Dec 08

Frauen, die kurz nach der Geburt wegen schwerer psychiatrischer Erkrankungen (einschließlich Depressionen) behandelt werden mussten, werden im späteren Leben häufiger als bipolar diagnostiziert verglichen mit Frauen, deren erste psychiatrische Episode während eines anderen Lebensabschnitts auftritt, wie eine neue Studie aus Dänemark zeigt.

Es besteht jedoch noch Unklarheit dar√ľber, ob es sich bei postpartalen Depressionen oder Schizophrenie-√§hnlichen Episoden nicht gelegentlich tats√§chlich um falsch diagnostizierte bipolare St√∂rungen handelt – oder, ob mehr Frauen mit diesen Erstdiagnosen im Laufe der Zeit wom√∂glich vermehrt bipolare St√∂rungen entwickeln. Doch w√§hrend postpartale Depressionen relativ h√§ufig sind, treten schwere Depressionen und andere psychiatrische Episoden, welche station√§re oder ambulante Klinikaufenthalte erfordern, nur bei ca. 1 von 1.000 neuen M√ľttern auf.

Bipolare St√∂rungen sind durch Wechsel zwischen schweren Depressionen und “Manien” (w√§hrend denen eine Person √ľberm√§√üig aufgeregt, gl√ľcklich und voller Energie ist) gekennzeichnet. Sie werden heute i.d.R. mit Kombinationstherapien aus Medikamenten und Psychotherapie behandelt. Am h√§ufigsten manifestieren sie sich im fr√ľhen Erwachsenenalter – und das National Institute of Mental Health (USA) sch√§tzt, dass immerhin 6% der US-Bev√∂lkerung an einem gewissen Punkt im Leben an dieser St√∂rung erkranken.

Fr√ľhere Studien suggerierten, dass der Geburtsvorgang als Ausl√∂ser f√ľr eine erste bipolare Episode fungieren k√∂nnte. Doch nur wenige Frauen wurden w√§hrend der ersten Wochen nach der Geburt eines Kindes entsprechend diagnostiziert. Nach der vorliegenden Arbeit wird nun vermutet, dass eine schwere psychische Krise kurz nach der Geburt auf eine zugrunde liegende bipolare St√∂rung hindeuten k√∂nnte.

In der Studie wurde der Status von d√§nischen Frauen nach einer ersten psychiatrischen Episode √ľber 15 Jahre hindurch beobachtet, um zu sehen, ob der Zeitpunkt der Episode – kurz nach der Geburt oder nicht – eine Schlu√üfolgerung dar√ľber erlauben w√ľrde, ob sich sp√§ter eine bipolare St√∂rung zeigen w√ľrde. Zu diesem Zweck wurden die Krankheitsgeschichten von 120.000 Frauen, welche seit 1970 aufgrund schwerer Depressionen oder einer anderen psychiatrischen Erkrankung station√§r behandelt wurden, analysiert. Von diesen hatten 2.900 die Episoden innerhalb eines Jahres nach der Geburt ihres ersten Kindes.

Die Ergebnisse zeigten, dass eine schwere psychiatrische Episode in dem Monat nach der Geburt (im Vergleich zu einer Episode zu einem anderen Zeitpunkt) mit einer vierfachen Wahrscheinlichkeit letztlich zu einer bipolaren Diagnose f√ľhrt. Von Frauen, die ihre erste psychiatrische Folge im ersten Monat nach der Geburt hatten, wurden 14 Prozent schlie√ülich als bipolar diagnostiziert im Vergleich zu 4-5% der Frauen mit psychiatrischen Episoden zu einem anderen Zeitpunkt. Die fr√ľheren Studienergebnisse wurden also best√§tigt, jedoch auch ein Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Diagnosen aufgezeigt. Die Geburt eines Kindes ist somit ein potenter und spezifischer m√∂glicher Ausl√∂ser f√ľr bipolare St√∂rungen.

