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SadSarah
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Post Thu, 12.Jan.06, 12:42      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

ok, danke jelka...ich bin jetzt jedenfalls genug vorgewarnt, daß ich zu 99% keine therapie machen werde. so dringend ist es nicht, daß ich mir damit irgendwas versau, indem ich mich brandmarken lasse. nein danke.
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Post Thu, 12.Jan.06, 14:52      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo ihr,

wollte/will ja keine "Verwirrung" stiften - daher ein paar (mehr) klarstellende Worte. Habe mich wohl undeutlich ausgedrückt... sorry! Embarassed

Dass die Diagnose nicht auf der Krankmeldung steht, bezog ich rein auf die Ausfertigung an den Arbeitgeber, was ich nicht hinzufügte. Was die Mitteilung von Diagnosen an Krankenkassen angeht, so hatte ich prophylaktisch ein "glaube ich" (meint: ich weiß es nicht sicher) eingefügt, also so:

sternenmeer wrote:
Die Krankenkasse erfährt die Diagnose -glaube ich- nicht

Okay, aber jetzt hab' ich dazu gelernt und weiß, dass der Krankenkasse die Diagnose im Rahmen der Ausstellung einer Krankmeldung (und auch in anderen Fällen) verschlüsselt mitgeteilt wird... Very Happy . In diesem Punkt (Mitteilung von Diagnosen an Krankenkassen) erlag ich wohl teilweise falschen Annahmen.

Wen ein paar vertiefte Infos zur Problematik der ärztlichen Schweigepflicht / Auskunftspflicht interessieren, dem helfen vielleicht die unten angegebenen Merkblätter weiter. Insgesamt kann man wohl sagen, dass die Schweigepflicht sehr "hochgehalten" wird - ein Arzt, welcher dagegen verstoßen würde, würde sich strafbar machen - ... (Tendenziell wenige) Ausnahmen zur Durchbrechung derselben bestehen z.B. bei höherrangigen Rechtsinteressen: Beispiel:
Der Arzt wendet sich gegen den Willen seines Patienten an die Straßenverkehrsbehörde, weil dieser als Kraftfahrer weiterhin am Straßenverkehr teilnimmt, obwohl er wegen einer bestehenden Erkrankung wie Epilepsie oder infolge von Medikamenteneinnahme sich und andere gefährdet.

Die ärztliche / psychotherapeutische Schweigepflicht ist grundsätzlich auch gegenüber Sozialleistungsträgern zu beachten ist. Ausnahmen: Soweit es für die Durchführung von Aufgaben des Leistungsträgers nach dem Sozialgesetzbuch erforderlich ist und
1. es gesetzlich zugelassen ist oder
2. der Betroffene im Einzelfall eingewilligt hat.
Gesetzlich zugelassen ist z.B. die Bewilligung ambulanter und stationärer medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen, wie von Lindenbaum beschrieben.
(Siehe: http://www.aerztekammer-bw.de/20/merkblaetter/schweigepflicht.pdf
http://www.aerztekammer-bw.de/20/merkblaetter/auskunftspflicht.pdf )


Und ich hoffe, wir sind uns alle einige (???),
- dass niemand begeistert ist, dass ein Diagnose u.U. an die Krankenkasse weitergeleitet wird, aber das ist eher das kleinere Übel
- der Arbeitgeber erfährt die Diagnose nicht (außer man erzählt sie selbst dem Arbeitgeber) - auch nicht (verschlüsselt) über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
- Im Prinzip sind somit bestenfalls die Versicherungen das "größte Problem": Versicherungen können von der Diagnose erfahren, weil man den Arzt regelmäßig (selbst!) von der Schweigepflicht entbindet/entbinden muss. Lösung: Therapeuten privat zahlen, wenn man kann oder Versicherung vorher abschließen... wobei beim Abschluss von ("gesundheitsrelevanten" Versicherungen allgemein gilt: je jünger (und ergo meist gesünder), desto besser! Das Problem des Ausschlusses von Leistungen oder der Versagung des Abschlusses einer Versicherung besteht ja bei Krankheiten der verschiedensten Art, nicht nur bei psychischen Problemen. So ist bereits ab einem gewissen Alter (in dem Link ist die Rede von +/- 35) schwierig(er), in die Versicherung aufgenommen zu werden, abgesehen davon dass es ziemlich teuer werden. Toll finde ich das auch nicht!

