich dennoch auf möglichst positive Weise anzunehmen.

Ich meine, daß es eine der großen Leistungen von Barack Obama und seinem Team war, den Amerikanern, aber auch vielen Bürgern in aller Welt wieder ein Gefühl von Selbstwert zu geben – das Gefühl, daß die eigene Rolle gerade auch in einer immer stärker regulierten und entfremdenden Welt eine wichtige ist und es – nicht nur bei der Wahl! – auf jede einzelne erhobene Stimme ankommt. Denn man kann noch so selbstbewußt sein, noch so positiv denken: das größte Glücksgefühl stellt sich ein, wenn auch andere etwas von der eigenen positiven Energie haben…

Inwieweit die beworbene Botschaft auch tatsächlich der Politik Obamas entsprechen wird, wird die Zukunft zeigen.

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Jan 20

In meiner Praxis habe ich sehr häufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat natürlich fast immer psychische Gründe – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer Ängste oder (meiner Erfahrung nach der häufigste Grund) an zu geringem Selbstwertgefühl.

Die Probleme rund um Partnersuche, Attraktivität und sexuelle Anziehungskraft beflügeln Forscher und Künstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel möchte ich die Ergebnisse einschlägiger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie für Plausibilität oder gar Erfolg übernehme ich keine! ;-)

Attraktivität und Partnerwahl

  • “Attraktive Körper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf ästhetische Eindrücke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um Reproduktionsfähigkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem Körperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealmaße sind stärker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer größeren Waist-Hip-Ratio (Taille-Hüft-Verhältnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind für Krisenzeiten aber besser gerüstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • Östrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – während der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Frauen werden eher gewählt, wenn sie schön sind, Männer eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angeführten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Schönheit verunsichert.” – dies, und daß es attraktive Frauen und Männer bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, wäre eine mögliche Schlußfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg änderten Fußgänger ihre Gehrichtung, um mehr von Männern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer hübschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, daß Attraktivität, Gruppengröße und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begründeten (Quelle).
  • Von der Attraktivität der Kleidung wird auf andere Attraktivitäts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingeschätzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Große Männer kommen sexuell und sozial besser weg.” – Männer haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre größten Schwierigkeiten, mit zunehmender Körpergröße scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine Männer sind tendenziell am eifersüchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die großen eifersüchtiger als die durchschnittlich großen. Allerdings werden die durchschnittlich großen Frauen am ehesten von großen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen ältere Männer und diese jüngere Frauen vor.” – Eine Erklärungsmöglichkeit für die biologischen Ursachen dieses Phänomens lieferte eine Studie, die herausfand, daß  Frauen mit einem vier Jahre älteren Partner und Männer mit einer sechs Jahre jüngeren Partnerin den größten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine Körperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung für Glatzenträger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer ökonometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: Männer, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine Affäre aus waren. Für Männer ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, für Frauen das Einkommen eines Mannes von größter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erhält er. Die Attraktivität einer Frau wächst für Männer zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. [..] Männer fühlen sich angezogen von Studentinnen, Künstlerinnen, Musikerinnen, Tierärztinnen, und Berühmtheiten, sie meiden Sekretärinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim Militär oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrmänner, außerdem Rechtsanwälte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass Männer vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. Für Frauen hingegen ist Übergewicht tödlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar häufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas größer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare für eine Frau ungefähr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • “”Fiese” Männer bekommen die meisten und schönsten Frauen ab” – in den meisten einschlägigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden Männer eine (auch unterschiedlich ausgeprägte) Kombination aus Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3],


Sexualität

  • “Schon die bloße Anwesenheit einer Frau erhöht den Testosteronspiegel” – unabhängig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von Männern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die Häufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder mächtigen Männern wird von Frauen womöglich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto höhere Ansprüche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei Männern gibt es diese Korrelation nicht, was heißen könnte, daß sie weniger wählerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller Aktivität” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden Händen ungefähr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit Attraktivität durch Symmetrie, siehe oben), eher in jüngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr außerpartnerschaftliche Affären (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf männlichen Schweißgeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schweißgeruch von Männern unterscheiden (Quelle)

Familie / Kinder / Fertilität (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen Männern wurde in einer Studie höherer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

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Jan 05

Eine kleine Sammlung von Statistiken bezüglich der Versorgungslage, Finanzierung durch das Gesundheitssystem, Arzneimittel usw. in Deutschland, der Schweiz und Österreich, auf die ich im Laufe der Zeit stieß. Ich werde diese laufend erweitern bzw. aktualisieren.
Fallweise standen mir keine genauen Quellen zur Verfügung – wenn jemand eigene Ergänzungen machen möchte oder über entsprechende Quellen verfügt, diese bitte hier im Sinne der Allgemeinheit als Kommentar posten!

statBedarf an und Nutzung von Psychotherapie

  • in Österreich haben die registrierten Krankenstandsfälle aufgrund psychischer Erkrankung allein in den letzten 10 Jahren auf das 1,5-fache zugenommen, während im selben Zeitraum die Krankenstände allgemein gesunken sind. Im langjährigen Vergleich nehmen auch Pensionierungen aufgrund von Invalidität wegen psychischer Krankheiten stark zu (Quelle: HSV).
  • Zahl der ÖsterreicherInnen in Psychotherapie: ca. 50.000.
    (diese Zahl betrifft allerdings nur jene, deren Therapie zumindest teilweise von den Krankenkassen mitfinanziert wird, die Zahl der Privatzahler ist unbekannt).
  • nach aktuellen epidemiologischen Studien leiden 25 % einer 25 – 45–jährigen Großstadtbevölkerung und rund 10 % der ländlichen Bevölkerung über 15 Jahre an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung mit Krankheitswert gemäß dem ICD-10.
  • Es wird jedoch davon ausgegangen, dass nur 35 % der Personen, die eine Psychotherapie brauchen, für eine solche auch motivierbar sind. Daraus abgeleitete Schätzungen zum „tatsächlichen“ Psychotherapiebedarf gehen davon aus, dass 2,1 bis 5 % der Gesamtbevölkerung psychotherapiebedürftig und -willig sind (= 170.000 bis 400.000 Personen). Dieser Schätzwert inkludiert allerdings darüber hinaus auch nicht Personen mit vorübergehenden, leichteren oder nicht diagnostizierten psychischen Beschwerden und ist daher als absolute Untergrenze anzusehen.
  • Psychische Erkrankungen werden oft falsch diagnostiziert, was ebenfalls hohe Kosten verursacht: ein Großteil schwerer psychischer Störungen wird während durchschnittlich 7 Jahre lang als körperlich verursacht fehlbehandelt.
  • Über 18% der Invaliditätspensionen resultieren aufgrund
    psychischer/psychiatrischer Leiden.
  • Im Jahr 2000 nahmen sich in Österreich 1.588 Personen das Leben, das entspricht 0,2% der Bevölkerung und mehr Toten als bei Verkehrsunfällen.
  • Nach in Deutschland vorgenommenen epidemiologischen Untersuchungen im Bereich der Gerontopsychiatrie treten psychische Erkrankungen bei den über 65-jährigen mit einer Prävalenz von 25 – 30 % auf, davon senile Demenzen in der 7. Lebensdekade in einer Häufigkeit von 5 %, in der 8. Lebensdekade von 10 % und in der 9. Lebensdekade von 20 %. Die senile Demenz vom Alzheimer-Typ macht dabei mehr als 2/3 der Fälle aus. Im Moment rechnet man im Bereich der alten Bundesländer mit einer Zahl von 1 Millionen von dieser Krankheit betroffenen Menschen. Vaskuläre oder Multi-Infarkt-Demenzen machen allein oder gemischt mit dem Erstgenannten etwa 1/4 der Fälle aus.
    Depressionen im höheren Lebensalter kommen nach verschiedenen Studien in unserem Kulturkreis in 10 – 20 % der Bevölkerung vor. Beachtenswert ist auch die insgesamt große Diagnosegruppe der Neurosen und Persönlichkeitsstörungen (über 10 % der Gesamtprävalenz), die den hohen Psychotherapiebedarf in dieser Altersgruppe untermauern. Bedeutsam ist die höhere Suizidrate bei Depressionen im höheren Lebensalter im Vergleich zu den jüngeren und mittleren Jahren, hier insbesondere die höhere Suizidalität älterer depressiver Männer. Hier kommen auf vier Suizidversuche ein gelungener Suizid (in jüngeren Jahren 20 : 1). Die Suizidrate der Bevölkerung über 65 Jahren ist doppelt so hoch wie die der jüngeren Erwachsenen.(Quelle: AMWF, 1995)

