Jan 20

[English version ]

“Burnout in Thailand? Unm√∂glich!”

… das w√ľrden wohl die meisten von uns denken.
Doch die Syptome von “Burnout” m√ľssen nicht immer nur in hohem beruflichem Druck ihren Ursprung, sondern k√∂nnen auch ganz andere Ursachen haben.

Grunds√§tzlich existieren 3 Gruppen von Menschen, die sich sogar bei der¬† Auswanderung in ein sonniges, asiatisches Tropenland anf√§llig daf√ľr sind, eine Burnout-Symptomatik zu entwickeln:

Zum einen gibt es Ausl√§nder, die versuchen, im Ausland ihren Lebenserwerb zu bestreiten und bei in- oder ausl√§ndischen Firmen angestellt sind. H√§ufig m√ľssen sie von Beginn an mit hohem Druck und gro√üen Erwartungen am Arbeitsplatz fertig werden, sind aber auf die kulturellen Unterschiede, mit denen sie im Ausland umzugehen haben, weitgehend unvorbereitet und hatten diese untersch√§tzt. Viele sind √ľberrascht und letztlich √ľberfordert von der Herausforderung, das “alte” Leben aufzugeben, und nahezu zeitgleich ein neues Zuhause zu finden, es einzurichten und sich darin heimisch zu f√ľhlen, sich an einen komplett neuen Kollegenkreis und ihre Arbeitshaltung zu gew√∂hnen, sich in der neuen Umgebung zu orientieren und gleichzeitig all die Erwartungen zu erf√ľllen, die sie an sich selbst stellen.

Dann gibt es die Ausl√§nder, die im Ausland selbst√§ndig arbeiten m√∂chten. Diese “Expat-Unternehmer” sind nahezu ganz auf sich allein gestellt, und gehen von der Annahme aus, dass ihre Erfahrungen als Touristen sie gen√ľgend auf das neue Traumprojekt vorbereitet haben sollten. Doch schon nach kurzer Zeit haben sie mit zahlreichen H√ľrden unterschiedlichster Art zu k√§mpfen. Vieles funktioniert nicht so, wie es daheim mit demselben Aufwand an Einsatz und Geld geklappt h√§tte. Die Summe der vielen kleinen √Ąrgernisse schliesslich raubt vielen nicht nur sukzessive die Freude an ihrem Traum z.B. vom “eigenen Restaurant in Asien”, sondern f√ľhrt zu regelrechter Frustration und einem Gef√ľhl, vielleicht niemals an einen Punkt zu gelangen, an dem alles so l√§uft wie erhofft. Und ich habe noch nicht mal die gerade in Schwellenl√§ndern und Entwicklungsl√§ndern omnipr√§senten Themen “B√ľrokratie” und Korruption angeschnitten..!

Einige mag es vielleicht √ľberraschen, dass sogar der Ruhestand in gemeinhin als “Traumdestinationen” empfundenen L√§ndern wie jenen S√ľdostasiens oder S√ľdamerikas zu “Burnout” f√ľhren kann.
Die vielen Ver√§nderungen, die eine Auswanderung mit sich bringt, habe ich bereits erw√§hnt – aber sogar, wenn am Beginn eigentlich alles gut lief, kann nach einiger Zeit die Freude verflachen und von einzelnen Schwierigkeiten und √Ąrgernissen, sozialer Isolation oder sozialen Konflikten ausgeh√∂hlt werden. Zus√§tzlich leiden viele westliche Auswanderer an einem Mangel an Herausforderung und Kommunikation: sie sind “bored out” von der t√§glichen Routine, die sich nach einiger Zeit einstellt und bei der sich dann mitunter der Tag nur mehr um die “H√∂hepunkte” Essen oder Trinken dreht. Sogar jemanden zu finden, mit dem man sich wohl f√ľhlt und sich gut austauschen kann, kann schwierig sein. Doch ‘Boreout’ kann zu √§hnlichen k√∂rperlichen Symptomen wie Burnout f√ľhren und uns l√§ngerfristig genauso krank und depressiv machen. Insofern ist es wichtig, die eigenen Gef√ľhle ernst zu nehmen und entsprechend aktiv zu werden, bevor man von der eigenen Negativit√§t wie gel√§hmt ist.

In einem Folge-Eintrag werde ich typische Burnout- und Boreout-Symptome beschreiben und Strategien, wie mit diesen umgegangen werden kann.

(Dieser Kurzartikel ist die “Blog-Version” einer w√∂chentlichen Zeitungsartikel-Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befa√üt und in verschiedenen Medien Thailands ver√∂ffentlicht wird, 2012; Bildquelle: blog.madisonwhoswho.com)

Aug 05

Es kann ganz sch√∂n hart sein, ein Kind oder Teenager in Asien zu sein! Auf den ersten Blick k√∂nnte man sich ja fragen, ob √ľberhaupt eine bessere Umgebung denkbar w√§re, um nat√ľrlich und unbeschwert aufzuwachsen. Doch tats√§chlich beobachten viele ausgewanderte Eltern an ihren Kindern Anzeichen von etwas, das man bem√ľht zur√ľckhaltend “Anpassungsprobleme” nennen k√∂nnte. Aber warum ist das so?

