May 03

Arzneimittel ĂŒber das Internet zu bestellen, ist heute einfach, und selbst die meisten Apotheken verkaufen in Asien ohne jegliche RĂŒckfrage Medikamente, die im Westen verschreibungspflichtig wĂ€ren. Besonders beliebt in den Online-Katalogen: Amphetamine, Potenzmittel und Antidepressiva. Doch die “Selbstmedikation” ist gefĂ€hrlich: speziell von Amphetaminen wie Ritalin (Methylphenidat), die leistungssteigernd und konzentrationsfördernd wirken, werden unter dem steigenden Druck der Leistungsgesellschaft immer mehr Menschen abhĂ€ngig und mĂŒssen sich Monate oder Jahre spĂ€ter an spezialisierte Kliniken oder Psychotherapeuten wenden. Einer Studie amerikanischer KinderĂ€rzte zufolge stieg in den letzten acht Jahren die Anzahl der “dopenden” Studierenden um 75 Prozent an. HĂ€ufig werden die Medikamente zudem falsch eingesetzt, da die Ursache etwa der Konzentrationsstörungen oder Erektionsprobleme ganz woanders liegen als dort, wo das Medikament ansetzt. Erektile Dysfunktion etwa hat bei MĂ€nnern unter 55 Jahren zumeist rein psychische Ursachen. Durch Gewöhnungseffekte kommt es dann bei der gewohnheitsmĂ€ĂŸigen Einnahme schließlich hĂ€ufig zu Überdosierungen und einer erhöhten AnfĂ€lligkeit fĂŒr krankmachende Nebeneffekte. Irgendwann behandeln die Nutzer nur noch das Entzugssyndrom (bei Potenzmitteln ist das hĂ€ufig die Unsicherheit, Sex ohne das Medikament auszuĂŒben) – sie verspĂŒren keine deutliche Wirkung mehr, können das Medikament aber auch nicht absetzen und geraten damit in einen Teufelskreis. Erschwerend kommt die oftmalige MehrfachabhĂ€ngigkeit dazu: etwa die Einnahme von Amphetaminen wĂ€hrend des Tags, und dann am Abend die Einnahme von Alkohol und/oder Tranquilizern bzw. Schlafmitteln.

Zeichen beginnender psychischer AbhĂ€ngigkeit von Arzneimitteln können GefĂŒhle von Unsicherheit oder Angst sein, wenn auf die Einnahme verzichtet wird, oder wenn im Laufe der Zeit die Dosis gesteigert wird, die Wirkung des Medikaments jedoch gleich bleibt oder sogar geringer wird oder ganz ausbleibt. Ebenso ein Alarmsignal ist, wenn dem Organismus ohne Ă€rztliche Diagnose und Verschreibung im Laufe der Jahre immer mehr Substanzen zugefĂŒhrt werden (hierzu gehören auch Nahrungssubstitutionsmittel, Injektionen mit Hormonen, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Nasentropfen usw.). Zumeist wird MedikamentenabhĂ€ngigkeit erst sehr spĂ€t eingestanden, wenn bereits Erkrankungen der Organe vorliegen oder UnfĂ€lle (z.B. durch Konzentrationsmangel) auftreten. FĂŒr den psychischen Entzug ist eine Kombination von Psychotherapie und Selbsthilfegruppen sehr effektiv, immer ist aber eine Ă€rztliche AbklĂ€rung auf etwaige körperliche SchĂ€den dringend anzuraten.

In Österreich sind nach Angaben des API-Instituts ca. 350.000 Menschen alkoholkrank, ca. 130.000 sind von Medikamenten, knapp 30.000 von illegalen Drogen abhĂ€ngig.
In den USA wird einer Untersuchung der University Michigan von 2010 zufolge bei fast einer Million Kindern fĂ€lschlicherweise das Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitĂ€tsyndroms (ADHS) diagnostiziert. Davon betroffen sind vor allem die jĂŒngeren Kinder einer Jahrgangsstufe in Kindergarten oder Schule.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:vth.biz)

ï»ż25.06.19