Sep 29

Bild: Shutterstock

Wenn es um das Thema Datenschutz geht, w√§hlen viele Menschen die bequeme Position “Ich habe nichts zu verbergen.” Das ist jedoch leichtsinnig, denn schon seit Jahren sammeln Unternehmen unerm√ľdlich unsere Daten – diese werden analysiert und weiterverkauft – und sie bleiben vermutlich zum gr√∂√üten Teil ewig gespeichert. “Big Data” hei√üt das Ph√§nomen, bei dem es l√§ngst nicht mehr nur um optimierte Facebook-Streams (“Das k√∂nnte Sie interessieren:”) und personalisierte Werbung geht. Zunehmend interessieren sich einschl√§gige Firmen auch f√ľr den Gesundheitszustand und die Kreditw√ľrdigkeit ihrer Kunden.

T√§glich hinterl√§sst jeder Internet- und Smartphone-Nutzer dutzende Daten-Spuren: jeder Zahlvorgang im Web, jede Kreditkarten-Zahlung, jeder NFC- (“bargeldlose Zahlung), Wifi- und Bluetooth-Kontakt √ľber das Smartphone, jedes Posting in sozialen Netzwerken wird registriert – und h√§ufig auch von daf√ľr zahlenden Unternehmen gespeichert und ausgewertet. “Big Data” bedeutet dabei nicht nur, m√∂glichst viele Daten zu sammeln: der Verkauf der betreffenden Daten wird besonders in den USA (in die aufgrund der Marktdominanz der USA im IT-Bereich gro√üe Mengen unserer Daten √ľbertragen werden) hochaktiv betrieben, und einschl√§gige Unternehmen verbinden die Daten aus diesen Datenbanken dann mit ganz anderen Informationen √ľber uns. Was mit all diesen Informationen passiert, l√§√üt sich nur ansatzweise erahnen. Der US-Security-Pionier John McAfee formuliert es sinngem√§√ü in einschl√§gigen Interviews und Vortr√§gen so: “Wir sind Menschen, und wir alle haben Dinge, die uns unangenehm sind, oder Lebensphasen, in denen es uns schlecht geht. Die menschliche Gesellschaft hat Privatheit deshalb als elementares Fundament f√ľr ein harmonisches Zusammenleben entwickelt. Wir alle haben ein elementares Bed√ľrfnis nach Privatheit – gibt es sie nicht, g√§be es Blut auf den Stra√üen und unerme√üliches Leid in unseren Beziehungen.”

Der zunehmende Entzug unserer Privatheit durch die intransparenten Wege der Datenverarbeitung durch Unternehmen kann ernste Folgen haben. So wurde in den USA der Fall eines Kreditkartenunternehmens bekannt, das Kunden das Limit k√ľrzte, die eine Paartherapie mit ihrer Kreditkarte bezahlt hatten. “Die haben festgestellt, dass Menschen, die wegen einer Ehekrise eine Paartherapie brauchen, mit hoher Wahrscheinlichkeit sp√§ter einen Kreditausfall haben oder zumindest finanziell stark belastet sind”, erkl√§rte das IT-Magazin c‚Äôt in einem diesbez√ľglichen Artikel.

Weiterf√ľhrende Links f√ľr Interessierte:
Wie “Big Data” gegen uns eingesetzt wird, ohne, dass wir davon merken
John McAfee √ľber den Trugschlu√ü von Datensicherheit

May 28

Bild: Karikatur RABE (Ralf Böhme)

Wenn Sie bei einer √∂sterreichischen Krankenkasse versichert sind und um Voll- oder Teilrefundierung f√ľr Ihre Psychotherapie-Kosten angesucht haben, wurden Sie vermutlich vor einigen Monaten von einer deutlichen Erweiterung der diesbez√ľglichen Auskunftsbegehren an Ihre(n) Psychotherapeuten(in) informiert. Bei der Wiener Gebietskrankenkasse soll sp√§testens im Juli dieses Jahres ein neues Antragsformular verpflichtend vorgeschrieben werden, wenn PatientInnen um Voll- oder Teilrefundierung ansuchen m√∂chten. Dem Versicherungstr√§ger gegen√ľber werden dann zum Teil sehr pers√∂nliche Daten anzugeben sein – Daten, welche mit den Therapieinhalten bzw. den jeweiligen psychischen Beschwerden nicht immer etwas zu tun haben m√ľssen. Ob diese Informationen dann tats√§chlich so “vertraulich” bleiben, wie vom Hauptverband immer wieder versichert, dar√ľber muss man sich als ‘gepr√ľfter √Ėsterreicher’ nach Bekanntwerden eines intensiven Datenaustausches u.a. mit dem amerikanischen NSA, dem BFIE-Skandal usw. leider so seine Gedanken machen…

Pers√∂nlich kann ich das “Bed√ľrfnis” der Versicherungstr√§ger, sicherstellen zu wollen, dass die allozierten Mittel auch sinnvoll eingesetzt werden, selbstverst√§ndlich nachvollziehen – allerdings war doch Psychotherapie schon seit jeher ein Stiefkind des Gesundheitssystems: die Refundierungsbetr√§ge von ‚ā¨ 21,90 wurden seit mittlerweile fast 25 Jahren (!!) nicht mehr an die Inflation angepasst, da scheint es eine Zumutung, den von psychischen Problemen Betroffenen f√ľr diesen anteilig mittlerweile h√∂chst gering gewordenen Betrag auch noch zus√§tzliche “Datenkan√ľllen” anzulegen, zumal Zusatzantr√§ge ohnedies auch schon derzeit fast immer einer chef√§rztlichen Bewilligung bed√ľrfen – also keineswegs nur dem Gutd√ľnken des jeweiligen Psychotherapeuten allein unterworfen sind! Es ergibt sich somit der Eindruck, dass die Kassen PatientInnen, die ihnen rechtm√§√üig zustehende Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen m√∂chten, schlicht und einfach durch die Angst, dass ihnen die gemachten Angaben eines Tages zum Nachteil gereichen k√∂nnten, vergraulen wollen.
Die √∂sterreichischen Krankenkassen haben im Jahre 2013 Gewinn erwirtschaftet. Psychische Leiden geh√∂ren zu jenen, unter denen Menschen am st√§rksten leiden, die aber am seltensten fr√ľhzeitig erkannt und ad√§quat behandelt werden [Link].

Wenn auch Sie gegen die verpflichtende Verwendung des neuen Antragsformulars protestieren möchten, unterzeichnen auch Sie bitte die Online-Petition dagegen:

https://secure.avaaz.org/de/petition/Wiener_Gebietskrankenkasse_NEIN_zum_neuen_Krankenkassenformular_fuer_Psychotherapie/

Mehr Informationen f√ľr Interessierte: http://derstandard.at/2000001585614/

Blog-Begriffswolke:
ÔĽŅ10.06.18