In Österreich anerkannte Psychotherapie-Methoden

Wenn Sie sich bei einem(r) Psychotherapeuten(in) in Therapie begeben, der/die einer der folgenden Methoden angehört und darüber hinaus (wichtig!) auch in der beim Gesundheitsministerium geführten Therapeutenliste steht, erhalten Sie von der Krankenkasse einen Teil Ihrer Kosten ersetzt - diese sind in Österreich vom Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen anerkannt:

Systemische Familientherapie

Im Zentrum steht die Annahme, daß psychische Störungen nicht zusammenhanglos in Einzelpersonen, sondern in Systemen "verankert" sind, wie etwa Partnerschaften, Familien oder anderen Gemeinschaften - und daß diese auch zur Lösung genutzt werden können. Besondere Bedeutung erlangten u.a. die diversen kurzzeittherapeutischen Ansätze der SFT. [mehr..]

Personzentrierte Gesprächstherapie

Sie gleicht der unten beschriebenen klientenzentrierten Psychotherapie, die persönliche Begegnung zwischen Klient und Psychotherapeut wird jedoch stärker betont.

Klientenzentrierte Gesprächstherapie

Diese auch als Gesprächstherapie nach Carl Rogers bekannte Methode geht davon aus, daß jeder Mensch ein Potential zur Selbstverwirklichung hat. Die Therapie soll die Spaltung zwischen aktueller Erfahrung und Selbstkonzept aufheben.

Integrative Gestalttherapie und Gestalttheoretische Psychotherapie

Die Gestalttherapie kombiniert Einflüsse aus der Gestaltpsychologie, der Psychoanalyse und der Körpertherapie. Zentrale Elemente sind das unmittelbare Erleben von Gefühlen und Erfahrungen und das Handeln - im Gegensatz zum blossen Erzählen von Problemen.

Psychoanalyse und Gruppenpsychoanalyse

Sigmund Freud unterteilte das psychische Erleben in Unbewußtes, Vorbewußtes und Bewußtsein. Die Behandlung soll Einschränkungen im Erleben des Patienten durch das Bewußtmachen von Unbewußtem beheben. [mehr..]

Transaktionsanalytische Psychotherapie (Transaktionsanalyse)

Die von Eric Berne entwickelte Konzeption der sog. "Ich-Zustände" (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kindheits-Ich) baut auf dem Ich-Konzept der Psychoanalyse Freuds auf und bildet gemeinsam mit der Idee der "4 Lebensansschauungen" ("Ich bin OK, du bist..") die Grundlage einer Transaktionsanalyse.

Verhaltenstherapie

Sie entstand in den 50er-Jahren aus dem lerntheoretischen Konzept, daß erlerntes Verhalten auch wieder verlernt werden kann. Ein wichtiger Begriff ist die "Verstärkung", also die Belohnung erwünschter Verhaltensweisen.

Analytische Psychologie

In C.G. Jung's Analytischer Psychologie wird verglichen mit der Psychoanalyse der Individuationsprozeß besonders betont, die psychische Entfaltung durch Begegnung mit Archetypen und dem Selbst.

Individualpsychologie

Die durch Alfred Adler begründete Individualpsychologie erklärte im Gegensatz zu Freud seelische Störungen (Psychoneurosen) nicht aus den Reaktionen auf verdrängte sexuelle Komplexe, sondern aus sog. Minderwertigkeitskomplexen bzw. übersteigertem Geltungstrieb infolge missglückter Anpassung an die Gemeinschaft.

Katathym-Imaginative Psychotherapie (KIP bzw. Katathymes Bilderleben)

Der Patient wird in einem vertieften Entspannungszustand zum Tagträumen angeregt. Frühkindliche Erfahrungen sollen wiedererlebt und aktuelle Probleme durch imaginatives Erleben gelöst werden.

Dynamische Gruppenpsychotherapie

Ziel ist die Verbesserung individueller Probleme durch die Erfahrung von Abgrenzung und Rollenbildung in der Gruppe. Der Gruppenleiter greift nur ein, wenn er involviert wird.

Psychodrama

Mithilfe der von Moreno entwickelten triadischen Aktionsmethode Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie soll der Patient seine Beziehungen und Interaktionen kreativ und spontan gestalten lernen.

Existenzanalyse (Logotherapie)

Im Rahmen der Behandlung soll u.a. die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung mobilisiert werden, Therapieziel ist das Auffinden konkreter Sinnmöglichkeiten in konkreten Lebenssituationen.

Daseinsanalyse

Sie baut auf der heideggerschen Daseinsanalytik und der Psychoanalyse Freuds auf. Meist in derem klassischen Couchsetting fokussiert sie im verbalen Kommunikationsprozeß die lebensgeschichtlichen Motivations- und Problemzusammenhänge und versucht neue Möglichkeiten durch den Blick auf vorhandene Ressourcen zu erhellen.

Hypnotherapie (Hypnose)

In einem Trancezustand sollen unbewußte Selbstheilungskräfte aktiviert werden - allerdings ohne den oft in Shows suggerierten "Willensverlust". [mehr..]

Autogenes Training

Der Begriff "autogen" (wörtlich "aus sich heraus entstehend") beschreibt, daß dabei die Förderung der inneren Entwicklung durch die Stärkung der seelischen und körperlichen Selbstheilungskräfte angestrebt wird. Mittels spezieller Übungen (unterschieden in Grund-, Mittel- und Oberstufe) wird ein Entspannungszustand erreicht, in dem bisher unbekannte, verborgene Anteile der Persönlichkeit entdeckt und entfaltet werden können sollen.

Konzentrative Bewegungstherapie

Über bewusste Körperwahrnehmung im "Hier und Jetzt" werden gesunde Anteile und Störungen erlebbar, in ihrer Bedeutung verstehbar und damit der psychotherapeutischen Bearbeitung (z.B. über den Körperdialog, taktile Erfahrungen etc.) zugänglich.

 

Anerkannte Methoden im deutschen Sprachraum

Methode Österreich Deutschland Schweiz
Systemischer / Kurzzeittherapeutisch / Lösungsorientierter) Ansatz
Systemische Psychotherapie /
Systemische Familientherapie (Bateson, de Shazer, Luhmann, Watzlawick & Co.)
in diesem Land anerkannt   in diesem Land anerkannt
Tiefenpsychologisch-psychodynamische Orientierung / Psychoanalytische Methoden
(Schwerpunkte: Unbewusstes, Übertragung/Gegenübertragung)
Analytische Psychotherapie (Carl G. Jung) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Gruppenpsychoanalyse (Bion / Foulkes) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Individualpsychologie (Alfred Adler) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Psychoanalyse (Sigmund Freud) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Tiefenpsychologisch-psychodynamische Orientierung /
Tiefenpsychologisch fundierte Methoden:
Autogenes Training (Johannes H. Schultz) in diesem Land anerkannt 1
Daseinsanalyse (L. Binswanger / M. Boss) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Dynamische Gruppenpsychotherapie (Raoul Schindler) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Hypnotherapie (Hypnose bzw. Hypnosepsychotherapie) (Milton Erickson) in diesem Land anerkannt 1 in diesem Land anerkannt
Katathym-Imaginative Psychotherapie (Katathymes Bilderleben) (Hanscarl Leuner) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Konzentrative Bewegungstherapie (Helmut Stolze / E.Gindler) in diesem Land anerkannt
Transaktionsanalytische Psychotherapie (Transaktionsanalyse) (Eric Berne) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (theoret.Konzept: vgl. Psychoanalyse) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Kombinatorisch:
Neurolinguistisches Programmieren (P. Schütz / Bandler & Grinder) in diesem Land anerkannt
Integrative Therapie (Schwerpunkt in Gestaltpsychotherapie, Psychodrama und Integrativer körperorientierter Psychotherapie, nach Hilarion Petzold & Co.) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Humanistisch-existenzielle Orientierung
(Grundlagen im Sinne der Existenzphilosophie und Humanistischen Psychologie):
Existenzanalyse und Logotherapie (Viktor Frankl) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Gestalttheoretische Psychotherapie (Hans J. Walter) in diesem Land anerkannt
Integrative Gestalttherapie (Fritz Perls / P. Goodman) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Klientenzentrierte Gesprächstherapie in diesem Land anerkannt
Personzentrierte Gesprächstherapie (Carl R. Rogers) in diesem Land anerkannt 2 in diesem Land anerkannt
Psychodrama (Jacob L. Moreno) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Verhaltenstherapeutische Orientierung:
Verhaltenstherapie (F. Kanfer / A. Ellis /..) in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt in diesem Land anerkannt
Körperorientierte Methoden:
Bioenergetische Analyse und Therapie (Alexander Lowen) in diesem Land anerkannt
Biosynthese (David Boadella) in diesem Land anerkannt
Integrative Körperpsychotherapie Jack L. Rosenberg in diesem Land anerkannt
Klientenzentrierte Gesprächs- (s.o.) und Körperpsychotherapie in diesem Land anerkannt
Körperorientierte Psychotherapie in diesem Land anerkannt
Kunst- und Ausdrucksorientierte Therapien:
Kunst- und Ausdrucksorientierte Therapie in diesem Land anerkannt


