Psychotherapie in Wien bei Richard L. Fellner

Psychotherapeuten-Bewertungen

Therapeuten-Bewertungsportale im Internet - wirklich eine gute Entscheidungshilfe?

Psychotherapie und der "Internet-Markt"

Als ich psychotherapiepraxis.at ins Leben rief, war ich einer der ersten österreichischen Psychotherapeuten mit einer eigenen Internet-Adresse. Die meisten der KollegInnen, die damals ihre Arbeit im Internet präsentierten, betrieben ihre Seiten noch unter kostenlosen Domains wie z.B. dem guten alten „Geocities“ (falls das noch jemand kennt ;-)), häufig hatten deren Layouts und Inhalte einen stark esoterischen touch und schienen mir, offen gesagt, ein eher fragwürdiges Bild auf unsere Zunft zu werfen.

Heute, kaum 13 Jahre später, erhalten Psychotherapeuten fast monatlich Anrufe von professionellen Marketing-Firmen, die die Erstellung von Websites, als optionales Zusatzpaket gleich auch „Suchmaschinen-Optimierung“ und „Corporate Design“ anbieten. Ein Therapeut, eine Therapeutin, der/die auf sich hält, so lautet die Botschaft, „muss“ heute auch über eine 1A-Internet-Präsenz verfügen...

Das Internet ist also mittlerweile offenbar auch in den einst so „intimen“ Bereich der Psychotherapie eingedrungen. Ich muss gestehen, dass meine eigene Website dazu ebenfalls ein wenig beitrug: vor über 10 Jahren nämlich rief ich das „Psychotherapie-Forum“ ins Leben: eine Plattform, auf welcher sich Psychotherapie-KlientInnen sowie an einer Therapie oder allgemein an psychologischen Themen interessierte Personen über ihre Erfahrungen mit Psychotherapie austauschen konnten. Ich war häufig betroffen, welch schwierige Erfahrungen manche Leute in ihren Therapien machen mussten und versuchte, mit eigenen Beiträgen sowie diversen Info-Seiten auf meiner Website (etwa einem eigenen, sehr umfangreichen Abschnitt zum Finden des „richtigen“ Therapeuten) meinen Teil zur Unterstützung und Informationsarbeit zu leisten. Mein Bestreben war es hierbei stets, die Integrität der jeweiligen therapeutischen Beziehung zu respektieren und zu unterstützen. Fast immer ermunterte ich, anstehende Unsicherheiten, Zweifel und wahrgenommene Probleme zurück in die Therapie zu bringen und mit dem/der Therapeuten/in zu klären und reflektieren.

Während der letzten Jahre allerdings hat sich auch hier so manches verändert: als „Begleiter im Hintergrund“ ist für mich in den Forumsbeiträgen unübersehbar, dass Klientinnen und Klienten heute weitaus aufgeklärter fragen (und einander gegenseitig unterstützen) als früher. Es herrscht ein gesundes Bewusstsein über die Möglichkeiten und Grenzen von Psychotherapie, über die verschiedenen Therapiemethoden, selbst über so heikle und emotionalisierende Themen wie Verliebtheitsgefühle in Therapeuten, Pädophilie oder Suizidabsichten. Im Unterschied zu so manchen Selbsthilfeforen wird Hilfesuchenden von anderen „Usern“ heute sogar häufig empfohlen, sich um psychotherapeutische, psychologische oder fachärztliche Unterstützung oder Abklärung umzusehen und sich auf diesem Weg nicht vorschnell entmutigen zu lassen. Das ist eine äußerst erfreuliche und für viele Betroffene konstruktive, hilfreiche Entwicklung, das Internet hat in diesem Bereich eine positive Multiplikator-Funktion bewiesen.

Von einer potenziellen Möglichkeit, das Internet zu nutzen, habe ich jedoch vom Beginn an immer wieder abgeraten: nämlich jener der gegenseitigen Therapeutenempfehlung. Dieser Grundsatz - getragen vom Gedanken, nicht womöglich indirekt daran mitschuldig zu werden, falls eine derartige Empfehlung mal „ins Auge gehen“ sollte - hat sich bewährt und, wie ich meine, zum Seriositäts-Image meiner Plattform beigetragen.