Daran beteiligt sein könnten hormonelle Veränderungen, die während der letzten Schwangerschaftswochen und beim Geburtsvorgang selbst auftreten, ebenso wie Schlafmangel und verschiedene Stressfaktoren. Häufig werden in diesen Folgen jedoch fälschlicherweise Depression oder Angststörungen diagnostiziert.

Keineswegs sicher ist jedoch, ob die betreffenden Frauen nicht auch ohne die Geburt eines Kindes eine bipolare St√∂rung entwickelt h√§tten. Ebenso ist mit der Studie kein Beweis eines Zusammenhangs zwischen Geburt bzw. ‘postpartaler Depression’ und bipolaren St√∂rungen gefunden, und ob es sich etwa auch bei leichteren Depressionen um bipolare Symptome handeln k√∂nnte.

Sehr wohl aber vertreten die Studienautoren die Ansicht, dass behandelnde √Ąrzte bei auftretenden psychiatrischen Symptomen nach der Geburt verst√§rkt die M√∂glichkeit bipolarer St√∂rungen in ihre √úberlegungen einbeziehen sollten. Auch sollte Schwangerschaft in die Liste potenzieller Risiken f√ľr die Ausl√∂sung dieser St√∂rung aufgenommen werden. Mit diesen Ma√ünahmen k√∂nnte die Fr√ľherkennung deutlich verbessert werden und damit auch eine fr√ľhestm√∂gliche, effiziente Behandlung oder zumindest St√ľtzung der Frauen erreicht werden, statt mit einer vorschnellen Behandlung ausschlie√ülich mittels Antidepressiva wom√∂glich bestimmte bipolare Symptome noch zu verschlimmern.

(Quellen: Reuters; Psychiatric Disorders With Postpartum Onset: Possible Early Manifestations of Bipolar Affective Disorders in: Arch Gen Psychiatry. Published online December 5, 2011. doi:10.1001/archgenpsychiatry.2011.157. Image credit: drop.ndtv.com)

Nov 06

Hatten Sie k√ľrzlich mit jemandem Kontakt, der v√∂llig die Kontrolle √ľber sich verlor?

Bei Kindern und Jugendlichen werden Verhaltensmuster, die die sozialen Normen oder die Grenzen der anderen verletzen, als “Verhaltensst√∂rungen” bezeichnet. Ich halte diese Begriffswahl an sich f√ľr problematisch, denn denn wer d√ľrfte sich schon anma√üen, “korrektes” Verhalten zu definieren? In der Fachwelt jedoch werden unter diesem Begriff konkret Aggressivit√§t, Bullying, L√ľgen, grausames Verhalten anderen Menschen oder Tieren gegen√ľber, destruktives Verhalten, Vandalismus und Diebstahl verstanden – und das gibt dann vermutlich doch einen ganz guten Eindruck dar√ľber, was gemeint ist.

Die betreffenden Minderj√§hrigen kommen meist aus problematischen Verh√§ltnissen, haben Mi√übrauchs-, Gewalterfahrungen oder einen Elternteil mit einem Suchtproblem. Werden ihre damit verbundenen Probleme nicht gel√∂st, k√∂nnen sich bei ihnen Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen entwickeln, wie die sogenannte “antisoziale Pers√∂nlichkeitsst√∂rung”, bipolare St√∂rungen oder Psychopathie. Diesen ist gemein, dass sie das Risiko f√ľr eigene oder fremde k√∂rperliche Verletzungen, Depressionen, Suchtverhalten, Gef√§ngnisstrafen, Mord oder Suizid stark erh√∂hen, unter anderem deshalb, weil die Betroffenen Konflikten nicht aus dem Weg gehen und h√§ufig auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zur√ľckschrecken. H√§ufig besteht auch nur eine geringe Hemmung, andere zu betr√ľgen, zu bestehlen und das Eigentum anderer zu zerst√∂ren. Paradox ist, dass das Verhalten dieser Personen √§u√üerlich zwar sehr bestimmt und selbstbewu√üt wirken mag, sie sich im Grunde aber meist sehr allein, √§ngstlich und hoffnungslos f√ľhlen, was nicht selten zu Alkoholmi√übrauch, Depressionen und anderen Folgeproblemen f√ľhrt.