Als "gläsern" würde ich mich persönlich trotzdem nicht beschreiben. Trotz Abwägung dieser Gesichtspunkte, habe ich mich für meinen Teil für eine Therapie entschieden. Als "gebrandmarkt" sehe ich mich jedenfalls nicht...; mir wird vielmehr sehr geholfen. Ob es "richtig" war, wird sich vielleicht später herausstellen.

So, und jetzt dürft ihr mich zerreißen Very Happy - aber bitte nicht zu arg alien

Liebe Grüsse
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Post Thu, 12.Jan.06, 16:31      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo SadSarah

ich war/bin jetzt mal so gemein, un habe ein paar Aussagen auf einem anderen Thread mal hierher kopiert (Threads linken kann ich noch nicht), da ich versuche(!) manche Dinge im Zusammenhang zu sehen:

SadSarah wrote:
- ...und ich wirke nach außen auch nicht therapiebedürftig. therapiebedürftig....wer weiß....wahrscheinlich bin ich es ja nichtmal wirklich....aber helfen würde sie mir schon wahrscheinlich. hmpf...macht mich das doch therapiebedürftig? ich und bedürftig...das geht schonmal gar nicht....so ähnlich sind meine gedanken.

- bei mir ist heute eben so ganz genau so ein tag, wo ich mir denke "sauerei...ich und therapiert werden?...wie abwegig"....

- ich hasse es auch, durchleuchtet, analysiert und womöglich pathologisiert zu werden. das ist genau das, was ich immer vermieden hab, und nun soll ich es freiwillig zulassen? naja, wahrscheinlich ist das exakt die "kranke" sichtweise, die es zu durchbrechen gilt?!...


Kann es sein, dass du mehr davor "Angst"/Bedenken hast psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vielleicht auch, dass du dich dafür schämst, weil du dich durch eine Psychotherapie als "gebrandmarkt" siehst? Würdest du wegen eines Beinbruchs (der auch vielleicht alleine heilen könnte, wenn es ein einfacher ist) nicht auch Hilfe in Anspruch nehmen, selbst wenn die Krankenkasse eine Diagnose erhält? Sind nicht die meisten Krankheiten ein Grund von einer Versicherungsleistung ausgeschlossen zu werden?

SadSarah wrote:
aber wenn mir die sache mit der krankenkassenfinanzierung zu seltsam erscheint d.h. meine befürchtungen, daß von potentiellen lebensversicherungen bis hin zu arbeitgebern diverse stellen davon wind bekommen könnten, daß ich zu einem therapeuten geh, bin ich schneller wieder weg als die therapie beginnen kann

Was die Schweigepflicht angeht, so bleibe ich bei dem oben gesagten - lasse mich aber auch gerne verbessern Very Happy .
Jedenfalls sehe ich keine Gefahr darin, dass das dein Arbeitgeber durch Mitteilungen die Inanspruchnahme einer Psychotherapie mitbekommt. Und was die LV angeht: Dann schließe die Versicherungen vor Beginn der Psychotherapie ab.

Liebe Grüsse
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Jelka
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Post Thu, 12.Jan.06, 16:39      Re: Thera auf Krankenschein -> scheint in den Akten auf Reply with quoteBack to top

@sternenmeer

Ich darf mich mal selbst zitieren: zwinkernd..

Jelka wrote:

Dass die Krankenkasse nicht einmal die Diagnose erfährt, kann ich mir nicht vorstellen, denn die steht ja sonst auch auf jeder Krankmeldung. Also werden sie die in dem Fall doch auch haben.


Da war nur von der Krankenkasse die Rede.
Der Arbeitgeber erfährt die Diagnose natürlich nicht, außer man sagt sie ihm (oder die Krankenkasse selbst ist der Arbeitgeber zwinkernd.. ) .


Und ja, ich finde es auch wichtiger, dass ich eine Therapie mache.

Von der Schweigepflicht ist ein Therapeut eigentlich nur automatisch entbunden, wenn er dadurch Leben retten oder ein schlimmes Verbrechen verhindern kann. Wenn ich meinem Therapeuten also erzähle, dass ich mich heute Abend umbringe oder wahlweise auch meinen Nachbarn umbringe, dann ist er verpflichtet, es zu melden.
Wenn das Verbrechen allerdings schon geschehen ist und ich ihm erzähle, dass ich gestern meinen Nachbarn umgebracht habe, darf er niemandem davon erzählen. Das ist eben nur angezeigt, wenn dadurch etwas verhindert werden kann.



@SadSarah
Das musst du natürlich für dich abwägen. Wenn du nicht rechtzeitig etwas unternimmst, besteht natürlich die Möglichkeit, dass es noch schlimmer wird.

Wenn du das nötige "Kleingeld" hast, dann kannst du die Therapie auch selber zahlen, dann erfährt wirklich keiner etwas.

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Irgendwie wird das alles schon funktionieren...
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wieseler
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Post Thu, 12.Jan.06, 17:07      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

SadSarah wrote:
ok, danke jelka...ich bin jetzt jedenfalls genug vorgewarnt, daß ich zu 99% keine therapie machen werde. so dringend ist es nicht, daß ich mir damit irgendwas versau, indem ich mich brandmarken lasse. nein danke.
also ich hätte und habe da keine angst.
dass die krankenkasse vom arzt eine daignose oä. fordert ist meines erachtens ja geradezu selbstverständlich und alles andere wäre ja auch grob fahrlässig.
die kasse kann ja nicht einfach für eine leistung bezahlen deren inhalt sie nicht kennt.
(bei anderen (privaten) versicherungen muss man sich halt auf alle fälle vor abschluss über seine (auskunfts)pflichten als versicherter informieren)

diese deine ängst stehen meines erachtens in keiner relation zum möglichen nutzen einer therapie.
lg wieseler
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Post Thu, 12.Jan.06, 17:37      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo ihr,

@Jelka
Quote:
Da war nur von der Krankenkasse die Rede.
Der Arbeitgeber erfährt die Diagnose natürlich nicht, außer man sagt sie ihm (oder die Krankenkasse selbst ist der Arbeitgeber.

Ja, so habe ich dich auch verstanden Very Happy . Das hattest du ja sinngemäß bereits in einem früheren Post erwähnt. Leider lag ich ursprünglich teilweise etwas daneben, was die Übermittlungen von Diagnosen an die Krankenkasse angeht. Aber logisch nachgedacht, ist es ja logisch, dass die Krankenkasse (auch bei anderen Krankheiten) grundätzlich prüfen muss, ob die von ihr übernommen Kosten für eine Krankheit zweckmäßig sind. Und da erfordert es dann schon, dass die Krankenkasse die Krankheit zumindest ansatzweise kennen muss. Einzelheiten (in etwas detaillierte Gutachten eines Psychotherapeuten) werden -glaube ich wieder Wink- nicht mitgeteilt.

@Sadsarah: Die Abwägung, ob eine Psychotherapie dir helfen kann, kann ich dir nicht abnehmen. Ein Psychotherapeut unterliegt jedemfalls auch der Schweigepflicht. Du kannst dich vielleicht auch mal direkt beim Psychotherapeuten erkundigen (z.B. bei Vereinbarung eines Probetermins) wie das mit Mitteilungen ist und welche Nachteile dir de facto durch Inanspruchnahme einer Therapie blühen könnten? Ein seriöser Therapeut wird da sicherlich auch Auskünfte erteilen und evtl. nicht angebrachte Ängste nehmen können.

Liebe Grüsse
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r.l.fellner
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Post Thu, 12.Jan.06, 18:01      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Liebe Sarah,
SadSarah wrote:
daß ich zu 99% keine therapie machen werde.
(..) daß ich mir damit irgendwas versau, indem ich mich brandmarken lasse.

es gibt, wie von mir oben angemerkt, ja nicht nur die Moeglichkeit einer kassen(mit- oder voll-)finanzierten Psychotherapie. Wenn Ihnen - so wie vielen anderen Menschen auch - Ihre Gesundheit genuegend wert ist (oder der Problemdruck bereits "genuegend" gross.. Confused), dass Sie zumindest eine Zeit lang Therapie in Anspruch nehmen moechten, koennen Sie diese auch privat bezahlen. Damit erreichen Sie die beruhigenden 100% Sicherheit, dass niemand anderer von Ihren Therapiestunden - und vor allen Ihren persoenlichen Problemen - erfaehrt.

Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft der Druck auf die Kassen bezueglich des Datenaustausches von Gesundheitsdaten vor allem mit Privatunternehmen, und nicht zu vergessen auch i.B. auf Krankenversicherungssaetze (Zusammenhang psychischer Probleme und somatischer Folgebeschwerden, Unfaelle usw.) mit Sicherheit noch weiter ansteigen wird.

