Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, öfters auch mal “nein” zu sagen
 (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen könnten laut einer kĂŒrzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” veröffentlichten langjĂ€hrigen Studie zufolge auf ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum zurĂŒckzufĂŒhren sein.

FĂŒr die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an HirnschĂ€den, vaskulĂ€rer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in französischen SpitĂ€lern ausgewertet. 39% dieser FĂ€lle ließen sich auf alkoholbedingte HirnschĂ€den zurĂŒckfĂŒhren. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum: “Höchstwahrscheinlich fĂŒhrt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen HirnschĂ€den”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Außerdem erhöht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, SchlaganfĂ€llen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskulĂ€re Demenzrisiko erhöht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum fĂŒr damit verbundene HirnschĂ€den viel grĂ¶ĂŸer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor fĂŒr alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum hĂ€ufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren fĂŒr Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag fĂŒr MĂ€nner (= ca. 4-5 Flaschen Bier ĂĄ 330ml oder 7 “Achterl”-GlĂ€ser Wein ĂĄ 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 GlĂ€ser Wein).

WeiterfĂŒhrende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008–13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

May 08

Eine Kombination spezifischer Abstinenz-Medikation und von Psychotherapie kommt in der Behandlung von AlkoholabhĂ€ngigen derzeit noch selten zum Einsatz. Doch eine neue Studie zeigt, dass sich die Kombination beider in gestuften Behandlungsprogrammen bewĂ€hrt: erhalten die Betroffenen zunĂ€chst Medikamente und anschließend auch psychotherapeutische Betreuung, lassen sich schwere RĂŒckfĂ€lle reduzieren oder deutlich hinauszögern.

Entscheidend fĂŒr den Behandlungserfolg ist aber eine hohe Motivation zur Psychotherapie.

“Bisher werden AlkoholabhĂ€ngige in Deutschland vorwiegend von Suchtberatern betreut”, sagt Dr. M. Berner, OA an der Klinik fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie des UniversitĂ€tsklinikums: “Erst seit wenigen Jahren ĂŒbernehmen die Krankenkassen auch die Kosten fĂŒr störungsspezifische, evidenzbasierte Psychotherapien. Nach wie vor lehnen jedoch viele Therapeuten alkoholabhĂ€ngige Klienten aufgrund vermeintlich geringer Behandlungschancen ab.” Ähnliches gelte fĂŒr sogenannte Anti-Craving-Medikamente, die das Verlangen nach Alkohol reduzieren können. Auch sie gehören bislang nicht zur Standardbehandlung.

Doch in einer gemeinsamen Studie (p=109) der UniversitĂ€tskliniken Freiburg, TĂŒbingen und Mannheim konnte gezeigt werden, dass eine Kombination von Anti-Craving-Medikamenten und Psychotherapie bei bisherigen RĂŒckfall-Patienten die nĂ€chsten RĂŒckfĂ€lle hinauszögern kann. Bereits die Einnahme von Medikamenten allein verdoppelte die Chance, abstinent zu bleiben. Wurden die Patienten jedoch zusĂ€tzlich psychotherapeutisch betreut, vervierfachte sich die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Abstinenz.

Doch nur 33 Betroffene traten die Therapie tatsĂ€chlich an: “Die prinzipielle Bereitschaft zur Therapie genĂŒgt nicht”, so Dr. Berner: “Oft fehlt die Willenskraft, den Plan auch umzusetzen und einen fremden Therapeuten aufzusuchen. Hier kann eine enge Kooperation und Vernetzung von behandelnden Ärzten und Psychotherapeuten helfen.” Auch die Anpassung der Therapie an die individuellen BedĂŒrfnisse des Patienten sei wichtig. Eine Psychotherapie ohne “Committment” (innere Zustimmung) des Patienten sei nicht sinnvoll.

“Sowohl die Behandlung mit Anti-Craving-Medikamenten als auch die umfassende Information ĂŒber die Möglichkeit psychotherapeutischer Betreuung sollten unbedingt zu selbstverstĂ€ndlichen Bestandteilen der Behandlung von AlkoholabhĂ€ngigkeit werden”, fordert Berner. Zu diesem Zweck mĂŒsse jedoch AlkoholabhĂ€ngigkeit tatsĂ€chlich als psychische Störung begriffen werden – auch durch die Öffentlichkeit. HĂ€ufig werden nĂ€mlich Patienten mit Alkoholproblemen nicht als Kranke gesehen.

(Quellen: MedAustria; Michael Berner et.al im Fachmagazin Alcoholism: Clinical & Experimental Research: Alcoholism: Clinical and Experimental Research Early View November 2013 (doi: 10.1111/acer.12317))

Sep 03

Trennung und Scheidung verĂ€ndert nicht nur unser Leben “danach”, sondern auch bevor die Absicht ĂŒberhaupt noch klar gefasst ist. (Bild: Getty)

Hier einige von mir im Laufe der Zeit gesammelten Daten und Fakten zum Thema Trennung und Scheidung. Neue Informationen, “FundstĂŒcke” oder Studien werde ich sukzessive in die Liste mit aufnehmen. Gerne können auch Sie mir aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema zukommen lassen (bitte unbedingt mit Quellenangabe!).

