Jan 20

Burnout oder Boreout – im letzten Blog-Eintrag habe ich bereits erw√§hnt, dass Menschen, die an chronischer Unterforderung leiden, √§hnliche Symptome entwickeln k√∂nnen wie solche, die mit √úberlastung im Job zu k√§mpfen haben. Interessanterweise zeigen sich bei beiden Problemkreisen sehr √§hnliche neurologische und hormonelle Ver√§nderungen, und leider √§hneln sich auch deren Konsequenzen: chronische Unterforderung und Langweile kann ebenso wie Burnout zu Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems und des¬† Verdauungsapparates f√ľhren und das Risiko f√ľr Autoimmunerkrankungen erh√∂hen.

Hier sind 3 typische Anzeichen f√ľr eine Burnout- oder Boreout-Dynamik:

  • K√∂rperliche, geistige und/oder emotionale Ersch√∂pfung: Freizeit existiert nicht oder vergeht mit einem “Wimpernschlag” ohne jedes Gef√ľhl von Erholung (Burnout) oder sie f√ľhlt sich unendlich lange an, wobei zunehmend Essen oder Trinken zum H√∂hepunkt jedes Tages wird (Boreout).
  • Depersonalisation / Zynismus: grobe, unfreundliche oder abweisende Reaktionen anderen gegen√ľber, besonders jenen Leuten, mit denen man regelm√§√üig zu tun hat. Das Ziel dieses Verhaltens kann als Versuch gesehen werden, eine Distanz zu jenen Leuten herzustellen, die man subjektiv als Ausl√∂ser der eigenen Unwohlgef√ľhle empfindet.
  • Reduzierte F√§higkeit zur Selbsteinsch√§tzung: die Betroffenen haben das Gef√ľhl, nichts weiterzubringen, ihre Zeit zu vergeuden oder zu versagen (Burnout) oder sinnlos vor sich hinzuleben (Boreout). Ein Gef√ľhl des Versagens und der Ineffektivit√§t der Lebensgestaltung ist beiden gemein und zeigt einen zunehmenden Verlust an Vertrauen in unsere F√§higkeiten.


Das Hauptproblem im Umgang mit fortgeschrittenen Formen von Boreout und Burnout ist, dass man keinen Zugang zu den √ľblichen Ressourcen von Energie, Kreativit√§t und positiver Lebenseinstellung mehr hat, die dabei helfen k√∂nnten, wieder Boden unter die F√ľ√üe zu bekommen. H√§ufig wird statt dessen die Situation sogar noch verschlimmert, indem die Betroffenen sich nur noch mehr anstrengen, um die Kontrolle wiederzuerlangen. Doch jede Strategie, um einem Burnout-Prozess wirkungsvoll zu begegnen, muss im Endeffekt eine Reduktion der Belastungen und das Wiederfinden von Balance zum Inhalt haben. Daf√ľr sind allerdings mitunter drastische Schritte erforderlich, wie z.B. in Extremf√§llen sogar ein vor√ľbergehender Ausstieg aus der “Tretm√ľhle Job”. Auch organisatorische Ver√§nderungen oder eine √Ąnderung des “Selbst-Managements” kann n√∂tig sein, um sich nicht nach kurzer Zeit (etwa nach einem Kurzurlaub) wieder in derselben Situation wiederzufinden. Es n√ľtzt auch nichts, sich √ľber die Firma oder “die Situation” zu beklagen – denn zu einem hohen Grad ist es letztendlich unsere eigene Psyche, die unsere Grenzen setzt – und manche von uns anf√§lliger daf√ľr macht, irgendwann “auszubrennen” oder zu “verlangweilen” – insofern liegt es auch sehr stark an uns selbst, die n√∂tigen Schritte zu setzen, die uns wieder zur√ľck zu Gl√ľcklichkeit und innerer Balance f√ľhren k√∂nnen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2012. Image src:blogwallet.com
Eine umfangreichere Version dieses Artikels finden Sie hier: “Burnout oder Depression)

Jan 20

[English version ]

“Burnout in Thailand? Unm√∂glich!”

… das w√ľrden wohl die meisten von uns denken.
Doch die Syptome von “Burnout” m√ľssen nicht immer nur in hohem beruflichem Druck ihren Ursprung, sondern k√∂nnen auch ganz andere Ursachen haben.

