Jun 10

Depression und Demenz-Symptome

Häufig versteckt sich hinter dem Verlust von Merkfähigkeit eine Depression (pic: newscientist.com).

Bei schweren Depressions-Formen können derart starke kognitive Einschränkungen entstehen, dass man in bestimmten Fällen vom Auftreten einer Pseudo-Demenz spricht. Doch im Unterschied zu anderen Demenz-Formen verbessert sich das Erinnerungsvermögen wieder, sobald die depressive Phase abklingt.

Dies wurde k√ľrzlich in einem Computermodell, das in Bochum entwickelt wurde, nachgewiesen. Wie bei echten Patienten wechselten sich auch in dem Computermodell depressive Phasen und Phasen ohne Symptome ab. Das Computermodell konnte Erinnerungen genauer abrufen, wenn der zust√§ndige Teil des Gehirns viele neue Nervenzellen bilden konnte – √§hnlich wie w√§hrend Depressionsphasen mit geringerer Symptomatik. Wurden dagegen weniger neue Nervenzellen gebildet (√§hnlich, wie das bei schwereren Depressionsphasen passiert), war es schwieriger f√ľr das Gehirn, √§hnliche Erinnerungen zu unterscheiden und getrennt abzurufen.

Im Modell wurde auch aufgezeigt, dass es schwer fallen kann, auf Erinnerungen zur√ľckzugreifen, die vor der Depression entstanden waren. Je l√§nger eine depressive Phase andauerte, desto weiter zur√ľckliegende Erinnerungen waren betroffen. Untersuchungsleiter Sen Cheng: “Bisher geht man davon aus, dass nur w√§hrend einer Depression Ged√§chtnisst√∂rungen auftreten. Wenn unser Modell recht hat, h√§tten Depressionen weitreichendere Konsequenzen. Alte Erinnerungen k√∂nnten bleibend gesch√§digt werden, selbst wenn die Depression bereits abgeklungen ist.”

Quellen: Virtual brain gives insights into memory deficits in depression

Jun 10
Schlaganfall und Depression

Nur ein kleiner “Unfall” im Gehirn – aber die Auswirkungen k√∂nnen dramatisch sein (pic: webmd.com).

Schlaganfall-Patienten sind nach dem Hirnschlag meist nicht nur motorisch eingeschr√§nkt, sondern etwa jeder Dritte entwickelt auch eine Depression, die sogenannte Post-Stroke-Depression (PSD) – w√§hrend sonst nur jede f√ľnfte Person an Depression erkrankt. Doch wie kommt es dazu?

Grunds√§tzlich gilt: Menschen, die ein erh√∂htes genetisches oder soziales Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, werden auch nach einem Schlaganfall leichter von der psychischen Erkrankung erfa√üt. Die k√∂rperlichen Einschr√§nkungen tun ihren Teil: wenn die Beweglichkeit von Gliedma√üen oder der Gesichtsmuskulatur eingeschr√§nkt ist, Sprachst√∂rungen oder L√§hmungen auftreten, ist dies eine massive Belastung f√ľr die Psyche. Den Betroffenen wird bewu√üt, dass sie Grundfertigkeiten wieder neu erlernen m√ľssen und ihren Job nicht mehr weiter aus√ľben k√∂nnen.

Eine weitere Ursache k√∂nnten Ver√§nderungen im Gehirn darstellen: denn Schlaganf√§lle werden durch Blutgerinnsel ausgel√∂st, die Gef√§√üe im Hirn verschlie√üen. Die mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff f√ľhrt zu nachhaltigen Hirnsch√§den, die umso gr√∂√üer sind, je l√§nger die Unterversorgung anh√§lt. Diese Sch√§den k√∂nnen die Aussch√ľttung von Hormonen ver√§ndern und dadurch die Entwicklung einer Depression beg√ľnstigen.

Erste Anzeichen einer Post-Stroke-Depression sind wie bei der Depression Antriebslosigkeit, Schlafst√∂rungen sowie Traurigkeit, die l√§nger als zwei Wochen andauern. “F√ľr das Erkennen der PSD ist es von Vorteil, dass insbesondere schwer betroffene Patienten nach dem Schlaganfall engmaschig betreut werden”, erkl√§rt Franz Fazekas, Neurologe von der Medizinischen Universit√§t Graz: “Gerade w√§hrend der Rehabilitation bekommen √Ąrzte, Pflege und Physiotherapeuten hautnah mit, wie sich die Stimmung der Patienten entwickelt.” Schwieriger wird es, wenn die Depression sp√§ter auftritt, also wenn der Patient die Reha bereits beendet hat und wieder zu Hause ist.