  • Arbeitsteilung im Haushalt? Vielleicht lieber doch nicht: denn eine norwegische Studie aus dem August 2012 stellte fest, dass die Scheidungsrate von Paaren, die die haushaltlichen TĂ€tigkeiten gezielt aufteilen, etwa 50% höher ist als bei solchen, bei denen die Frau die hĂ€uslichen Arbeiten erledigt. Oder, gar nicht unwahrscheinlich: die höhere Scheidungsrate könnte auch mit “modernen” Werten und Einstellungen in Zusammenhang stehen, wie etwa, die Ehe generell nicht mehr als sakrosankt zu betrachten. Eine weitere ErklĂ€rung könnte aber auch sein, dass Paare mit klaren “ZustĂ€ndigkeitsbereichen” weniger anfĂ€lliger fĂŒr Konflikte und MachtkĂ€mpfe sind.
  • “Die Gene”: 02/2012 wurde eine Studie schwedischer Wissenschaftler veröffentlicht, der zufolge es bedingt durch ein spezifisches Gen manchen Frauen schwerer fallen könnte als anderen, in einer Paarbeziehung treu zu bleiben. Konkret hatten TrĂ€gerinnen einer Variation eines Oxytocin-Rezeptor-Gens, das als A-Allel bekannt ist, aufgrund höherer Schwierigkeiten, mit anderen Menschen emotionale Verbindungen herzustellen, nur schwer Heiratspartner. Bereits verheirate TrĂ€gerinnen dieser Genvariation jedoch mussten sich etwa 50% hĂ€ufiger mit Ehekrisen oder “Androhungen der Scheidung” arrangieren.
  • Wie klappt’s mit den Schwiegereltern? 11/2012 wurde eine 26-Jahres-Langzeitstudie der UniversitĂ€t von Michigan veröffentlicht, der zufolge das Scheidungs-Risiko um etwa 20% reduziert ist, wenn der Mann eine gute Beziehung zu den Eltern seiner Frau unterhĂ€lt. Wenn eine Frau eine enge Beziehung zu den Eltern ihres Mannes unterhĂ€lt, ist das Scheidungs-Risiko des Paares dagegen um 20 Prozent erhöht.Warum der Unterschied? Forscher Terry Orbuch glaubt einem Interview zufolge, dass viele Frauen ihre Schwiegereltern als aufdringlich empfinden, wĂ€hrend MĂ€nner die Aktionen ihrer Schwiegereltern tendenziell weniger persönlich nehmen.
  • MĂ€nner “ertrĂ€nken” hĂ€ufig ihren Scheidungsschmerz – eine Studie der University of Cincinnati (07/2012) stellte fest, dass MĂ€nner nach Scheidungen hĂ€ufig beginnen, ihren Alkohol-Konsum massiv zu steigern. Verheiratete Frauen wiederum trinken der Studie zufolge mehr als ihre verwitweten oder geschiedenen Freunde – teils, weil sie mit MĂ€nnern, die höheren Alkoholkonsum an den Tag legten, leben.
  • Zweifel an der Heirat können ein FrĂŒhwarnzeichen sein: in einer Studie der UCLA, welche 09/2012 im Journal of Family Psychology veröffentlicht wurde, fragten die Forscher 232 erstverheiratete Brautpaare, ob sie nach ihrer Verlobung “jemals unsicher oder zögerlich gewesen wĂ€ren, zu heiraten”. Das Forscherteam folgte sodann den Paaren alle sechs Monate die ersten vier Jahre ihrer Ehe hindurch. Es stellte sich heraus, dass “19 Prozent der Paare, in denen Frauen zuvor Zweifel gehabt hatte, vier Jahre spĂ€ter geschieden wurden, aber nur 8 Prozent der Paare, in denen Frauen keine Zweifel gehabt hatte. Auch die Zweifel der MĂ€nner korrelierten mit einer nahezu doppelt so hohen Scheidungsrate (MĂ€nner mit Zweifeln: 14% Scheidungsrate, MĂ€nner ohne Zweifel: 9%).
  • Fremdgehende MĂ€nner erleiden beim Sex eher Herzinfarkte: laut einer Studie, welche 05/2012 von der UniversitĂ€t Florenz veröffentlicht wurde, ereignet sich wĂ€hrend außerehelichem Sex hĂ€ufiger ein “koitaler Herzinfarkt” als in der gewohnten Umgebung. “Außerehelicher Sex ist riskant und emotional anstrengend, weil die Geliebte oft jĂŒnger ist als die Hauptpartnerin, hĂ€ufig folgt der Sex auch ĂŒbermĂ€ĂŸigem Trinken und/oder Essen,” so Dr. Alessandra Fisher in einem Interview. “Eine geheime sexuelle Begegnung in einer ungewohnten Umgebung kann den Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich erhöhen, was zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf fĂŒhrt.”
  • Zusammenleben vor der Ehe ist nicht lĂ€nger ein starker PrĂ€diktor fĂŒr Scheidung, wie eine Studie des Centers for Disease Control and Prevention im FrĂŒhjahr 2012 ergab. Die Auswertung einer Befragung von 22.000 MĂ€nnern und Frauen ergab keine Unterschiede hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, mindestens 15 Jahre verheiratet zu bleiben bei verlobten Paaren, die vor der Hochzeit zusammengelebt hatten und solchen, die dies nicht getan hatten. Bei nicht verlobten, aber zusammenlebenden Paaren allerdings zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass die Partnerschaft die 10-Jahres- oder 15-Jahres-Marke ĂŒberlebte.
  • Scheidung in jĂŒngeren Jahren gesundheitsgefĂ€hrdender: einer Studie der Michigan State University (01/2012) zufolge erlitten diejenigen von 1.282 ĂŒber einen Zeitraum von 15 Jahren hindurch beobachteten Personen, die sich von ihrem Partner in einem jĂŒngeren Alter trennen, mehr gesundheitliche Probleme als jene, die sich erst in mittleren oder spĂ€ten Lebensabschnitten scheiden lassen. Möglicherweise verfĂŒgen Ă€ltere Menschen ĂŒber mehr BewĂ€ltigungsstrategien, um mit dem Stress der Scheidung umzugehen.
  • Frauen mit Trennungsabsicht arbeiten mehr: Ende 2012 veröffentlichte die European Economic Review eine Studie, derzufolge bei Frauen, die zusĂ€tzliche 12 Minuten pro Woche arbeiten, das Risiko einer Trennung oder Scheidung um 1% zunimmt. Ein Grund dafĂŒr könnte dem Soziologen Berkay Özcan sein, dass lĂ€ngere Arbeitszeiten eine Form der “Versicherung” fĂŒr Frauen darstellen, wenn ihre Ehe zugrunde zu gehen droht. Auch bei MĂ€nnern wurden diese Tendenzen beobachtet, auch wenn die Minutenzahlen im Schnitt geringer ausfielen.
Nov 18

Die meisten Betroffenen gestehen sich selbst viel zu spĂ€t ein, ‘burned out’ zu sein.
(Photo credit: Flickr/Zach Klein)

Burnout” ist eines der diagnostischen Modeworte der letzten Jahre, und von daher nicht ganz ĂŒberraschend stiegen die Zahlen der entsprechend diagnostizierten Patienten exorbitant an –  deutlich stĂ€rker, als Faktoren wie “schwierige Wirtschaftslage” oder “gestiegener Druck am Arbeitsplatz” dies erwarten lassen wĂŒrden. Dies lĂ€ĂŸt die Vermutung zu, dass es sich hĂ€ufig um Verlegenheitsdiagnosen handelt, welche dann gegeben werden, wenn die vorliegenden Symptome von Patienten nicht eindeutig einem physiologischen Krankheitsbild zuzuordnen sind oder eine “problematischer” klingende Diagnose – und das ist z.B. “Depression” fĂŒr die meisten immer noch – vermieden werden soll.