Doch warum – abgesehen von den erwähnten rein persönlichen Motiven – eigentlich tatsächlich diese Abgrenzung? Angesichts des Konkurrenzkampfes diverser sogenannter „Bewertungsportale“, von denen einige mittlerweile auch die Internet-Bewertung von Psychotherapeuten erlauben, sehe ich einen gewissen Bedarf, diese transparent zu machen.

Internet-Bewertungen und ihre Fallen

(photo source: cbsnews.com)

Ich verstand im Grunde schon früher die Abwehrhaltung der Ärzteschaft gegenüber der Bewertung via Internet. Denn ob man es glaubt oder nicht, die „ärztliche Beziehung“ und das Vertrauensgefühl, das ein Mediziner bei einem Patienten erzeugt (oder nicht erzeugt) ist von hoher Relevanz für das Gefühl an Sicherheit beim betreffenden Arzt und für die Frage, ob man sich beim betreffenden „Herrn Doktor“ gut aufgehoben fühlt. So müssen es viele exzellente, aber vielleicht im zwischenmenschlichen Kontakt unbeholfen, distanziert oder „grummelig“ wirkende Ärzte und Ärztinnen es als unfair, ja als demütigend empfinden, wenn auf Internet-Plattformen - zu ihrem Realnamen - über ihre grobe Schale, defekte WC-Türen oder den starken Akzent ihrer Ordinationshilfe gelästert wird. Sehr häufig geraten zudem vor allem Aspekte der ärztlichen Berufsausübung ins Scheinwerferlicht, die gar nichts mit der eigentlichen ärztlichen Tätigkeit oder fachlicher Kompetenz zu tun haben, sondern bei denen jeder Aspekt der Arztpraxis, der sich von den eleganten und großräumigen Empfangsräumen der Schönheitsärzte, der ärztlichen Attraktivität eines George Clooney (Dr. Ross in der TV-Serie „Emergency Room“) und der Einfühlsamkeit des „Mob Doctor“ Fr. Dr. Devlin unterscheidet, mit zynischem Unterton kritisiert wird. Eine schwierige Situation für die betroffenen Ärzte, obwohl mir ein moderiertes Bewertungssystem unter Involvierung der bewerteten Mediziner zumindest tolerierbar erscheinen würde. Denn immerhin existieren bei der medizinischen Behandlung auch einige annähernd objektiv sowie quantitativ "bewertbare" Verfahren wie etwa die Fähigkeit, Diagnosen auf Basis des wissenschaftlichen Standes zu erstellen, die entsprechenden Behandlungen bzw. Medikamente zu verschreiben, und dabei mit zumindest basaler Empathie auf Patienten einzugehen und ihnen ihre Beschwerden und die gegebenen Therapieempfehlungen ausreichend zu erklären.

Wer ist der beste Therapeut?

