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Jun 28

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Der kürzliche Tod von Michael Jackson ließ wohl die wenigsten Menschen unberührt – selbst jene, die mit seiner Musik oder den von ihm entwickelten Tanzelementen nichts anfangen konnten. Wie nur wenige öffentliche Ikonen polarisierte Jackson, und sein Lebensweg wurde in einem Ausmaß von den öffentlichen Medien verfolgt und kommentiert wie kein anderer. In krassem Kontrast zu unserer Aufmerksamkeitskultur wollte dieser Künstler selbst diese Aufmerksamkeit jedoch niemals: bei seinen öffentlichen Auftritten – selbst den inszenierten, vorbereiteten – erlebte man einen Menschen, der sich im Rampenlicht und unter Kamerascheinwerfern alles andere als wohlfühlte und um Worte verlegen war. Als jemanden, dessen Beruf es ist, mich in andere einzufühlen, schmerzte es mich beinahe, diese Gewaltakte, zu denen Medienauftritte für ihn geworden waren, mitansehen zu müssen. Seine Aussage, die bevorstehende Welttournee würde voraussichtlich gleichzeitig auch sein Abschied vom Pop-Business sein, war daher so glaubhaft wie von den wenigsten seiner Berufskollegen. Die Medien werden natürlich auch nach seinem Tod nicht ruhen – in den nächsten Wochen und Jahren wird man jedoch vermutlich Handfesteres als bisher über die Hintergründe der dramatischen Metamorphose Michael Jacksons – von einem musikalischen Wunderkind in ein emotionales und auch körperliches Wrack, einen Schatten seiner selbst – erfahren als früher. Und vermutlich wird auch erst dann die volle Tragweite seiner Traumatisierungen durch einen gewalttätigen Vater und den enormen Druck, dem er von frühester Kindheit an ausgesetzt war und der nie auch nur ansatzweise nachließ, in vollem Ausmaß erahnbar. Als Coping-Versuch kann u.a. die Verwirklichung eines seiner größten Träume, der sog. “Neverland-Ranch”, verstanden werden: ein in seiner Abgelegenheit Schutz bietender Kokon, ein Traumland inmitten der Wüste, benannt nach der Phantasie-Insel in der Geschichte von Peter Pan, auf der Kinder niemals erwachsen werden (müssen). Als Metapher für die Themen der Realitätsverweigerung, Weltflucht und Unsterblichkeit, drängen sich hier diverse Analogien zum Leben Jacksons geradezu auf.

Frühe Traumatisierungen und ein Gefühl sozialer Isolation führen häufig auch zu einer Affinität zu Drogen – vor diesem Hintergrund ist die massive Abhängigkeit Jacksons von Analgetika, Opiaten und Beruhigungsmitteln zu sehen, über die erstmals bereits vor 15 Jahren Details an die Öffentlichkeit gelangten. Der Einstieg erfolgte wohl im Zuge der Folgetherapie der massiven medizinischen Eingriffe und Veränderungen, welche Jackson an sich vornehmen ließ; die Suchtdynamik jedoch ist im Zusammenhang mit seinen psychischen Problemen wie etwa seiner Angst vor Infektionen, sozialen Ängsten, vermutlich auch Körperdysmorphophobie und Anorexie, allesamt in psychotherapeutischen Praxen bekannte Problembilder, zu sehen – “nicht einmal” Jackson mit seinem enormen Stab an Betreuern und Beratern war offenbar vor der typischen Suchtdynamik wie Einengung, Abkapselung usw. gefeit. Vertraute berichteten, Jackson habe bezüglich seines Suchtverhaltens seit Jahren sukzessive eine Mauer um sich herum aufgebaut, hinter die nur wenige Zutritt erhielten: darunter tragischerweise exakt die Personen, welche die Abwärtsspirale, in der er sich befand, ebenso wie er selbst verdrängten und negierten, ja teils sogar beschleunigten, indem sie ihn weiterhin mit den einschlägigen Arzneimitteln versorgten. Seinem sonstigen Umfeld wiederum scheint, wohl aus Angst vor den Reaktionen der Medien, der Mut gefehlt zu haben, wirkungsvolle Hilfsmaßnahmen einzuleiten. Gegenüber seiner Ex-Frau Lisa-Marie Presley hatte Jackson schon vor mehreren Jahren angedeutet, daß ihm ein ähnliches Schicksal wie ihrem Vater bevorstehen könnte – was nun tatsächlich der Fall gewesen zu sein scheint. Die bevorstehende Konzertserie muß für Jackson unvorstellbaren Druck bedeutet und immense Versagensängste ausgelöst haben, von den Proben durchgesickerte Details ließen die Frage aufkommen, ob er überhaupt in der Lage gewesen wäre, die Konzerte körperlich und psychisch durchzustehen. Michael Jackson hat versucht, diese Ausnahmevariante von Leben, in die er bis unmittelbar vor seinem Ableben wohl von Dritten stets mehr hineingedrängt wurde als er es sich selbst gewünscht und ausgesucht hätte, zu bewältigen. Seine Eltern hatten ihn zu einer Ikone und Marionette geformt, welche sich alleine, ohne Ziehfäden, zunehmends ausgeliefert und dem aggressiv-invasiven Leben draußen immer weniger gewachsen fühlte. Nicht zufällig gehörten wohl Kinder in ihrer Unbefangenheit und Naivität zu jenen, denen gegenüber er am ehesten Vertrauen und ihm sicher erscheinende Beziehungen aufbauen konnte, und die er schließlich als eigentliche Zielgruppe seiner Bemühungen – sowohl was seine künstlerischen, als auch seine sozialen und karitativen Ambitionen betraf – sehen wollte. Wie weit diese Vertrautheit mit Kindern in einzelnen Fällen ging, war die Schlüsselfrage aufsehenerregender Prozesse, die seinem bereits angeschlagenen Image in der Öffentlichkeit wohl nicht wieder zu reparierenden Schaden zufügten. Michael Jackson – glitzernder “King of Pop” und sanftes, verletzliches Kind zugleich – hat versucht, dieses Leben auszuhalten, und wohl an einen bestimmten Punkt festgestellt, daß ihm Betäubung nicht nur die Schmerzen seines Körpers, sondern wohl auch den Schmerz an der Welt und seinen Lebensumständen ein Stück weit erleichtern konnte. Und so beschleicht einen bei aller Betroffenheit die Vermutung, ob es sich der “Peter Pan” des Pop – in seinen Lebensumständen und immanenten Zwängen eingeschlossen wie ein Paradiesvogel in einem zu kleinen Käfig – nicht ausgesucht haben oder zumindest in Kauf genommen haben könnte, diesen Weg, dessen Verlauf er wohl nur selten jemals das Gefühl gehabt hatte, kontrollieren zu können, nicht mehr weitergehen zu wollen. Was Michael Jackson neben einem Berg an Schulden und offenen Fragen hinterläßt, ist jedoch vor allem auch eines: ein zeitloses kreatives Vermächtnis und ein Reigen unvergeßlicher Erinnerungen vor den Plattenspielern und TV-Geräten (Thriller“!) seiner abermillionen Fans.

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Jun 26

In einem Press-Release über eine im April dieses Jahres im „Journal of Clinical Psychiatry“ vom Weill Cornell Medical College in New York veröffentlichte Studie war kürzlich zu lesen, daß Resultate einer post mortem Studie darauf hindeuten, dass “ältere Menschen, die Suizid begehen, oft nicht mit Antidepressiva versorgt sind”. 72 Prozent der von der Studie erfaßten Suizid-Opfer waren Männer, die häufigste Suizid-Methode war ein Sprung aus größerer Höhe (38,4%) und Selbststrangulation (25,1%). Die höchste Suizid-Rate wurde in der Gruppe der über 85jährigen beobachtet (10,7 pro 100.000). Nur eines von vier Suizidopfern hatte zum Zeitpunkt des Todes Antidepressiva im Körper, bei denjenigen im Alter von 85 und darüber waren es sogar noch weniger. Wenn man davon ausgehe, dass viele der Suizidopfer an einer medizinisch behandelbaren Depression litten, deuten diese Ergebnisse auf “Probleme in der Versorgung der ganz Alten mit antidepressiver pharmakologischer Therapie” hin, schreiben die Autoren. Nun, medizinisch behandelbar ist heutzutage ja prinzipiell so gut wie alles, die Frage ist nur, ob bei der überwiegenden Anzahl der an Depressionen leidenden älteren Menschen eine rein medikamentöse Behandlung stets auch der Weisheit bester Schluß ist?

Wie auch die Forscher schlußendlich in ihrer Studie anmerkten, wäre es angesichts der Depressions- und Suizidraten der älteren Generation sicherlich sinnvoll, wenn bei Menschen hohen Alters, welche den Arzt aufsuchen, grundsätzlich auf Depressionen und Suizidalität gescreent würde. Generell ließe sich der Leidensweg zahlreicher PatientInnen sicherlich deutlich abkürzen, wenn schon von Beginn an psychische Mitursachen oder gar Auslöser für körperliche Erkrankungen in die ärztliche Diagnostik miteinbezogen würden. (Quellen: MedScape, ReutersHealth; Apr 09; J Clin Psychiatry; 2009, 70: 312-317)

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Jun 20
Dextropropoxyphen (Co-Proxamol)

Dextropropoxyphen (Co-Proxamol)

In Großbritannien ist seit dem Entzug der Zulassung des verbreiteten Schmerzmittels Co-Proxamol im Jahre 2007 die Anzahl der Suizide drastisch gesunken. Wissenschaftler des Centre for Suicide Research an der University of Oxford halten Co-Proxamol für etwa ein Fünftel aller Suizide mit Medikamenten bis zum Inkrafttreten der Sperre verantwortlich, die Anzahl der Todesfälle, die mit dem Medikament in Zusammenhang gebracht werden, sank danach um 62 Prozent, konkret gab es 295 Selbstmorde und 349 Todesfälle durch das Medikament – inklusive versehentliche Überdosierungen – weniger. Die US-amerikanischen Behörden überlegen derzeit ebenfalls, das Medikament vom Markt zu nehmen. Bei Co-Proxamol handelt es sich um eine Kombination von Paracetamol und einer opiathältigen Substanz.

Co-Proxamol wird auch unter den Namen Capadex, Distalgesic, Di-Gesic, Darvon, Darvon-N, Darvocet oder Lentogesic vertrieben, der Wirkstoff ist Propoxyphen bzw. Dextropropoxyphen.

(Quelle: British Medical Journal, Ed 2009-06)

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