Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen – auf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei MÀnnern einsetzende hormonelle VerÀnderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste mĂ€nnliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle Körperzellen und ist nicht nur fĂŒr die Geschlechtsentwicklung zustĂ€ndig, sondern auch fĂŒr den bei MĂ€nnern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es fĂŒr die Produktion der roten Blutkörperchen, welche den Körper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron fĂ€llt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, fĂŒr seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch lĂ€sst die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen MĂ€nnern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der VitalitĂ€t.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erhöhtes Gewicht und Körperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes KurzzeitgedĂ€chtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder stĂ€rkere MĂŒdigkeit als frĂŒher
  • Reduzierter Wunsch nach IntimitĂ€t und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber GefĂŒhl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger hĂ€ufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes SelbstwertgefĂŒhl
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen betrĂ€chtliche Auffassungsunterschiede darĂŒber,  welche der genannten Symptome tatsĂ€chlich auf eine sog. “mĂ€nnliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zurĂŒckzufĂŒhren sind. FĂŒr jedes der Symptome könnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tatsĂ€chlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert wĂŒrde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schuß ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen Ärzten und Kliniken werden heute MĂ€nnern ohne viel Zögern Ersatztherapien zur Erhöhung des Testosteron-Spiegels angeboten – hĂ€ufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zurĂŒckzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich prĂ€ventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt fĂŒr Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegenĂŒber gut “argumentieren” lĂ€ĂŸt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie nĂŒtzt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zufĂ€llig, dass viele MĂ€nner, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchfĂŒhren zu lassen (oder diesbezĂŒglich gar Selbstmedikation betreiben), hĂ€ufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer kĂŒnstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und LeistungsfĂ€higkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bewĂ€hrte Gesundheitstipps fĂŒr MĂ€nner, welche – im Unterschied zu kĂŒnstlichen ZufĂŒhrung von Testosteron – zuverlĂ€ssig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin fĂŒr einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen MĂ€nner zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene ErnĂ€hrung achten (vitaminreich: mehr Obst und GemĂŒse; fettarm: fettige, ölige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate können zu Übergewicht fĂŒhren, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erhöhen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein fĂŒr die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber FrĂŒchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. GranatĂ€pfel, ZitrusfrĂŒchte, Mangosteen, Datteln, KokosnĂŒsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und SĂŒĂŸigkeiten aller Art sind möglichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • Östrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb GetrĂ€nke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel möglichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • genĂŒgend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird wĂ€hrend der REM-Phasen produziert, insofern sollten genĂŒgend davon stattfinden können.
  • Achten Sie auf eine gesunde und möglichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. UnterstĂŒtzung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn MĂ€nner dagegen (womöglich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen DrĂŒsen signifikant weniger mĂ€nnliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise ĂŒberschĂŒssiges Östrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol beschĂ€ftigt, kann sie das nicht.
  • natĂŒrliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteronĂ€hnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die SprĂŒnge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und KĂŒrbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die TestosteronausschĂŒttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbezĂŒglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen VertrĂ€glichkeit – knapp ĂŒber seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die AusschĂŒttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. SuchtĂ€hnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf natĂŒrliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei MĂ€nnern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade MÀnner können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stÀrker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verÀndert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten SelbsteinschĂ€tzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fachĂ€rztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

ï»ż01.09.19