Oct 20

Ein gefundenes Fressen fĂŒr die Medien war die kĂŒrzliche Freigabe von Flibanserin (vertrieben als “Addyi”) in den USA, ein neu entwickeltes Medikament, das die Lust von Frauen auf Sex steigern soll. Im Unterschied zu Viagra wirkt Flibanserin allerdings weniger auf körperlicher, sondern vielmehr auf neurologischer Ebene: eigentlich handelt es sich bei dem Medikament um ein Antidepressivum, das den Serotonin-Spiegel (welcher lusthemmend wirkt) absenkt, und die Konzentration der GlĂŒckshormone Dopamin und Noradrenalin anhebt (was sich libidosteigernd auswirken kann). Insofern ist auch der ‘modus operandi’ der Einnahme wie bei AD’s: die Pille muß tĂ€glich eingenommen werden, egal, ob Sex geplant ist oder nicht. Und frau muß mit Nebenwirkungen rechnen, wie sie auch bei der Einnahme von Antidepressiva auftreten können, etwa Schlafstörungen, Schwindel, Übelkeit, SchlĂ€frigkeit, Angstsymptomen. GefĂ€hrlich soll die Einnahme gar in Verbindung mit Alkoholkonsum sein – was gerade bei einem solchen Arzneimittel einigermaßen ironisch anmutet.

Zugelassen wurde das Mittel fĂŒr Frauen vor der Menopause, welche an einem Mangel an sexuellem Verlangen leiden. HiefĂŒr wurden, wohl aus Marketing-GrĂŒnden, sogar zwei neue Krankheitsbegriffe geschaffen: “Hypoactive Sexual Desire Disorder” (HSDD) und “Female Sexual Dysfunction” (FSD) und prompt Studien prĂ€sentiert, denen zufolge bis zu 25% der Frauen an dieser “Störung” leiden sollen. All dies, obwohl ja Libidomangel bereits sowohl im Diagnoseverzeichnis ICD-10 als auch dem DSM definiert ist. Laut der zulassenden FDA soll das Medikament nur verschrieben werden, wenn der Lustmangel nicht durch die aktuellen LebensumstĂ€nde bedingt ist, also z.B. durch Schwangerschaft, Stillphase, Krankheiten, Medikamenteneinnahme oder Probleme in der Partnerschaft. Man braucht jedoch kein großer Skeptiker zu sein, um zu bezweifeln, dass besonders in der USA die wenigsten Ärzte zögern werden, ihren Patientinnen Antidepressiva dieser speziellen Art zu verschreiben.

Die konkrete Wirkung des Medikaments ist fragwĂŒrdig: im Vergleich mit Placebos hatten Frauen, die Flibanserin/Addyi einnahmen, gerade einmal 1/2-1x hĂ€ufiger Sex.

Insofern wirft die Freigabe des Arzneimittels unweigerlich Fragen auf: muß denn in einer funktionierenden Partnerschaft tatsĂ€chlich ein Partner Medikamente einnehmen, nur weil beide unterschiedlich oft Lust verspĂŒren? Und wenn es denn schon sein muß, warum gerade mit einem Medikament behandeln, das offenbar nicht nur kaum wirkt, sondern auch die bescheidene Wirksamkeit mit dem Risiko signifikanter Nebenwirkungen erkauft?

TatsĂ€chlich wies nun eine neue an der MedUni Wien durchgefĂŒhrte Studie nach, dass Placebos sich als zumindest ebenso wirksam fĂŒr die sexuelle Libido der Frau erweisen wie beide aktuell verfĂŒgbaren “Behandlungsmethoden” mittels Flibanserin oder Oxytocin. Die Studienleiterin, M. Bayerle-Edereine, erklĂ€rt sich dies mit der intensiveren und offeneren Kommunikation der Paare als Begleiterscheinung der Studie, und sagt zudem: “Sexuelle Probleme sind hĂ€ufiger durch laufenden Stress verursacht als durch MĂ€ngel im weiblichen Hormonhaushalt.” Auch wenn das eine das andere nicht ausschließt, und auch hormonelle Störungen durchaus streßbedingt sein können, kann ich aus der Arbeit mit Paaren dennoch bestĂ€tigen, dass das Grundelement erfolgreicher Sexualtherapie zunĂ€chst in der Beseitigung der HĂŒrden zu einer erfĂŒllenden SexualitĂ€t besteht. Insofern sind zunĂ€chst einmal mögliche Ursachen zu erkunden und zu behandeln, statt gleich zu den erstbesten Medikamenten zu greifen, die versprechen, die Probleme auf “technische” Weise zu beseitigen.

