Jul 28

Psychotherapie – wer braucht denn sowas?!” Das drückt in etwa der Blick von manchen “gestandenen Persönlichkeiten” aus, wenn die Rede auf Psychotherapie (wie auch Psychiatrie und psychologische Beratung) kommt. Psychotherapie hat immer noch ein zweifelhaftes Image – Leute, die so etwas benötigen, müssten Versager sein, oder Menschen, die ihr Leben nicht im Griff haben.

Doch ein Blick über den Tellerrand zeigt: in fortschrittlichen und selbstkritischen, konkurrenztüchtigen Gesellschaften sind Ansätze wie Psychotherapie, Coaching oder Beratung in schwierigen Lebenslagen akzeptiert. Prominente reden offen darüber, in Psychotherapien mehr über sich gelernt zu haben, und Manager berichten darüber, daß sie sich im Coaching regelmäßig neue Impulse für ihren herausfordernden Job suchen.

Möglich wird dieser Schritt dann, wenn sich jemand eingesteht, daß man sich selbst nun einmal nur sehr beschränkt helfen und „beraten“ kann. Wir gehen an unsere eigenen Probleme immer wieder in einer ganz bestimmten Weise heran – und wenn uns diese Strategien nicht mehr weiterhelfen, kommen wir nicht mehr vom Fleck oder steuern vielleicht sogar auf eine Katastrophe zu. Beratung und Therapie verschaffen in erster Linie neutrales, unvoreingenommenes Feedback von außen – und im Idealfall findet sich da jemand, der einen tatsächlich zu neuen Perspektiven einladen kann, mit denen Herausforderungen einfacher bewältigt werden können.
In diesem Sinne wird die Nutzung von Coaching oder Therapie zu einem Zeichen von Voraussicht und Intelligenz: hier hält jemand sich selbst und seine Lebenszeit für so wertvoll, um sich nicht mehr als nötig von diversen Schwierigkeiten im privaten oder beruflichen Alltag belasten lassen zu wollen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010)

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