Freundlichen Gruss,
R.L.Fellner

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Post Thu, 12.Jan.06, 18:19      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo,

ich wollte mal grade einwerfen, daß es im Zusammenhang mit Berufsunfähigkeitsversicherungen usw. schon einen Thread gibt, zumindest für D. Man braucht ja nicht dasselbe nochmal diskutieren. Aber mir fiel auf, daß hier sowohl Poster aus D und aus Ö dabei sind, ich weiß nicht, ob das allen klar ist, daß es hier unterschiedliche Verfahrensabläufe geben kann, deswegen müssen nicht alle Statements hier für jeden gelten (z.B. ist es mit der Finanzierung einer Therapie ja unterschiedlich). Allerdings werden sich die Dinge bzg. Datenschutz im wesentlichen sicher ähneln.

@Sad Sarah: Ich kann schon verstehen, daß einen so etwas abschreckt. Ich finde es auch nicht so toll, jetzt eine Therapie zu machen und keine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen zu haben. Aber keine Therapie zu machen deswegen wäre auch Quatsch. Und es gibt schon Versicherungen, die einen trotzdem nehmen, man hat dann halt nur nicht mehr soviel Auswahl.
Kann es sein, daß die Sache mit dem Datenschutz ein willkommener Vorwand vor Dir selber ist, damit Du Dich doch nicht mit einer Therapie auseinandersetzen mußt?
Ich finde es immer noch besser, jetzt das Beste für meine Gesundheit zu tun und eine Versicherung gar nicht erst in Anspruch nehmen zu müssen als weiter vor mich hinzuleiden und für zukünftige gesundheitliche Probleme abgesichert zu sein. Bzw. ggf. halt vorher abschließen.
Ich will das nur mal so als Gedanken einwerfen, ich hab aus obigem Post und Zitat nichts von Dir gelesen, weiß also nicht, wie dringend Deine Probleme sind. Aber ich schließe mich Jelka an, wenn Du länger wartest, können Probleme noch schlimmer werden und die Therapie schwieriger.

Viele Grüße
Stöpsel
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Post Fri, 13.Jan.06, 22:18      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

r.l.fellner wrote:
Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft der Druck auf die Kassen bezueglich des Datenaustausches von Gesundheitsdaten vor allem mit Privatunternehmen, und nicht zu vergessen auch i.B. auf Krankenversicherungssaetze (Zusammenhang psychischer Probleme und somatischer Folgebeschwerden, Unfaelle usw.) mit Sicherheit noch weiter

danke für ihre antwort. ganz genau das befürchte ich auch, weshalb ich nun beschlossen habe, einige stunden privat zu nehmen. eine lange therapie werde ich mir privat nicht leisten können, es ist aber durchaus möglich, daß ich sie auch nicht benötige und daß mir einige stunden schon sehr helfen können. deshalb werde ich das nun so versuchen.
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Post Mon, 08.Jan.07, 17:42      Re: Psychotherapie und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Ergänzend zum oben bereits Angemerkten hier ein paar Verweise bezüglich des demnächst in Österreich eingeführten Systems ELGA (Elektronische Lebensbegleitende Krankenakte*) und den damit verbundenen eher beunruhigenden Entwicklungen.

Ärztekammer fürchtet "gläser­nen Patien­ten" (Pressespiegel)
Der gläserne Patient (Telepolis)
Diskussion und Materialien (Patienteninitiative)

mfg
R.L.Fellner

* der (abkürzungsgemäß korrekte) Begriff 'Gesundheitsakte' erscheint gerade in diesem Kontext eher tatsachenverzerrend

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sewi
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Post Mon, 08.Jan.07, 22:11      Re: Psychotherapie, Krankenkasse und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

was ausgerechnet die ärztekammer angeblich fürchtet, ist einem psychisch kranken, der am zahnfleisch daherkommt, meistens reichlich egal herr fellner. oft heißt es eben: lieber ein gläserner patient als ein toter patient.

und gottlob leben wir in einem system, in dem jeder für sich derlei prioritäten setzen darf.
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Post Tue, 09.Jan.07, 12:38      Re: Psychotherapie, Krankenkasse und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo sewi,
Quote:
ist einem psychisch kranken, der am zahnfleisch daherkommt, meistens reichlich egal

Sie können davon ausgehen, daß mir das bekannt ist ... Rolling Eyes

Quote:
gottlob leben wir in einem system, in dem jeder für sich derlei prioritäten setzen darf.