Österreich Österreich: Psychotherapeuten müssen hier nicht unbedingt Psychologen oder Ärzte sein. Für ihre Anerkennung müssen sie eine Ausbildung in einer der anerkannten Methoden bei einem der akkreditierten Ausbildungsvereine abgeschlossen haben.

Deutschland Deutschland: Psychotherapeuten müssen über eine staatliche Anerkennung in diesem Beruf (Ausbildung in einer der wenigen dort anerkannten Methoden) sowie über ein abgeschlossenes Studium der Psychologie oder Medizin verfügen, Psychologen und Heilpraktiker sich nur eingeschränkt psychotherapeutisch betätigen. Das Studium benötigen Psychologische Psychotherapeuten und (Fach-) Ärzte mit entsprechender Zusatzausbildung; Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten benötigen ein Diplom in den Studiengängen Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik.
Durch die Krankenkassen anerkannt sind lediglich Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Kurztherapie), Dynamische Psychotherapie, Psychoanalyse (nach Sigmund Freud, C.G. Jung oder Alfred Adler), sowie Verhaltenstherapie. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Hypnose können als Einzelbehandlung genehmigt und finanziert werden.

Schweiz Schweiz: die Zulassung zur psychotherapeutischen Tätigkeit sowie eine Anerkennung durch die Krankenkassen ist in den einzelnen Kantonen der Schweiz unterschiedlich gelöst. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß für die Tätigkeit als Psychotherapeut fast in allen Kantonen entweder ein humanwissenschaftliches Grundstudium oder ein Psychologiestudium sowie der Abschluss einer "anerkannten Psychotherapie-Ausbildung" (welche dann zur Anerkennung durch einen der wichtigen Verbände (CHARTA, SPV, SBAP oder FSP) führt, zum Erhalt der notwendigen Praxisbewilligung für psychotherapeutische Berufstätigkeit vorausgesetzt wird.

1 nur Einzeltherapie, nur Erwachsene, Durchführung nur durch Mediziner
2 nur Einzeltherapie, nur Erwachsene, keine Krankenkassen-Finanzierung

 

Methodenvergleich

Die folgende Grafik versucht, die etabliertesten Psychotherapiemethoden bezüglich ihres jeweiligen Zeitfokus (befasst sich die Therapie vorrangig mit der persönlichen Geschichte oder der angestrebten Zukunft des Klienten?) als auch Problem- bzw. Wertefokus (konzentriert sich die Therapie mehr auf Symptomfreiheit oder werden Erkenntnisse rund um Problemzusammenhänge und ein erhöhtes Selbstverständnis angepeilt?) zu vergleichen:

Psychoanalyse: insbesondere in der "Grossen Psychoanalyse" erfährt die Vergangenheit des Analysanden große Aufmerksamkeit und steht zunächst 1-2 Jahre lang im Mittelpunkt. Es geht zunächst somit nicht vorrangig um die Beseitigung von Symptomen, sondern um ein besseres Verständnis der psychischen Gesamtzusammenhänge. Symptomfreiheit wird im Idealfall gewissermaßen als "Nebeneffekt" einer erfolgreichen Psychoanalyse (Analysand neurosefrei) erreicht.

Tiefenpsychologische Therapiemethoden wie z.B. Katathym Imaginative Psychotherapie: unbewußte Inhalte werden bewußt gemacht und auf Basis psychoanalytischer Grundtheorien (siehe oben) analysiert.

Bioenergetische Analyse: diese in D und Ö nicht von den Kassen anerkannte Methode versucht über einen körperorientierten Ansatz psychische Grundstrukturen auf Basis von psychoanalytischen Modellen zu verstehen und damit letztlich ein von Neurosen und destruktiven Grundmustern freies Leben in der Gegenwart zu ermöglichen.

