Jan 05

Photoquelle: thetastingnote.com

Bei ihrer Einführung wurde Viagra als neue Hoffnung für all jene beworben (und prompt gefeiert), die unter Erektionsstörungen litten. Tatsächlich wurden Belege dafür gefunden, was manche Sexualtherapeuten (unter anderem auch ich) bereits von Beginn an vermuteten: ähnlich den Effekten bei sog. “Testosteron-Kuren” (künstlicher Testosteron-Verabreichung) läßt die Wirkung der Potenzpille bei länger dauernder Einnahme zum Teil massiv nach.

Wissenschaftler dreier Universitäten in den USA und in Saudiarabien untersuchten, ob die Wirkung von Viagra, Cialis und Levitra auch anhält, wenn das Medikament längerfristig eingenommen wird und veröffentlichten die Ergebnisse der Studie im Journal of Urology. Per Telephoninterview wurden 151 Patienten befragt, die im Jahre 1997 Viagra verschrieben bekommen hatten. Die Ursachen für die Erektionsstörungen der Patienten waren operative Prostataentfernungen, Diabetes, oder neurologische Störungen.

Anfangs verbesserte sich bei drei Viertel der Teilnehmer die Erektionfähigkeit soweit, dass sie wieder normalen Geschlechtsverkehr haben konnten. Bei 15% dieser Patienten waren dazu 100mg Sildenafil (die maximale für männliche Erwachsene angeratene Dosis), notwendig, 83% der Patienten kamen mit 50mg aus und 2% benötigten nur 25mg.
Nach drei Jahren wurden die Patienten nochmals befragt, und es stellte sich heraus: die neuen Sexfreuden hatten nicht lange angehalten. Etwa die Hälfte der Patienten hatte die Potenzpille wegen Wirkungslosigkeit bereits ganz abgesetzt. Und 37% jener Männer, die noch auf Viagra bauten, waren mittlerweile auf die Maximaldosis umgestiegen.

Die Ernüchterung über die angeblichen Wunderkräfte der blauen Pille ist in der Fachwelt groß. “Nach meinen Beobachtungen wirkt Viagra nur bei der Hälfte aller Patienten mit körperlich bedingten Erektionsstörungen”, erklärt P. Derahshani, Leiter der Urologischen Abteilung der Kölner Klinik am Ring. Ein gesundheitlich problematischer Aspekt bestehe darin, dass beim Auftreten von Gewöhnungseffekten die Dosis nur bei jenen Patienten gesteigert werden kann, die vorher 25 oder 50mg eingenommen haben, denn eine Dosis über 100mg erhöht das Risiko von Nebenwirkungen wie Kreislaufsschwäche, Übelkeit oder Kopfschmerzen beträchtlich.

Kein Ersatz für Psychotherapie bzw. Sexualtherapie

“Man sollte nicht vergessen, dass bei Erektionsproblemen Viagra nur bei solchen Männern indiziert ist, deren Potenzschwäche körperliche Ursachen hat”, sagte der Wiener Urologe Werner Reiter von der Impotenz-Ambulanz am Wiener Allgemeinen Krankenhaus in einem Interview mit der “Süddeutschen” (SZ). Vor allem bei älteren Männern, die viel rauchen und an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leiden, verliere Viagra nach längerer Einnahme an Wirkung. Bei Männern mit stabilem Gesundheitszustand beobachtet der Spezialist hingegen selten einen Gewöhnungseffekt.
“Wenn die Gründe für die Impotenz im psychischen Bereich liegen, deckt Viagra im besten Fall anfangs die Impotenz-Symptome zu”, warnt Reiter. Langfristig könne diesen Patienten nur mit einer Psychotherapie bzw. Sexualtherapie geholfen werden.

Gesundheitsrisiken mitunter fatal unterschätzt

Fatalerweise wird von vielen Männern das Risiko von Selbstmedikation ignoriert. Doch stattliche 40 Prozent der Männer, die wegen Erektionsproblemen zum Arzt gehen, leiden an einer Arteriosklerose der Herzkranzgefäße (welche jedoch nicht immer die Ursache der Erektilen Dysfunktion darstellen muss). Impotenz “kann jedoch das Anzeichen einer Erkrankung oder einer beginnenden Erkrankung sein. Symptome aber einfach blind wegbringen zu wollen hat sich weder in der Medizin, noch in der Psychotherapie als gewinnbringend erwiesen”, so Sexualtherapeut Karl F. Stifter. Es gehe darum, den Menschen ganzheitlich im Auge zu behalten, und dazu gehört auch, bei Erektionsproblemen zunächst einmal körperliche Ursachen und Symptome abzuklären.