Die schwierigste Herausforderung f√ľr die Kinder von Auswanderern nach Asien ist es, ihre Freunde und ihr gewohntes Umfeld zur√ľcklassen zu m√ľssen und in ein fremdes Land “transferiert” zu werden, das sich zun√§chst einmal ungewohnt, ja feindlich anf√ľhlen kann. Sie verstehen die Landessprache nicht, f√ľhlen sich unwohl, da die Menschen anders als gewohnt aussehen, ja sogar das ungewohnte Klima und Essen kann sie belasten. H√§ufig sind es tats√§chlich gerade die “kleinen” Dinge: Faktoren, die uns Erwachsenen gar nicht auffallen, die es Kindern und Jugendlichen schwer machen, sich zurechtzufinden.

J√ľngere Kinder tun sich mit den Ver√§nderungen noch am leichtesten – es f√§llt ihnen leichter, eine neue Sprache zu erlerenen und sie erhalten in den meisten Regionen Asiens viel positive Zuwendung und Neugier, f√ľhlen sich also insgesamt “willkommener”. Ab etwa 7 Lebensjahren aber k√§mpfen Teens eher mit der Ver√§nderung, die ihnen ihre Eltern “angetan” haben, wobei ihnen diese Abwehrhaltung die Anpassung noch weiter erschwert.
Denn kulturelle Unterschiede werden von bereits etwas √§lteren Kindern oder Teenagern besonders stark empfunden. Wenn wir uns versuchen vorzustellen, dass eine der gr√∂√üten Herausforderungen f√ľr Kinder in der Entwicklung von Selbstvertrauen nicht nur bezogen auf sich selbst, sondern auch auf ihren Umgang mit anderen liegt, mag es uns leichter fallen zu verstehen, warum es f√ľr Kinder regelrecht einer traumatischen Erfahrung √§hneln kann, wenn sie aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden und lernen m√ľssen, mit zum Teil h√∂chst unterschiedlichen ‘sozialen Regeln’ umzugehen und Kontakte mit Menschen herzustellen, die sie weder sprachlich, noch von ihrem gelegentlichen Verhalten her verstehen.

Kinder und Jugendliche, die mit solchen Irritationen und Herausforderungen konfrontiert sind, reagieren h√§ufig mit Protest oder gar Aggression, mit R√ľckzug, schulischem R√ľckfall oder sie entwickeln psychosomatische St√∂rungen. Da die Eltern als Verantwortliche f√ľr all diese Ver√§nderungen wahrgenommen werden, ist es in der Regel weise, die Krise nicht unter allen Umst√§nden alleine bew√§ltigen zu wollen, sondern einen Freund/eine Freundin von daheim oder einen Berater vor Ort zu involvieren, der beim erforderlichen Anpassungsprozess unterst√ľtzt. Dies kann ein bi√üchen Zeit ben√∂tigen, doch √ľblicherweise ist es auf diese Weise selbst den “schwierigsten” Jugendlichen m√∂glich, sich Schritt f√ľr Schritt zu √∂ffnen und wieder zu einer konstruktiveren Einstellung ihrer neuen Lebenssituation gegen√ľber zu finden.

In einem Folgeartikel werde ich mich mit den Herausforderungen befassen, mit denen bereits in Asien geborene Expat-Kinder konfrontiert sind.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image:Janine Wiedel Photolibrary / Alamy)

May 03

Betrug, Verschuldung, Mordf√§lle, Suizide, Liebeskummer, Depression, Psychosomatische Erkrankungen, Mittellosigkeit, Drogenabh√§ngigkeit, berufliche Perspektivlosigkeit, Zerw√ľrfnisse mit der Herkunftsfamilie, Straff√§lligkeit in der Heimat,‚Ķ dies sind nur einige der Gr√ľnde (oder Folgen), wenn in Asien lebenden “Expats” eine R√ľckkehr in ihre Heimat unm√∂glich erscheint. Ein Blick in die Zeitung gen√ľgt: viele der Pressemeldungen √ľber in Schwierigkeiten verwickelte westliche Expats beschreiben im Grunde Personen, die keinen Ausweg mehr sahen aus dem Spannungsfeld von Problemen hier in Asien einerseits und einem “nicht mehr zur√ľck k√∂nnen” andererseits.

