May 03

Wenn der Blutdruck steigt, die Halsvenen anschwellen – und der rationale Verstand auszusetzen droht: Aggression “beamt” uns in ein FrĂŒhstadium unserer Entwicklung zurĂŒck 
 und ist der Adrenalinrausch erst einmal verflogen, kehrt hĂ€ufig Reue ein ĂŒber das, was im Rausch der Emotionen an Zerstörungsarbeit (verbal oder physisch) geleistet wurde.

GrundsĂ€tzlich gibt es 2 Kategorien von Aggression: affektive Aggression (Rache, Feindseligkeit, Neigung zu impulsivem und unkontrolliertem Verhalten) und sog. instrumentelle Aggression (z.B. Jagdverhalten, zielorientiert und ĂŒberlegt). Empirische Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen mit einer Neigung zu affektiver Aggression ĂŒber einen niedrigeren IQ verfĂŒgen als andere. Aggression ist nicht gleichbedeutend mit Gewalt – sie kann diese aber auslösen. Die Ausdrucksweisen von Aggression sind außerdem kulturell unterschiedlich: so neigen diversen Studien zufolge die Bewohner sĂŒdlicher LĂ€nder oder auch von Amerikanern eher zu körperlicher Gewalt als Japaner oder die Bewohner nördlicher LĂ€nder, welche verbale Konfliktlösungen bevorzugen. Auch die Mordquote ist in diesen Regionen höher.

Bemerkenswerterweise gibt es auch einen wichtigen Zusammenhang zwischen der Neigung zur Gewalt und der Sozialisation: wuchsen Menschen in Familien mit hohem Aggressionspotenzial auf (verbale, psychische oder körperliche Gewalterfahrungen), passen sie ihr eigenes Verhalten entsprechend an und neigen – hĂ€ufig, ohne es ursprĂŒnglich zu wollen! – im spĂ€teren Leben auch selbst zu AusbrĂŒchen von Aggression. Dies gilt auch fĂŒr die soziale Akzeptanz von Gewalt, etwa bestimmten Volksgruppen gegenĂŒber: eine Dynamik, die wohl mitverantwortlich ist fĂŒr die nicht endenwollende Gewaltspirale im nahen und mittleren Osten. Viele Menschen reagieren darĂŒber hinaus aggressiv, wenn sie das GefĂŒhl haben, nicht verstanden oder ernst genommen zu werden, oder Ziele und Hoffnungen nicht realisieren zu können. Aus psychologischer Sicht ist dies meist in einem geringen SelbstwertgefĂŒhl begrĂŒndet.

Auch viele Partnerschaften werden durch inadĂ€quaten Ausdruck von Aggression belastet: Studien zufolge neigen MĂ€nner eher dazu, Aggression körperlich und direkt auszudrĂŒcken, Frauen dagegen tun dies eher verbal und indirekt. In Beziehungskrisen sind “Eskalationsspiralen” hĂ€ufig, bei denen zunĂ€chst ein verbaler Schlagabtausch erfolgt, und schliesslich einer der Partner die Kontrolle ĂŒber sich verliert und den anderen körperlich oder seelisch verletzt. Je regelmĂ€ĂŸiger derartige AblĂ€ufe vorkommen, desto schwieriger ist es selbst in einer Paartherapie, die Konfliktmuster aufzulösen. Auch hier gilt also: je frĂŒher erfahrene Hilfe gesucht wird, desto erfolgversprechender!

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle: allhealthsite.com)

ï»ż25.06.19