In der Psychotherapie dagegen geht es um viel mehr als nur „harte Fakten“. In ihr beginnen, wie man aus der Forschung heute weiß, bereits beim ersten Gedanken (!) an eine Therapie Hoffnungen und Ängste, und spätestens beim ersten Erblicken oder Hören des Therapeuten/der Therapeutin (selbst auf einem Foto oder am Anrufbeantworter!) auch erste Übertragungsprozesse. Ab diesem Zeitpunkt ist also streng genommen ein rein rationaler und objektiver Zugang zu dem, was in dem (formal) noch nicht einmal begonnenen therapeutischen Prozess abläuft, gar nicht mehr möglich. Würde man die Übertragungsintensität im Therapieverlauf graphisch darstellen, würde die Kurve besonders zum Zeitpunkt des Therapiebeginns äußerst steil ansteigen und sich dann auf hohem Niveau einpendeln. Die Fantasien, die wir uns über unsere Therapeuten und Therapeutinnen machen, was wir in ihre Worte und selbst ihre kleinsten Gesten hineininterpretieren, sind in höchstem Masse subjektiv, wir sind in einer Psychotherapie in der Regel verletzlicher als im Alltag, und anfälliger für Verstörungen, Zweideutigkeiten und Missverständnisse. Die therapeutische Kunst ist es, wenn man so will, diesen Prozess einfühlsam wahrzunehmen, zu begleiten und mitunter auch korrekturzusteuern. Und diese Kunst ist alles andere als trivial, da eine Psychotherapie in der Regel zumindest phasenweise einer emotionalen Hochschaubahn gleicht. In Therapien finden Konfrontationen, ja sogar Verletzungen statt, fallweise werden im Dialog persönliche oder gesellschaftliche Tabus überschritten, Klienten können sich allein, hoffnungslos und unverstanden fühlen. Doch damit nicht genug: mitunter beginnen Menschen aufgrund äußeren Drucks oder innerer Verzweiflung eine Therapie, sind aber im Grunde gar nicht bereit dazu. Sie empfinden die Notwendigkeit von Psychotherapie zunächst als "Versagen", lehnen diese daher entweder von vornherein ab oder sind über die Möglichkeiten und Grenzen von Psychotherapie zunächst uninformiert und werden folglich weitgehend unvorbereitet von dem getroffen, was sie da in der Gestalt dieses wildfremden und sich merkwürdig verhaltenden „Psycho's“ und dieser ganz und gar ungewohnten Ausnahmesituation des „therapeutischen Settings“ erwartet.

Wer an dieser Stelle immer noch glaubt, es wäre möglich, auf der Basis von Internet-Bewertungen beurteilen zu können, ob ein Therapeut „gut“ oder „schlecht“ ist, den möchte ich auf die auf meinen Informations-Seiten angeführten und durchaus zahlreichen Studien hinweisen, denen zufolge die Therapeutenwahl eine höchst subjektive Angelegenheit ist. Mehr noch als die Wahl der für eine bestimmte Person „optimalen Therapiemethode“ ist das Gefühl, an einen „guten“ oder „schlechten“ Therapeuten geraten zu sein, äußerst stark von persönlichen Einstellungen und der individuellen psychischen Gesamtsituation beeinflusst. Nicht nur kann ein Therapeut, den Person A als „genial“ bezeichnet, von Person B als „gefühllos“ oder inkompetent eingestuft werden (vielleicht kennen Sie derartige Beispiele sogar aus der eigenen Bekanntschaft). Und noch mehr: dieses Bild über sie oder ihn, ja sogar die Wahrnehmung der Psychotherapie als solche kann sich während des Prozesses diametral verändern: „Nach der dritten Stunde wollte ich schon aufgeben. Heute bin ich glücklich, es nicht getan zu haben.“

Als Psychotherapeut auf der Bühne öffentlicher Bewertungen kann man daher nur bangend auf die Gnade des Zufallsgenerators hoffen: dass die schlimmsten Schüsse an einem vorbeigehen. Denn eines sind alle Bewertungen ganz sicher: höchst subjektiv und willkürlich (da man ja nicht weiß, aus welcher ganz persönlichen Position gegenüber der betreffenden Therapeutenperson der Schreibende heraus die Beurteilung verfasst, selbst Hinweise wie „ist unverlässlich“ oder „wirkt gelangweilt“ reflektieren in der Essenz persönliche Befindlichkeiten und sind zudem mitunter Zerrbilder dessen, was tatsächlich den therapeutischen Prozess ausmacht). Als Orientierung suchender Klient oder Klientin kann man, würde man solche Portale zur Therapeutenwahl heranziehen, eigentlich nur hoffen, dass es sich bei den „bewertenden“ KlientInnen und Ex-KlientInnen wenigstens weder um (enttäuschte oder nach wie vor emotional verstrickte) „Ex-Verliebte“, noch um sogenannte „Therapie-Nomaden“ (Personen, welche einen Therapeuten nach dem anderen konsultieren, aber die Therapien regelmäßig nach kurzer Zeit aufgrund empfundener „Mängel“ wieder abbrechen … nur um wenig später in der nächsten Praxis anzurufen) oder KlientInnen mit einem Vater- oder Mutter-Problem handelte (Übertragungsproblematik)... Für KlientInnen, deren Therapie an sich positiv und hilfreich verläuft, die aber auf negative Internet-Bewertungen ihrer TherapeutInnen stoßen, ergibt sich zudem die Gefahr, durch die Beurteilungen anderer verunsichert zu werden und womöglich letztlich einen Therapieprozess abzubrechen, der für sie heilsam wirkte.

