Mar 14

Cannabis PsychosenWissenschafter haben für eine Studie an der Universität von Queensland, Australien, mehr als 3.800 junge Erwachsene um die 20 Jahre zu ihrem Cannabis-Konsum befragt und sie außerdem auf Psychosen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen untersucht. 14 Prozent der Befragten gaben an, schon seit sechs Jahren oder länger Haschisch zu rauchen.

Langzeit-Konsumenten hatten der Befragung zufolge offenbar ein doppelt so hohes Risiko, an psychotischen Symptomen wie Schizophrenie zu erkranken als jene Studienteilnehmer, die noch nie mit Cannabis in Berührung gekommen waren. Sie waren auch doppelt so anfällig für Halluzinationen und hatten ein vierfach erhöhtes Risiko, unter Wahnvorstellungen zu leiden. Die Gefahr nimmt nach Einschätzung der Forscher parallel zur Dauer des Cannabis-Konsums zu. Je länger der erste Cannabis-Konsum zurücklag, desto größer war das Risiko einer Erkrankung. Eine Verbindung mit Depression und Selbstmordneigung sei nicht nachweisbar.

Ob die Erkrankung bei den Psychose-Patienten allein durch den Cannabis-Konsum ausgelöst wurde oder ob sie schon vor dem Drogenmissbrauch anfällig für Geisteskrankheiten waren, ist jedoch unklar. Bei Patienten, die schon in jungen Jahren unter Halluzinationen litten, war es demnach wahrscheinlicher, dass sie eher und öfter Cannabis konsumieren. Ergänzend ist anzumerken, daß dasselbe Phänomen beim Konsum von Alkohol, Nikotin auftritt, darüber erhöht frühzeitiger Konsum von Rauschmitteln auch die Anfälligkeit für späteres Suchtverhalten.

166 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren oder 4 Prozent dieser Altergruppe haben 2006 zumindest schon einmal gekifft. Cannabis ist die weltweit am meisten von meisten jungen Menschen konsumierte illegale Droge, die sich nun von den reichen Ländern auch auf die armen ausgebreitet habe. Am stärksten wird Cannabis nach Angaben der UN-Drogenbehörde in den USA, Australien und Neuseeland konsumiert, gefolgt von Europa. Prozentual die meisten Cannabis-Konsumenten gibt es aber in Asien.
Der Wirkstoff THC führt zu einem “High”, einer leichten Euphorie und setzt die Reaktionszeit, die Informationsverarbeitung und Koordination herunter. 5-24 Prozent des gerauchten THC erreicht das Gehirn. Der Wirkstoff kann aber auch Ängste, Panikreaktionen oder psychotische Symptome auslösen. Es gibt Hinweise, aber keine Beweise, dass der THC-Gehalt in beschlagnahmten Cannabis-Produkten in den letzten 30 Jahren gestiegen sei.
Nach den ausgewerteten Studien könnten 9 Prozent der Menschen, die Cannabis konsumieren, abhängig werden. Das Suchtrisiko ist für Nikotin mehr als dreimal so hoch, für Kokain doppelt so hoch. Von Alkohol werden 15 Prozent süchtig, von Amphetaminen 11 Prozent.
Während chronische Bronchitis bei Cannabis-Rauchern häufiger auftreten, gibt es noch keine Belege, dass Cannabis trotz der Karzinogene im Rauch zu Lungenkrebs führt. Meist seien regelmäßige Kiffer auch Tabakraucher. Bei starken Kiffern soll Cannabis zu Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Lernstörungen führen können. Verbunden sei Cannabis-Konsum bei Jugendlichen mit schlechteren Schulleistungen, vermutet wird, dass hier eine Reihe von Ursachen neben den direkten Wirkungen eine Rolle spielen. Unklar ist, ob der Cannabis-Konsum direkt die Neigung steigert, auf härteren Drogen umzusatteln, wie man dies in den USA, Australien und Neuseeland beobachten könne, schreiben die Autoren. Es könne auch daran liegen, dass die Kiffer bereits mit dem Drogenmarkt vertraut sein und so leichter an anderen Stoff herankommen.

(Quellen: [1], [2], tp; Photo:zamnesia)

Mar 14

Verhaltensauffällige Kinder leiden als Erwachsene doppelt so wahrscheinlich an chronischen Schmerzen wie ihre Altersgenossen, wie eine Langzeitstudie der University of Aberdeen ergab, die kürzlich im Fachmagazin Rheumatology veröffentlicht wurde.

Mehr als 19.000 Kinder, die 1958 geboren wurden und größtenteils aus England stammen, wurden für die Studie beobachtet – bis zum Alter von 16 Jahren beurteilten Lehrer die Schüler im Hinblick auf mögliche Signale für Schwierigkeiten wie Probleme beim Finden von Freunden, Ungehorsam, Daumenlutschen, Nägelbeißen, Lügen, das Schikanieren anderer und Schuleschwänzen. Im Alter von 42 Jahren füllten die Teilnehmer einen Fragebogen zu psychologischen Problemen aus. Mit 45 Jahren folgte ein weiterer über Schmerzen. In der Folge zeigte sich, dass Kinder mit schweren Verhaltensstörungen ein doppelt so hohes Risiko aufwiesen, an chronischen Ganzkörperschmerzen zu leiden, sowie für psychiatrische Probleme wie Depressionen, Angstgefühle und Drogenmissbrauch.

Die Wissenschafter vermuten die Ursache in einer hormonellen Funktionsstörung, und schlagen vor “bereits in einem früheren Lebensalter einzugreifen”, um so spätere Probleme zu verhindern. Vorgeschlagen werden – angesichts der Finanzierungsströme des derzeitigen Wissenschaftsbetriebes nicht ganz überraschend – natürlich primär pharmakologische Behandlungen, immerhin erklärte Gary Macfarlane, einer der Mitautoren der Studie, aber, dass Veränderungen des Lebensstils sowie des sozialen Umfeldes ebenfalls helfen könnten, dieses Muster zu verändern. Dazu gehörten Sport aber auch das Achten auf Signale psychologischer Notlagen und Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit.

(Quelle: Influence of childhood behaviour on the reporting of chronic widespread pain in adulthood: results from the 1958 British Birth Cohort Study)

Nov 29

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS oder PTSD) rückten während der letzten Jahre ins Zentrum psychologischer Forschung. Sie entstehen, wenn Menschen lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt sind – etwa bei Naturkatastrophen, Attentaten, Mißbrauchserfahrungen oder Kriegsgeschehnissen. Schätzungen zufolge leiden beispielsweise bis zu 50% aller aus Kriegsgebieten zurückkehrenden US-Soldaten an Formen posttraumatischer Belastungsstörungen. Doch PTBS sind nur schwierig und zumeist auch langwierig therapeutisch zu behandeln, auch wenn diverse medikamentöse Ansätze mittels dem Stresshormon Cortisol, dem Betablocker Propranolo u.a. [1] und Psychotherapie (v.a. die speziellen traumatherapeutischen Ansätze der Hypnotherapie bzw. EMDR sowie kombinierte Ansätze wie etwa die nach Reddemann) deutliche Fortschritte brachten.

Neue Hoffnung kommt nun aus einer ganz unerwarteten Richtung: in einer zusammen mit der Studentin E. Ganon-Elazar durchgeführten und im Journal of Neuroscience veröffentlichten Studie [2] wird dargelegt, dass die Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren im basolateralen Kernkomplex der Amygdala (BLA) den verstärkenden Effekt von Stress bei der Konditionierung ausgleicht. Schon vor Jahren hatte der Pharmazeut Rafael Meshulam an der Jerusalemer Universität positive einschlägige Wirkungen erzielt, als er es traumatisierten Mäusen verabreichte, nun konnten seine Ergebnisse in Versuchsreihen mit Ratten bestätigt werden. Nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Kroatien in einem Berufungsverfahren gegen einen Mann, der im Jugoslawienkrieg gekämpft hatte und seitdem an einer PTBS leidet, dürfen Kriegsveteranen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen mittlerweile sogar Marihuana zur Selbstbehandlung züchten. [3]

Quellen: [1] Andrea Naica-Loebell: “Die Pille für das Vergessen” in: telepolis Online-Magazin, 08/2005; [2] Ganon-Elazar, E. & Akirav, I. (2009), Cannabinoid receptor activation in the basolateral amygdala blocks the effects of stress on the conditioning and extinction of inhibitory avoidance. Journal of Neuroscience, 29(36):11078-11088; [3] Der Standard 04.06.2009. Bildquelle:cannabisculture.com)

Nov 15

Wettbüros finden sich in ‘bestimmten’ Bezirken mittlerweile in jedem Wohnblock. (Bild: initiative-bundesplatz.de

Laut Statistik der Spielsuchthilfe, der ältesten Spieler-Betreuungseinrichtung in Österreich, hat jeder dritte Spielsüchtige vor seinem 19. Geburtstag zu spielen begonnen, und die Zahl der Jugendlichen, die ihr Geld am Glückspielautomaten verspielen, nimmt ständig zu. Bereits 15.700 Automaten stehen in Österreich, die als “Kleines Glücksspiel” vom staatlichen Glücksspielmonopol ausgenommen sind, in der Bundeshauptstadt rund 3.500 davon. In den traditionellen Einwandererbezirken der Hauptstadt sammeln die meisten Teenager besonders früh Erfahrung mit Glücksspiel.

Nicht besonders hilfreich bei der Lösung des Problems ist die enge Vernetzung der Politik mit dem Glücksspiel in Österreich: so finden sich auch prominente Ex-Politiker im Management der Firma Novomatic, und die Regierungen kassieren kräftig mit an der Verarmung spielsüchtiger BürgerInnen: die Stadt Wien beispielsweise nimmt jährlich rund 55 Millionen Euro an Steuereinnahmen aus dem kleinen Glücksspiel ein.

Nur in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten ist das “Kleine Glücksspiel” derzeit erlaubt. Die Bundesregierung arbeitet seit mehr als einem Jahr an einer Gesetzesnovelle, die es auch in den übrigen Bundesländern legal machen würde.

Nov 07

Cannabis AbhängigkeitDer Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gefährlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD gehören in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. Für den Handel ist die Höchststrafe lebenslänglich Gefängnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefährliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden würden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “künstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgelöst wird, und auch sonst schädliche Folgen eher gering sind, plädiert er für die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher hätten ein 2,6 Mal so großes Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber müsse man etwa im Verhältnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal größeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man müsse alle Drogen nach ihrer Gefährlichkeit einstufen. Dann käme Alkohol an fünfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und müsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak käme an neunter Stelle – auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man müsse offen darüber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, süchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, Würstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enthält – körperlich abhängig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ernährt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschränkte Mengen an Junk Food, also an fetten, süßen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen ließ sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verwöhnten Ratten immer mehr Stimulation benötigten, um die Lust zu verspüren, die Ratten mit gesünderer Ernährung hatten. Die verwöhnten Ratten aßen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fraßen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute). Photos: zamnesia, dreamtime

Oct 19

Wenn jemand viel mehr Waren erwirbt, als er sich leisten kann, dann ist dieses Verhalten vermutlich die Folge tiefliegender psychischer Störungen, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen aufzeigt. Der Anteil der einschlägig Suchtgefährdeten zwischen 14 und 24 Jahren ist in den letzten Jahren in Gesamteuropa deutlich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in Österreich ist zumindest kaufsuchtgefährdet.

Im Rahmen der Studie wurde anhand standardisierter psychologischer Tests die psychische Gesundheit von kaufsüchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgestörten Menschen verglichen. Das Ergebnis: Kaufsüchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern leiden sehr häufig darüber hinaus auch unter Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen. 80% der Kaufsüchtigen hatten schwere Ängste, 63% litten an Depressionen, 23% an Essstörungen. “Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausmaß psychischer Komorbidität bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten”, so die Wissenschafter. In einer Therapiegruppe der Österreichischen Arbeiterkammer war fast die Hälfte der von Kaufsucht betroffenen Personen auch vom so genannten ‘Messie-Syndrom’ betroffen. Möglicherweise ist also Kaufsucht keine eigenständige Störung, sondern vielmehr ein Symptom des Vermüllungssyndroms.

“Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufsüchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte”, schreibt die Psychologin A. Müller im Fachblatt “PPmP – Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie”.

Kaufsüchtige spüren regelmäßig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unnötiger Waren, die das finanzielle Budget weit übersteigen. Die meisten untersuchten Betroffenen sind verschuldet (was großzügige Überziehungskonditionen von Banken und Kreditkartenfirmen häufig verschleiern), durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit Psychotherapie.
Kaufsucht zählt zu den nicht substanzbezogenen Abhängigkeitsformen. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. Von Männern werden im Zuge von Kaufsucht besonders häufig Autos sowie elektronische Geräte erworben, von Frauen Kleidung, Schmuck und Dekorationsgegenstände.

(Quelle: APA 08/2009. Photo src:DerStandard.at)

Weitere Artikel auf dieser Website:

Diskussionen im Online-Forum für Nicht substanzbezogene Abhängigkeiten
Interview Messies – Das Vermüllungs-Syndrom
Das Messie-Syndrom – Alles in Unordnung?

Sep 28

“Binge Drinking” wird analog zum “Binge Eating” aus dem Bereich der Essstörungen wie folgt definiert: fünf oder mehr Drinks pro Anlass, mindestens einmal im vergangenen Monat.

Diese Form des Alkoholmißbrauchs wird häufig im Zusammenhang mit Teenagern und Studenten erwähnt, eine kürzlich im American Journal for Psychiatry veröffentlichte Studie legt jedoch nahe, dass durchaus auch ältere Erwachsene Probleme damit haben. Aus einer ihr zugrundeliegenden Umfrage unter 11.000 Amerikanern ab 50 Jahren geht hervor, dass 23 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen solch verstärkten Alkoholkonsum aufwiesen. Auch bei den über 65-Jährigen fanden sich 14 Prozent bei den Männern und drei Prozent bei den Frauen.

Binge Drinking ist ein Risikofaktor für verschiedene gesundheitliche Folgeprobleme: Verletzungen, Gewalt, neurologische Schäden und Bluthochdruck. Indirekte Folgeprobleme sind Beziehungskrisen und Probleme im sozialen Umfeld. Die Forscher schreiben im American Journal of Psychiatry, dass Binge Drinking im fortgeschrittenen Alter noch einmal ein höheres Risiko für die Gesundheit bedeutet als in jungen Jahren: so können sich chronische Krankheiten aufgrund des übermäßigen Alkoholkonsums verschlechtern. Allerdings, so schreiben die Wissenschafter, heiße Binge Drinking meist nicht gleich Alkoholsucht, weswegen das Trinkverhalten von den Betroffenen auch oft nicht thematisiert und verdrängt wird.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Männer, die Binge Drinker waren, hatten u.a. auch ein höheres Risiko für illegalen Drogengebrauch. Frauen hingegen wiesen ein höheres Risiko für Medikamentenmissbrauch auf.

Weiterführende Links:
Selbsttest auf Alkoholismus / Alkoholsucht auf dieser Website
Weitere Blog-Einträge zum Thema Alkoholismus
The Epidemiology of At-Risk and Binge Drinking Among Middle-Aged and Elderly Community Adults: National Survey on Drug Use and Health in: Am J Psychiatry Published August 17, 2009; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09010016

Sep 25

Einer von zehn Todesfällen in Europa ist auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Besonders dramatisch ist die Situation demnach in Russland, wo mehr als die Hälfte der Männer zwischen 15 bis 54 Jahren wegen exzessiven Alkoholkonsums in noch relativ jungem Lebensalter sterben. Durch die Massenproduktion und globale Vermarktung aber werde weltweit immer mehr Alkohol getrunken, heißt es im Fachjournal “Lancet”, das kürzlich mehrere Studien zu dem Thema veröffentlichte.

Alkohol habe global einen ähnlichen Effekt wie das Rauchen, erläuterten Forscher vom Zentrum für Suchtforschung und Mentale Gesundheit im kanadischen Toronto im Fachjournal. Sie berücksichtigten für die Analyse nicht nur typische Krankheiten wie die Leberzirrhose, sondern etwa auch von Alkohol mitverursachte Krebsarten und Verkehrsunfälle.

Weltweit stirbt einer von 25 Menschen an direkten oder indirekten Folgen des Trinkens, haben Wissenschafter errechnet. Die im Vergleich zu Europa geringe Sterberate liege daran, dass in vielen außereuropäischen Ländern kein oder nur sehr wenig Alkohol getrunken werde. Mehr als die Hälfte der Menschen auf der Erde lebe derzeit abstinent, vor allem in muslimischen Ländern. In wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie etwa Indien und China werde dagegen immer mehr getrunken, wodurch auch die damit verbundenen Probleme zunehmen.

Weiterführende Links:
Selbsttest auf Alkoholismus / Alkoholsucht auf dieser Website
Weitere Blog-Einträge zum Thema Alkoholismus
Alcohol: A Global Health Priority in: The Lancet, Vol. 373, Issue 9682 (27 June 2009), Pages 2173-2174 (R. Beaglehole, R. Bonita)

01.09.19