In der Depressions-Therapie Betroffener kommen vor allem dann haupts√§chlich Medikamente zum Einsatz, wenn die mentale Kapazit√§t der Patienten eingeschr√§nkt ist – Psychotherapie kann dann nur beschr√§nkt ihr Potenzial entfalten. Ebenso wichtig sind f√ľr Psychotherapien die Sprachf√§higkeit sowie das Sprachverst√§ndnis.

(Source: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21216670)

Jul 25
Autismus Schwangerschaft Antidepressiva

Erhöhtes Risiko bei Antidepressiva-Einnahme der Mutter während der Schwangerschaft (Bildquelle: Fotolia)

Schon seit vielen Jahren wird ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen (besonders Depressionen) von M√ľttern und der Wahrscheinlichkeit derer Kinder, an Autismus zu erkranken, vermutet. Nun scheint eine im British Medical Journal ver√∂ffentlichte Studie der Universit√§t Bristol diese Vermutung – wenn auch auf andere Weise – zu erh√§rten.

So scheint der Konsum von Antidepressiva w√§hrend der Schwangerschaft zumindest teilweise mit dem sp√§teren Auftreten von Autismus bei Kindern zusammenzuh√§ngen. Kinder, deren M√ľtter w√§hrend der Schwangerschaft zu Antidepressiva greifen, tragen den gefundenen Zahlen zufolge ein h√∂heres Autismus-Risiko als Kinder, deren psychisch erkrankten M√ľtter auf diese medikament√∂se Intervention verzichten. Dieses Risiko ist – dieser Studie zufolge – allerdings nur leicht erh√∂ht.

In der Studie wurden 250.000 zwischen vier und 17 Jahre alte schwedische Kinder und Jugendliche, unter denen sich mehr als 5.000 Menschen mit Autismus befanden, untersucht. Ihre M√ľtter waren entweder psychisch unbelastet oder von Depression betroffen, manche der letzteren nahmen Antidepressiva ein oder verzichteten auf Medikamente. Die Kinder der M√ľtter, welche w√§hrend ihrer Schwangerschaft Antidepressiva einnahmen, waren sp√§ter zu 4,1% von Autismus betroffen, jene von M√ľttern, die keine entsprechenden Medikamente einnahmen, nur zu 2,9%.
Demnach brachten mehr als 95% der M√ľtter, die Antidepressiva einnahmen, keine autistischen Kinder zur Welt.

Bemerkenswert ist allerdings, dass andere Studien mit √§hnlichen Fragestellungen teils deutlich h√∂here Wahrscheinlichkeiten f√ľr Autismus-Entwicklung der Kinder ergaben (bis zu einer Verdopplung des Risikos bei der Einnahme von SSRI’s, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, w√§hrend des 2. und 3. Trimesters der Schwangerschaft im Zuge einer Studie der Unversit√§t von Montreal 2015 (p=145.000), teils auch gar keinen Zusammenhang fanden (z.B. 2015).

Aus den zur Verf√ľgung stehenden Forschungsergebnissen ist nach Meinung des Autors somit keine generelle Warnung hinsichtlich der Einnahme von Antidepressiva abzuleiten: ist also eine unterst√ľtzende Einnahme von Antidepressiva rechtzufertigen (z.B. bei erheblich belastenden und trotz regelm√§√üiger Psychotherapie nur wenig ver√§nderlichen Depressionsformen), sollte diese durchaus auch w√§hrend der Schwangerschaft fortgesetzt werden – sofern sich die damit verbundene hormonelle Umstellung nicht ohnedies bereits positiv auf die Depression auswirkt!