Schwierigkeiten in der Psychotherapie

  • einer Untersuchung des Berufsethischen Gremiums des ÖBVP aus den Jahren 1994-1998 zufolge (Neubauer, 1999) nahm die Nutzung der Beschwerdestellen im Beobachtungszeitraum zu (knapp 300 Fälle)
  • die überwiegende Anzahl der Anfragen und Beschwerden konnte telefonisch geklärt werden
  • in ca. 1/3 der Fälle wurde ein persönliches Gespräch geführt
  • in 42 Fällen (ca. 15%) wurde zur Schlichtung Mediation angewendet
  • in den meisten Fällen war eine verbale oder schriftliche Klärung möglich. In einigen Fällen wurde eine finanzielle Abgeltung geleistet.
  • eine einzige gerichtliche Lösung kam vor, in zwei Fällen wurde der Gerichtsweg beschritten
  • die meisten Beschwerdeführer sind mittleren Alters (21-50 Jahre)
  • die häufigsten Gründe für die Kontaktaufnahme mit der Beschwerdestelle waren: Aufklärungswünsche, Allgemeine Anfragen, Anfragen zu Kosten von psychotherapeutischen Behandlungen
  • seltene Gründe für die Kontaktaufnahme waren: Ausbildungsangelegenheiten, sexueller und anderer Mißbrauch (innerhalb der 5 untersuchten Jahre wurden insgesamt 28 Fälle von sexuellen Übergriffen in Beschwerdestellen behandelt) 2

Finanzierung von Psychotherapie

  • etwa die Hälfte der Psychotherapie-PatientInnen macht diese voll finanziert auf Krankenschein, die andere Hälfte bezuschusst (21,80 Euro pro Sitzung). Die Zahl der Privatzahler ist unbekannt.
  • Lediglich 30 % der Aufwendungen der Krankenkassen für Psychotherapie betreffen die sog. “Kassenplätze”. Der Großteil der PatientInnen muss selbst die Differenz zwischen dem von den Krankenkassen gewährten Zuschuss – sofern dieser bewilligt wurde – und dem Honorar der PsychotherapeutInnen begleichen.
  • derzeit verhandelt der ÖBVP (Österr. Bundesverband für Psychotherapie) mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen über einen Gesamtvertrag für Psychotherapie, das sog. “Best-Practice-Modell”. Er könnte die Hälfte jener Menschen, die Psychotherapie brauchen, in Behandlung bringen – entweder auf Krankenschein oder per Zuschuss von 41 Euro pro Stunde. Die Kosten davon würden ca. 40 Millionen Euro pro Jahr betragen, also etwa 0,5% der gesamten Gesundheitsausgaben in Österreich (Quelle: Interview mit ÖBVP-Präsidentin Eva Mückstein am 23.11.08 im Standard).
  • Bei allgemein steigenden Kosten für
    Medikamente rangieren Psychopharmaka bereits auf Platz drei, während die Ausgaben für Psychotherapie, aber auch die Kostenzuschüsse für KlientInnen seit 1998 unverändert geblieben sind.

Wirksamkeit von Psychotherapie

  • Im Jahr 2001 wurde eine Metaanalyse zu allen bis 1995 vorliegenden Kosten-Nutzen-Studien auf dem Gebiet der Psychotherapie durchgeführt. Die Studien zeigen, dass Psychotherapie im Vergleich zu routinemäßig eingesetzten medizinischen Behandlungsmaßnahmen nicht nur wirksamer, sondern auch kostengünstiger ist. Die zu erzielenden medizinischen und volkswirtschaftlichen Einsparungen übersteigen die Kosten für einen vermehrten Einsatz von Psychotherapie bei weitem. Im Jahr nach Psychotherapiebeginn reduzierte sich die Nutzung medizinischer Dienste im Vergleich zum Vorjahr hochsignifikant:
    • Abnahme der Kliniktage pro PatientIn im Durchschnitt 5,6 Tage oder 54 %
    • Abnahme von ambulanten Arztkontakten pro PatientIn im Durchschnitt 4,2 Kontakte oder 26%
    • Reduktion von Arbeitsunfähigkeitstagen je nach Störungsbild und
    • Behandlungsprogramm zwischen 26 bis 100 %.
    • Signifikante Abnahme der Kosten für Psychopharmaka 34 Wochen nach Therapiebeginn.

    Das Kostenverhältnis beträgt 1 : 1,7 zugunsten der Psychotherapie.
    Psychotherapie auf Krankenschein kann insofern als ein Projekt der Nachhaltigkeit betrachtet werden.

  • Sowohl der Medikamentenkonsum als auch die Häufigkeit von Arztbesuchen nehmen nicht immer schon während, aber drei Jahre nach dem Beginn einer Psychotherapie ab. Das ergab eine Studie der Niederösterreichischen Gebietskrankenkassa im Jahre 2006.

* die genaue Quelle ist unbekannt. Bitte um Feedback (über Kommentar unten oder das Kontaktformular meiner Website), falls Ihnen Details oder sogar exakte Quellenangaben dafür bekannt sind!
2 Quelle: Hutterer-Krisch, “Grundriss Der Psychotherapieethik“, 2007 (Springer-Verlag)
Beitrag aktualisiert: 31.01.2009

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Jan 03

Eine bemerkenswerte und lesenswerte Neuerscheinung gab es da kürzlich in den “Psycho”-Ecken der Buchhandlungen, und zwar einmal abseits der trendigen Selbsthilfe-Ratgeber- und Neurobiologie-Literatur:

Der niedergeschlagene Mensch: Depression. Geschichte und gesellschaftliche Bedeutung einer Diagnose” von Charlotte Jurk.

In diesem bemerkenswerten Buch befaßt sich die Autorin mit der erstaunlichen Karriere des Störungsbildes der “Depression“, deren häufigste Ausprägungsformen früher noch “Melancholie” genannt und als normale Seinszustände betrachtet wurden. Heute dagegen wird sie als “Volkskrankheit Nr.1″ gejagt und unter erheblichem Einsatz von finanziellen Ressourcen mit teils riskanten und in ihren Nebenwirkungen unzureichend erforschten Psychopharmaka behandelt (für Psychotherapie insgesamt gab es in Österreich im Jahre 2006 nur ca. 10% jenes Budgets, das allein für Antidepressiva ausgegeben wurde).

Jurk hinterfragt die aktuelle Medikalisierung psychischen Leidens generell, sowie das Menschenbild einer Gesellschaft, die Depression als “Preis für den Fortschritt” hinnimmt und in der die Tabuschwellen in Richtung einer “Optimierung” von Körper, Psyche und Geist ständig zu sinken scheinen. Lesenswert!

Das Buch finden Sie ab sofort auch in der Literatur-Empfehlungsliste zum Thema “Depression” auf dieser Website, ein an die Buchinhalte anknüpfendes Interview mit der Autorin fand sich kürzlich im Online-Magazin ‘tp’.

Was meinen Sie zu diesem Thema?

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