Gestalttherapie: die theoretische Basis der Therapiemethode ist in wesentlichen Teilen psychoanalytisch, insofern spielt die Auf- und Verarbeitung der persönlichen Früherfahrungen eine große Rolle. Von mindestens ebenso großer Bedeutung ist aber das 'Hier und Jetzt', meist vollzieht sich während des therapeut. Prozesses eine Pendelbewegung zwischen "Gestern" und "Heute".

Systemische Therapie: im therapeutischen Prozeß spielt Vergangenes, insofern es für Gegenwart und Zukunft Bedeutung hat(te), eine wichtige Rolle. Zielorientierung und dafür letztlich Gegenwarts- und Prozeßanalyse sind jedoch die eigentlichen Orientierungspunkte für die Therapie. Über die systemische Kurzzeittherapie ist häufig auch rasche Symptomerleichterung erreichbar, Selbstanalyse und innere Neuorientierung bilden jedoch wichtige Tragpfeiler für langfristige Therapieerfolge auch in der ST.

Verhaltenstherapie: Ziel ist raschestmögliche Symptomfreiheit, die auf den Patienten abgestimmte Trainingseinheiten und Verhaltensanalysen erreichen helfen sollen. Überlegungen zur Problemgenese (etwa der persönlichen Geschichte) oder ein tieferes Selbstverständnis sind dabei i.d.R. von zweitrangiger Bedeutung.

Hypnotherapie: abhängig von der eingesetzten Methode (klassische Hypnose oder hypnotherapeut. Konzepte nach Erickson) besteht ein mehr oder weniger großer Schwerpunkt auf rein symptombezogener Therapie. Hypnotherapie wird von den meisten Therapeuten eher lösungsorientiert eingesetzt, als dass die persönliche Geschichte reflektiert wird.

Gesprächspsychotherapie: sie ist neben der Psychoanalyse eine der prozeßorientiertesten Methoden mit vergleichsweise wenig therapeutischer Direktive. Die persönliche Lebensgeschichte und persönliche Erklärungsmodelle haben somit im Therapieprozeß, vergleicht man sie mit stärker lösungsorientierten Ansätzen, ein größeres Gewicht.

AT, NLP: wenn AT auch tiefenpsychologisch fundiert ist, so sind Autogenes Training und NLP doch in der Praxis weitgehend symptomorientierte Verfahren, eine tiefergehende Reflexion oder bewußte Problembearbeitung findet nur selten statt. Die Anerkennung von NLP als Psychotherapiemethode ist in Österreich heftigst umstritten.

Pharmakotherapie: diese habe ich mit einem gewissen "Augenzwinkern" in diese Grafik gesetzt, da es sich bei ihr ja um keine Psychotherapiemethode handelt, sie aber häufig in einem Konkurrenzverhältnis zur Psychotherapie (statt sie stützend und ergänzend) betrachtet wird. Wie auch immer: vergliche man sie tatsächlich mit etablierten Psychotherapiemethoden, zeigte sich reine Symptomorientiertheit (Ziel ist, das Symptom 'los zu werden') sowie Gegenwartsorientiertheit (weder hilft sie, die Vergangenheit besser zu verarbeiten, noch, tragfähige Zukunfts- und Lösungsstrategien zu erarbeiten).

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, daß es sich bei obiger Grafik nur um einen annähernden Kategorisierungsversuch handeln kann, der keineswegs allen Aspekten einer - insbesondere langfristigen - Psychotherapie gerecht werden kann. Auch ist zu berücksichtigen, daß sich abhängig von persönlichem Ansatz, Ausbildungsschwerpunkten und Fortbildungen des(r) jeweils praktizierenden Psychotherapeuten(in) im Einzelfall teils erhebliche Verschiebungen ergeben können.

Sie finden das ja alles ganz interessant, können sich aber unter diesen Methoden immer noch nicht viel vorstellen?
Vielleicht ist dann die Seite "Psychotherapie-Methoden" für Sie interessant, auf der die wichtigsten Psychotherapiemethoden mithilfe von Videos und einschlägigen Artikeln eingehender vorgestellt werden.

Feedback erwünscht!

Wenn Sie Anregungen oder Hinweise bezüglich der hier angeführten Methodenvergleiche haben, ersuche ich Sie um eine E-Mail.

Weitere Orientierungshilfen

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