Selbstwertportale

Zusätzlich zu den erwähnten therapiespezifischen Einflußfaktoren beinhalten Bewertungsportale auch erhebliche systemimmanente Probleme und Dynamiken. So können etwa nicht einmal bei simplen „Empfehlungs“-Funktionen eine missbräuchliche Verwendung oder Fehleinschätzungen zuverlässig ausgeschlossen werden. Wer die Internet-Medienberichterstattung verfolgt, hat vielleicht von den Fällen in Deutschland gehört, in denen Ärzte unter der Verwendung unterschiedlicher Mailadressen, ja selbst der Sozialversicherungsdaten von Verstorbenen in diversen Foren und Portalen sich selbst positive Bewertungen verpassten. Das Medium scheint so manche Menschen zu narzisstisch verklärten Selbstdarstellungen und -inszenierungen zu verführen. Ebenso bekannt sind Fälle von gezielten Negativbewertungen – entweder mit dem Ziel einer Abwertung der „Konkurrenz“ oder auch Situationen, in denen Personen ihre Anliegen offenbar nicht persönlich und direkt mit dem/der Therapeuten/in oder Arzt/Ärztin klären konnten oder wollten, um sodann das Ziel zu verfolgen, den empfundenen Gegner zu schädigen und seinem Ansehen Schaden zuzufügen (üblicherweise in der Überzeugung, „andere warnen“ zu müssen). Hierfür existiert mittlerweile erfreulicherweise bereits eine Rechtsprechung, die vor Rufschädigung über das Internet schützt – dennoch ist der entstandene Schaden aber nur selten völlig wiedergutzumachen, ganz zu schweigen vom entstandenen Aufwand für den betroffenen Arzt oder Therapeuten, die entsprechenden Schritte zu setzen. Gesetzliche Regelungen, die derartige Bewertungen aufgrund der immanenten Risiken und potenziellen Folgen generell untersagen, wären hier effizienter, da damit auch der Missbrauch durch anonyme „Bewerter“ von vornherein ausgeschlossen wäre. In derartigen Fällen hat der Psychotherapeut nämlich ja häufig gar nicht die Möglichkeit, eine Unterlassung etwaig missbräuchlicher Kommentare geltend zu machen; mangels Identifizierung des Nutzers und Kenntnis der genauen Behandlungsumstände wäre es zudem vielfach auch nicht möglich, konkret auf den Inhalt des jeweiligen Kommentars einzugehen. Tatsächlich wäre dies einem Psychotherapeuten in den meisten Fällen nicht einmal erlaubt, da er laut Psychotherapiegesetz zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Eine „Gegendarstellung“, etwa bezüglich stattgefundener Abläufe in einer Therapie, könnte dieses Gesetz und den Schutz personenbezogener Daten unter bestimmten Bedingungen verletzen.

„No-Win“-Situation

Der „bewertete Therapeut“ ist damit in einer heiklen „no win“-Situation gefangen – doch die Klientinnen und Klienten ebenso. Denn für beide Seiten ergibt sich durch Bewertungssysteme subtiler Druck auf die therapeutische Beziehung: der Klient, falls es überhaupt einer sein sollte, bastelt über seine Bewertungen am Bild eines „idealen Therapeuten“ mit, der Therapeut wiederum ist in Gefahr, sich dem von den „Konsumenten“ (Kunden) über diese Systeme ausgehenden Druck zu beugen, seine Konturen zu verlieren und diese dem als erwünscht antizipierten „mainstream“ zu opfern. Es erfüllt mich mit Sorge für meine Profession, dass sich einige Therapeuten neuerdings offenbar bemüßigt fühlen, gezielt positive Klientenfeedbacks für die Veröffentlichung auf ihrer „Homepage“ zu sammeln.