Doch worum handelt es sich tatsĂ€chlich bei diesem Diagnose-Begriff “Burnout” und was beschreibt er genau? Wie kann man feststellen, ob man selbst an “Burnout” leidet?

WĂ€hrend der letzten Jahre wurde von Psychologen, Ärzten und Therapeuten fĂŒr die Diagnosestellung, PrĂ€ventions- und TherapieansĂ€tze des “Burnout-Syndroms” eine ganze FĂŒlle an Publikationen herausgebracht. Im Wesentlichen wird das Burnout-Syndrom dabei als Resultat einer chronischen Arbeits- oder interpersonellen Stressbelastung beschrieben, die sich in den drei Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung  / Zynismus und subjektiv empfundene reduzierte LeistungsfĂ€higkeit Ă€ussert (Maslach, C., 1976):

  • Emotionale Erschöpfung wird als der wesentlichste Aspekt des Syndroms betrachtet und zeigt sich als emotionale und körperliche Kraftlosigkeit.
  • Depersonalisation/Zynismus beschreibt eine gefĂŒhllose, abgestumpfte Reaktion auf Klienten wie z.B. SchĂŒler, Patienten, Kunden oder Mitarbeiter. Dieses Verhalten wird als Versuch interpretiert, Distanz zu schaffen.
  • Verminderte subjektive Leistungsbewertung beschreibt GefĂŒhle des Versagens und UngenĂŒgens, den zunehmenden Verlust des Vertrauens in die eigenen FĂ€higkeiten.

Der in der Psychologie verwendete und dort noch etwas genauer spezifizierte  Begriff, der den prozesshaften Verlauf des Burnout-Zustandes (im Unterschied zum Burnout-Syndrom) beschreibt, wird auf den in Frankfurt geborenen US-Psychologen Herbert Freudenberger zurĂŒckgefĂŒhrt, der diesen im Jahre 1974 auf der Basis persönlicher Überlastungs-Erfahrungen in seinem Buch “Staff Burnout” geprĂ€gt (und selbst vermutlich einer Novelle von Graham Greene entliehen) hat. Gemeinsam mit seiner Kollegin Gail North definierte er 12 sogenannte “Burnout-Phasen”, die im Gesundheitswesen bis heute hĂ€ufig zum Zweck der Diagnose herangezogen werden. Die Symptome mĂŒssen allerdings weder in der beschriebenen Reihenfolge auftreten noch alle vorhanden sein, damit man laut H. Freudenberger / G. North1 von “Burnout” sprechen kann:

Die 12 Burnout-Phasen

  • Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen
  • Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen zu erfĂŒllen
  • Überarbeitung mit VernachlĂ€ssigung anderer persönlicher BedĂŒrfnisse und sozialer Kontakte
  • Überspielen oder Übergehen der inneren Probleme und Konflikte
  • Zweifel am eigenen Wertesystem und ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  • Verleugnung entstehender Probleme, zunehmende Intoleranz und GeringschĂ€tzung Anderer
  • RĂŒckzug und Vermeidung sozialer Kontakte auf ein Minimum
  • Offensichtliche VerhaltensĂ€nderungen, fortschreitendes GefĂŒhl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  • Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen, das Leben verlĂ€uft zunehmend „mechanistisch”
  • Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese GefĂŒhle durch Überreaktionen zu ĂŒberspielen (SexualitĂ€t, Essgewohnheiten, Alkohol und Drogen)
  • Depression mit Symptomen wie GleichgĂŒltigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit
  • Erste Selbstmordgedanken als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

Zu diesen psychischen Anzeichen kommen meist nach einiger Zeit des Leidens auch noch körperliche. Abgesehen von der reduzierten Performance und EffektivitĂ€t im Beruf wird bei “Burnout”-PatientInnen meist auch eine erhöhte AusschĂŒttung von Stresshormonen festgestellt. Die Betroffenen werden dadurch deutlich anfĂ€lliger fĂŒr Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems und zahlreiche andere psychosomatische und rein somatische (sind es diese dann noch?) Erkrankungen, aber auch Depression.

Und hier liegt das SchlĂŒsselwort, denn “Burnout” ist tatsĂ€chlich (zumindest derzeit) gar kein wissenschaftlich anerkannter Diagnosebegriff, weder im Klassifikationsschema ICD-10, noch im aktuell gĂŒltigen und vor allem im angloamerikanischen Raum hĂ€ufig eingesetzten DSM-IV. Und es sieht auch nicht danach aus, dass sich das in den derzeit in Begutachtung befindlichen nĂ€chsten Versionen dieser Manuals, dem ICD-11 und DSM-V Ă€ndern wĂŒrde. Wie also lĂ€sst sich “Burnout” medizinisch korrekt definieren und wie ist es von anderen Störungsbildern abzugrenzen?

Emotionale Erschöpfung: es gibt starke Parallelen zwischen dem Auftreten beider Störungsbilder, auch kann emotionale Erschöpfung unbehandelt in Burnout mĂŒnden.

– Auch zwischen Schlafstörungen und Burnout bestehen ZusammenhĂ€nge und Wechselwirkungen: der Schlaf wird von vielen Burnout-Patienten als mangelhaft und nicht erholsam beschrieben, tagsĂŒber besteht hĂ€ufig SchlĂ€frigkeit und mentaler Energiemangel. Umgekehrt können Schlafprobleme einen Risikofaktor fĂŒr spĂ€teres Burnout darstellen.

