Fenster schliessen
Wichtiger Hinweis!
Sie benutzen einen veralteten Browser.
Bitte updaten Sie auf eine moderne Internet-Browserversion, um die bestmögliche Anzeige dieser Website zu erreichen.
Firefox Download
Internet Explorer 8 Download
Safari 4 Download
Google Chrome Download
Aug 10

Der Psychotherapie-Blog RSS-Feed informiert Sie stets aktuell über die neuesten Artikel hier.
Oder melden Sie sich im Blog an, um einzelne Artikel zu kommentieren und optional Email-Updates zu erhalten.

Eine der häufigsten in meinem Online-Forum gestellten Fragen ist die, ob es sich bei den eigenen Stimmungstiefs bereits um eine Depression handelt – oder, und diese Hoffnung schwingt häufig zwischen den Zeilen mit, ob das “nicht alles wieder einfach vorbeigeht”.

Und das ist gar nicht untypisch: 33,4 Millionen Europäer leiden an einer depressiven Erkrankung – doch gemäß einer Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive, die in 5 Ländern (Deutschland, Frankreich, Kanada, Brasilien und Mexiko) mit 377 depressiven Patienten und 756 Ärzten im Auftrag der World Federation of Mental Health durchgeführt wurde, vergehen durchschnittlich rund elf Monate, bevor Menschen mit einer Depression überhaupt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Diese Untersuchung zeigte auch, dass die überwiegende Mehrheit der Patienten (72%) mit mittelschwerer und schwerer Depression nicht wusste, dass neben den klassischen Depressionssymptomen wie Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel auch körperliche Beschwerden (z.B. chronische Kopf-, Muskel- oder Rückenschmerzen) häufige Symptome einer klinisch manifesten depressiven Erkrankung sein können. Erst wenn solcherart die psychische Störung bereits somatisiert ist, suchen 79% der befragten Patienten Hilfe.

Was Depressionen “sind”, läßt sich in der einschlägigen Fachliteratur, heutzutage natürlich auch im Internet, problemlos nachlesen. Ich möchte deshalb im folgenden nur die wichtigsten Punkte kurz erwähnen:

Als wesentlichste Symptome gelten:

  • eine mangelnde Fähigkeit, auf positive Erlebnisse emotional zu reagieren
  • Verlust von Interessen, allgemeine Freudlosigkeit
  • gedrückte Stimmung
  • verminderter Antrieb und Energie
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  • Zwangshandlungen, Verfolgungsgefühle
  • Schlafstörungen, frühmorgendliches Erwachen
  • Morgenpessimum (Anlaufschwierigkeiten oder “Durchhänger” am Morgen)
  • verminderter Appetit (fallweise bereits mit Gewichtsverlust als Folge)
  • Libidoverlust (sexuelle Lustlosigkeit und Antriebsschwäche)
  • Suizidgedanken oder -handlungen

Wie sich eine Depression aber anspürt, kann man wohl selbst am besten empfinden – meist weiß man als Betroffener sehr genau, wenn man darunter leidet…

Besonders häufig werden kreative oder auch sehr intelligente und reflektierte Menschen von Depressionen ereilt, dies ist aber keine Generalregel: Depressionen können sowohl höchst rationale und in ihrer Gedankenwelt komplex strukturierte, aber auch sehr “einfache” Menschen haben. Ebenso unterschiedlich sind die möglichen Ursachen für Depressionen: von Unfällen über Drogenmißbrauch, altersbedingten Veränderungen, Trennungen etc. etc. ist der Bogen an denkbaren Ursachen schier unbegrenzt. Die sogenannten “endogenen” Depressionen werden als Sonderform klassifiziert und vor allem mit neurologischen Abweichungen vom “gesunden” Normalzustand erklärt. Ebenso wie den neuerdings in der Bedeutung hochgespielten genetischen Erklärungen stehe ich als systemischer Therapeut diesen Modellen eher ‘differenziert’ gegenüber, denn letztendlich beantworten sie noch nicht die Frage, warum eine Depression gerade bei den Betroffenen tatsächlich ausgelöst wurde und in welchem Umfeld sie “gedeihen” oder sich sogar verstärken kann (also in Folge auch, wie sie lös- und heilbar sind – eine pharmakologisch verursachte Aufhellung des Gemütszustandes werden wohl die wenigsten, nicht mal die tendentiell eher biologisch denkenden Mediziner, als Heilung betrachten).

Helfen können – jedoch nur bei sehr einfachen und vorübergehenden  “Stimmungstiefs” – positive Selbstsuggestionen und alles, was mit Selbstkontrolle zu tun hat. Ich habe in einem meiner dzt. auf diesen Seiten aufgelisteten Artikel n über Depressionen einige Möglichkeiten dafür angeführt.
Bei länger anhaltenden, wiederkehrenden und vor allem schwerer belastenden Formen von Depression sollte in jedem Fall psychotherapeutische Hilfe gesucht werden, die darauf spezialisiert ist, bei diesem Problemkreis weiterzuhelfen.
Die zusätzliche Einnahme von Psychopharmaka wird von einem Psychotherapeuten empfohlen, wenn eine Depression so schwer ist, daß andernfalls der Therapieerfolg gefährdet wäre. Ziel ist, möglichst gute Symptomentlastung für die erste Phase der Therapie, bis eine gewisse grundlegende psychische Stabilität erreicht ist, zu erreichen.

Weiterführende Links:
- Selbsttest auf Depressionen auf dieser Website
- The painful truth Survey, conducted by Harris Interactive, 2006

Post to Twitter Post to Yahoo Buzz Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace Post to Ping.fm Post to Reddit Post to StumbleUpon

Aug 10

Antidepressiva sind heute bereits die in den USA am meisten verkauften Medikamente – ihr Konsum hat sich in 10 Jahren verdoppelt.

Dies wurde mittels einer Metastudie von Untersuchungen aus dem Jahr 1996 und 2005 an 50.000 Kindern und Erwachsenen festgestellt, welche in den Archives of General Psychiatry veröffentlicht wurde. Demnach nehmen heute 10 Prozent der Amerikaner – etwa 27 Millionen Menschen – Antidepressiva ein, etwa doppelt so viele wie 1996.

Nur die Hälfte dieser Menschen wird allerdings tatsächlich ausschließlich wegen Depression behandelt, der Rest nimmt die Arzneimittel wegen Rückenschmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und anderen Problemen zu sich. Der gestiegene Konsum muss also nicht bedeuten, dass mehr Menschen depressiv sind, sondern dass die Medikamente zur Bewältigung oder Erleichterung des Alltagslebens, eventuell auch als Stimmungsaufheller verwendet werden.

Dazu passt auch der andere Befund, nämlich dass der Anteil der Personen, die Antidepressiva nehmen und sich einer Psychotherapie unterziehen, von 31 auf 20 Prozent gesunken ist. Vermutlich will man einfach nicht psychische Arbeit leisten oder verunsichert werden, und es bestehen daneben wohl mitunter auch Unsicherheiten darüber, ob eine Psychotherapie wirklich helfen kann – der Glaube an die Effizienz der Medikamente dagegen steigt (wohl mitbedingt durch die enormen Werbemaßnahmen der Pharmaindustrie; siehe folg. Absatz), zumal deren Konsum auch weniger Arbeit bereitet und Zeit sowie vor allem auch Geld kostet. Die US-Krankenversicherungen zahlen häufig keine Psychotherapie, die Ärzte wiederum verschreiben lieber schnell mal ein Medikament und sparen damit wertvolle Ordinationszeit.

Die Autoren der Studie führen an, daß ein wesentlicher Faktor für diese Änderungen auch der enorme Einsatz von Mitteln für Werbung darstellen dürfte: allein für Werbung, die sich an den Endkunden (Patienten) richtet, wurden 1996 noch 32 Millionen, 2005 aber schon 122 Millionen US-Dollar ausgegeben. Lediglich 14% der Einnahmen aus dem Arzneimittelverkauf werden von der Industrie in Forschung und Produktion reinvestiert – der Rest geht in Marketing und Profitausschüttungen 1.

Quellen: 1 Dr. Marcia Angell, frühere Herausgeberin des New England Jornal of Medicine in einem Interview von The Nation, 20090809; “National Patterns in Antidepressant Medication Treatment” by Mark Olfson & Steven C. Marcus in: Arch Gen Psychiatry 2009;66(8):848-85

Post to Twitter Post to Yahoo Buzz Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace Post to Ping.fm Post to Reddit Post to StumbleUpon