WeiterfĂŒhrende Artikel zum Thema:
Moynihan, Ray: “The making of a disease: female sexual dysfunction“, BMJ 2003; 326:45 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.326.7379.45, 2003
Moynihan, Ray: “Merging of marketing and medical science: female sexual dysfunction“, BMJ 2010; 341:c5050 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.c5050, 2010
Dana A. Muin et al.: “Effect of long-term intranasal oxytocin on sexual dysfunction in premenopausal and postmenopausal women: a randomized trial”, in: Fertility and Sterility (2015). DOI: 10.1016/j.fertnstert.2015.06.010
Image source: http://www.yypharm.com/

Sep 11

Schizophrenie schleicht sich zumeist hinterrĂŒcks an: sie tarnt sich, hĂ€ufig als “Depression” oder “PubertĂ€tskrise”. Manchmal auch mit körperlichen Symptomen wie Herzstechen. Doch meist dauert das Versteckspiel nur wenige Wochen. Dann beginnt die Grenze zwischen dem Selbst und der Außenwelt zu schwinden, Gedanken werden laut, unbekannte Stimmen mischen sich in das Leben ein, GefĂŒhle scheinen gesteuert, andere verfolgen, beobachten, belauschen. Schizophrenie treibt jeden zehnten Betroffenen in den Suizid, doch immer noch haftet dieser schweren psychischen Erkrankung das Stigma schlicht  hausgemachter Probleme oder mangelnder Belastbarkeit an.

Ursachen

“Dass oftmals die Persönlichkeit als Basis fĂŒr Schizophrenie herhalten muss, gehört wohl zu den gravierendsten FehleinschĂ€tzungen”, warnt W. Fleischhacker, Leiter der Uni-Klinik fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie an der Med-Uni Innsbruck. Doch bis zu 70% des Risikos an Schizophrenie zu erkranken, verorten Forscher in den Genen. Doch “..jeder einzelne Risikofaktor birgt nur einen winzigen Bruchteil in sich. Erst wenn alle zusammenkommen, bricht die Krankheit aus; dazu gehören neben den HirnverĂ€nderungen auch umweltbedingte Faktoren”, sagt Fleischhacker.

TatsĂ€chlich beginnt der “Kampf im Kopf”, den immerhin 80.000 Österreicher wenigstens einmal im Leben ausfechten, hĂ€ufig mit belastenden EinflĂŒssen wie Schulschwierigkeiten, Drogen oder Liebeskummer. Und fast immer geschieht dies bereits in der PubertĂ€t – jener Entwicklungsphase, in der das Gehirn einen massiven Umbau erfĂ€hrt und fĂŒr das weitere Leben generalĂŒberholt wird. Die Kombination aus erblicher Veranlagung, belastender Erfahrung und mentaler Verletzlichkeit scheint schließlich zu veranlassen, dass einige Schaltkreise der 100 bis 200 Milliarden Nervenzellen im Gehirn in Unordnung geraten. Gewöhnlich transportieren die Neuronen Informationen durch Seh-, Sprach-, Wahrnehmungs- sowie Bewertungs- und GefĂŒhlszentren. Die Übergabe erfolgt mithilfe von Botenstoffen, die jeder Information eine Bedeutung geben: So entscheidet das Serotonin im GefĂŒhlszentrum ĂŒber GlĂŒck oder Tristesse, Glutamat reguliert die Erregbarkeit und Dopamin steuert im limbischen System Lernen und Motivation – ein hochkomplexes System, das empfindlich auf Abweichungen reagiert. Fehlt etwa Serotonin, entsteht Depression. “Nennen Sie es Seele oder Psyche: Was den Menschen ausmacht, ist das Ergebnis von zellulĂ€ren, biochemischen und elektrischen Prozessen in den Neuronenschaltkreisen des Gehirns”, beschrieb der Neurochirurg Volker Sturm aus Köln die VorgĂ€nge einst.

Diese Aussage trifft fĂŒr Schizophrenie-Patienten: “Denn bei ihnen gerĂ€t das ganze philharmonische Orchester der Neurochemie in Missklang”, wie es der Wiener Leiter der Uni-Klinik fĂŒr Psychiatrie und Psychotherapie Siegfried Kasper ausdrĂŒckt. Den grĂ¶ĂŸten Anteil trĂ€gt Dopamin. Im Motivationszentrum schießt es, vermutlich gesteuert durch Glutamat, ĂŒber und verursacht die so typischen Wahnvorstellungen. Zugleich aber mangelt es in den Hirnarealen, wo Informationen interpretiert und emotional bewertet werden sowohl an Dopamin als auch an Serotonin. “Das aber ist sehr viel schlimmer als die auffĂ€lligen Psychosen”, sagt Kasper. Sie lösen einen massiven RĂŒckzug von Freunden und Familie, Konzentrations- und Kommunikationsverlust aus, durch die sich die Patienten “kaum noch erreichen lassen”. Zumal durch den Serotoninmangel auch die Ausbildung neuer Nervenzellverbindungen nachlĂ€sst. Es beginnt ein biochemischer wie sozialer Teufelskreis, der, wenn er nicht gestoppt wird, die Menschen in Isolation treibt.

Behandlung

Dieser Prozess lĂ€ĂŸt sich jedoch aufhalten. Gerade die (nicht mehr ganz so) “neuen” Antipsychotika regulieren sowohl den Dopamin- als auch den Serotoninspiegel sensibel und vergleichsweise nebenwirkungsfrei. Vor allem dann, wenn die Schizophrenie rechtzeitig erkannt und medikamentös behandelt werde, könnten die meisten ein mehr oder weniger erfĂŒlltes Leben fĂŒhren, so Fleischhacker. Doch genau da liegt das Problem: Meist vergehen bis zu drei Jahre, bis er Patienten zu Gesicht bekommt. HĂ€ufig schieben die Betroffenen den Arzt- oder Therapeuten-Besuch lange vor sich her, was der Krankheit viel Zeit gibt, sich in der Psyche “einzurichten”. HĂ€ufig tĂ€uschen vorĂŒbergehende Phasen der Erholung, die den erschöpfenden AnfĂ€llen folgen. Fatalerweise aber werden die SchĂŒbe unbehandelt meist schlimmer, die Wahnvorstellungen verfestigen sich, wĂ€hrend die FĂ€higkeit, die eigene Krankheit zu erkennen, schwindet, und damit auch die Bereitschaft, sich behandeln zu lassen.

Die Experten drĂ€ngen daher auf eine begleitende Psychotherapie. “Sie lehrt Betroffene mit ihrer Erkrankung umzugehen, schĂŒtzt sie vor Isolation, aber vor allem lernen sie, Vorboten der möglichen RĂŒckfĂ€lle zu erkennen”, so Fleischhacker. Denn eine Psychose taucht keinesfalls aus dem Nichts auf – sie kĂŒndigt sich an. Studien aus Deutschland zeigen eindrucksvoll, dass RĂŒckfĂ€lle um mehr als 30 Prozent sinken, nehmen Patienten wie auch Angehörige eine solche Therapie in Anspruch.

Mythen und Fakten

“Nur wenige Menschen erkranken an Schizophrenie.”

Etwa einer von 100 Menschen erleidet im Laufe seines Lebens zumindest einen solchen Krankheitsschub.

Schizophrene hören Stimmen.

Das “Stimmen hören” ist tatsĂ€chlich ein hĂ€ufiges Symptom, das wĂ€hrend der akuten KrankheitsschĂŒbe auftritt. Zwischen den SchĂŒben aber leben und empfinden die Patienten so rational wie Gesunde auch.

Schizophrene haben eine gespaltene Persönlichkeit.

Es wohnen nicht zwei Menschen in einer Seele. Vielmehr ist der Patient sich seiner Wahrnehmungen durchaus bewusst und nicht selten hat er große Angst davor. Viele Schizophrene ziehen sich deswegen aus ihrem sozialen Umfeld zurĂŒck.

FĂŒr Schizophrenie gibt es keine Heilung.

Die meisten Patienten lassen sich gut durch Medikamente und psychosoziale Maßnahmen therapieren. Es gibt kaum Patienten, die dauerhaft stationĂ€r behandelt werden mĂŒssen. Viele Schizophrenie-Patienten leben selbstĂ€ndig und in Beziehungen, sind zum Teil in die Arbeitswelt eingegliedert.

Zum Weiterlesen:
Amen, D.: “Das glĂŒckliche Gehirn” – Ängste, Aggressionen und Depressionen ĂŒberwinden – So nehmen Sie Einfluss auf die Gesundheit Ihres Gehirns
Hell, D. & SchĂŒppbach, D.: “Schizophrenien” – : Ein Ratgeber fĂŒr Patienten und Angehörige
Greenberg, J.: “I never promised you a Rose Garden” (Roman, engl.)

(Quelle: Eintrag basiert auf einem Artikel in der Zeitung ‘Der Standard’ v. 22.08.2011; Image src:medindia.com)

Jul 23

Mark Twain sagte: “Das Rauchen aufzugeben, zĂ€hlt zu den einfachsten Dingen ĂŒberhaupt. Ich muss es wissen, schließlich habe ich es tausende Male getan!”

Nun, wir wissen es alle: mit dem Rauchen aufzuhören, reduziert das Risiko schlimmer Erkrankungen wie Krebs und GefĂ€ĂŸerkrankungen, es verbessert die ZeugungsfĂ€higkeit, das Atmen und die körperliche LeistungsfĂ€higkeit. Ein anderer Vorteil des Aufhörens ist, dass das Essen wieder besser schmeckt (fĂŒr manche ist dies allerdings ein Grund, weiterzurauchen, da dieser Vorteil mit ihrer Essstörung nicht harmoniert
). Sie wĂŒrden wieder besser und jĂŒnger aussehen, besser riechen und sich daneben noch eine Menge Geld ersparen. Aber warum fĂ€llt es dann vielen so schwer, die Gewohnheit – oder Sucht -, zu rauchen aufzugeben?

Die GrĂŒnde fĂŒr sie lassen sich auf 2 wesentliche Faktoren reduzieren: Nikotin und Gewohnheit. Nikotin ist eine stark sĂŒchtigmachende Substanz, die auf natĂŒrliche Weise in der Tabakpflanze vorkommt, und löst bei Ihrem Gehirn die Freisetzung eines Feuerwerks an Dopamin aus – dem Hormon, das uns auch an Essen und Sex erfreuen lĂ€ĂŸt. Es erhöht auch die AktivitĂ€t in Hirnbereichen, die fĂŒr kognitive Funktionen wichtig sind – zu rauchen kann also die KonzentrationsfĂ€higkeit erhöhen. Und als ob dies alles noch nicht genug wĂ€re erhöht Nikotin auch unseren Endorphinspiegel, was ein GefĂŒhl von Euphorie erzeugt. Ein solch bequemes Hilfsmittel, das einen auf so viele Weise besser fĂŒhlen lĂ€ĂŸt, gibt man natĂŒrlich nicht einfach auf. Noch dazu, wo das Aufhören meistens deutlich spĂŒrbare Entzugseffekte mit sich bringt.

Ein weiterer wichtiger Faktor fĂŒr diese spezielle Sucht ist Gewohnheit – die kleinen AblĂ€ufe, die mit dem Rauchen verbunden sind. Rauchen ist hĂ€ufig mit tĂ€glichen AktivitĂ€ten und Auslösesituationen verbunden wie etwa: nach dem Essen, beim Plaudern mit Freunden, beim Pause-machen, am Computer, in Stress-Situationen (zur Entspannung) u.v.m. Diese Aspekte des Rauchens zu ĂŒberwinden kann genauso herausfordernd sein wie die körperliche Gewöhnung.

Folglich benötigen die meisten Menschen, die ein fĂŒr alle Mal mit dem Rauchen aufhören möchten, eine Methode, die ihnen hilft, beide Schwachpunkte anzugehen: die Sucht selbst und die Verhaltensgewohnheiten, die damit verbunden sind. Die bestehenden “Fallen” mĂŒssen identifiziert und danach neue AblĂ€ufe entwickelt werden, die es einfacher machen, die Impulse zum AnzĂŒnden der nĂ€chsten Zigarette zu ĂŒberwinden. Hypnotherapie kann hier sehr gut unterstĂŒtzen, andererseits aber auch keine Wunder bewirken ohne einen klaren Entschluss der Betroffenen, ihre AbhĂ€ngigkeit in den Griff zu bekommen. Die ersten Wochen sind meist die schwierigsten. Nach 8-12 Wochen fĂŒhlen sich die meisten jener, die es soweit geschafft haben, ohne das Rauchen bereits wohler. Aber auch davon “schaffen” es nur 3 von 10 Menschen, dauerhaft aufzuhören.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:s3.hubimg.com)

Jun 13

Schon Stunden nach der Gabe von Antipsychotika zeigen sich rasch reversible VerĂ€nderungen des striatalen (s. Striatum) Volumens, wie eine Studie aus dem Zentralinstitut fĂŒr Seelische Gesundheit in Mannheim und dem National Institute of Mental Health, Bethesda, USA, zeigte, welche kĂŒrzlich in “Nature Neuroscience” veröffentlicht wurde.

Antipsychotika werden bei der Behandlung von Schizophrenie und anderen schweren seelischen Störungen eingesetzt und blockieren einen Rezeptor des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Sie verursachen oft sog. extrapyramidalmotorische Symptome (EPS) – Ruhelosigkeit sowie unfreiwillige Bewegungen der Gliedmaßen und des Gesichts -, die bereits innerhalb von Minuten nach der Medikamenten-Einnahme einsetzen können.

Im Zuge der Studie fand man heraus, dass das Medikament Haloperidol bei jungen gesunden MĂ€nnern innerhalb von Stunden nach einer einzigen Gabe das Volumen der grauen Substanz des Gehirns in einer fĂŒr die Motorik wichtigen Gehirnregion, dem Putamen, reduzierte. Dieser Volumenverlust war reversibel: innerhalb von 24 Stunden erreichte das Gehirnvolumen wieder sein normales Maß. Eine so schnelle VerĂ€nderung der Hirnstruktur war zuvor noch nie beobachtet worden, was nahelegt, dass Dopamin fĂŒr plastische VerĂ€nderungen des menschlichen Gehirns (NeuroplastizitĂ€t) wichtig ist.

Das internationale Forscherteam fand weiterhin, dass die Schwere von EPS bei gesunden Probanden stark mit dem Ausmaß an Gehirnvolumenreduktion korrelierte. Der Zeitverlauf der motorischen Störung spiegelt deutlich die raschen VerĂ€nderungen der Gehirnstruktur und der KonnektivitĂ€t wieder. Diese Studie legt nahe, dass kurzfristige strukturelle HirnverĂ€nderungen fĂŒr einige der Nebenwirkungen von Antipsychotika beim Menschen verantwortlich sein können.

Anmerkung R.L.Fellner: offensichtlich dĂŒrften aber sehr wohl auch chronische / dauerhafte VerĂ€nderungen bei der Langzeitkonsumation von Antipsychotika bzw. Neuroleptika auftreten – wenn die Nebenwirkungen stets nur “kurzfristig strukturell” wĂ€ren, existierten extrapyramidalmotorische Symptome bei entsprechenden Patienten ja nicht…

(Quelle: Tost H, Braus DF, Hakimi S, Ruf M, Vollmert C, Hohn F, Meyer-Lindenberg A., “Acute D(2) receptor blockade induces rapid, reversible remodeling in human cortical-striatal circuits”, in: Nature Neuroscience 2010 Jun 6 [Epub ahead of print], PMID: 20526332; Image src:bonkersinstitute.org)

Blog-Begriffswolke:
ï»ż10.06.18