Nov 12
Die 7 Stadien von Partnerschaften

Die 7 Stadien von Partnerschaften (img: inner-bonding.com)

von Daphne Rose Kingma

Jede Partnerschaft durchlĂ€uft 7 unterschiedliche emotionale und spirituelle Stadien. WĂ€hrend wir uns durch diese Phasen bewegen, gelangen wir auf höhere Ebenen der Liebe. Auf diese Weise können diese Phasen zu einem Fahrzeug werden, um unser Bewußtsein hin zu einer spirituellen Dimension der Liebe zu fĂŒhren.

1. Die Flitterwochen – “Falling in Love”

Alles fĂŒhlt sich gut an – GlĂŒckseligkeit, der romantische Himmel. Rote Rosen, Mondlicht und Leidenschaft. Man sagt sich: “Ich habe die Person meiner TrĂ€ume gefunden, alles wird wunderbar. Alle meine BedĂŒrfnisse werden erfĂŒllt werden.”

2. Die Verpflichtung – Versprechen und GelĂŒbde

Wir werden einander regelmĂ€ĂŸig sehen, keine Verabredungen oder Sex mit anderen haben, zusammen leben oder heiraten. Wir anerkennen in vollem Bewußtsein, daß eine Beziehung existiert und weiter verfolgt wird.

3. Die Krise – Ein Riss in der Vase

Es zeigen sich Meinungsunterschiede, der Schleier der romantischen Illusion wird gelĂŒftet, wir kommen wieder auf die Erde und erahnen, was die RealitĂ€t ist, wir Ă€rgern uns. Es entwickelt sich Spannung, wĂ€hrend das GefĂŒhl ĂŒber die Wahrheit und Wirklichkeit zunimmt.

4. Die Tortur – Ein Machtkampf

MĂ€ngel, Fehler und grĂ¶ĂŸere -vorher noch unbemerkte- Unterschiede werden entdeckt, Zeit des emotionalen Wachstums und dunkle Seiten werden realisiert, wir versuchen, den emotionalen Schmerz, der in uns aufsteigt, zu beenden. Die Gelegenheit, eigene emotionale SchwĂ€chen zu erkennen, die unrealistischen Erwartungen an die Beziehungen werden aufgegeben.
Es ist die Zeit der Entscheidung: Leugnen/Verneinung oder der Beginn von Wachstum.
Diese Phase kann eine ganze Reihenfolge von Beziehungen umfassen.

5. Das Chaos – Verlust der Kontrolle

Aus der Qual entsteht Chaos. Eine AffĂ€re, wiederholte Konflikte, Langeweile, oder einfach nur schrittweises Auseinanderdriften. Manchmal entsteht aus dem Chaos das endgĂŒltige Ende der Beziehung oder vielleicht ein neuer Anfang. Dies ist die Einladung der Seele an die spirituelle Ebene der Liebe.

6. Der Verzicht – Das Erwachen

Wir sehen jetzt den wahren Zweck der Tortur, wir geben die alten Ansichten auf. Wir lassen unsere zwanghafte Bindung an unsere Vorstellungen ĂŒber die Form und Ziele der Beziehung los.
Wir beginnen, den Wert der Verbindung zu sehen, selbst wenn unsere Erwartungen nicht erfĂŒllt waren. Wir sind wie neugeboren, sehen den wahren Zweck der vorangegangenen Qualen und durchbrechen unsere bisherigen psychologischen Grenzen.

7. Wahre Liebe – Transformation

Wir integrieren das Wachstum, das in uns stattgefunden hat.
Es mĂŒssen jetzt keine emotionalen Bindungen oder BedĂŒrfnisse mehr gestillt werden, es gibt kein Festhalten, sodass wir jetzt die vollstĂ€ndige Annahme unserer selbst erreichen. Auf der spirituellen Ebene erkennen wir den höheren Zweck dieser Verbindung. Dies ist ein Moment großer emotionaler Lösung und spiritueller ErfĂŒllung. Auch an diesem Punkt kann die Beziehung auseinanderbrechen – oder die Partnerschaft auf eine neue Ebene gelangen, auf der das Wachstum, das beide jetzt integriert haben, mit Teil der neuen Beziehung wird.