Grunds√§tzlich existieren 3 Gruppen von Menschen, die sich sogar bei der¬† Auswanderung in ein sonniges, asiatisches Tropenland anf√§llig daf√ľr sind, eine Burnout-Symptomatik zu entwickeln:

Zum einen gibt es Ausl√§nder, die versuchen, im Ausland ihren Lebenserwerb zu bestreiten und bei in- oder ausl√§ndischen Firmen angestellt sind. H√§ufig m√ľssen sie von Beginn an mit hohem Druck und gro√üen Erwartungen am Arbeitsplatz fertig werden, sind aber auf die kulturellen Unterschiede, mit denen sie im Ausland umzugehen haben, weitgehend unvorbereitet und hatten diese untersch√§tzt. Viele sind √ľberrascht und letztlich √ľberfordert von der Herausforderung, das “alte” Leben aufzugeben, und nahezu zeitgleich ein neues Zuhause zu finden, es einzurichten und sich darin heimisch zu f√ľhlen, sich an einen komplett neuen Kollegenkreis und ihre Arbeitshaltung zu gew√∂hnen, sich in der neuen Umgebung zu orientieren und gleichzeitig all die Erwartungen zu erf√ľllen, die sie an sich selbst stellen.

Dann gibt es die Ausl√§nder, die im Ausland selbst√§ndig arbeiten m√∂chten. Diese “Expat-Unternehmer” sind nahezu ganz auf sich allein gestellt, und gehen von der Annahme aus, dass ihre Erfahrungen als Touristen sie gen√ľgend auf das neue Traumprojekt vorbereitet haben sollten. Doch schon nach kurzer Zeit haben sie mit zahlreichen H√ľrden unterschiedlichster Art zu k√§mpfen. Vieles funktioniert nicht so, wie es daheim mit demselben Aufwand an Einsatz und Geld geklappt h√§tte. Die Summe der vielen kleinen √Ąrgernisse schliesslich raubt vielen nicht nur sukzessive die Freude an ihrem Traum z.B. vom “eigenen Restaurant in Asien”, sondern f√ľhrt zu regelrechter Frustration und einem Gef√ľhl, vielleicht niemals an einen Punkt zu gelangen, an dem alles so l√§uft wie erhofft. Und ich habe noch nicht mal die gerade in Schwellenl√§ndern und Entwicklungsl√§ndern omnipr√§senten Themen “B√ľrokratie” und Korruption angeschnitten..!

Einige mag es vielleicht √ľberraschen, dass sogar der Ruhestand in gemeinhin als “Traumdestinationen” empfundenen L√§ndern wie jenen S√ľdostasiens oder S√ľdamerikas zu “Burnout” f√ľhren kann.
Die vielen Ver√§nderungen, die eine Auswanderung mit sich bringt, habe ich bereits erw√§hnt – aber sogar, wenn am Beginn eigentlich alles gut lief, kann nach einiger Zeit die Freude verflachen und von einzelnen Schwierigkeiten und √Ąrgernissen, sozialer Isolation oder sozialen Konflikten ausgeh√∂hlt werden. Zus√§tzlich leiden viele westliche Auswanderer an einem Mangel an Herausforderung und Kommunikation: sie sind “bored out” von der t√§glichen Routine, die sich nach einiger Zeit einstellt und bei der sich dann mitunter der Tag nur mehr um die “H√∂hepunkte” Essen oder Trinken dreht. Sogar jemanden zu finden, mit dem man sich wohl f√ľhlt und sich gut austauschen kann, kann schwierig sein. Doch ‘Boreout’ kann zu √§hnlichen k√∂rperlichen Symptomen wie Burnout f√ľhren und uns l√§ngerfristig genauso krank und depressiv machen. Insofern ist es wichtig, die eigenen Gef√ľhle ernst zu nehmen und entsprechend aktiv zu werden, bevor man von der eigenen Negativit√§t wie gel√§hmt ist.

In einem Folge-Eintrag werde ich typische Burnout- und Boreout-Symptome beschreiben und Strategien, wie mit diesen umgegangen werden kann.

(Dieser Kurzartikel ist die “Blog-Version” einer w√∂chentlichen Zeitungsartikel-Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befa√üt und in verschiedenen Medien Thailands ver√∂ffentlicht wird, 2012; Bildquelle: blog.madisonwhoswho.com)

ÔĽŅ25.06.19