Der in den Pillen enhaltene Wirkstoff (Sildenafil bei Viagra, Vardenafil bei Levitra und Tadalafil bei Cialis) fördert die Entspannung der glatten Muskulatur im Schwellkörper und unterstützt so die Erektionfähigkeit. Die Besonderheit ist, dass die Wirkung erst mit einer sexuellen Erregung einsetzt – Erektionsprobleme werden also insbesondere dann nicht von ihr gelöst, wenn psychische Ursachen die Erektion behindern.

In geringem Maße beeinflussen die Wirkstoffe auch chemische Reaktionen innerhalb unseres Körpers, die unsere visuellen Empfindungen steuern. Daher gehört zu ihren Nebenwirkungen auch eine spezielle Form der Sehstörung, bei der man alles leicht blau getönt sieht. Piloten dürfen daher mindestens 12 Stunden vor einem Flug kein Viagra einnehmen. Auf die mittlerweile nachgewiesene Schädigung des Hörvermögens durch eine Langzeiteinnahme der Potenzmittel habe ich bereits in einem früheren Blog-Artikel hingewiesen.

Noch weitaus problematischer als dieses “blaue Wunder” ist aber wie erwähnt die Gefahr, bei bestehender Herzschwäche einen Infarkt zu erleiden. Denn als Medikamente, die in die Blutzirkulation des Körpers eingreifen, haben Viagra & Co. besondere Risiken für Herz und Kreislauf. Insbesondere Patienten, die Nitroglycerin oder Blutdruck senkende Mittel einnehmen müssen, welche ebenfalls die glatte Muskulatur entspannen, dürfen die Tabletten nicht einnehmen, da sich die Wirkung der Mittel gegenseitig verstärkt. Zusammen mit nitrathaltigen Medikamenten (z.B. für Angina pectoris) kann der Wirkstoff zu einem tödlichen Blutdruckabfall und bei Männern mit Herzkrankheiten zu Kreislaufversagen führen. Eine entsprechende Untersuchung durch einen Arzt ist daher unbedingt angezeigt, bevor man diese einnimmt.

Tatsächlich sind keine anderen Medikamente aufgrund fahrlässiger Anwendung für so viele Todesfälle verantwortlich wie die neuen “Erektionshelfer”. Europaweit wurden allein während der ersten 3 Jahre nach dessen Einführung weltweit 616 Todesfälle nach der Einnahme von Viagra gemeldet. Die leichte Verfügbarkeit der Tabletten über das Internet oder den Schwarzmarkt stellt ein großes Problem dar, da sie zum einen zur Selbstmedikation regelrecht einlädt, und es sich zum anderen bei manchen so bezogenen Tabletten um gesundheitsgefährdende Imitate handelt. Der Markt der Imitate, die größtenteils aus Indien und China stammen, ist nämlich kaum zu kontrollieren, mit den damit verbundenen Risken für die Endanwender, die die so bezogenen Tabletten häufig nicht nur in viel zu jungen Jahren, sondern auch auf eigene Faust als “Lifestyle”-Droge einsetzen.

Zu befürchten ist also einmal mehr, dass bereits derzeit die Zahl der “Viagra-Veteranen” mit multisystemischen Erektionsstörungen (= psychogene Erektile Dysfunktion plus bereits organisch bedingter Wirkungslosigkeit erektionshelfender Mittel) massiv zunimmt. Diese Männer dürften sich speziell dann, wenn die Erektionsfähigkeit aus ganz natürlichen Gründen (altersbedingt oder als Nebeneffekt körperlicher Erkrankungen) abnimmt, in einer unglücklichen Sackgasse wiederfinden.
Nachgewiesenermaßen sind bei der überwiegenden Mehrheit der Männer unter dem 50. Lebensjahr Erektionsprobleme psychisch bedingt – selbst diesen aber ist aus sexualtherapeutischer Sicht unbedingt angeraten, diese zunächst ärztlich abklären zu lassen. Werden dabei keine klaren Indizien für körperliche Ursachen gefunden, sollte man im Interesse seiner Gesundheit (und vielleicht auch, um sich die “Trumpfkarte” der Pillen für schwierigere Zeiten aufzuheben) sexualtherapeutische Beratung suchen, statt reflexartig zu den einfach verfügbaren problematischen “blauen Pillen” zu greifen.

(Quellen: Reuters.com; Rizk El-Galley et.al., “Long-Term Efficiacy of Sildenafil and Tachyphylaxis Effect” in: The Journal of Urology – September 2001 (Vol. 166, Issue 3, Pages 927-931); Image source: creakyeasel.com)

May 03

Arzneimittel über das Internet zu bestellen, ist heute einfach, und selbst die meisten Apotheken verkaufen in Asien ohne jegliche Rückfrage Medikamente, die im Westen verschreibungspflichtig wären. Besonders beliebt in den Online-Katalogen: Amphetamine, Potenzmittel und Antidepressiva. Doch die “Selbstmedikation” ist gefährlich: speziell von Amphetaminen wie Ritalin (Methylphenidat), die leistungssteigernd und konzentrationsfördernd wirken, werden unter dem steigenden Druck der Leistungsgesellschaft immer mehr Menschen abhängig und müssen sich Monate oder Jahre später an spezialisierte Kliniken oder Psychotherapeuten wenden. Einer Studie amerikanischer Kinderärzte zufolge stieg in den letzten acht Jahren die Anzahl der “dopenden” Studierenden um 75 Prozent an. Häufig werden die Medikamente zudem falsch eingesetzt, da die Ursache etwa der Konzentrationsstörungen oder Erektionsprobleme ganz woanders liegen als dort, wo das Medikament ansetzt. Erektile Dysfunktion etwa hat bei Männern unter 55 Jahren zumeist rein psychische Ursachen. Durch Gewöhnungseffekte kommt es dann bei der gewohnheitsmäßigen Einnahme schließlich häufig zu Überdosierungen und einer erhöhten Anfälligkeit für krankmachende Nebeneffekte. Irgendwann behandeln die Nutzer nur noch das Entzugssyndrom (bei Potenzmitteln ist das häufig die Unsicherheit, Sex ohne das Medikament auszuüben) – sie verspüren keine deutliche Wirkung mehr, können das Medikament aber auch nicht absetzen und geraten damit in einen Teufelskreis. Erschwerend kommt die oftmalige Mehrfachabhängigkeit dazu: etwa die Einnahme von Amphetaminen während des Tags, und dann am Abend die Einnahme von Alkohol und/oder Tranquilizern bzw. Schlafmitteln.

Zeichen beginnender psychischer Abhängigkeit von Arzneimitteln können Gefühle von Unsicherheit oder Angst sein, wenn auf die Einnahme verzichtet wird, oder wenn im Laufe der Zeit die Dosis gesteigert wird, die Wirkung des Medikaments jedoch gleich bleibt oder sogar geringer wird oder ganz ausbleibt. Ebenso ein Alarmsignal ist, wenn dem Organismus ohne ärztliche Diagnose und Verschreibung im Laufe der Jahre immer mehr Substanzen zugeführt werden (hierzu gehören auch Nahrungssubstitutionsmittel, Injektionen mit Hormonen, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Nasentropfen usw.). Zumeist wird Medikamentenabhängigkeit erst sehr spät eingestanden, wenn bereits Erkrankungen der Organe vorliegen oder Unfälle (z.B. durch Konzentrationsmangel) auftreten. Für den psychischen Entzug ist eine Kombination von Psychotherapie und Selbsthilfegruppen sehr effektiv, immer ist aber eine ärztliche Abklärung auf etwaige körperliche Schäden dringend anzuraten.

In Österreich sind nach Angaben des API-Instituts ca. 350.000 Menschen alkoholkrank, ca. 130.000 sind von Medikamenten, knapp 30.000 von illegalen Drogen abhängig.
In den USA wird einer Untersuchung der University Michigan von 2010 zufolge bei fast einer Million Kindern fälschlicherweise das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsyndroms (ADHS) diagnostiziert. Davon betroffen sind vor allem die jüngeren Kinder einer Jahrgangsstufe in Kindergarten oder Schule.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:vth.biz)

Oct 28

Einer kürzlich veröffentlichten globalen Studie zufolge sagten etwa 10% der Männer, dass sie bereits mehrfach vorzeitigen Samenerguss erlebten. Tatsächlich ist „zu früh zu kommen“ eine der häufigsten Sexualstörungen. Und nicht ganz überraschend leiden vor allem jüngere Männer daran – zunehmendes Alter ermöglicht Männern normalerweise bessere Kontrolle.

Aber was genau ist eigentlich „vorzeitiger“ Samenerguss (PE, premature ejaculation)? Eine interessante Frage, da die Meinungen über das, was in der Sexualität „normal“ ist, geteilt sind, und auch das, was Ärzte und Therapeuten meinen, ja nur eine Seite der Medaille darstellt. Ein US-Fachartikel beschrieb das durchschnittliche Durchhaltevermögen von an PE leidenden Männern mit 1,8 Minuten, während „normale“ Männer 7,3 Minuten standhielten. Aber viele Männer und Frauen wären auch mit 5-10 Minuten Sex wohl nicht wirklich zufrieden – und wer könnte es ihnen übelnehmen, sich mehr zu wünschen? Den klinischen Diagnosekriterien zufolge würden sogar nur die ca. 2,5% der Männer, welche weniger als 90 Sekunden in der Vagina verweilen können, mit „vorzeitigem Samenerguss“ diagnostiziert. Sexualtherapeuten dagegen beschreiben PE als das Unvermögen, den Sexualakt genügend genießen und gestalten zu können – vom Beginn der Erektion über den eigentlichen Sexualakt bis hin zum Orgasmus. Männer, die unter PE leiden, steuern gewissermaßen vom Beginn des Sexualakts direkt den Orgasmus an und haben kaum Kontrolle darüber, wie lange er dauert oder wie intensiv er letztlich ausfällt. In schweren Fällen ist sogar der Sexualakt an sich unmöglich, da der Samenerguss bereits vor dem Eindringen in die Vagina erfolgt.

Während PE an nicht unbedingt als ernsthaftes Probleme betrachtet werden müsste, kann es doch Sex zu einem frustrierenden oder sogar ärgerlichen Erlebnis für beide Partner machen. Der dann häufig entstehende psychische Druck macht es nur selten besser, und nicht wenige Partnerschaften scheitern letztendlich auch am Frust, gemeinsam befriedigenden Sex zu erleben.

Gesundheitsfachleute sind sich heute darüber einig, dass vorzeitiger Samenerguss ausschließlich auf psychischen Faktoren beruht – und damit üblicherweise mit einigen Sitzungen Sexualtherapie sukzessive in den Griff zu bekommen ist. Zwar existieren auch „Hilfsmittel“ wie etwa lokale Betäubungsmittel oder spezielle Kondome, doch diese beheben natürlich nicht die Wurzel des Problems und beeinträchtigen nicht selten auch den Genuss (nicht nur) der Partnerin. Nebenbei reduziert ihr Gebrauch noch weiter die sexuelle Sicherheit, da man sich vom Hilfsmittel immer abhängiger fühlt. Sexualtherapie dagegen hat das Ziel, die Zusammenhänge und Ursachen des Problems aufzudecken und einen anderen Umgang mit der eigenen Sexualität zu ermöglichen. Als „Hausübung“ zu erlernende Strategien der Selbstkontrolle helfen dabei, die mentalen Abläufe zu verändern und die Kontrolle über den Sexualakt wiederzuerlangen. Nebenbei ermöglichen sie, den Therapieerfolg zu kontrollieren und auch einen langfristig stabilen Erfolg sicherzustellen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:menhealth.in)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen – auf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle Körperzellen und ist nicht nur für die Geschlechtsentwicklung zuständig, sondern auch für den bei Männern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es für die Produktion der roten Blutkörperchen, welche den Körper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron fällt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, für seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch lässt die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen Männern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalität.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erhöhtes Gewicht und Körperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitgedächtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder stärkere Müdigkeit als früher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimität und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gefühl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger häufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgefühl
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen beträchtliche Auffassungsunterschiede darüber,  welche der genannten Symptome tatsächlich auf eine sog. “männliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zurückzuführen sind. Für jedes der Symptome könnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tatsächlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert würde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schuß ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen Ärzten und Kliniken werden heute Männern ohne viel Zögern Ersatztherapien zur Erhöhung des Testosteron-Spiegels angeboten – häufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zurückzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich präventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt für Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegenüber gut “argumentieren” läßt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie nützt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zufällig, dass viele Männer, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchführen zu lassen (oder diesbezüglich gar Selbstmedikation betreiben), häufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer künstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsfähigkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bewährte Gesundheitstipps für Männer, welche – im Unterschied zu künstlichen Zuführung von Testosteron – zuverlässig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin für einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen Männer zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ernährung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gemüse; fettarm: fettige, ölige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate können zu Übergewicht führen, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erhöhen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein für die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Früchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granatäpfel, Zitrusfrüchte, Mangosteen, Datteln, Kokosnüsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und Süßigkeiten aller Art sind möglichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • Östrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getränke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel möglichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • genügend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird während der REM-Phasen produziert, insofern sollten genügend davon stattfinden können.
  • Achten Sie auf eine gesunde und möglichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterstützung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn Männer dagegen (womöglich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Drüsen signifikant weniger männliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise überschüssiges Östrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol beschäftigt, kann sie das nicht.
  • natürliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteronähnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Sprünge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und Kürbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronausschüttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbezüglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Verträglichkeit – knapp über seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Ausschüttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Suchtähnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel über einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf natürliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei Männern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinschätzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fachärztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

May 31

Erektile Dysfunktion (ED) bedeutet, dass ein Mann während eines halben Jahres in mehr als zwei Dritteln der Fälle keine Erektion bekommen oder aufrecht erhalten konnte, die für einen Geschlechtsverkehr ausreichte. Wenn es also nur hin und wieder einmal „nicht klappt“, handelt es sich noch nicht um eine behandlungsbedürftige Störung. Doch mit dem Alter werden Erektionsprobleme bzw. ‘Impotenz’ häufiger: unter den 40- bis 49-Jährigen ist jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60- bis 69-Jährigen bereits mindestens jeder dritte.

Doch wo liegen die Ursachen? Vor allem bei älteren Männern sind Erektionsprobleme bzw. Impotenz häufig konstitutionell bedingt, bei Männern unter 55 jedoch sind in fast allen Fällen psychische Ursachen die Auslöser. „Wundermittel“ wie Viagra, Cialis oder Levitra sind deshalb gerade bei diesem Personenkreis nicht anzuraten – als wichtigste Gründe dafür sind die möglichen nachteiligen Folgen einer Langzeiteinnahme zu nennen, aber auch eine psychische Abhängigkeit von der „Kraftpille“.

Da eine erektile Dysfunktion auf Herz-, Kreislauf- und andere schwerwiegende Erkrankungen hindeuten kann, sollte zunächst unbedingt eine ärztliche Untersuchung der Ursachen der Erektionsstörungen erfolgen. Können keine körperlichen Ursachen gefunden werden, liefern meist schon ein paar Beratungsgespräche bei einem Sexualtherapeuten wesentliche Impulse. „Ich fühle mich unglaublich befreit!“, sagte mir einmal ein Klient am Ende unserer Sitzungen. In der Tat gelingt es vielen Männern, auf der Suche nach mehr „sexueller Fitness“ ihrer persönlichen Sexualität neue und viel positivere Impulse zu verleihen. Und was gibt es Gerechteres als die sexuelle ‘Befreiung’ ..auch für den Mann? 😉

Tipp: Wenn es Sie interessiert, können Sie den auf dieser Website angebotenen Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsstörungen / Impotenz durchführen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Photo src:www.topnews.in)

May 24

Nachdem Männer in der Vergangenheit wiederholt von Hörschäden nach der Einnahme von Viagra berichtet hatten, müssen Verpackungen in den USA inzwischen einen entsprechenden Warnhinweis tragen.