The Future Of Love

(frei aus dem Englischen ĂŒbersetzt aus dem Buch “The Future of Love” von Daphne Rose Kingma, Doubleday, New York, 1998)

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Kommentar R.L.Fellner:

Ich halte das fĂŒr einen schönen Text – ganz unabhĂ€ngig davon, ob man den Hinweisen auf den spirituellen Aspekt einer Partnerschaft etwas abgewinnen kann oder nicht. Denn prinzipiell unterlaufen Partnerschaften i.d.R. tatsĂ€chlich die beschriebenen Stadien – und ebenso regelmĂ€ĂŸig zeigt sich fĂŒr mich bei der Begleitung von Paaren im Zuge einer Paartherapie hĂ€ufig, dass am Ende einer Krisenphase eine neue Ebene der Beziehung erreicht wird.

Nov 01

Manchmal werde ich gefragt, warum TherapeutInnen fĂŒr Paartherapie-Sitzungen ein höheres Honorar verlangen als fĂŒr EinzelgesprĂ€che. Vielleicht ist es bei den anderen ein Ă€hnlicher Grund wie bei mir: Paartherapie-Sitzungen sind um ein Vielfaches anstrengender!

Viele Paare verpassen dem Therapeuten besonders am Beginn einer Paartherapie – bewußt oder unbewußt – die Rolle eines Schiedsrichters: von beiden Seiten erhĂ€lt man dann innerhalb weniger Minuten dutzende Argumente, VorwĂŒrfe und Beispiele fĂŒr die Zumutungen, UnverschĂ€mtheiten oder das Versagen des jeweiligen GegenĂŒbers um die Ohren geblasen, so als wĂ€re ein strenger Urteilsspruch des “Herrn Therapeuten” in die Richtung des jeweils Anderen das Ziel: “Sie sind schuld!
Nun ist den meisten hilfesuchenden Paaren im Grunde natĂŒrlich theoretisch klar, daß ein derartiger Zugang dem gemeinsamen Prozess kaum dienlich ist. Die emotionale Einsicht in die mentalen Sackgassen innerhalb der Beziehung muß jedoch erst erarbeitet werden, und das ist in der Regel alles andere als leicht, besonders dann, wenn sich beide Partner aufgrund monate- oder (das ist leider viel hĂ€ufiger :-() schon jahrelang schwelender Konflikte bereits einen massiven Schutzpanzer zugelegt haben.

Leicht ist das Zusammenleben zwischen Mann und Frau ja wirklich nicht, wie schon Loriot in einem seiner wunderbaren Sketches zeigte:

Es kommt allerdings auch vor, daß Paare mich hochinteressiert und in einer derart offenen Grundhaltung aufsuchen, daß mitunter weniger als eine Handvoll Sitzungen ausreicht, um die “gordischen Kommunikationsknoten” dauerhaft aufzulösen. Nach den Sitzungen diskutieren sie eifrig weiter, sie fĂŒhren aufgegebene “HausĂŒbungen” oder zu versuchende Experimente mit Neugier und Engagement aus und Aufzeichnungen werden gemacht. Besonders begeistern mich Paare, bei denen sich ein GrundgefĂŒhl einer “tiefen Bande” vermittelt – einer Art Agreement zwischen beiden, dass sie es – egal wie schwierig es auch sein mag – schaffen wollen, miteinander eine Lösung zu finden. Das gemeinsame Ziel ist derart klar, daß es dadurch schon von vornherein unpassend wĂ€re, den Partner/die Partnerin als in irgendeiner Weise “feindlich gesinnt” hinzustellen. Statt dessen hören beide einander genau zu und versuchen, den anderen trotz aller Schwierigkeiten positiv wahrzunehmen. In GlĂŒckszeiten zu lieben ist leicht – auch in der Krise ein offenes Herz fĂŒreinander zu behalten, dagegen eine der wohl grĂ¶ĂŸten Herausforderungen menschlicher Beziehungen.
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Zum Weiterlesen:
Leitfaden Paartherapie
Regeln zum Scheitern einer Paartherapie
Literatur zum Weiterlesen

ï»ż01.09.19