Auch dieser Hinweis von Ihnen geht ld. an dem vorbei, was ich sagen wollte - denn das eigentliche Problem dieser Entwicklungen ist ja m.E., daß es gerade jene sind, die diese Wahlfreiheit eben nicht haben, denen dann womöglich auch noch irgendwann mal ein zusätzlicher Startnachteil durch einen solchen (nach dzt. Plänen lebenslangen!) "Aktenvermerk" erwächst. Die jeweilige Priorität setzen - diesen Luxus können sich also (wieder einmal) nur die Menschen leisten, die ohnehin schon besser gestellt sind.

mfg
R.L.Fellner

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Post Fri, 12.Jan.07, 0:24      Re: Psychotherapie, Krankenkasse und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

sg herr fellner. danke für ihre antwort.

ich persönlich habe das risiko eines "lebenslangen aktenvermerks" in kauf genommen, um mir meine berufstätigkeit zu erhalten. hätte ich diese nämlich auf grund meiner krise eingebüßt, wäre ich heute für den rest meines lebens arbeitslos.

aber trotzdem danke für den hinweis. ich werde die problematik im einem der nächsten settings mit meinem therapeuten erörtern.

mfg

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Post Sat, 13.Jan.07, 10:13      Re: Psychotherapie, Krankenkasse und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Hallo an alle,
findet ihr wirklich, dass jemand, der zu psychischen Problemen steht, im Berufsleben dermaßen benachteiligt wird?
Ich habe, ehe ich meine Krankenschein-Therapie begonnen habe, mit meinen Vorgesetzten über meine Depressionen gesprochen und ich kann díe Therapie sogar als Dienstzeit schreiben - was mir schon klar ist, dass das nicht selbstverständlich ist - aber nach Einschätzungen der WHO werden Depressionen ja zur Volkskrankheit Nr. 1 avancieren - und ich empfinde meine psychische Erkrankung nicht als schwarzen Marker in meinem Lebenslauf. Außerdem je mehr Menschen zu ihren psychischen Problemen stehen, desto salonfähiger werden diese auch. Und von daher empfinde ich es nicht als besonders sinnvoll, lieber Herr Fellner, dass Psychotherapeuten dazu raten, psychische Probleme zu verschleiern.


Last edited by Mamox on Sat, 13.Jan.07, 10:39; edited 1 time in total
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Post Sat, 13.Jan.07, 19:30      Re: Psychotherapie, Krankenkasse und Datenschutz? Reply with quoteBack to top

Mamox wrote:
nicht als besonders sinnvoll, lieber Herr Fellner, dass Psychotherapeuten dazu raten, psychische Probleme zu verschleiern.

dazu habe ich *nachprüfenden Blick nach oben werf'* auch nicht geraten. Von mir geschrieben, wäre das ja nicht nur wenig sinnvoll, sondern sogar ein wenig absurd...

Allerdings behalte ich mir als jemand, der gewisse Entwicklungen im internationalen Gesundheits- und Arbeitssektor seit 2 Jahrzehnten recht aufmerksam verfolgt, das Recht vor, eine skeptische Meinung gegenüber kompletten Krankheitsgeschichten auf "zück-bereiter" Chipkarte im Kreditkartenformat zu haben und diese hier auch zu artikulieren. Das widerspricht aus meiner Sicht auch keineswegs meiner hier sonst ja ebenfalls vertretenen Position, daß Psychotherapie z.B. auch bereichernd sein kann, wenn man unter keinen akuten psychischen Beeinträchtigungen leidet, daß an PTh eben nichts "peinlich" sein muß usw. .. Sie können gerne auch dieses Forum hier als einen Bestandteil dieser Bemühungen und Überzeugungen sehen.

Und - daß jeder Arbeitgeber wie Ihre, und das auch in Zukunft noch haben möge, das wünsche ich insbesondere jenen, die es sich nicht aussuchen können, ob sie sich eine PT gönnen u/o brauchen, und wie sie diese finanzieren, von Herzen. Wie bereits erwähnt, beziehen sich meine obigen Hinweise auch schwerpunktmäßig auf diesen Personenkreis.

Freundlichen Gruß
R.L.Fellner

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