Auch wenn sich eine Auswanderung zun√§chst gro√üartig anf√ľhlt und viele der vorher bestehenden Probleme, Frustrationen oder “Engegef√ľhle” zu beseitigen scheint – √ľber kurz oder lang treten entweder v√∂llig neue und unerwartete Probleme auf oder die alten Probleme holen uns wieder auf die eine oder andere Weise ein. Denn nicht nur ist ein am Beginn der Auswanderung h√§ufig stark untersch√§tzter kultureller Umstellungsprozess zu leisten, sondern wir nehmen auch unseren “psychischen Problemrucksack” in das neue Land mit. Unsere “Macken”, Schw√§chen, Neigungen und Anf√§lligkeiten werden zun√§chst zwar vom Hochgef√ľhl der Auswanderung √ľberlagert, nach und nach aber merken die meisten Menschen auch im neuen Land, wie diese Schwachpunkte zunehmend f√ľr Probleme und Schwierigkeiten sorgen. Ein Mensch, der in Europa unter Depressionen litt, wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Thailand fr√ľher oder sp√§ter von der Depression eingeholt, jemand mit einer Neigung zu aggressivem Verhalten wird dieses nicht automatisch an der Grenze ablegen k√∂nnen, und es ist eher unwahrscheinlich, dass jemand, der schon im Westen Schwierigkeiten hatte, eine Lebenspartnerin zu finden, bei einem Barbesuch die ideale “Traumfrau” findet.

Das unangenehme Erwachen folgt jedoch h√§ufig erst Monate oder gar Jahre sp√§ter – nicht selten zu einem Zeitpunkt, zu dem eine R√ľckkehr in die alte Heimat schwieriger denn je erscheint, sei es aus finanziellen Gr√ľnden, aufgrund dorthin abgebrochener Beziehungen oder gar, weil eine R√ľckkehr noch weitaus unangenehmere Probleme oder Fragen aufwerfen w√ľrde. Die Folge ist ein Gef√ľhl des Gestrandet-seins … in einer Sackgasse, aus der nur mehr schwer zu entkommen ist. Viele Betroffene ertr√§nken dieses Gef√ľhl in Alkohol oder anderen Drogen, lenken sich mit Oberfl√§chlichkeiten ab oder das t√§gliche Leben wird zunehmend zu einem Wechselspiel zwischen Phasen von Aggression und Frustration.

Expat-Clubs sowie soziale Einrichtungen oder in Notf√§llen auch die lokale Landesvertretung k√∂nnen hier wichtige erste Orientierungsm√∂glichkeiten bieten. Wer seine Situation nachhaltig verbessern und die Gr√ľnde f√ľr die wiederholten Schwierigkeiten im Sinne einer besseren Lebensqualit√§t kl√§ren und ver√§ndern m√∂chte, sollte professionelle Beratung bzw. Coaching suchen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:examiner.com)

Aug 10

“Erwin? Den habe ich auch schon l√§ngere Zeit nicht mehr gesehen!”

Wenn sich das anf√§ngliche Hochgef√ľhl √ľber das Leben im Ausland gelegt hat, warten verst√∂rende Kultureigenheiten, Desillusionierungen, Sprachbarrieren, ein fehlendes Unterst√ľtzungssystem und damit h√§ufig auch ein Gef√ľhl der Einsamkeit auf Expats. Auch jene Ausgewanderten, die mit den Herausforderungen der Lebensumstellung relativ gut fertigwerden, vermissen h√§ufig einen vertrauten und ausreichend gro√üen Freundeskreis. Viele haben zwar Freizeitbekanntschaften und Hobbypartner, aber niemanden, den sie als wirklich guten Freund, gute Freundin bezeichnen k√∂nnten. So kann sogar das Leben in Thailand, Gran Canaria oder Neuseeland zu einer phasenweise deprimierenden, weil einsamen Erfahrung werden.

J√ľngere Menschen tun sich mit dieser Herausforderung normalerweise am leichtesten: ihnen f√§llt es zumeist noch leichter, die neue Sprache zu erlernen, Kontakte zu Einheimischen zu kn√ľpfen und sich in die Umgebung zu integrieren. √Ąltere Menschen dagegen neigen eher dazu, sich zur√ľckzuziehen. H√§ufig reduzieren sich im Verlauf der Jahre sogar ihre Kontakte zu jenen Menschen, mit denen sie in der neuen Stadt recht gut auskamen. Sie verlassen ihre Wohnung nur mehr, um einzukaufen oder das w√∂chentliche Expat-Treffen zu besuchen. Irgendwann f√ľhlt sich das dann wom√∂glich auch zu anstrengend an. So kommt es, dass wir in regelm√§√üigen Abst√§nden in der Zeitung davon lesen m√ľssen, dass Menschen – ob krankheitsbedingt oder gar durch die eigene Hand – vereinsamt starben. Aus meiner Sicht das schlimmste Lebensende angesichts der Tr√§ume, die viele Expats mit ihrer Auswanderung verbanden.

Sieht man sich Einsamkeit, Gef√ľhlen von Depression oder Angstzust√§nden gegen√ľber, sollte man aktiv bleiben und nicht vergessen: gut Ding braucht Weile. Pflegen Sie Ihre Kontakte, behalten Sie aber auch Ihre Freunde und Bekannten im Auge: wie geht es eigentlich denen aktuell?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image source:echinacities.com)

ÔĽŅ01.09.19