Für die Effizienz der Psychotherapien wiederum birgt die dargestellte Dynamik ein weiteres Risiko: der sympathischste, bequemste und 24/7 verfügbare Therapeut muss nämlich keineswegs auch der Beste sein.

Schlussfolgerungen

Welche Empfehlungen lassen sich nun aus den getroffenen Beobachtungen und Überlegungen ableiten?

Gesetzgeber und Berufsverbände: es sind Regelungen anzustreben, die die Bewertungen von Einzel-, Paar-, Familien- und GruppenpsychotherapeutInnen gesetzlich unterbinden.

Therapeutinnen und Therapeuten: lassen Sie sich vom Medium weder ver- noch vorführen, und verfolgen Sie wahrgenommene Missbrauchs- oder Manipulationsversuche nicht nur dann entschlossen, wenn Sie diese auf der Bewerter-Seite wahrnehmen, sondern auch, wenn sie sie im Kollegenkreis orten. Es geht hier, auf der „öffentlichen Bühne Internet“, um unser aller Seriosität und Glaubwürdigkeit.

KlientInnen und Psychotherapie-InteressentInnen: nein, ich werde Ihnen nun keineswegs empfehlen, das Besuchen von Bewertungsportalen generell zu unterlassen. Aber ich lade Sie ein, diese als das zu sehen, was sie im Therapiebereich sind: Sammelbecken für psychische Befindlichkeiten und Ausnahmesituationen – und zwar sowohl positiver als auch negativer Art.

Oder, mit anderen Worten ausgedrückt: geben Sie Ihren Verstand nicht am Bewertungsportal ab.

Nachtrag:

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine von der Deutschen Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin herausgegebene Leitlinie namens "Gute Praxis Bewertungsportale - Qualitätsanforderungen für Psychotherapeutenbewertungsportale" [Link] (ich beziehe mich hier auf die zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments verfügbare 1. Auflage vom Dezember 2011). Hier muss sich die Deutsche Psychotherapeutenkammer schon die Frage gefallen lassen, ob sie hier nicht Leitlinien unterstützt, die, wenn überhaupt, dann viel eher für Arztpraxen geeignet wären. Zudem beschreibt das Dokument eigentlich eher Kriterien für Arzt- und Therapeuten-Verzeichnisse (also Such-Datenbanken), geht auf die tiefgehende Problematik beigefügter Bewertungsfunktionen speziell für den Bereich der Psychotherapie aber nur in Erläuterungskommentaren ein. Konsequenterweise beziehen sich bei der im Dokument angeführten "Checkliste" für derartige Portale lediglich 1/3 der Kriterien auf die Bewertungsfunktionen und Verfahren, die Missbrauch und Manipulation verhindern sollen. Die Hinweise zu einer Reihe von Kriterien bestätigen dabei jedoch (wohl eher unfreiwillig), wie schwierig dieses Ansinnen tatsächlich zu realisieren ist, ja auf einige der spezifischen und in meinem Artikel erwähnten Probleme im Bereich der Psychotherapie wie etwa der zu erwartenden Verzerrung der "Bewertungen" durch Klient/innen und die Schwierigkeit der "Bewertung" von Psychotherapie an sich geht das Dokument bezeichnenderweise überhaupt nicht ein. Meine Vermutung ist insofern, dass die Therapeutenkammer hier eine in diesem Bereich definitiv wenig hilfreiche Allianz mit der mächtigen Dt. Ärztekammer einging, aber die Interessen und Spezifika der eigenen Profession - die als alleinige Konsequenz im Interesse der Seriosität und Integrität psychotherapeutischer Tätigkeit eigentlich ein Verbot derartiger Bewertungsfunktionen, um das "Prüfsiegel" zu erhalten, bedingt hätten - vernachlässigte. So schert die Checkliste einfach Ärzte und Psychotherapeuten über einen Kamm - eine Position, die in der europäischen Psychotherapie eigentlich bereits überwunden sein sollte.

DSP Richard L. Fellner ist Psychotherapeut, Coach und Supervisor in Wien.
Nachdruck gerne gesehen, aber nur mit korrekter Quellenangabe.
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Anhang: weitere Literatur zum Thema, mit Leserrezensionen: