Mar 14

("Old Love" by PrincessMemi @ Deviantart)

Der Fr√ľhling naht: alles beginnt wieder zu bl√ľhen, und auch viele von uns merken, wie die “Lebenss√§fte” wieder verst√§rkt zu flie√üen beginnen. Der Fr√ľhling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den √§lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema “Liebe” erledigt oder handelt es sich vielleicht mehr um ein gesellschaftliches Tabu, sich ein ernsthaftes “Verlieben” oder gar sexuelle Beziehungen bei √§lteren Menschen gar nicht mehr zu erwarten oder abzuwerten?

Der Wiener Psychotherapeut und Paartherapeut Richard L. Fellner f√ľhrte zu diesem Thema ein Gespr√§ch mit einem Redakteur der Zeitschrift “Ges√ľnder Leben“.

GL: “Sind Schmetterlinge im Bauch unabh√§ngig vom Alter?”

rlf: “Zum Verlieben ist man nie zu alt! Und w√§re es nicht auch traurig, wenn ab einem bestimmten Alter niemand mehr die Chance h√§tte, bei uns auch nur das geringste Kribbelgef√ľhl in der Brust zu erzeugen..?

GL: “Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?”

rlf: “Diese Frage lie√üe ich lieber “Julia” oder “Romeo” beantworten! ūüėČ

Aus paartherapeutischer Sicht gibt es daf√ľr kein Universalrezept. Vielmehr wissen wir heute, dass das Gef√ľhl von “Liebe” sowohl historisch als auch kulturell immer schon sehr grossen Wandlungen unterworfen war und bis heute ist. Unser “ideales Liebes-Modell” von heute wird also vermutlich nicht auch das von morgen sein, und in unterschiedlichen Kulturen werden von Partnern mitunter h√∂chst unterschiedlichste Qualit√§ten erwartet. Was aber die meisten “Liebes-Ideen” vereint, ist a) die Bedeutung der Kompatibilit√§t (Vereinbarkeit) der jeweiligen Bed√ľrfnisse und Erwartungen der Partner, dass b) diese Bed√ľrfnisse und Erwartungen von beiden kommuniziert werden k√∂nnen und – das ist ebenfalls ganz wesentlich – c) dass diese in ihrer Umwelt lebbar sind.
Selbst in unserer vordergr√ľndig toleranten Gesellschaft gibt es ja ganz bestimmte Kriterien, an denen die “Qualit√§t” von Beziehungen gemessen wird, und mitunter kann es dazu kommen, dass Partnerschaften letztendlich vor allem daran zerbrechen, weil sie von Freunden und Bekannten nicht respektiert werden. Und schon wieder k√∂nnten “Romeo & Julia” mitdiskutieren ‚Ķ”

GL: “In wieweit erlebt man eine Beziehung als 20j√§hriger anders als als 50/60j√§hriger?”

rlf: “J√ľngere Menschen werfen sich meist mit ihrer gesamten Pers√∂nlichkeit in ihre Partnerschaften. Eine Beziehungskrise wird dann rasch auch zu einer regelrechten Lebenskrise. √Ąltere Menschen dagegen verf√ľgen bereits √ľber mehr Beziehungserfahrung, sind zudem meist in der Lage, auftretende Probleme in einem gr√∂√üeren und damit auch gelasseneren Kontext zu sehen.
Es kann ihnen dadurch allerdings auch schwerer fallen, zu vertrauen, oder den “Schmetterlingen im Bauch” Flugfreiheit zu geben.

GL: “Stimmt es, dass Verliebt-Sein und Liebe nicht dasselbe ist?”

rlf: “Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei schlicht um unterschiedliche hormonelle Stadien. Am Beginn einer Beziehung gibt es hormonelle “peaks”, intensivste Gl√ľcksgef√ľhle, der Partner wird dann h√§ufig idealisiert gesehen. Von “Liebe” w√ľrde ich dagegen insbesondere dann sprechen, wenn bei einer Beziehung eine gewisse “Selbstlosigkeit” der Partner zu beobachten ist, und “Partnerschaft” nicht nur der Arbeitstitel ist, sondern echten Teamgeist und Kooperation ausdr√ľckt.
Wenn man sich also auch mal selbst hintanstellt und bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sogar eigene Bed√ľrfnisse eine gewisse Zeit lang im Interesse des Partners unterzuordnen, das ist Liebe: ein langfristiges Fundament, bei dem einer f√ľr den anderen sorgt und f√ľr ihn da ist. Wo versucht wird, mit Krisen umzugehen und diese aufzul√∂sen, statt gleich das Weite zu suchen, “weil mir das nicht mehr gut tut“.

Das letztere Modell entspricht eher einer konsumorientierten Sicht von Beziehung, in der man sich bedient und genie√üt – aber weiterzieht, wenn der Genuss auszubleiben droht oder sich gar in ein Unwohlgef√ľhl verkehrt. Damit, also eigentlich mit dem heute bei uns im Westen dominierenden Beziehungsmodell verglichen, sind etwa die traditionellen (bei uns aber h√§ufig abgewerteten) afrikanischen oder asiatischen Beziehungsmodelle, in denen es mehr um Versorgung und Stabilit√§t geht, aber die Partnerschaften deutlich weniger mit emotionalen Bed√ľrfnissen aller Art aufgeladen sind, deutlich tragf√§higer und krisenresistenter. Meine T√§tigkeit in Asien und mit bikulturellen Paaren war in dieser Hinsicht sehr lehrreich und denk-erweiternd f√ľr mich.

GL: “Was sind die h√§ufigsten Fehler, die junge, aber auch √§ltere Paare machen?”

rlf: “1) Kommunizieren Sie! Wenn Probleme und Unannehmlichkeiten im Beziehungsleben st√§ndig nur verdr√§ngt werden, ist ein “dickes Ende” meist unausweichlich. Es ist¬† wichtig, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin weiss, woran er/sie mit Ihnen ist, was Sie brauchen, um sich wohlzuf√ľhlen, und was Sie st√∂rt.

2) Lassen Sie es auch mal gut sein! Wer glaubt, alles ausdiskutieren zu m√ľssen, oder irgendwann den Partner endlich so zurechtformen zu k√∂nnen, dass er f√ľr einen keine Ecken und Kanten mehr hat, f√ľr den wird die Beziehung nicht nur zu einer Art “Zweitjob”, sondern fr√ľher oder sp√§ter geht wohl auch die Freude an ihr – oder am Partner – verloren.

3) Sch√ľtzen Sie Ihre Partnerschaft vor anderen! Jeder darf die “ideale Beziehung” f√ľr sich selbst definieren, doch fordern Sie diesen Respekt durchaus auch f√ľr Ihre eigene Partnerschaft ein. Diese muss in erster Linie n√§mlich nicht den Anspr√ľchen der anderen gen√ľgen, sondern vor allem Ihren eigenen und jenen Ihres Partners/Ihrer Partnerin.

(Das Interview erschien in der Ausgabe 04/2012 der Zeitschrift)

Jan 20

Auch nach so vielen Jahren in meinem Beruf kann es mich immer noch begeistern, wenn Leute sich entschlie√üen, mit Hilfe von Beratung oder Therapie ihr Leben zu verbessern. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Grund daf√ľr offensichtlich: sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich, und wenn sie da anf√§ngliche Hindernisse erfolgreich √ľberwinden k√∂nnen, ist es gro√üartig. Die andere Altersgruppe sind jene Personen, die ihre Lebensmitte √ľberschritten haben. Warum? “√Ąltere” Menschen sind in unserer Gesellschaft mit dem Vorurteil konfrontiert, sich nicht mehr √§ndern zu k√∂nnen. Der Prozess des √Ąlterwerdens generell wird von vielen abgewertet, die die Einstellung haben, dass 30 zu werden schon schlimm genug ist, aber das Leben ab einem Alter von 40-50 Jahren nur mehr schlechter werden kann.

Doch tats√§chlich ist nicht viel dran an diesem Klischeebild, und √ľberraschenderweise ist der tropische Teil Asiens eine gute Region, sich davon zu √ľberzeugen. W√§hrend die Mehrheit der hier lebenden Auswanderer entweder am Rande eines durch einen Auslandseinsatz bedingten Burnouts steht, am sog. “Expat-Syndrom” leidet oder andererseits einem hedonistischen Lebensstil fr√∂nt, den sie sich nicht durch gesellschaftliche oder sonstige Regeln einschr√§nken lassen m√∂chte, kann man immer mehr Menschen finden, die f√ľr ihr Alter gro√üartig aussehen und auf verschiedenste Art und Weise alles N√∂tige daf√ľr tun, um nicht nur ein noch m√∂glichst langes und gesundes, sondern auch ein m√∂glichst gl√ľckliches Auswanderer-Leben f√ľhren zu k√∂nnen. Fairerweise muss gesagt werden, dass einer solchen Haltung nicht selten Schockereignisse wie Herzinfarkte, sexuelle Funktionsst√∂rungen oder andere Krankheiten vorausgingen. Manchmal folgte sie jedoch auch auch aus der Erkenntnis, dass sich unser K√∂rper und unsere Psyche nun einmal nicht austricksen lassen: wenn unser K√∂rper krank zu werden und uns dadurch dauerhafte “Z√ľgel” zu verpassen droht oder unsere Psyche unsere Lebensfreude chronisch einschr√§nkt, bleibt letztendlich nur die Option, die Abw√§rtsspirale m√∂glichst umgehend zu unterbrechen: zun√§chst einmal das Problem zu erkennen und zu akzeptieren (idealerweise h√§ufig mittels “Kickstart” durch √§rztliche oder therapeutische Hilfe), und dann unseren Lebensstil m√∂glichst umgehend radikal zu √§ndern.

So traf ich Menschen, die dem Rauchen, Trinken oder anderen Formen des Substanzmi√übrauchs aufh√∂rten, Menschen, die ihren K√∂rper auch nach Jahrzehnten des √úbergewichts wieder in Form brachten, 70 Jahre alte M√§nner, die wieder zu verloren geglaubten sexuellen Freuden fanden, und √§ltere Paare, die offenbar erst auswandern mussten, um herauszufinden, dass sie mit ein wenig Unterst√ľtzung ihre Ehe reparieren konnten.

F√ľr manche kommen solche Umkehrschw√ľnge zu sp√§t – f√ľr andere aber sind sie die ersten Schritte zu einem neuen Leben. Ich m√∂chte diesen kleinen Artikel mit einem sch√∂nen Zitat der Schriftstellerin Helen H. Santmyer (1895-1986) beschlie√üen:

“Zeit – unsere Jugend – sie ist nie wirklich zu Ende, nicht wahr? All das findet in unseren K√∂pfen statt.”

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2012; Image src:expatzaustralia.com)

Sep 14

‘Echo and Narcissus’ by John William Waterhouse (image source: oceansbridge.com)

Narzissmus bzw. “Selbstliebe” ist grunds√§tzlich eine wichtige Basis unserer Pers√∂nlichkeit: er treibt uns dazu an, uns um uns selbst zu k√ľmmern. Als pathologische, schwere Pers√∂nlichkeitsst√∂rung wird er nur dann betrachtet, wenn er sch√§digend wirkt – entweder f√ľr andere oder die Betreffenden selbst. Tats√§chlich ist es keineswegs immer nur die Umwelt, die unter dem Narzissmus Einzelner zu leiden hat: manche Narzissten neigen dazu, sich selbst zu sehr zu “verw√∂hnen” – sie leben √ľber ihre Verh√§ltnisse, irgendwann aber bricht ihre Welt zusammen und Schulden, k√∂rperliche Krankheiten oder andere durch den Ressourcenmi√übrauch verursachte Probleme holen sie ein.

Die Grundlage krankhaften Narzissmus’ ist ein schwaches Selbstwertgef√ľhl, auf dessen Basis die betreffenden Personen – gewisserma√üen √ľberkompensierend – Grandiosit√§tsgef√ľhle entwickeln, ihre F√§higkeit zur Empathie dagegen nicht ausreichend ausgebildet wird. Es ist deshalb schwierig f√ľr sie, die Gr√ľnde der Handlungen anderer nachzuvollziehen, viel st√§rker bewegen sie die Auswirkungen dieser Handlungen auf sich selbst, etwa, wenn ihnen jemand bestimmte “Probleme bereitet”. Meist h√∂rt man dann lautstarke Klagen dar√ľber, warum sich die andere Person nicht so verhalten hat, wie der Narzisst sich dies erwartete, und es kann keine Ruhe mehr gefunden haben, bis die Hindernisse aus dem Weg ger√§umt wurden oder “Gerechtigkeit” wiederhergestellt ist.

Die Gr√∂√üengef√ľhle und die enorme Bedeutung, die das Umsetzen ihrer Ideen, Absichten und Ziele f√ľr sie hat, k√∂nnen jedoch auch zu einer massiven Last werden. Personen, die ihre Position in Frage stellen oder auch die M√∂glichkeit eines Zusammenbrechens ihrer Konstrukte stellen eine latente Bedrohung dar. Auch nat√ľrliche Vorg√§nge wie das Altern oder strukturelle Ver√§nderungen werden als bedrohlich empfunden: denn wenn das Selbstwertgef√ľhl nicht mehr so einfach wie fr√ľher durch Macht und Einfluss gest√§rkt werden kann oder altersbedingt geistige Ressourcen, Kraft und Leistung (bei M√§nnern insbesondere auch die Potenz) nachlassen, sind schmerzvolle Anpassungsprozesse erforderlich, mitunter erfolgen mentale Zusammenbr√ľche, Suchtverhalten oder Depressionen mit Suizidgedanken stellen sich ein.

Die Wurzeln der narzisstischen St√∂rung liegen wie bei den meisten anderen psychischen St√∂rungen auch in der Kindheit. Die US-Journalistin Jean Liedloff, die bei einem s√ľdamerikanischen Stamm gelebt hat, thematisiert in ihrem Buch “Auf der Suche nach dem verlorenen Gl√ľck” (siehe Link unten) den Verlust des narzisstischen Gef√ľhls “Ich bin etwas wert” in der westlichen Welt. Beim Stamm der Yequana werden die Babys ein Jahr am K√∂rper herumgetragen, schlafen bei den Eltern, Tadel oder mahnende Worte gibt es nicht. Die Kinder erhalten damit eine gute und stabile Selbstwertbasis, die sich auf k√∂rperlicher Ebene mit der Muttermilch vergleichen lie√üe, die das Immunsystem des Babys st√§rkt.

Zur√ľckweisung oder Kritik dagegen erlebt ein Kleinkind als narzisstische Kr√§nkung – erf√§hrt es zuviel davon, kann sich eine destruktive Dynamik entwickeln. H√§ufig versuchen solche Kinder sp√§ter, die Zur√ľckweisung anderer mit besonderem Ehrgeiz oder anderen Kompensationsversuchen auszugleichen. Dies k√∂nnte erkl√§ren, wieso kleine M√§nner besonders h√§ufig in Machtpositionen zu finden sind. Vor dem Hintergrund des Werteverlusts in der westlichen Gesellschaft wiederum k√∂nnten zahlreiche Facetten der westlichen Kultur, etwa die bei vielen beliebte Selbstdarstellung in den sog. “sozialen Netzwerken”, oder Aspekte der Fitne√ü- oder Selbstfindungs-Bewegung, als narzisstische Kompensationsversuche gedeutet werden.

Kann das vorhandene Selbstwertgef√ľhl besonders starke “narzisstische Kr√§nkungen” (etwa einen Verlust des Arbeitsplatzes und eine kurz darauffolgende Trennung) nicht verarbeiten, kann die St√∂rung ins Pathologische kippen und sich in Gewaltt√§tigkeit, Amokl√§ufen, Somatisierungen (psychosomatische Erkrankungen), Sucht oder Depression manifestieren. Diese Symptome k√∂nnen gewisserma√üen als Ventil gesehen werden, √ľber die sich der Schmerz einer nicht verarbeitbaren psychischen Verletzung entl√§dt.

Der Narzisst – und die anderen

Narzissten sind h√§ufig entweder Einzelg√§nger (da sie sich von potenziellen Beziehungspartnern gebremst f√ľhlten oder schlicht kein Interesse haben, ihr Leben mit einer anderen Person zu teilen) oder aber es treffen sich zwei Narzissten, die gemeinsam ihren jeweiligen Zielen nachjagen, emotional aber nur in sehr begrenztem Ausma√ü Intimit√§t zueinander herstellen k√∂nnen. Manchmal wird geliebt, um selbst geliebt zu werden – oder das “Haben” einer Beziehung ist im Grunde wichtiger als der Partner selbst. Man lebt nebeneinander her, vom Partner wird in erster Linie Anerkennung und Respekt erwartet sowie Toleranz f√ľr die mitunter weit in die Abende oder N√§chte dauernden beruflichen und Hobby-Aktivit√§ten.
In der Arbeitswelt und im Freundeskreis wirken Narzissten h√§ufig souver√§n, eloquent bis schillernd-charismatisch. Wesentliche Teile des betreffenden Verhaltens sind jedoch mehr oder weniger bewu√üte Selbstdarstellungen und Inszenierungen, und der Eindruck der Souver√§nit√§t und Sicherheit ist ein gewollter, ja gesuchter. Wird die eigene Grandiosit√§t √ľbersch√§tzt, kann dies schlimme Folgen haben: etwa wenn beim Einstellungsgespr√§ch ein guter Eindruck erzeugt wurde, sp√§ter aber durch tats√§chliche Inkompetenz Probleme f√ľr den Arbeitgeber entstehen. Das starke Streben vieler Narzissten nach Top-Positionen, Inszenierung und Aufmerksamkeit ist besonders dann problematisch, wenn diese Personen √ľber Macht und Einflu√ü verf√ľgen: aufgrund ihres Mangels an Empathie gehen sie gewisserma√üen “√ľber Leichen”, um ihre Ziele zu erreichen und untersch√§tzen (oder ignorieren) die Folgen ihres Handelns.

√úber den Weg einer Psychotherapie kann es Narzissten gelingen, ihre Lebenszufriedenheit signifikant zu erh√∂hen und zu einem achtsameren Umgang mit sich selbst und anderen zu finden – auch wenn bestimmte Grundz√ľge besonders ausgepr√§gter narzisstischer Pers√∂nlichkeiten nur schwer oder gar nicht ver√§nderbar sind.

Buchtipps:
Jean Liedloff, “Auf der Suche nach dem verlorenen Gl√ľck” – Gegen die Zerst√∂rung unserer Gl√ľcksf√§higkeit in der fr√ľhen Kindheit
Telfener / Liebl, “Hilfe, ich liebe einen Narzissten” – √úberlebensstrategien f√ľr alle Betroffenen
Wardetzki, B., “Eitle Liebe” – Wie narzisstische Beziehungen scheitern oder gelingen k√∂nnen
Behary / Kierdorf / H√∂hr, “Der Feind an Ihrer Seite.” – Wie Sie im Umgang mit Egozentrikern √ľberleben und wachsen k√∂nnen
Berschneider, W.: “Wenn Macht krank macht”Narzissmus in der Arbeitswelt
Bergmann, W.: “Ich bin der Gr√∂√üte und ganz allein” – Die innere Not unserer Kinder: Der neue Narzissmus unserer Kinder
Wardetzki, B.: “Weiblicher Narzi√ümus – Der Hunger nach Anerkennung

Jul 23

“Sch√∂nheitschirurgen” und die Kosmetikindustrie leben davon (und Kritiker behaupten, sie tun ihr Bestes, um es zu f√∂rdern): das “Dorian-Gray-Syndrom” beschreibt ein Ph√§nomen, bei dem Menschen regelrecht zwanghaft kosmetische Produkte kaufen und medizinische Prozeduren auf sich zu nehmen – im Versuch, ihre Jugend zu erhalten. Oscar Wilde griff in seinem ber√ľhmten Roman “Das Bildnis des Dorian Gray” sehr eindr√ľcklich das psychologische Dilemma der Betroffenen auf, nicht altern und seelisch reifen zu wollen. Der Protagonist des Romans wurde in Folge zum Namensgeber f√ľr das einschl√§gige Verhaltensbild.

W√§hrend das Syndrom als solches zwar noch nicht in die medizinischen Diagnoseschl√ľssel aufgenommen wurde, zeigen viele Patienten, die daran leiden, jedoch klar diagnostizierbare Elemente sogenannter¬†K√∂rperbildst√∂rungen (mit starken Sorgen rund um – mitunter nur von ihnen selbst – wahrgenommene Defekte ihrer k√∂rperlichen Erscheinungsbildes), narzi√ütische Pers√∂nlichkeitselemente (etwa ein Gef√ľhl der √úberlegenheit anderen gegen√ľber oder starke Besch√§ftigung mit sich selbst), sowie Zeichen verz√∂gerter psychischer Reifung (Maturation) in bestimmten Teilbereichen ihrer Pers√∂nlichkeit. In ihrer Sorge um ihr √§u√üeres Erscheinungsbild und ihrer Schwierigkeit, ihr k√∂rperliches Altern zu akzeptieren, sind DGS-PatientInnen h√§ufig intensive Benutzer (oder Mi√übraucher) von Haarwuchs- und Di√§tprodukten, Stimmungsaufhellern und Potenzmitteln, oft sind sie Mitglieder in Fitne√üclubs und h√§ufig auch wiederholt Patienten f√ľr kosmetische Operationen (Laser-Korrekturen, Botox-Injektionen oder andere √§sthetische Eingriffe).

Falls Sie jemanden kennen, der Anzeichen des Dorian-Gray-Syndroms zeigt, d√ľrften Ihnen vielleicht auch depressive Tendenzen auffallen, die sich – wenn sie unbehandelt bleiben – selbstsch√§digend auswirken k√∂nnen: etwa wenn der oder die Betroffene versucht, das negative Selbstbild durch den Gebrauch von Medikamenten, Drogen oder wiederholten Operationen zu unterdr√ľcken. Wer aber h√§tte das Recht, das jeweilige Verhalten als “sch√§dlich” zu bezeichnen? F√ľr manche Menschen w√§re es wohl inakzeptabel, ihr Leben st√§ndig nach derartigen Zwangsgedanken auszurichten, andere dagegen ver√§ndern lieber ihren K√∂rper, als ihre Psyche zu hinterfragen.

Was l√§√üt sich gegebenenfalls tun? Bei manchen Betroffenen stellt sich eine Pers√∂nlichkeitsst√∂rung als eigentliche Ursache f√ľr die K√∂rperbildst√∂rung heraus, bei anderen ist es ein Mangel an Selbstwertgef√ľhl. W√§hrend zur Behandlung von Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen unterschiedliche Ma√ünahmen (h√§ufig eine Kombination aus Psychopharmaka und Psychotherapie) erforderlich sind, kann das Selbstwertgef√ľhl sehr effizient mit Methoden aus der Psychotherapie alleine verbessert werden. Dies erfordert nicht unbedingt jahrelange “Gespr√§che” – klare und auch dauerhafte Verbesserungen sind in der Regel schon nach einigen Monaten regelm√§√üiger Sitzungen m√∂glich. Diese haben unter anderem das Ziel, hinsichtlich der k√∂rperlichen Ver√§nderungen, die unser Leben mit sich bringt, selbstsicherer und gelassener zu werden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:Dorian Gray Movie 2009)

May 13

Laut Resultaten einer schwedischen Studie erh√∂ht √úbergewicht im mittleren Lebensalter das Risiko einer Demenz-Erkrankung im Alter um 80 Prozent. Im Rahmen einer Studie √ľberpr√ľften Wissenschafter des Karolinska Institut in Stockholm den aktuellen Gesundheitszustand von 8.534 Zwillingen im Alter ab 65 Jahren in Bezug auf m√∂gliche Demenz-Erkrankungen und verglichen diesen anschlie√üend mit dem BMI der Probanden im mittleren Lebensalter.

Den BMI konnten die Wissenschafter dabei aus den Daten des schwedischen Zwillingsregisters zu Körpergröße und Gewicht der Probanden vor 30 Jahren ableiten.
350 Studienteilnehmer litten an einer bereits diagnostizierten Demenz, bei 114 lagen Symptome f√ľr einen begr√ľndeten Verdacht vor. 2.541 der erfassten 8.534 Zwillinge im mittleren Lebensalter waren √ľbergewichtig (BMI 25‚Äď30kg/m¬≤) oder fettleibig (BMI >30kg/m¬≤).

36 Prozent der Probanden mit Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung waren √ľbergewichtig, f√ľnf Prozent waren fettleibig. Bei den Studienteilnehmer mit bereits vorliegender Demenz-Diagnose lag der Anteil der √úbergewichtigen sogar bei 39 Prozent, fettleibig waren sieben Prozent. Demgegen√ľber waren lediglich 26 Prozent der Probanden ohne Demenz-Erkrankung in ihrem mittleren Lebensalter √ľbergewichtig und drei Prozent fettleibig.

Daraus leiten die Forscher ein um 80 Prozent erh√∂htes Demenz-Risiko im sp√§teren Lebensverlauf bei √úbergewicht in den mittleren Lebensjahren ab. Die Korrelation zwischen √úbergewicht und Demenz-Risiko habe sich auch bei Ber√ľcksichtigung anderer Faktoren wie dem Bildungsstand, der genetischen Veranlagung, Diabetes oder Gef√§√üerkrankungen als statistisch signifikant erwiesen.

 

Essen sich bereits Kleinkinder ihren sp√§teren H√ľftspeck an?

Neue Erkenntnisse liefern dar√ľber hinaus auch Indikationen, dass sich die Folgen fr√ľher Ern√§hrungsfehler erst Jahre sp√§ter zeigen. So kann eine hohe Eiwei√üzufuhr zwischen dem 6. und 24. Lebensmonat das Risiko f√ľr √úbergewicht im Schulalter erh√∂hen. Eine inad√§quate Eisenzufuhr vor dem dritten Geburtstag kann zu schlechten Mathematik-Noten in der Schule f√ľhren. Aus diesem Anlass wurden von einer interdisziplin√§ren, √∂sterreichischen Expertengruppe erstmals klare “Ern√§hrungsempfehlungen f√ľr 1- bis 3-J√§hrige” erarbeitet und durch praktische Tipps erg√§nzt.

Die ersten drei Lebensjahre sind eine wichtige Phase f√ľr die k√∂rperliche und geistige Entwicklung des Menschen. Ein Kind nimmt im Alter zwischen 1 und 3 Jahren ca. 40 % an L√§nge und Gewicht zu. Das Gehirn w√§chst in den ersten Lebensjahren schneller als in jeder anderen Lebensphase: 70 g pro Monat mit 5 Monaten und immer noch 32 g pro Monat mit 15 Monaten. Klarerweise ist richtige Ern√§hrung in diesem Alter aus physiologischen und pr√§ventivmedizinischen Gr√ľnden von besonderer Bedeutung.

Daten aus Deutschland zeigen, dass bereits Kleinkinder zu viel, zu s√ľ√ü, zu fett, zu eiwei√ü- und salzreich essen. ‚ÄěDieses ung√ľnstige Ern√§hrungsmuster hinterl√§sst Spuren bei der N√§hrstoffversorgung. So nimmt ein Kleinkind mehr als doppelt so viel Eiwei√ü als n√∂tig auf. Die Empfehlungen f√ľr die Zufuhr essenzieller Fetts√§uren werden bei weitem nicht erreicht. Der S√ľ√üigkeitenverzehr und damit die Zuckerzufuhr mit all seinen negativen Folgen f√ľr Gewicht und Z√§hne verdoppeln sich zwischen 1 und 3 Jahren. Bei den Mikron√§hrstoffen gibt es L√ľcken vor allem bei Eisen und einigen Vitaminen ‚Äď im Fall von Vitamin D erreichen gar nur zwei von zehn Kindern die Zufuhrempfehlungen.‚Äú, so Univ. Prof. Dr. J√ľrgen K√∂nig vom Department f√ľr Ern√§hrungswissenschaften der Universit√§t Wien.

Studien haben gezeigt, dass die Entwicklung von √úbergewicht durch eine erh√∂hte Aufnahme von tierischem Eiwei√ü (das im Kleinkindalter insbesondere aus Wurst und Milchprodukten stammt) in den ersten Lebensjahren beg√ľnstigt wird. Der P√§diater Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer erkl√§rt dieses Ph√§nomen wie folgt: ‚ÄěEin erh√∂hter Eiwei√ükonsum f√ľhrt zu einer verst√§rkten Sekretion eines Insulin-√§hnlichen Wachstumsfaktors, insbesondere nach dem Verzehr von zu viel Milcheiwei√ü. Dieser Wachstumsfaktor (IGF-1) f√∂rdert die Bildung von Fettzellen sowie die Fettspeicherung.‚Äú Zwiauer hat in den letzten Jahren eine Verdopplung der Zahl √ľbergewichtiger Kleinkinder beobachtet.

Gravierende Schönheitsfehler bei Mikronährstoffen

Bei Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen stellt sich die Versorgung mit Eisen, Fols√§ure und Vitamin D als unzureichend dar. Insbesondere im Hinblick auf Eisen zeigen sich Experten besorgt, denn die Aufnahme unterschreitet die Empfehlungen um ca. ein Drittel: ‚ÄěEine ausreichende Eisenzufuhr ist insbesondere w√§hrend Phasen sehr schnellen Wachstums bis zum Alter von 2 Jahren wichtig. Eine Unterversorgung im S√§uglings- und Kleinkindesalter kann langfristige Folgen f√ľr Schulkinder ‚Äď wie eingeschr√§nkte Merkf√§higkeit, geringere mathematische F√§higkeiten, verminderte kognitive Entwicklung ‚Äď haben.‚Äú, so Ass. Prof. Dr. Nadja Haiden, von der Medizinischen Universit√§t Wien.

Bei der f√ľr Zellteilung und Wachstum so wichtigen Fols√§ure werden die Empfehlungen gar nur zur H√§lfte erreicht, M√ľdigkeit und St√∂rungen des Blutbildes sind m√∂gliche Folgen. Da nur zwei von zehn Kindern mit dem f√ľr Knochenstoffwechsel und Immunsystem wichtigen Vitamin D ausreichend versorgt sind, wird aktuell diskutiert, die Vitamin D-Prophylaxe √ľber das erste Lebensjahr hinaus zu verl√§ngern.

