Gender-spezifische Pädagogik - brauchen Jungen eine andere Erziehung? .:. Psychotherapie & Coaching R.L. Fellner, Wien (Psychotherapeut, Coach, Supervisor) 

Presse-Splitter: "Kinder sind nicht geschlechtsneutral"

Spiel Jungen Schon wenn Kinder in den Kindergarten kommen, empfinden sie sich entweder als Mädchen oder Jungen. Sie spielen bevorzugt das, was sie als typisch für ihr Geschlecht empfinden und orientieren sich um so leichter, je einfacher ihnen die diesbezügliche Auswahl gemacht wird.

Spiel Jungen

Auffällig ist auch, daß Kinder von sich aus am liebsten mit GeschlechtsgenossInnen spielen - Jungen toben bevorzugt in Gruppen und entwickeln Hierarchien, Mädchen verhalten sich konfliktreduzierend und suchen vorzugsweise 1 oder 2 engere Freundinnen. Erst während der Vorpubertät weichen diese Strukturen auf.

Es ist aus entwicklungspsychologischer Sicht problematisch, wenn nun Erwachsene mit Missionseifer an die Kinder herantreten und sie zu "geschlechtsneutralerem" Verhalten zu (er)ziehen versuchen. Die Effekte dieser am Ende des letzten Jahrhunderts beliebten Ansätze sind ohnedies fragwürdig. Vielmehr heißt es, Kinder bestmöglich beim Aufholen der "kleinen Unterschiede" zu unterstützen: wie die Forschung zeigt, benötigen Jungen während der ersten Lebensjahre besonders viel persönliche Zuwendung und Förderung im sprachlichen Bereich.

Moderne Pädagogik bedeutet heute nicht mehr, Jungen "auch Puppen anzubieten", sondern beide Geschlechter dabei zu unterstützen, einander a) besser zu verstehen und b) voneinander zu lernen.

Richard L. Fellner DSP, MSc. ist Psychotherapeut, Coach und Supervisor in Wien.
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Anhang: weitere Literatur zum Thema, mit Leserrezensionen: