Jan 05

Photoquelle: thetastingnote.com

Bei ihrer EinfĂŒhrung wurde Viagra als neue Hoffnung fĂŒr all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter Erektionsstörungen litten. TatsĂ€chlich wurden Belege dafĂŒr gefunden, was manche Sexualtherapeuten (unter anderem auch ich) bereits von Beginn an vermuteten: Ă€hnlich den Effekten bei sog. “Testosteron-Kuren” (kĂŒnstlicher Testosteron-Verabreichung) lĂ€ĂŸt die Wirkung der Potenzpille bei lĂ€nger dauernder Einnahme zum Teil massiv nach.

Wissenschaftler dreier UniversitĂ€ten in den USA und in Saudiarabien untersuchten, ob die Wirkung von Viagra, Cialis und Levitra auch anhĂ€lt, wenn das Medikament lĂ€ngerfristig eingenommen wird und veröffentlichten die Ergebnisse der Studie im Journal of Urology. Per Telephoninterview wurden 151 Patienten befragt, die im Jahre 1997 Viagra verschrieben bekommen hatten. Die Ursachen fĂŒr die Erektionsstörungen der Patienten waren operative Prostataentfernungen, Diabetes, oder neurologische Störungen.

Anfangs verbesserte sich bei drei Viertel der Teilnehmer die ErektionfĂ€higkeit soweit, dass sie wieder normalen Geschlechtsverkehr haben konnten. Bei 15% dieser Patienten waren dazu 100mg Sildenafil (die maximale fĂŒr mĂ€nnliche Erwachsene angeratene Dosis), notwendig, 83% der Patienten kamen mit 50mg aus und 2% benötigten nur 25mg.
Nach drei Jahren wurden die Patienten nochmals befragt, und es stellte sich heraus: die neuen Sexfreuden hatten nicht lange angehalten. Etwa die HĂ€lfte der Patienten hatte die Potenzpille wegen Wirkungslosigkeit bereits ganz abgesetzt. Und 37% jener MĂ€nner, die noch auf Viagra bauten, waren mittlerweile auf die Maximaldosis umgestiegen.

Die ErnĂŒchterung ĂŒber die angeblichen WunderkrĂ€fte der blauen Pille ist in der Fachwelt groß. “Nach meinen Beobachtungen wirkt Viagra nur bei der HĂ€lfte aller Patienten mit körperlich bedingten Erektionsstörungen”, erklĂ€rt P. Derahshani, Leiter der Urologischen Abteilung der Kölner Klinik am Ring. Ein gesundheitlich problematischer Aspekt bestehe darin, dass beim Auftreten von Gewöhnungseffekten die Dosis nur bei jenen Patienten gesteigert werden kann, die vorher 25 oder 50mg eingenommen haben, denn eine Dosis ĂŒber 100mg erhöht das Risiko von Nebenwirkungen wie KreislaufsschwĂ€che, Übelkeit oder Kopfschmerzen betrĂ€chtlich.

Kein Ersatz fĂŒr Psychotherapie bzw. Sexualtherapie

“Man sollte nicht vergessen, dass bei Erektionsproblemen Viagra nur bei solchen MĂ€nnern indiziert ist, deren PotenzschwĂ€che körperliche Ursachen hat”, sagte der Wiener Urologe Werner Reiter von der Impotenz-Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in einem Interview mit der “SĂŒddeutschen” (SZ). Vor allem bei Ă€lteren MĂ€nnern, die viel rauchen und an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leiden, verliere Viagra nach lĂ€ngerer Einnahme an Wirkung. Bei MĂ€nnern mit stabilem Gesundheitszustand beobachtet der Spezialist hingegen selten einen Gewöhnungseffekt.
“Wenn die GrĂŒnde fĂŒr die Impotenz im psychischen Bereich liegen, deckt Viagra im besten Fall anfangs die Impotenz-Symptome zu”, warnt Reiter. Langfristig könne diesen Patienten nur mit einer Psychotherapie bzw. Sexualtherapie geholfen werden.

Gesundheitsrisiken mitunter fatal unterschÀtzt

Fatalerweise wird von vielen MĂ€nnern das Risiko von Selbstmedikation ignoriert. Doch stattliche 40 Prozent der MĂ€nner, die wegen Erektionsproblemen zum Arzt gehen, leiden an einer Arteriosklerose der HerzkranzgefĂ€ĂŸe (welche jedoch nicht immer die Ursache der Erektilen Dysfunktion darstellen muss). Impotenz “kann jedoch das Anzeichen einer Erkrankung oder einer beginnenden Erkrankung sein. Symptome aber einfach blind wegbringen zu wollen hat sich weder in der Medizin, noch in der Psychotherapie als gewinnbringend erwiesen”, so Sexualtherapeut Karl F. Stifter. Es gehe darum, den Menschen ganzheitlich im Auge zu behalten, und dazu gehört auch, bei Erektionsproblemen zunĂ€chst einmal körperliche Ursachen und Symptome abzuklĂ€ren.

Der in den Pillen enhaltene Wirkstoff (Sildenafil bei Viagra, Vardenafil bei Levitra und Tadalafil bei Cialis) fördert die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellkörper und unterstĂŒtzt so die ErektionfĂ€higkeit. Die Besonderheit ist, dass die Wirkung erst mit einer sexuellen Erregung einsetzt – Erektionsprobleme werden also insbesondere dann nicht von ihr gelöst, wenn psychische Ursachen die Erektion behindern.

In geringem Maße beeinflussen die Wirkstoffe auch chemische Reaktionen innerhalb unseres Körpers, die unsere visuellen Empfindungen steuern. Daher gehört zu ihren Nebenwirkungen auch eine spezielle Form der Sehstörung, bei der man alles leicht blau getönt sieht. Piloten dĂŒrfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Viagra einnehmen. Auf die mittlerweile nachgewiesene SchĂ€digung des Hörvermögens durch eine Langzeiteinnahme der Potenzmittel habe ich bereits in einem frĂŒheren Blog-Artikel hingewiesen.

Noch weitaus problematischer als dieses “blaue Wunder” ist aber wie erwĂ€hnt die Gefahr, bei bestehender HerzschwĂ€che einen Infarkt zu erleiden. Denn als Medikamente, die in die Blutzirkulation des Körpers eingreifen, haben Viagra & Co. besondere Risiken fĂŒr Herz und Kreislauf. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen mĂŒssen, welche ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, dĂŒrfen die Tabletten nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verstĂ€rkt. Zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. fĂŒr Angina pectoris) kann der Wirkstoff zu einem tödlichen Blutdruckabfall und bei MĂ€nnern mit Herzkrankheiten zu Kreislaufversagen fĂŒhren. Eine entsprechende Untersuchung durch einen Arzt ist daher unbedingt angezeigt, bevor man diese einnimmt.

TatsĂ€chlich sind keine anderen Medikamente aufgrund fahrlĂ€ssiger Anwendung fĂŒr so viele TodesfĂ€lle verantwortlich wie die neuen “Erektionshelfer”. Europaweit wurden allein wĂ€hrend der ersten 3 Jahre nach dessen EinfĂŒhrung weltweit 616 TodesfĂ€lle nach der Einnahme von Viagra gemeldet. Die leichte VerfĂŒgbarkeit der Tabletten ĂŒber das Internet oder den Schwarzmarkt stellt ein großes Problem dar, da sie zum einen zur Selbstmedikation regelrecht einlĂ€dt, und es sich zum anderen bei manchen so bezogenen Tabletten um gesundheitsgefĂ€hrdende Imitate handelt. Der Markt der Imitate, die grĂ¶ĂŸtenteils aus Indien und China stammen, ist nĂ€mlich kaum zu kontrollieren, mit den damit verbundenen Risken fĂŒr die Endanwender, die die so bezogenen Tabletten hĂ€ufig nicht nur in viel zu jungen Jahren, sondern auch auf eigene Faust als “Lifestyle”-Droge einsetzen.

Zu befĂŒrchten ist also einmal mehr, dass bereits derzeit die Zahl der “Viagra-Veteranen” mit multisystemischen Erektionsstörungen (= psychogene Erektile Dysfunktion plus bereits organisch bedingter Wirkungslosigkeit erektionshelfender Mittel) massiv zunimmt. Diese MĂ€nner dĂŒrften sich speziell dann, wenn die ErektionsfĂ€higkeit aus ganz natĂŒrlichen GrĂŒnden (altersbedingt oder als Nebeneffekt körperlicher Erkrankungen) abnimmt, in einer unglĂŒcklichen Sackgasse wiederfinden.
Nachgewiesenermaßen sind bei der ĂŒberwiegenden Mehrheit der MĂ€nner unter dem 50. Lebensjahr Erektionsprobleme psychisch bedingt – selbst diesen aber ist aus sexualtherapeutischer Sicht unbedingt angeraten, diese zunĂ€chst Ă€rztlich abklĂ€ren zu lassen. Werden dabei keine klaren Indizien fĂŒr körperliche Ursachen gefunden, sollte man im Interesse seiner Gesundheit (und vielleicht auch, um sich die “Trumpfkarte” der Pillen fĂŒr schwierigere Zeiten aufzuheben) sexualtherapeutische Beratung suchen, statt reflexartig zu den einfach verfĂŒgbaren problematischen “blauen Pillen” zu greifen.

(Quellen: Reuters.com; Rizk El-Galley et.al., “Long-Term Efficiacy of Sildenafil and Tachyphylaxis Effect” in: The Journal of Urology – September 2001 (Vol. 166, Issue 3, Pages 927-931); Image source: creakyeasel.com)

May 03

Arzneimittel ĂŒber das Internet zu bestellen, ist heute einfach, und selbst die meisten Apotheken verkaufen in Asien ohne jegliche RĂŒckfrage Medikamente, die im Westen verschreibungspflichtig wĂ€ren. Besonders beliebt in den Online-Katalogen: Amphetamine, Potenzmittel und Antidepressiva. Doch die “Selbstmedikation” ist gefĂ€hrlich: speziell von Amphetaminen wie Ritalin (Methylphenidat), die leistungssteigernd und konzentrationsfördernd wirken, werden unter dem steigenden Druck der Leistungsgesellschaft immer mehr Menschen abhĂ€ngig und mĂŒssen sich Monate oder Jahre spĂ€ter an spezialisierte Kliniken oder Psychotherapeuten wenden. Einer Studie amerikanischer KinderĂ€rzte zufolge stieg in den letzten acht Jahren die Anzahl der “dopenden” Studierenden um 75 Prozent an. HĂ€ufig werden die Medikamente zudem falsch eingesetzt, da die Ursache etwa der Konzentrationsstörungen oder Erektionsprobleme ganz woanders liegen als dort, wo das Medikament ansetzt. Erektile Dysfunktion etwa hat bei MĂ€nnern unter 55 Jahren zumeist rein psychische Ursachen. Durch Gewöhnungseffekte kommt es dann bei der gewohnheitsmĂ€ĂŸigen Einnahme schließlich hĂ€ufig zu Überdosierungen und einer erhöhten AnfĂ€lligkeit fĂŒr krankmachende Nebeneffekte. Irgendwann behandeln die Nutzer nur noch das Entzugssyndrom (bei Potenzmitteln ist das hĂ€ufig die Unsicherheit, Sex ohne das Medikament auszuĂŒben) – sie verspĂŒren keine deutliche Wirkung mehr, können das Medikament aber auch nicht absetzen und geraten damit in einen Teufelskreis. Erschwerend kommt die oftmalige MehrfachabhĂ€ngigkeit dazu: etwa die Einnahme von Amphetaminen wĂ€hrend des Tags, und dann am Abend die Einnahme von Alkohol und/oder Tranquilizern bzw. Schlafmitteln.

Zeichen beginnender psychischer AbhĂ€ngigkeit von Arzneimitteln können GefĂŒhle von Unsicherheit oder Angst sein, wenn auf die Einnahme verzichtet wird, oder wenn im Laufe der Zeit die Dosis gesteigert wird, die Wirkung des Medikaments jedoch gleich bleibt oder sogar geringer wird oder ganz ausbleibt. Ebenso ein Alarmsignal ist, wenn dem Organismus ohne Ă€rztliche Diagnose und Verschreibung im Laufe der Jahre immer mehr Substanzen zugefĂŒhrt werden (hierzu gehören auch Nahrungssubstitutionsmittel, Injektionen mit Hormonen, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Nasentropfen usw.). Zumeist wird MedikamentenabhĂ€ngigkeit erst sehr spĂ€t eingestanden, wenn bereits Erkrankungen der Organe vorliegen oder UnfĂ€lle (z.B. durch Konzentrationsmangel) auftreten. FĂŒr den psychischen Entzug ist eine Kombination von Psychotherapie und Selbsthilfegruppen sehr effektiv, immer ist aber eine Ă€rztliche AbklĂ€rung auf etwaige körperliche SchĂ€den dringend anzuraten.

In Österreich sind nach Angaben des API-Instituts ca. 350.000 Menschen alkoholkrank, ca. 130.000 sind von Medikamenten, knapp 30.000 von illegalen Drogen abhĂ€ngig.
In den USA wird einer Untersuchung der University Michigan von 2010 zufolge bei fast einer Million Kindern fĂ€lschlicherweise das Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitĂ€tsyndroms (ADHS) diagnostiziert. Davon betroffen sind vor allem die jĂŒngeren Kinder einer Jahrgangsstufe in Kindergarten oder Schule.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:vth.biz)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen – auf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei MÀnnern einsetzende hormonelle VerÀnderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste mĂ€nnliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle Körperzellen und ist nicht nur fĂŒr die Geschlechtsentwicklung zustĂ€ndig, sondern auch fĂŒr den bei MĂ€nnern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es fĂŒr die Produktion der roten Blutkörperchen, welche den Körper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron fĂ€llt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, fĂŒr seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch lĂ€sst die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen MĂ€nnern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der VitalitĂ€t.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erhöhtes Gewicht und Körperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes KurzzeitgedĂ€chtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder stĂ€rkere MĂŒdigkeit als frĂŒher
  • Reduzierter Wunsch nach IntimitĂ€t und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber GefĂŒhl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger hĂ€ufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes SelbstwertgefĂŒhl
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen betrĂ€chtliche Auffassungsunterschiede darĂŒber,  welche der genannten Symptome tatsĂ€chlich auf eine sog. “mĂ€nnliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zurĂŒckzufĂŒhren sind. FĂŒr jedes der Symptome könnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tatsĂ€chlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert wĂŒrde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schuß ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen Ärzten und Kliniken werden heute MĂ€nnern ohne viel Zögern Ersatztherapien zur Erhöhung des Testosteron-Spiegels angeboten – hĂ€ufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zurĂŒckzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich prĂ€ventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt fĂŒr Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegenĂŒber gut “argumentieren” lĂ€ĂŸt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie nĂŒtzt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zufĂ€llig, dass viele MĂ€nner, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchfĂŒhren zu lassen (oder diesbezĂŒglich gar Selbstmedikation betreiben), hĂ€ufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer kĂŒnstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und LeistungsfĂ€higkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bewĂ€hrte Gesundheitstipps fĂŒr MĂ€nner, welche – im Unterschied zu kĂŒnstlichen ZufĂŒhrung von Testosteron – zuverlĂ€ssig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin fĂŒr einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen MĂ€nner zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene ErnĂ€hrung achten (vitaminreich: mehr Obst und GemĂŒse; fettarm: fettige, ölige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate können zu Übergewicht fĂŒhren, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erhöhen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein fĂŒr die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber FrĂŒchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. GranatĂ€pfel, ZitrusfrĂŒchte, Mangosteen, Datteln, KokosnĂŒsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und SĂŒĂŸigkeiten aller Art sind möglichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • Östrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb GetrĂ€nke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel möglichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • genĂŒgend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird wĂ€hrend der REM-Phasen produziert, insofern sollten genĂŒgend davon stattfinden können.
  • Achten Sie auf eine gesunde und möglichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. UnterstĂŒtzung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn MĂ€nner dagegen (womöglich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen DrĂŒsen signifikant weniger mĂ€nnliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise ĂŒberschĂŒssiges Östrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol beschĂ€ftigt, kann sie das nicht.
  • natĂŒrliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteronĂ€hnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die SprĂŒnge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und KĂŒrbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die TestosteronausschĂŒttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbezĂŒglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen VertrĂ€glichkeit – knapp ĂŒber seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die AusschĂŒttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. SuchtĂ€hnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf natĂŒrliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei MĂ€nnern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade MÀnner können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stÀrker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verÀndert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten SelbsteinschĂ€tzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fachĂ€rztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

May 31

Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann wĂ€hrend eines halben Jahres in mehr als zwei Dritteln der FĂ€lle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten konnte, die fĂŒr einen Geschlechtsverkehr ausreichte. Wenn es also nur hin und wieder einmal „nicht klappt“, handelt es sich noch nicht um eine behandlungsbedĂŒrftige Störung. Doch mit dem Alter werden Erektionsprobleme bzw. ‘Impotenz’ hĂ€ufiger: unter den 40- bis 49-JĂ€hrigen ist jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-JĂ€hrigen bereits mindestens jeder dritte.

Doch wo liegen die Ursachen? Vor allem bei Ă€lteren MĂ€nnern sind Erektionsprobleme bzw. Impotenz hĂ€ufig konstitutionell bedingt, bei MĂ€nnern unter 55 jedoch sind in fast allen FĂ€llen psychische Ursachen die Auslöser. „Wundermittel“ wie Viagra, Cialis oder Levitra sind deshalb gerade bei diesem Personenkreis nicht anzuraten – als wichtigste GrĂŒnde dafĂŒr sind die möglichen nachteiligen Folgen einer Langzeiteinnahme zu nennen, aber auch eine psychische AbhĂ€ngigkeit von der „Kraftpille“.

Da eine erektile Dysfunktion auf Herz-, Kreislauf- und andere schwerwiegende Erkrankungen hindeuten kann, sollte zunĂ€chst unbedingt eine Ă€rztliche Untersuchung der Ursachen der Erektionsstörungen erfolgen. Können keine körperlichen Ursachen gefunden werden, liefern meist schon ein paar BeratungsgesprĂ€che bei einem Sexualtherapeuten wesentliche Impulse. „Ich fĂŒhle mich unglaublich befreit!“, sagte mir einmal ein Klient am Ende unserer Sitzungen. In der Tat gelingt es vielen MĂ€nnern, auf der Suche nach mehr „sexueller Fitness“ ihrer persönlichen SexualitĂ€t neue und viel positivere Impulse zu verleihen. Und was gibt es Gerechteres als die sexuelle ‘Befreiung’ ..auch fĂŒr den Mann? 😉

Tipp: Wenn es Sie interessiert, können Sie den auf dieser Website angebotenen Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsstörungen / Impotenz durchfĂŒhren.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Photo src:www.topnews.in)

May 24

Nachdem MĂ€nner in der Vergangenheit wiederholt von HörschĂ€den nach der Einnahme von Viagra berichtet hatten, mĂŒssen Verpackungen in den USA inzwischen einen entsprechenden Warnhinweis tragen.

“Diese Resultate deuten darauf hin, dass die gegenwĂ€rtige Warnung in Bezug auf Hörverlust und PDE-5-Hemmer gerechtfertigt ist”, sagte der Studienleiter Gerald McGwin von der UniversitĂ€t von Alabama im Fachblatt “Archives of Otolaryngology-Head and Neck Surgery”. Die Potenzmittel sollen die Durchblutung des Schwellkörpers anregen. Vermutlich stimulieren sie auch den Blutfluss im Ohrgewebe und schĂ€digen so auf lĂ€ngere Sicht das Gehör. Er rĂ€t Nutzern der PrĂ€parate, im Fall eines Hörverlusts unverzĂŒglich einen Arzt zu konsultieren, um bleibende SchĂ€den abzuwenden.

In der Studie wurden 11.525 mindestens 40 Jahre alte MÀnner zwischen 2003 und 2006 untersucht. Alle Medikamente, die auf PDE-5-Inhibitoren basieren, wie Viagra oder Kamagra (Sildenafil), Cialis (Tadalafil) und Levitra (Vardenafil) waren betroffen, am deutlichsten wurde die Nebenwirkung aber bei dem PrÀparat Viagra festgestellt.

WeiterfĂŒhrende Infos:
Blog-EintrÀge zum Thema Erektionsstörungen
Leitfaden Sexualtherapie und Sexualberatung
Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsstörungen u. ProstatavergrĂ¶ĂŸerung
Selbsttest auf Testosteron-Mangel

(Quelle: G. McGwin. Phosphodiesterase Type 5 Inhibitor Use and Hearing Impairment. Archives of Otolaryngology – Head and Neck Surgery, 2010; 136 (5): 488 DOI: 10.1001/archoto.2010.51)

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselstörungen bei MĂ€nnern zu einem frĂŒheren Tod fĂŒhren.

Wissenschafter des Instituts fĂŒr Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der UniversitĂ€t Greifswald sowie der UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg konnten kĂŒrzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten MĂ€nnern verstarben jene signifikant hĂ€ufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration hĂ€ufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen und einer Leberverfettung verknĂŒpft sind. Niedrige Testosteronspiegel fĂŒhren zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erhöhten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel fĂŒr die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind bei MĂ€nnern zu einem frĂŒhen Tod verknĂŒpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes mĂ€nnliches Sexualhormon fĂŒr viele körperliche und psychische VorgĂ€nge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten MĂ€nner ĂŒber dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverstĂ€ndlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren ĂŒberzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” veröffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, GynĂ€kologen und Psychiatern geplant.

Zum Selbst-Check: Testosteron-Selbsttest auf dieser Website

(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20–79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

Oct 19

Erektionsprobleme (erektile Dysfunktion) können ein frĂŒhes Warnsignal fĂŒr gefĂ€hrliche Herz-Kreislauf-Krankheiten und erhöhte Sterblichkeit sein.
Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung mit insgesamt 1549 Patienten aus weltweit 14 LĂ€ndern, das in Dresden auf der 33. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (DGK) vorgestellt wurde. Bei MĂ€nnern mit Erektionsproblemen sei es deshalb wichtig, das Herz-Kreislauf-Risiko medizinisch abzuklĂ€ren.

“Die HĂ€ufigkeit der erektilen Dysfunktion betrĂ€gt in der Allgemeinbevölkerung etwa 20 bis 30 Prozent und steigt bei Herz-Kreislauf-Risikopatienten auf 50 bis 70 Prozent“, so die Mediziner. “Erektile Dysfunktion erwies sich als starker Hinweis auf die Gesamtsterblichkeit und den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulĂ€rem Tod, Herzinfarkt, sowie Krankenhausaufenthalt aufgrund von Herzinsuffizienz und/oder Schlaganfall. ZusĂ€tzlich zeigte sich ein Trend bezĂŒglich der ZusammenhĂ€nge zwischen dem Schweregrad der erektilen Dysfunktion und der Anzahl von Herz-Kreislauf-Ereignissen.” Der Grund dafĂŒr liegt in einer unter UmstĂ€nden gemeinsamen Ursache (sofern nicht, was ebenso möglich und besonders bei MĂ€nnern unter 50 Jahren hĂ€ufig der Fall ist, psychische Ursachen vorliegen oder sich – speziell bei Ă€lteren MĂ€nnern – andere körperliche GrĂŒnde finden; Anmerkung R.L.Fellner): einer zunehmenden Fehlfunktion bzw. SchĂ€digung der BlutgefĂ€ĂŸ-InnenwĂ€nde (“Endothel”), welche auch fĂŒr die Erektion essentiell ist. Sie stellt ihrerseits ein FrĂŒhsymptom einer Atherosklerose dar, welche schließlich zu einem Herzinfarkt oder anderen schweren Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems fĂŒhren kann.

WeiterfĂŒhrende Links:
Sexualtherapie – Leitfaden
Selbsttest auf Erektionsstörungen / Erektile Dysfunktion
Photo src: allaboutyourhealthandlifestyle.blogspot.co.at

Blog-Begriffswolke:
ï»ż10.06.18