Die t√§gliche Salzaufnahme ist hingegen bereits in diesem Alter zu hoch. Eine hohe Natriumzufuhr (Kochsalzzufuhr) bedeutet eine fr√ľhe Gew√∂hnung an gro√üe Salzmengen, was sich wiederum langfristig negativ auf den Blutdruck auswirken kann. Zudem ist die Niere bei Kindern erst mit etwa 18 Monaten ausgereift und sollte daher im Kleinkindesalter mit m√∂glichst kleinen Natriummengen konfrontiert werden.

Der Expertenkreis Kleinkindernährung nennt 10 wichtige und praktische Tipps zur Verbesserung der Nährstoffzufuhr im Kleinkindalter:

  • Leitungswasser ist das Getr√§nk erster Wahl.
  • Maximal an 3 Tagen pro Woche Fleisch oder Wurst.
  • 1 ‚Äď 2 x w√∂chentlich Fisch (fettarm zubereitet) und/oder Zuchtpilze.
  • 3 Milchportionen pro Tag, vorzugsweise kindgerecht eiwei√üreduzierte und eisenangereicherte Milch.
  • T√§glich fols√§urereiche Gem√ľsesorten (z. B. Erbsen, Brokkoli, Spinat) sowie Vollkornprodukte.
  • Geriebene N√ľsse oder Samen z. B. ins M√ľsli schlie√üen N√§hrstoffl√ľcken.
  • 1 x w√∂chentlich H√ľlsenfr√ľchte als Basis einer warmen Hauptmahlzeit.
  • Mindestens 1-2 Eier pro Woche, bei vegetarisch ern√§hrten Kindern sogar mehr.
  • Raps-, Sonnenblumen- oder Maiskeim√∂l zum Kochen und f√ľr Salat verwenden.
  • Salzreiche Lebensmittel selten und in bewusst kleinen Mengen.

(Quellen: Neurology; 2011, 76: 1568-1574, cecu.de, medaustria.at, Ern√§hrungs-Expertenposition auf der Homepage der √Ėsterreichischen Gesellschaft f√ľr Kinder- und Jugendheilkunde; Image src:phsj.org)

Jun 26

In einem Press-Release √ľber eine im April dieses Jahres im ‚ÄěJournal of Clinical Psychiatry‚Äú vom Weill Cornell Medical College in New York ver√∂ffentlichte Studie war k√ľrzlich zu lesen, da√ü Resultate einer post mortem Studie darauf hindeuten, dass “√§ltere Menschen, die Suizid begehen, oft nicht mit Antidepressiva versorgt sind”. 72 Prozent der von der Studie erfa√üten Suizid-Opfer waren M√§nner, die h√§ufigste Suizid-Methode war ein Sprung aus gr√∂√üerer H√∂he (38,4%) und Selbststrangulation (25,1%). Die h√∂chste Suizid-Rate wurde in der Gruppe der √ľber 85j√§hrigen beobachtet (10,7 pro 100.000). Nur eines von vier Suizidopfern hatte zum Zeitpunkt des Todes Antidepressiva im K√∂rper, bei denjenigen im Alter von 85 und dar√ľber waren es sogar noch weniger. Wenn man davon ausgehe, dass viele der Suizidopfer an einer medizinisch behandelbaren Depression litten, deuten diese Ergebnisse auf “Probleme in der Versorgung der ganz Alten mit antidepressiver pharmakologischer Therapie” hin, schreiben die Autoren. Nun, medizinisch behandelbar ist heutzutage ja prinzipiell so gut wie alles, die Frage ist nur, ob bei der √ľberwiegenden Anzahl der an Depressionen leidenden √§lteren Menschen eine rein medikament√∂se Behandlung stets auch der Weisheit bester Schlu√ü ist?

Wie auch die Forscher schlu√üendlich in ihrer Studie anmerkten, w√§re es angesichts der Depressions- und Suizidraten der √§lteren Generation sicherlich sinnvoll, wenn bei Menschen hohen Alters, welche den Arzt aufsuchen, grunds√§tzlich auf Depressionen und Suizidalit√§t gescreent w√ľrde. Generell lie√üe sich der Leidensweg zahlreicher PatientInnen sicherlich deutlich abk√ľrzen, wenn schon von Beginn an psychische Mitursachen oder gar Ausl√∂ser f√ľr k√∂rperliche Erkrankungen in die √§rztliche Diagnostik miteinbezogen w√ľrden. (Quellen: MedScape, ReutersHealth; Apr 09; J Clin Psychiatry; 2009, 70: 312-317). Photo src: ucsf.edu

ÔĽŅ01.09.19