Stress und Psychosomatik: akuter Stress kann kardiale Störungen, Herzinfarkte und Diabetes Typ-2 auslösen. Chronisch höhere Spannungen in der Arbeit wiederum fĂŒhren zu erhöhter Kortisol-AusschĂŒttung, die ihrerseits die Bildung des metabolischen Syndroms mit HyperlipidĂ€mie und arterieller Hypertonie begĂŒnstigt. Die hĂ€ufig stressbedingten gesundheitsschĂ€digenden Verhaltensweisen, etwa erhöhter Nikotin- oder Alkoholkonsum und schlechte Planung körperlicher und psychischer Erholung, dĂŒrften nach einiger Zeit auch ohne körperliche Stressreaktionen massivste Auswirkungen zur Folge haben. Bemerkenswerterweise scheinen Frauen vor allem auf muskuloskelettaler und Stoffwechselebene zu reagieren, MĂ€nner dagegen nahezu ausschließlich auf kardiovaskulĂ€rer Ebene.

Depression: Die hĂ€ufigsten Fehldiagnosen finden vermutlich im vielen Ärzten und Therapeuten nur vage bekannten Graubereich zwischen Depression und “Burnout” statt. Ahola und Hakanen (2007) schlussfolgern auf Basis ihrer Untersuchungen, dass Burnout und Depressionen nicht gleichzusetzen sind, dass aber chronische Stressbelastungen ĂŒber Burnout-ZustĂ€nde in Depressionen mĂŒnden können. So steigt bei zunehmendem Schweregrad von Burnout die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, auf bis zu 50% an (Ahola, Honkonen et al., 2005). Iacovides et al. (2003) betrachten Burnout und Depression jedoch als zwei separate PhĂ€nomene und Krankheitskonzepte, die aber gemeinsame Charakteristika aufweisen. Auch ihnen zufolge mĂŒndet unbehandeltes Burnout in seiner schwersten Stufe letztlich hĂ€ufig in Verzweiflung und Depression.

Zum Vergleich mit den oben beschriebenen Spezifika von “Burnout” hier die Merkmale einer depressiven Episode gemĂ€ĂŸ ICD-10:

“Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrĂŒckten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und AktivitĂ€t. Die FĂ€higkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. AusgeprĂ€gte MĂŒdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. SelbstwertgefĂŒhl und Selbstvertrauen sind fast immer beeintrĂ€chtigt. Sogar bei der leichten Form kommen SchuldgefĂŒhle oder Gedanken ĂŒber eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrĂŒckte Stimmung verĂ€ndert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf LebensumstĂ€nde und kann von sogenannten “somatischen” Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, FrĂŒherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. AbhĂ€ngig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.”

Es ist also davon auszugehen, dass ein betrĂ€chtlicher Teil der Menschen, die wegen „Burnout” eine lĂ€ngere Auszeit nehmen, de facto an einer depressiven Erkrankung leiden (wobei diese durchaus auch mit beruflichen Problemen in Zusammenhang stehen kann) – nĂ€mlich dann, wenn alle fĂŒr die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen vorliegen. Zur Depression gehört immer auch das GefĂŒhl tiefer Erschöpftheit, welches so manchen Arzt, Coach oder Therapeuten zur vorschnellen Diagnose “Burnout” verleiten dĂŒrfte, da dieser Zustand SelbstĂŒberforderung oder Überforderung durch außen als Ursache suggeriert. Doch fatalerweise ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsĂ€chliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung, was dann zu Fehlbehandlungen fĂŒhren kann. Viele depressiv Erkrankte etwa fĂŒhlen sich in einer schweren depressiven Episode zu erschöpft, um ihrer Arbeit nachzugehen, ja um sich selbst zu versorgen; doch nach erfolgreicher Behandlung und Abklingen der Depression empfinden sie die zuvor als völlige Überforderung wahrgenommene berufliche TĂ€tigkeit wieder als befriedigenden und sinnvollen Teil ihres Lebens. Das ist bei Burnout jedoch nicht so: hier wird als Teil der Behandlungsstrategie hĂ€ufig empfohlen, langsamer zu treten, lĂ€nger zu schlafen und Urlaub zu machen. Liegt jedoch tatsĂ€chlich eine depressive Erkrankung vor, wĂ€ren dies zumeist keine empfehlenswerten oder sogar gefĂ€hrliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf lĂ€ngeren Schlaf und eine lĂ€ngere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und weiterer Stimmungsverschlechterung. Auch sind Urlaube oder Krankschreibungen etwas, von dem vielen depressiv Erkrankten abgeraten wird, da man die Depression “mitnimmt” und der eigene Zustand mit Antriebsstörung, GrĂŒbeln und der UnfĂ€higkeit, irgendeine Freude zu empfinden, allein daheim oder im Urlaub in fremder Umgebung als besonders bedrĂŒckend und schmerzlich erlebt wird. Nicht selten treten gerade in solchen Situationen dann erste Suizidgedanken auf. Aus diesem Grund ist eine fachkundige Diagnose, idealerweise durch Ärzte, Psychologen oder Psychotherapeuten, die sowohl im Feld der Depressions- als auch der Burnout-Betreuung Erfahrung haben, dringend anzuraten. Nur eine korrekte Diagnose ermöglicht einen adĂ€quaten Therapieansatz sowie ein möglichst rasches Greifen des therapeutischen Angebots!

TherapieansÀtze bei Burnout-Symptomatik

Aufgrund der KomplexitĂ€t der möglichen Ursachen und ZusammenhĂ€nge, aber auch aus GrĂŒnden der hĂ€ufig schwierigen Abgrenzung der Ätiologie und gegenĂŒber anderen Störungsbildern steht am Beginn einer erfolgreichen Therapie eine sorgfĂ€ltige medizinische und psychotherapeutische oder psychiatrische, sowie ggf. eine schlafmedizinische Diagnose. Die Therapie richtet sich dann naturgemĂ€ĂŸ nach den Erkenntnissen dieser Diagnosestellung.

Bei leichteren Beschwerden ohne Depression genĂŒgen mitunter geringe Interventionen wie die Ausarbeitung alternativer Strategien fĂŒr das Arbeitsumfeld, Entspannungsverfahren und StressbewĂ€ltigungs-Techniken. Dies kann direkt am Arbeitsplatz (z.B. Arbeitspsychologe oder Coach) oder privat (Kurzzeit-Psychotherapie oder Coaching) geschehen.

Entspricht die Symptomatik jedoch einer depressiven Episode oder bestehen körperliche Symptome, die direkt oder indirekt mit einer Burnout-Symptomatik im Zusammenhang stehen, ist adĂ€quate und regelmĂ€ĂŸige Psychotherapie, nötigenfalls mit pharmakologischer UnterstĂŒtzung, bis zum völligen Abklingen der Symptome ĂŒber einen Zeitraum zumindest mehrerer Wochen indiziert. Ziel dieser Maßnahmen ist verbesserte StressbewĂ€ltigung (Coping) und PrĂ€vention (Coaching). Die Prognose ist i.d.R. gut; in EinzelfĂ€llen jedoch – etwa, wenn die Arbeitsstrukturen nicht adĂ€quat verĂ€ndert werden können und eine positive ArbeitsatmosphĂ€re nicht erreichbar scheint – kann aber auch eine radikale berufliche VerĂ€nderung oder ein vorĂŒbergehender Berufsausstieg (Krankenstand, Sabbatical,..) erforderlich sein, um eine vollstĂ€ndige Regeneration bzw. Rehabilitation zu erreichen.

Literatur zum Thema:
Depression
Burnout

Quellen:
Ahola K, Hakanen J. Job strain, burnout, and depressive symptoms: A prospective study among dentists. J Affect Disord. 2007;104:103-10.
Ahola K, Honkonen T, IsometsĂ€ E, Kalimo R, Nykyri E, Aromaa A et al.: The relationship between job-related burnout and depressive disorders – results from the Finnish Health 2000 Study. J Affect Disord. 2005;88: 55-62.
Iacovides A, Fountoulakis KN, Kaprinis S, Kaprinis G. The relationship between job stress, burnout and clinical depression. J Affect Disord. 2003;75:209-21.
Maslach, C. Burned-out. Hum Behav. 1976;5:16–22.
Freudenberg HJ. Staff burnout. J Soc Issues. 1974;30:159–64.
Nil R, Jacobshagen N, SchĂ€chinger H, Baumann P, Höck P, HĂ€ttenschwiler J, Ramseier F, Seifritz E, Holsboer-Trachsler E. Burnout – an analysis of the status quo. Schweiz Arch Neurol Psychiatr. 2010;161(2):72–7.
Bildquelle: timsstrategy.com

Nov 06

Hatten Sie kĂŒrzlich mit jemandem Kontakt, der völlig die Kontrolle ĂŒber sich verlor?

Bei Kindern und Jugendlichen werden Verhaltensmuster, die die sozialen Normen oder die Grenzen der anderen verletzen, als “Verhaltensstörungen” bezeichnet. Ich halte diese Begriffswahl an sich fĂŒr problematisch, denn denn wer dĂŒrfte sich schon anmaßen, “korrektes” Verhalten zu definieren? In der Fachwelt jedoch werden unter diesem Begriff konkret AggressivitĂ€t, Bullying, LĂŒgen, grausames Verhalten anderen Menschen oder Tieren gegenĂŒber, destruktives Verhalten, Vandalismus und Diebstahl verstanden – und das gibt dann vermutlich doch einen ganz guten Eindruck darĂŒber, was gemeint ist.

Die betreffenden MinderjĂ€hrigen kommen meist aus problematischen VerhĂ€ltnissen, haben Mißbrauchs-, Gewalterfahrungen oder einen Elternteil mit einem Suchtproblem. Werden ihre damit verbundenen Probleme nicht gelöst, können sich bei ihnen Persönlichkeitsstörungen entwickeln, wie die sogenannte “antisoziale Persönlichkeitsstörung”, bipolare Störungen oder Psychopathie. Diesen ist gemein, dass sie das Risiko fĂŒr eigene oder fremde körperliche Verletzungen, Depressionen, Suchtverhalten, GefĂ€ngnisstrafen, Mord oder Suizid stark erhöhen, unter anderem deshalb, weil die Betroffenen Konflikten nicht aus dem Weg gehen und hĂ€ufig auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zurĂŒckschrecken. HĂ€ufig besteht auch nur eine geringe Hemmung, andere zu betrĂŒgen, zu bestehlen und das Eigentum anderer zu zerstören. Paradox ist, dass das Verhalten dieser Personen Ă€ußerlich zwar sehr bestimmt und selbstbewußt wirken mag, sie sich im Grunde aber meist sehr allein, Ă€ngstlich und hoffnungslos fĂŒhlen, was nicht selten zu Alkoholmißbrauch, Depressionen und anderen Folgeproblemen fĂŒhrt.

Am besten kann das Verhalten antisozialer Personen psychologisch erklĂ€rt werden. Mediziner suchen nach rein körperlichen (z.B. genetischen) ErklĂ€rungen, lassen dabei aber hĂ€ufig außer Acht, dass fĂŒr viele Betroffene ihr aggressives Verhalten zum Selbstschutz und als Ventil fĂŒr emotionale Spannungen dient. Diese Spannungen existieren nicht nur in ihnen selbst, sondern entstehen ĂŒbermĂ€ĂŸig schnell auch im Kontakt mit anderen. Bei psychopathischen PersönlichkeitszĂŒgen mangelt es zusĂ€tzlich an Empathie und VerstĂ€ndnis fĂŒr die Situation der anderen, was die Hemmung fĂŒr Aggression und illegale Handlungen noch weiter herabsetzt

Es ist deshalb normalerweise empfehlenswert, offene Konflikte mit aggressiven oder antisozialen Personen zu vermeiden: nicht nur wĂŒrden diese Leute im Konfliktfall unfĂ€hig sein, sich in Ihre persönliche Situation hineinzuversetzen, sondern auch dazu, den Konflikt auf GesprĂ€chsebene zu klĂ€ren, geschweige denn, auf konstruktive Weise. Besser ist es, zunĂ€chst auf Abstand zu gehen, um das GegenĂŒber emotional “abkĂŒhlen” zu lassen, und es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmals zu versuchen.

Die Betroffenen selbst können mit psychologischer Hilfe bzw. Psychotherapie nach einiger Zeit zu deutlich besserer Selbstkontrolle und Lebenszufriedenheit finden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle:willow-park.co.uk)

Sep 12

Wie eine kĂŒrzlich an der UniversitĂ€t von Kalifornien in San Diego abgeschlossene Studie herausfand, erleidet weltweit etwa jeder fĂŒnfte Mann im Laufe seines Lebens eine alkoholbedingte Störung. Das Risiko fĂŒr Alkoholmissbrauch liegt bei MĂ€nnern bei rund 15%, das fĂŒr eine Sucht bei 10%. Frauen sind etwa halb so stark gefĂ€hrdet1.

Menschen in Nord- und Osteuropa sind stĂ€rker alkoholgefĂ€hrdet als SĂŒdeuropĂ€er, und auch Bewohner von IndustrielĂ€ndern haben hĂ€ufiger einschlĂ€gige Probleme als jene aus EntwicklungslĂ€ndern. Dennoch gebe es ein Ă€hnliches chronologisches Schema, schreibt der untersuchende Mediziner Marc Schuckit im Fachblatt “The Lancet”1.

So trinken die meisten Menschen das erste Mal etwa im Alter um 15 Jahre. Am stĂ€rksten wird der Drang nach Alkohol im Alter von 18 bis 22 Jahren. Mitte 20 beginnen viele Menschen wieder ihren Alkoholkonsum zu drosseln. Wer allerdings weiter regelmĂ€ĂŸig trinkt, dem drohen psychische und körperliche Konsequenzen, die von Depressionen ĂŒber Herzkreislauf-Erkrankungen bis hin zu einem erhöhten Leberkrebsrisiko und Krampfadern in der Speiseröhre reichen. Von der frĂŒhzeitigen Erkennung eines Suchtverhaltens profitieren die Patienten also langfristig ganz besonders.

Doch einer Studie der Carl von Ossietzky UniversitÀt Oldenburg aus dem Jahre 2010 zufolge gingen Patienten erst nach durchschnittlich 11 Jahren AlkoholabhÀngigkeit zum ersten Mal in die REHA. Dies sind dann Krankheitsgeschichten, die in dieser Zeitspanne oftmals viele soziale Probleme, Stress in der Familie und lange Krankheitsausfallzeiten beinhalten.

Hinweis: dieser Artikel wird laufend mit aktuellen Informationen zum Thema “Alkoholismus” erweitert.
Erstveröffentlichung: 01/2009; letztes Update: 09/2011

Quellen: The Lancet [1] Image src:contextview.com

WeiterfĂŒhrende Hinweise:
Literaturtipps zum Thema “Alkoholismus”
Selbsttest auf Alkohol-Mißbrauch

Nov 03

Als im letzten Jahr der damalige Drogenbeauftragte der Regierung, der Neuropsychopharmokologe David Nutt vom Imperial College, die “kĂŒnstliche” Aufteilung von erlaubten und verbotenen Drogen kritisierte und sagte, dass die erlaubten Drogen Alkohol und Nikotin viel gefĂ€hrlicher seien als die verbotenen LSD, Ecstasy oder Cannabis, musste er sofort zurĂŒcktreten. Offenbar hatte er damit ein Tabu verletzt, denn die Aufteilung der Drogen ist auch eine kommerzielle, kulturelle und politische Entscheidung.

In einer Studie, die im Wissenschafts-Magazin Lancet veröffentlicht wurde erschienen ist, versucht der Drogenexperte nun noch einmal wissenschaftlich zu belegen, dass Alkohol die gefĂ€hrlichste Droge ist. In der Studie wurde eine Rangliste der GefĂ€hrlichkeit von 20 Drogen fĂŒr die Konsumenten (9 Kriterien) und deren Umfeld (7 Kriterien) erstellt, die Kriterien dafĂŒr waren vom Advisory Council on the Misuse of Drugs (ACMD) festgelegt worden. Daraus wurde fĂŒr die Bewertung eine Entscheidungsanalyse entwickelt.


Die kombinierte Rangliste der Drogen. Bild: Lancet/Nutt et al.

Zu den Gefahren fĂŒr die Konsumenten rechneten die Experten die von den Drogen verursachte MortalitĂ€t, die Krankheiten und körperlichen sowie psychischen Folgen, die AbhĂ€ngigkeit und soziale sowie ökonomische Folgen (Verlust an Freunden, Jobverlust, GefĂ€ngnisstrafen etc.). Bei den Folgen fĂŒr das Umfeld der Drogenkonsumenten wurden steigende direkt oder indirekte Verletzungs- oder SchĂ€digungsgefahr (Gewalt, AutounfĂ€lle etc.), KriminalitĂ€t, ökonomische Kosten, BeeintrĂ€chtigung der Familien, internationale Folgen (KriminalitĂ€t, Entwaldung, Destabilisierung von LĂ€ndern), UmweltschĂ€den und Folgen fĂŒr das Wohnviertel berĂŒcksichtigt.

Zieht man nur die Folgen fĂŒr den Konsumenten selbst in Betracht, sind Heroin, Crack und die Designerdroge Metamfetamin (Crystal, Crystal Speed, Ice) am gefĂ€hrlichsten. FĂŒr die Mitmenschen ist der hingegen der Konsum von Alkohol, Heroin und Crack am gefĂ€hrlichsten. Nimmt man beide GefĂ€hrdungen zusammen, so liegt Alkohol deutlich an der Spitze, gefolgt von Heroin und Crack. Tabak rangiert hinter Kokain, aber vor Marihuana. Khat, Steroide, Ecstasy, LSD, Buprenorphin und Pilze sind am wenigsten gefĂ€hrlich und praktisch nur fĂŒr den Konsumenten. Beim Alkohol schlagen vor allem die wirtschaftlichen Kosten, Gewalt und Verletzungen, Familie, KriminalitĂ€t und Schaden fĂŒr das Wohnviertel durch.

Im diesbezĂŒglichen Vollartikel auf tp findet sich auch der Link zu einer Übersichtskarte, welche die unterschiedliche HĂ€ufigkeit des Alkoholkonsums in der Weltbevölkerung plastisch darstellt:

In stehen demnach nach RumĂ€nien Deutschland und Österreich an der Spitze des Alkoholkonsums, gefolgt von Spanien und Großbritannien. Die Italiener trinken deutlich weniger, die Letten, Slowenen oder Schweden am wenigsten. Die meisten Alkoholabstinenten, genauer diejenigen, die im letzten Jahr kein alkoholisches GetrĂ€nk zu sich genommen haben, findet man in Italien (40 Prozent), gefolgt von Ungarn, Portugal, Malta, Spanien und Polen (28 Prozent). In Deutschland sind es 19 Prozent.
Der durchschnittliche WesteuropĂ€er trinkt ein Drittel mehr Alkohol als jede andere Person in einer anderen Region. In weiten Teilen des Nahen Ostens und von Nordafrika wird praktisch gar nicht getrunken: dort herrscht, alkoholisch zumindest, NĂŒchternheit. Nach der Statistik trinken weltweit die Ugander am meisten, dann die Luxemburger, die Tschechen, die Moldavier und die Franzosen. Den siebten Platz teilen sich die Deuschen mit den Österreichern, Kroaten und Portugiesen. Alkoholische Trockenheit herrscht in Indonesien, Bangladesch und Pakistan.

Auch die interaktive Karte von ShowWorld stellt die Verteilung gut dar. Klicken Sie in ihr auf die Rubrik “Living – Food/Dining”.

Bemerkenswerte neue öffentliche Stimmen gibt es auch in Sachen DrogenkriminalitĂ€t: so wĂŒrden repressive Maßnahmen durch Polizei und Justiz das Problem fĂŒr DrogensĂŒchtige und damit auch die BekĂ€mpfung von Aids verschĂ€rfen, wie Experten anlĂ€ĂŸlich der 18. Internationalen Aids-Konferenz in Wien im Juli dieses Jahres verlautbarten. Sie fordern deshalb nun in einem internationalen Aufruf – der “Wiener Deklaration” – das Ende von kontraproduktiven “Drogenkriegen”.

“Viele von uns in der Aids-Forschung und in der Betreuung der Betroffenen sehen jeden Tag die verheerenden Effekte von falschen Strategien in der Drogenpolitik. Sie heizen die Aids-Epidemie noch weiter an und bedeuten Gewalt, steigende KriminalitĂ€tsraten und die Destabilisierung ganzer Staaten. Trotzdem gibt es noch keinen Beweis, dass sie den Drogenkonsum oder die Versorgung mit Drogen reduzieren”, erklĂ€rte dazu Julio Montaner, PrĂ€sident der IAS.
Als Wissenschaftler sei man verpflichtet, Strategien auf Basis von gesicherten Erkenntnissen vorzuschlagen. In Sachen illegaler Drogen wĂŒrden sie dort beginnen, wo man “Sucht als Krankheit und nicht als Verbrechen” akzeptiere.

Die Verfasser fĂŒhren im Einzelnen folgende Konsequenzen falscher Anti-Drogen-Strategien an:

  • Die HIV-Epidemie wird durch die Kriminalisierung von Benutzern illegaler Drogen noch vergrĂ¶ĂŸert, ebenso durch die Verhinderung von Opiat-Substitutions- und von Spritzentausch-Programmen.
  • Die Inhaftierung von Drogenkranken als Konsequenz von Strafgesetzen fĂŒhrt zu HIV-AusbrĂŒchen unter den HĂ€ftlingen. Gerade in GefĂ€ngnissen gebe es aber einen Mangel an PrĂ€ventions-Maßnahmen.
  • In vielen Staaten sei es durch die Drogengesetzgebung zu einer Rekordrate an Inhaftierungen gekommen. Gleichzeitig hĂ€tte das die Rassendiskriminierung erhöht. Die Autoren: “…dieser Effekt war besonders stark in den Vereinigten Staaten, wo zu jedem gegebenen Zeitpunkt jeder neunte BĂŒrger afro-amerikanischer Herkunft in der Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren inhaftiert ist – zum grĂ¶ĂŸten Teil wegen Drogendelikten.”
  • Ein riesiger illegaler Markt im Umfang von jĂ€hrlich 320 Milliarden US-Dollar (260 Mrd. Euro). Die Autoren: “Die Profite bleiben gĂ€nzlich außerhalb der Kontrolle des Staates. Sie fördern KriminalitĂ€t, Gewalt und Korruption in zahllosen StĂ€dten und haben ganze Staaten destabilisiert, wie Kolumbien, Mexiko und Afghanistan.”
  • “Milliarden von Steuergeldern (US-Dollars, Anm.) sind in diesem ‘Krieg gegen Drogen’ fehlinvestiert worden, ohne das Ziel der Kontrolle des Problems zu erreichen. Stattdessen hat das massiv zu den angefĂŒhrten SchĂ€den beigetragen.”

Die Verfasser der “Wiener Deklaration” fordern deshalb eine transparente Analyse der Wirksamkeit der derzeitigen Drogenpolitik, die Verwendung und die Bewertung von Maßnahmen, die auf wissenschaftlicher Basis stattfinden.

Drogenkonsumenten sollten “entkriminalisiert” werden. Auch alle Zwangstherapie-Zentren sollten geschlossen werden, da sie die Menschenrechte verletzen. Und schließlich sollte es mehr Geld fĂŒr die Verhinderung von HIV-Infektionen geben.

(Quellen: tp, APA, ORF.at)

Jun 13

Negative Erfahrungen in und Trennungen von Liebesbeziehungen setzen jungen MĂ€nnern emotional offenbar weit heftiger zu als gleichaltrigen Frauen. Eine Studie, welche von Soziologen der amerikanischen Wake Forest UniversitĂ€t im “Journal of Health and Social Behavior” veröffentlicht wurde, widerlegt das Vorurteil, Frauen reagierten auf Krisen in der Partnerschaft besonders empfindlich.

Mehr als 1.000 Teilnehmer im Alter von 18 bis 23 Jahren wurden zu ihren Partnerschaften und erfolgten Trennungen befragt. Den Ergebnissen zufolge verbergen viele junge MĂ€nner zwar nach außen hin ihre GefĂŒhle unter einer rauen Maske – unter der stoischen OberflĂ€che aber brodelt es hĂ€ufig. “Überraschenderweise reagieren junge MĂ€nner stĂ€rker auf die QualitĂ€t laufender Beziehungen”, so die Studienleiterin R. Simon.

Kriselt es in der Partnerschaft, so reagieren die Geschlechter unterschiedlich: “Frauen drĂŒcken emotionale Belastung eher in Form von Depression aus, wĂ€hrend MĂ€nner eher zu Alkohol- und Drogenproblemen neigen”. Die grĂ¶ĂŸere Empfindsamkeit junger MĂ€nner erklĂ€rt die Forscherin damit, dass romantische Beziehungen fĂŒr sie oft die einzige Quelle von IntimitĂ€t seien. Frauen pflegten dagegen generell engere Beziehungen zu Familie und Freundinnen. Zudem kratze eine kriselnde Partnerschaft möglicherweise besonders stark an IdentitĂ€t und SelbstwertgefĂŒhl junger MĂ€nner.