Jan 05

Was ist der Unterschied zwischen dem St√∂rungsbild der Depression und “schlechter Stimmung” bzw. “Traurigkeit”? Diese h√§ufig gestellte Frage ist mitunter schwierig zu beantworten, und tats√§chlich kann es alles andere als einfach sein, zu unterscheiden, ob es sich bei verschiedenen Zeichen von Niedergeschlagenheit oder etwa auch k√∂rperlichen Symptomen nicht tats√§chlich im Grunde um eine Depression handeln k√∂nnte.

Um diesbez√ľglich etwas Licht ins Dunkel zu bringen (vielleicht sogar in metaphorischem Sinne), m√∂chte ich Sie einladen, den auf meiner Website verf√ľgbaren Online-Test auf Depression durchzuf√ľhren, oder sehen Sie sich das untenstehende kurze Video mit ersten Informationen zu dieser Thematik an. Gerne k√∂nnen Sie weiter unten auch Ihre Erfahrungen und Beobachtungen anbringen – vielleicht k√∂nnen diese anderen weiterhelfen, die sich selbst √§hnliche Fragen stellen.

Hier bei dieser Gelegenheit noch ein sch√∂ner √úberblick √ľber den aktuellen Forschungsstand zur Depression und verf√ľgbaren Therapie-Ans√§tzen:

Sep 27

(Image: dw.com)

Der Flugzeugabsturz am 24. M√§rz 2015 hat die Welt√∂ffentlichkeit schockiert – denn er wurde durch den Piloten, der sich (wie sich nachher herausstellte) aufgrund von schweren Depressionen in √§rztlicher Behandlung befand, gezielt herbeigef√ľhrt. 150 Menschen kamen dabei ums Leben.

Wie sich nun herausstellt, k√∂nnte der Grund f√ľr den psychischen Ausnahmezustand, in dem sich der Pilot befand, in seiner Nutzung von Antidepressiva gelegen haben. Bestimmte Arzneimittelgruppen, insbesondere jene der sogenannten SSRI’s (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), Antidepressiva wie Prozac und Paxil, Antipsychotika, Benzodiazepine wie Valium, Anti-Raucher- und Anti-Asthma-Medikamente, Antihistaminika oder auch solche mit stimulierender Wirkung wie Ritalin k√∂nnen nachweislich Suizide oder T√∂tungsdelikte ausl√∂sen. Sie sind auf der Website des Psychiaters aufgelistet (siehe untenstehender Link).

Das Risiko daf√ľr, dass es zu derart massiven Handlungen kommt, ist grunds√§tzlich gering – sollte aber auch nicht v√∂llig negiert werden. Und es unterstreicht, wie wichtig die erg√§nzende psychotherapeutische Begleitung von Menschen, die etwa unter Depressionen oder Angstst√∂rungen leiden, ist: nicht nur werden durch sie wichtige Bew√§ltigungsstrategien erlernt, nebenbei entsteht durch das Vertrauensverh√§ltnis Klient/in – Therapeut/in auch eine Verbindung, die schwierigste Phasen √ľberwinden helfen kann, sowie eine Eingriffsm√∂glichkeit der Therapeuten, wenn diese merken, dass ihre Klienten etwa in ein pr√§suizidales Syndrom abgleiten.

Zum Weiterlesen:

Nov 06

Hatten Sie k√ľrzlich mit jemandem Kontakt, der v√∂llig die Kontrolle √ľber sich verlor?

Bei Kindern und Jugendlichen werden Verhaltensmuster, die die sozialen Normen oder die Grenzen der anderen verletzen, als “Verhaltensst√∂rungen” bezeichnet. Ich halte diese Begriffswahl an sich f√ľr problematisch, denn denn wer d√ľrfte sich schon anma√üen, “korrektes” Verhalten zu definieren? In der Fachwelt jedoch werden unter diesem Begriff konkret Aggressivit√§t, Bullying, L√ľgen, grausames Verhalten anderen Menschen oder Tieren gegen√ľber, destruktives Verhalten, Vandalismus und Diebstahl verstanden – und das gibt dann vermutlich doch einen ganz guten Eindruck dar√ľber, was gemeint ist.