“Diese Resultate deuten darauf hin, dass die gegenwärtige Warnung in Bezug auf Hörverlust und PDE-5-Hemmer gerechtfertigt ist”, sagte der Studienleiter Gerald McGwin von der Universität von Alabama im Fachblatt “Archives of Otolaryngology-Head and Neck Surgery”. Die Potenzmittel sollen die Durchblutung des Schwellkörpers anregen. Vermutlich stimulieren sie auch den Blutfluss im Ohrgewebe und schädigen so auf längere Sicht das Gehör. Er rät Nutzern der Präparate, im Fall eines Hörverlusts unverzüglich einen Arzt zu konsultieren, um bleibende Schäden abzuwenden.

In der Studie wurden 11.525 mindestens 40 Jahre alte Männer zwischen 2003 und 2006 untersucht. Alle Medikamente, die auf PDE-5-Inhibitoren basieren, wie Viagra oder Kamagra (Sildenafil), Cialis (Tadalafil) und Levitra (Vardenafil) waren betroffen, am deutlichsten wurde die Nebenwirkung aber bei dem Präparat Viagra festgestellt.

Weiterführende Infos:
Blog-Einträge zum Thema Erektionsstörungen
Leitfaden Sexualtherapie und Sexualberatung
Selbsttest auf Erektile Dysfunktion / Erektionsstörungen u. Prostatavergrößerung
Selbsttest auf Testosteron-Mangel

(Quelle: G. McGwin. Phosphodiesterase Type 5 Inhibitor Use and Hearing Impairment. Archives of Otolaryngology – Head and Neck Surgery, 2010; 136 (5): 488 DOI: 10.1001/archoto.2010.51)

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselstörungen bei Männern zu einem früheren Tod führen.

Wissenschafter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der Universität Greifswald sowie der Universität Erlangen-Nürnberg konnten kürzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten Männern verstarben jene signifikant häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration häufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen und einer Leberverfettung verknüpft sind. Niedrige Testosteronspiegel führen zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erhöhten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel für die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind bei Männern zu einem frühen Tod verknüpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes männliches Sexualhormon für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten Männer über dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverständlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren überzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” veröffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, Gynäkologen und Psychiatern geplant.

Zum Selbst-Check: Testosteron-Selbsttest auf dieser Website

(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20–79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

Oct 19

Erektionsprobleme (erektile Dysfunktion) können ein frühes Warnsignal für gefährliche Herz-Kreislauf-Krankheiten und erhöhte Sterblichkeit sein.
Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung mit insgesamt 1549 Patienten aus weltweit 14 Ländern, das in Dresden auf der 33. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vorgestellt wurde. Bei Männern mit Erektionsproblemen sei es deshalb wichtig, das Herz-Kreislauf-Risiko medizinisch abzuklären.

“Die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion beträgt in der Allgemeinbevölkerung etwa 20 bis 30 Prozent und steigt bei Herz-Kreislauf-Risikopatienten auf 50 bis 70 Prozent“, so die Mediziner. “Erektile Dysfunktion erwies sich als starker Hinweis auf die Gesamtsterblichkeit und den kombinierten Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, sowie Krankenhausaufenthalt aufgrund von Herzinsuffizienz und/oder Schlaganfall. Zusätzlich zeigte sich ein Trend bezüglich der Zusammenhänge zwischen dem Schweregrad der erektilen Dysfunktion und der Anzahl von Herz-Kreislauf-Ereignissen.” Der Grund dafür liegt in einer unter Umständen gemeinsamen Ursache (sofern nicht, was ebenso möglich und besonders bei Männern unter 50 Jahren häufig der Fall ist, psychische Ursachen vorliegen oder sich – speziell bei älteren Männern – andere körperliche Gründe finden; Anmerkung R.L.Fellner): einer zunehmenden Fehlfunktion bzw. Schädigung der Blutgefäß-Innenwände (“Endothel”), welche auch für die Erektion essentiell ist. Sie stellt ihrerseits ein Frühsymptom einer Atherosklerose dar, welche schließlich zu einem Herzinfarkt oder anderen schweren Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems führen kann.

Weiterführende Links:
Sexualtherapie – Leitfaden
Selbsttest auf Erektionsstörungen / Erektile Dysfunktion
Photo src: allaboutyourhealthandlifestyle.blogspot.co.at

Blog-Begriffswolke:
10.06.18