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  Slevin Kelevra
Do., 08.09.2011, 14:35 
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Hallo liebe Leute,

ich schildere kurz meine Situation, danach werde ich meinen "Problemen", falls man dies so nennen kann, widmen.

Also: Ich bin 21 Jahre jung, lebe seit einem Jahr mit Schmerzen durch einen Unfall. Wurde erst Mitte August operiert, da alle Therapien nichts halfen. Gut, jetzt habe ich immer noch Schmerzen, nicht so schlimm wie davor, und gehen möglicherweise noch weg, aber dennoch, sie sind noch vorhanden und irgendwie fühle ich mich auch nicht besser, im Gegenteil. Operation = letzte Möglichkeit Schmerzen loszuwerden. Ich habe sie immer noch. Die Hoffnung besteht jedoch, dass sie noch weg gehen, da ich sie eben lange Zeit hatte. Das letzte Jahr war ich finanziell in der untersten Schublade, beinahe am Rande meiner Existenz. Eine Beziehung habe ich nie genießen dürfen, genausowenig, wie es ist, geliebt zu werden, auch wenn das momentan mein geringstes Übel ist, so nagt es sehr wohl an meinem Selbstvertrauen.
Soviel dazu.

Das letzte Jahr war mitunter das schlimmste Jahr meines Lebens. Arbeitslos, arbeitsunfähig, kein Geld, Schmerzen usw. Davor war mein Leben allerdings auch nicht allzu rosig. Mit 16 wegen Platzmangel von zu Hause ausgezogen, eine Lehre mit 15 begonnen, die ich abgrundtief hasste, aber zu Ende brachte.

Ich habe viele dumme Dinge getan, war teils auch selber Schuld an meiner Misere, das gestehe ich mir ein. Habe Menschen, die ich liebte, verletzt, unebwusst, hätte ich aber merken können. Viele Fehler, Alkohol und auch ein klein wenig Pech waren im Spiel. Zuletzt fühlte ich mich richtig glücklich, als ich 9 - 10 Jahre alt war. Danach ging alles bergab. Verluste, Streitereien zu Hause, Angst, Selbstzweifel, und und und..

Aber egal. Nun bin ich hier. Im Oktober beginne ich mit meiner Umschulung, für die ich auch hart gekämpft habe, zum Buchhalter. Diese dauert 2 Jahre und ich bin immens glücklich darüber, freue mich einerseits riesig, andererseits habe ich schreckliche Angst davor.

Ich möchte mein Leben ändern. Die Vergangenheit hinter mir lassen, was mir bisher nicht gelang. Mein Selbtsvertrauen und Selbstbewusstsein wieder aufbauen, wieder ein normales, geregeltes und vor allem schmerzfreies Leben führen. Spazieren gehen, ohne Schmerz, mit Freunden fortgehen, ohne Schmerz und und und..

Mein Plan für die Zukunft ist wie folgt: Ab Oktober Umschulung. Wenn möglich jeden Tag nach der Arbeit ins Schwimmbad, Muskelaufbau und Ausgleich, zum stundenlangen Sitzen. Zugleich tu ich meinem Körper etwas Gutes und fühle mich, hoffentlich, auch besser und wohler in meinem Körper. Paar mal die Woche Physiotherapie und Anfang 2012 Fitnessstudio, mit eigenem Trainingsplan für mich, ich will`s ja nicht übertreiben.

Mein Ziel: Bis Sommer 2012 absolut fit zu sein, sowohl körperlich, als auch psychisch.
Jetzt zu meinen Fragen, und ich hoffe, mir kann jemand helfen, denn ich kann es nicht, schaffe es einfach nicht alleine und brauche Hilfe..

1.) Wie lasse ich die Vergangenheit hinter mir? Ich trauere heute noch um Dinge, die schon längst vorbei sind. Habe Schuldgefühle und Hass über mich selbst.

2.) Ich weiß, ich maße mir viel zu, für den Anfang, aber ich bin ehrgeizig geworden, ich will es unbedingt. Doch kann ich es schaffen? Hört es sich realistisch an?

3.) Ich bin schon total nervös bezüglich meiner neuen Arbeit. Wie werde ich die Nervosität los? Ich habe Angst, Fehler zu machen, zu dumm zu sein, für die Buchhaltung. Habe Angst, es nicht zu schaffen. Angst, dass die Arbeitskollegen und Chef`s gemein zu mir sind. (Hört sich möglicherweise kindisch an, aber ich stehe zu meiner Angst.)


Ich danke allen, die sich durchgerungen und die Zeit genommen haben, meinen Text durchzulesen und allen Antwortern schon im Voraus.
Ich erwarte kein Mitleid, möchte ich auch nicht, habe ich möglicherweise auch nicht verdient, aber was ich brauche ist Hilfe, bitte.


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  Slevin Kelevra
Fr., 09.09.2011, 19:46 
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Kann mir denn niemand helfen oder weiß niemand einen Rat, einen Tipp für mich? :cry:


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  Ratlosigkeit
Fr., 09.09.2011, 20:43 
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Es ist nicht so leicht, Dir zu antworten, weil - Du hast die Antworten ja schon! Du bist auf einem guten Weg wie mir scheint, stehst vor einem hoffnungsvollen Neuanfang und strahlst Energie aus.
ich versuche also auf Deine Konkreten Fragen zu Antworten:
             Slevin Kelevra schrieb:
1.) Wie lasse ich die Vergangenheit hinter mir?

Tja, ich fürchte das wird so nicht gehen, dass Du Deine Vergangenheit völlig hinter Dir lässt. Aber Du kannst Dich mit ihr "aussöhnen", sie als Teil Deines Lebens akzeptieren und versuchen damit klar zu kommen. Ganz los wird keiner seiner Vergangenheit, noch in 20 Jahren wird Dir irgendein Ärger aus deiner Kindheit wieder einfallen. Deine Vergangenheit gehört zu Dir, hat Dich zu dem gemacht was Du bist. Und da gehören auch Deine Schmerzen dazu.

             Slevin Kelevra schrieb:
2.) Ich weiß, ich maße mir viel zu, für den Anfang, aber ich bin ehrgeizig geworden, ich will es unbedingt. Doch kann ich es schaffen? Hört es sich realistisch an?

Vielleicht schaffst Du es, vielleicht nicht, das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass Du es schaffen willst, ein Ziel hast, das wird Dir sehr viel geben. Und auch wenn Du scheiterst - Du wirst das Gefühl kennen, etwas gewollt zu haben und immer wieder ein neues Ziel finden.

             Slevin Kelevra schrieb:
3.) Ich bin schon total nervös bezüglich meiner neuen Arbeit

Verständlich und auch ganz normal. Aber ich glaube nicht, dass Du Probleme kriegen wirst. Du willst die Arbeit ja machen, Du bist bereit es zu tun und das ist schon mal die halbe Miete. Was Du noch nicht kannst, wirst Du lernen (das meiste ist eine Übungssache) und wenn die Kollegen/Chef sehen, dass Du mit Freude dabei bist, wirds auch im Menschlichen gut laufen.

Viel Glück und auf dass die Schmerzen ganz weg gehen!

____________________
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  Slevin Kelevra
Fr., 09.09.2011, 21:22 
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Hmm... Du hast Recht, ich habe die Antwort schon. Und ich freue mich auch schon total darauf, endlich wieder ein normales Leben führen zu können, wieder Sport, mit Freunden treffen, ohne Schmerz (hoffentlich), neue Hobbies, einfach wieder ein normales Lebensgefühl, nicht wie damals/jetzt, wo man sich nur als halber Mensch fühlt, weil man nix machen kann, eben gesundheitlich und finanziell. Ich freue mich darauf, wirklich, bin schon ganz euphorisch.

Aber dennoch umhüllt mich ein Schleier furchtbarer Angst. Ich weiß nicht wieso. Angst vor`m scheitern?
Du schriebst ja, auch wenn ich scheitere, ich habe es versucht und kann immer wieder aufstehen, so oft ich auch auf den Boden fallen mag, und das werde ich auch, das weiß ich. Aufgeben ist nicht mein Ding, war es nie, und wird es auch nie sein. Aber die Angst begleitet mich weiterhin, und ich weiß nicht, wieso..

Die Vergangenheit ist ein Teil meines Lebens, in dem Punkt hast du auch Recht und es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich nun bin. Aber die Schuldgefühle bleiben weiterhin. Ich versuche, mir selbst zu verzeihen, aber es ist schwerer als gedacht. Zumindest habe ich einmal gehört, man muss er sich selbst verzeihen, und das ist das Schwierigste. Und es scheint auch zu stimmen, so sehr ich es auch versuche, es klappt irgendwie nicht..

Ich danke dir für deine Antwort, sie hatte etwas aufbauendes, schöne Worte, die ich schon lange nicht mehr gehört habe, Worte, die mir Hoffnung geben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es mag blöd klingen, ich finde es selbst blöd, aber mir kommen Tränen in die Augen, ach, wie peinlich ist das, dass mir deine ersten Worte Tränen in die Augen treiben?!

Ich war lange Zeit wirklich verzweifelt, hat möglicherweise Spuren hinterlassen, und bin es vielleicht immer noch ein wenig.. Habe lange keine netten Worte mehr gehört, wusste selbst nicht wirklich, ob ich auf dem richtigen Weg bin und litt unter großen Selbstzweifel, was ich immer noch tue..

Danke für deine Antwort.


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  Ratlosigkeit
Fr., 09.09.2011, 21:31 
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Ohne Angst kein Mut. Das beste Gefühl, dass wir doch haben können, ist, es TROTZDEM, IRGENDWIE geschafft zu haben. Manchmal glaube ich, die Angst vorm Scheitern macht den Erfolg erst richtig rund.

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Alles ist gut, wenn es aus Schokolade ist.


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  Slevin Kelevra
Fr., 09.09.2011, 21:40 
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             Ratlosigkeit schrieb:
Ohne Angst kein Mut. Das beste Gefühl, dass wir doch haben können, ist, es TROTZDEM, IRGENDWIE geschafft zu haben. Manchmal glaube ich, die Angst vorm Scheitern macht den Erfolg erst richtig rund.


Das gefällt mir, finde ich schön. :-) Danke


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