Die betreffenden Minderj√§hrigen kommen meist aus problematischen Verh√§ltnissen, haben Mi√übrauchs-, Gewalterfahrungen oder einen Elternteil mit einem Suchtproblem. Werden ihre damit verbundenen Probleme nicht gel√∂st, k√∂nnen sich bei ihnen Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen entwickeln, wie die sogenannte “antisoziale Pers√∂nlichkeitsst√∂rung”, bipolare St√∂rungen oder Psychopathie. Diesen ist gemein, dass sie das Risiko f√ľr eigene oder fremde k√∂rperliche Verletzungen, Depressionen, Suchtverhalten, Gef√§ngnisstrafen, Mord oder Suizid stark erh√∂hen, unter anderem deshalb, weil die Betroffenen Konflikten nicht aus dem Weg gehen und h√§ufig auch vor dem Einsatz von Waffen nicht zur√ľckschrecken. H√§ufig besteht auch nur eine geringe Hemmung, andere zu betr√ľgen, zu bestehlen und das Eigentum anderer zu zerst√∂ren. Paradox ist, dass das Verhalten dieser Personen √§u√üerlich zwar sehr bestimmt und selbstbewu√üt wirken mag, sie sich im Grunde aber meist sehr allein, √§ngstlich und hoffnungslos f√ľhlen, was nicht selten zu Alkoholmi√übrauch, Depressionen und anderen Folgeproblemen f√ľhrt.

Am besten kann das Verhalten antisozialer Personen psychologisch erkl√§rt werden. Mediziner suchen nach rein k√∂rperlichen (z.B. genetischen) Erkl√§rungen, lassen dabei aber h√§ufig au√üer Acht, dass f√ľr viele Betroffene ihr aggressives Verhalten zum Selbstschutz und als Ventil f√ľr emotionale Spannungen dient. Diese Spannungen existieren nicht nur in ihnen selbst, sondern entstehen √ľberm√§√üig schnell auch im Kontakt mit anderen. Bei psychopathischen Pers√∂nlichkeitsz√ľgen mangelt es zus√§tzlich an Empathie und Verst√§ndnis f√ľr die Situation der anderen, was die Hemmung f√ľr Aggression und illegale Handlungen noch weiter herabsetzt

Es ist deshalb normalerweise empfehlenswert, offene Konflikte mit aggressiven oder antisozialen Personen zu vermeiden: nicht nur w√ľrden diese Leute im Konfliktfall unf√§hig sein, sich in Ihre pers√∂nliche Situation hineinzuversetzen, sondern auch dazu, den Konflikt auf Gespr√§chsebene zu kl√§ren, geschweige denn, auf konstruktive Weise. Besser ist es, zun√§chst auf Abstand zu gehen, um das Gegen√ľber emotional “abk√ľhlen” zu lassen, und es vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt nochmals zu versuchen.

Die Betroffenen selbst können mit psychologischer Hilfe bzw. Psychotherapie nach einiger Zeit zu deutlich besserer Selbstkontrolle und Lebenszufriedenheit finden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle:willow-park.co.uk)

Jul 01

Rund acht Prozent aller Europäer nahmen im vergangenen Jahr Medikamente gegen Depressionen. Besonders stark betroffen ist die Altersgruppe von 45 bis 54 Jahren, wie eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) aufzeigte, die auf der Befragung von 30.000 Europäern in 27 Ländern beruht.

Der britische √Ėkonom Andrew Oswald, der am IZA in Bonn forscht und die Studie mitverfasst hat, h√§lt den Befund f√ľr alarmierend: “Gemessen an Wohlstand und Sicherheit ging es den Europ√§ern nie besser als heute. Dass trotzdem so viele Menschen mit Chemie nachhelfen m√ľssen, um gl√ľcklich zu sein, sollte uns zu denken geben.”

Am h√§ufigsten greifen die Portugiesen zu Antidepressiva (16 Prozent), am seltensten die Griechen (3 Prozent). In Deutschland (5 Prozent) liegt der Verbrauch √ľberraschenderweise unter dem EU-Durchschnitt, obwohl die Deutschen bei der Lebenszufriedenheit im unteren Mittelfeld rangieren.

Was f√ľr alle Staaten gleicherma√üen zutrifft: Im mittleren Alter leiden die Menschen besonders h√§ufig unter Depressionen. Das deckt sich mit Studien zur Lebenszufriedenheit, die bei Endvierzigern am geringsten ist. Warum es zu diesem Knick kommt, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend belegt.

(Quelle: MedAustria; Image:CartoonStock.com)

ÔĽŅ25.06.19