Am besten kann das Verhalten antisozialer Personen psychologisch erkl√§rt werden. Mediziner suchen nach rein k√∂rperlichen (z.B. genetischen) Erkl√§rungen, lassen dabei aber h√§ufig au√üer Acht, dass f√ľr viele Betroffene ihr aggressives Verhalten zum Selbstschutz und als Ventil f√ľr emotionale Spannungen dient. Diese Spannungen existieren nicht nur in ihnen selbst, sondern entstehen √ľberm√§√üig schnell auch im Kontakt mit anderen. Bei psychopathischen Pers√∂nlichkeitsz√ľgen mangelt es zus√§tzlich an Empathie und Verst√§ndnis f√ľr die Situation der anderen, was die Hemmung f√ľr Aggression und illegale Handlungen noch weiter herabsetzt

Es ist deshalb normalerweise empfehlenswert, offene Konflikte mit aggressiven oder antisozialen Personen zu vermeiden: nicht nur w√ľrden diese Leute im Konfliktfall unf√§hig sein, sich in Ihre pers√∂nliche Situation hineinzuversetzen, sondern auch dazu, den Konflikt auf Gespr√§chsebene zu kl√§ren, geschweige denn, auf konstruktive Weise. Besser ist es, zun√§chst auf Abstand zu gehen, um das Gegen√ľber emotional “abk√ľhlen” zu lassen, und es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmals zu versuchen.

Die Betroffenen selbst können mit psychologischer Hilfe bzw. Psychotherapie nach einiger Zeit zu deutlich besserer Selbstkontrolle und Lebenszufriedenheit finden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle:willow-park.co.uk)

Nov 09

Die Bipolare St√∂rung ist eine ernsthafte psychische Erkrankung (fr√ľher bekannt als “manisch-depressive St√∂rung”), welche mit Ungleichgewichten im Hirnstoffwechsel in Verbindung steht.

Psychotherapie und die Kombination mit der Einnahme von Psychopharmaka können sehr gut dabei helfen, diese Störung besser in den Griff zu bekommen. Die American Academy for Family Physicians empfiehlt deshalb, auch im regulären Alltag folgende Dinge zu beachten:

  • beobachten Sie den Verlauf Ihrer psychischen Verfassung, und halten Sie Ihre N√§chsten dar√ľber auf dem Laufenden
  • gew√∂hnen Sie sich an einen bestimmten t√§glichen Zeitablauf f√ľr T√§tigkeiten wie Schlafen-gehen und Aufwachen, Essen, Sport und andere
  • nehmen Sie Ihnen verschriebene Medikamente m√∂glichst regelm√§√üig ein
  • vermeiden Sie Koffein und versuchen Sie, ohne Medikamente gegen Erk√§ltungskrankheiten und Allergien sowie Schmerzmittel auszukommen.
  • Fragen Sie Ihren Facharzt, ob Sie pers√∂nlich a) Alkohol eher vermeiden sollten sowie b) ob Sie eine spezielle andere Medikation ben√∂tigen
  • versuchen Sie, Stress oder andere psychischen Belastungen m√∂glichst zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden
  • halten Sie mit Ihrem Arzt und/oder Psychotherapeuten rechtzeitig R√ľcksprache, wenn Sie bemerken, da√ü sich Ihr Verhalten zu ver√§ndern beginnt oder Sie beginnen, anderwertige bipolare Symptome an sich festzustellen
  • suchen Sie eine lokale Selbsthilfegruppe, um sich mit anderen Betroffenen zu vernetzen.
Blog-Begriffswolke:
ÔĽŅ10.06.18