Dies gilt allerdings nur fĂŒr bestehende Beziehungen. Ein Singledasein birgt dagegen fĂŒr junge Frauen mehr Schrecken als fĂŒr gleichaltrige MĂ€nner. Sie können zwar besser mit dem Auf und Ab einer Partnerschaft umgehen, leiden aber unter deren Ende besonders stark.

(Quellen: R.W.Simon, A.E. Barrett, “Nonmarital Romantic Relationships and Mental Health in Early Adulthood” in: Journal of Health and Social Behavior, Vol. 51, No. 2, 168-182 (2010) DOI: 10.1177/0022146510372343; Der Standard; Photo source: mentalhealthy.co.uk)

Nov 07

Cannabis AbhĂ€ngigkeitDer Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gefĂ€hrlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD gehören in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. FĂŒr den Handel ist die Höchststrafe lebenslĂ€nglich GefĂ€ngnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefĂ€hrliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden wĂŒrden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “kĂŒnstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgelöst wird, und auch sonst schĂ€dliche Folgen eher gering sind, plĂ€diert er fĂŒr die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher hĂ€tten ein 2,6 Mal so großes Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber mĂŒsse man etwa im VerhĂ€ltnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal grĂ¶ĂŸeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man mĂŒsse alle Drogen nach ihrer GefĂ€hrlichkeit einstufen. Dann kĂ€me Alkohol an fĂŒnfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und mĂŒsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak kĂ€me an neunter Stelle – auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man mĂŒsse offen darĂŒber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, sĂŒchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, WĂŒrstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enthĂ€lt – körperlich abhĂ€ngig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ernĂ€hrt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschrĂ€nkte Mengen an Junk Food, also an fetten, sĂŒĂŸen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen ließ sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verwöhnten Ratten immer mehr Stimulation benötigten, um die Lust zu verspĂŒren, die Ratten mit gesĂŒnderer ErnĂ€hrung hatten. Die verwöhnten Ratten aßen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fraßen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute). Photos: zamnesia, dreamtime

Jul 21

Ab wann hat man nach medizinischen und psychologischem FachverstĂ€ndnis eigentlich tatsĂ€chlich ein Alkohol-Problem? Da sowohl von Klienten als auch im Diskussions-Forum meiner Website diese Frage regelmĂ€ĂŸig aufkommt, hier ein kurzer Abriß der Kriterien, nach denen ĂŒblicherweise “Alkoholismus” bzw. Alkohol-AbhĂ€ngigkeit definiert wird.

“Alkoholismus” stellt heute eigentlich keinen genauen wissenschaftlichen Begriff mehr dar. In der Diagnostik wird je nach verwendetem diagnostischem Schema unterschieden zwischen Alkohol-AbhĂ€ngigkeitssyndrom, schĂ€dlichem Gebrauch von Alkohol und Mißbrauch.

Alkohol-AbhĂ€ngigkeit liegt nach dem internationalen Klassifikationsschema ICD-10 vor, wenn innerhalb des letzten Jahres mindestens 3 der folgenden Kriterien erfĂŒllt waren:

  • starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • verminderte KontrollfĂ€higkeit bezĂŒglich Beginn, Ende und Menge
  • Konsum mit dem Ziel, Entzugssymptome zu mildern
  • körperliche Entzugssymptome
  • Vorliegen einer Toleranz
  • eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol
  • fortschreitende VernachlĂ€ssigung anderer Interessen zugunsten A.
  • anhaltender Konsum trotz Nachweis schĂ€dlicher Folgen (körperlicher, psychischer oder sozialer Art)

Alkohol-AbhÀngigkeit nach dem DSM IV wird in den meisten Kriterien ganz Àhnlich definiert, der DSM IV hat bei uns aber weniger (diagnostische) Bedeutung.

SchĂ€dlicher Gebrauch und/oder Mißbrauch liegen vor, wenn der Alkoholkonsum zu einer GesundheitsschĂ€digung (körperlich oder psychisch) fĂŒhrt oder ein unangepaßtes Konsummuster aus mindestens 1 der folgenden Kriterien besteht:

  • fortgesetzter Gebrauch trotz des Wissens um ein stĂ€ndiges oder wiederholtes soziales, berufliches,psychisches oder körperliches Problem, das durch den Alkoholkonsum verursacht oder verstĂ€rkt wird
  • wiederholter Gebrauch in Situationen, in denen der Gebrauch eine körperliche GefĂ€hrdung darstellt
  • einige der Symptome bestehen seit mindestens einem Monat oder sind ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit hinweg wiederholt aufgetreten
  • wenn die Kriterien fĂŒr AbhĂ€ngigkeit nicht erfĂŒllt sind

SchĂ€dlicher Gebrauch bzw. Mißbrauch stellen somit in der Praxis sehr hĂ€ufig Vorstadien der Alkohol-AbhĂ€ngigkeit dar. Auch relativ hĂ€ufig ist das Kriterium, daß bereits gesundheitliche (psychisch und/oder körperlich) SchĂ€den vorliegen, aber noch keine oder nicht alle Kriterien fĂŒr Alkohol-AbhĂ€ngigkeit vorliegen.
Es ist zu beachten, daß die Kriterien keine Aussagen hinsichtlich der Menge (z.B. einer bestimmten Promilleanzahl oder einer bestimmten Menge an Bier oder Wein) beinhalten. Theoretisch kann also auch schon Mißbrauchs- oder schĂ€dliches Gebrauchsverhalten vorliegen, wenn regelmĂ€ĂŸig eine Flasche Bier konsumiert wird (und eines der o.a. Kriterien erfĂŒllt wird).

ErgĂ€nzend möchte ich noch auf den Alkoholsucht / Alkoholismus-Selbsttest auf meiner Website verweisen, der obige und andere Diagnostik-Kriterien abfragt und anschließend eine EinschĂ€tzung ausgibt, ob hinsichtlich möglicher Alkoholsucht auffĂ€lliges Verhalten vorliegt.

[Weitere Blog-EintrÀge zum Thema Alkoholismus]

Blog-Begriffswolke:
ï»ż10.06.18