Jan 20

Auch nach so vielen Jahren in meinem Beruf kann es mich immer noch begeistern, wenn Leute sich entschließen, mit Hilfe von Beratung oder Therapie ihr Leben zu verbessern. Bei Kindern und Jugendlichen ist der Grund dafür offensichtlich: sie haben ihr ganzes Leben noch vor sich, und wenn sie da anfängliche Hindernisse erfolgreich überwinden können, ist es großartig. Die andere Altersgruppe sind jene Personen, die ihre Lebensmitte überschritten haben. Warum? “Ältere” Menschen sind in unserer Gesellschaft mit dem Vorurteil konfrontiert, sich nicht mehr ändern zu können. Der Prozess des Älterwerdens generell wird von vielen abgewertet, die die Einstellung haben, dass 30 zu werden schon schlimm genug ist, aber das Leben ab einem Alter von 40-50 Jahren nur mehr schlechter werden kann.

Doch tatsächlich ist nicht viel dran an diesem Klischeebild, und überraschenderweise ist der tropische Teil Asiens eine gute Region, sich davon zu überzeugen. Während die Mehrheit der hier lebenden Auswanderer entweder am Rande eines durch einen Auslandseinsatz bedingten Burnouts steht, am sog. “Expat-Syndrom” leidet oder andererseits einem hedonistischen Lebensstil frönt, den sie sich nicht durch gesellschaftliche oder sonstige Regeln einschränken lassen möchte, kann man immer mehr Menschen finden, die für ihr Alter großartig aussehen und auf verschiedenste Art und Weise alles Nötige dafür tun, um nicht nur ein noch möglichst langes und gesundes, sondern auch ein möglichst glückliches Auswanderer-Leben führen zu können. Fairerweise muss gesagt werden, dass einer solchen Haltung nicht selten Schockereignisse wie Herzinfarkte, sexuelle Funktionsstörungen oder andere Krankheiten vorausgingen. Manchmal folgte sie jedoch auch auch aus der Erkenntnis, dass sich unser Körper und unsere Psyche nun einmal nicht austricksen lassen: wenn unser Körper krank zu werden und uns dadurch dauerhafte “Zügel” zu verpassen droht oder unsere Psyche unsere Lebensfreude chronisch einschränkt, bleibt letztendlich nur die Option, die Abwärtsspirale möglichst umgehend zu unterbrechen: zunächst einmal das Problem zu erkennen und zu akzeptieren (idealerweise häufig mittels “Kickstart” durch ärztliche oder therapeutische Hilfe), und dann unseren Lebensstil möglichst umgehend radikal zu ändern.

So traf ich Menschen, die dem Rauchen, Trinken oder anderen Formen des Substanzmißbrauchs aufhörten, Menschen, die ihren Körper auch nach Jahrzehnten des Übergewichts wieder in Form brachten, 70 Jahre alte Männer, die wieder zu verloren geglaubten sexuellen Freuden fanden, und ältere Paare, die offenbar erst auswandern mussten, um herauszufinden, dass sie mit ein wenig Unterstützung ihre Ehe reparieren konnten.

Für manche kommen solche Umkehrschwünge zu spät – für andere aber sind sie die ersten Schritte zu einem neuen Leben. Ich möchte diesen kleinen Artikel mit einem schönen Zitat der Schriftstellerin Helen H. Santmyer (1895-1986) beschließen:

“Zeit – unsere Jugend – sie ist nie wirklich zu Ende, nicht wahr? All das findet in unseren Köpfen statt.”

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2012; Image src:expatzaustralia.com)

Nov 30

Erstmals seit den 1980er Jahren ist die Krankenstandsquote (Verlust an Jahresarbeitszeit durch krankheits- und unfallbedingte Fehlzeiten) unter Österreichs unselbstständig Beschäftigten wieder gestiegen. Fehlzeiten von mehr als einem Monat (“Langzeitkrankenstände”) machen zwar nur sechs Prozent der Fälle, aber 40 Prozent aller Krankenstandstage aus. Und sie haben deutlich negative Auswirkungen auf die Erwerbskarriere: Nach einem zwei- bis vierwöchigen Krankenstand steigt das Risiko im Jahr danach den Job zu verlieren um 25 Prozent, nach drei Monaten um 60 Prozent. Besonders hoch ist das Risiko nach Krankheiten des Bewegungsapparates und psychischen Erkrankungen. Letztere sind offiziell nur Grund von fünf Prozent der Krankenstände, liegen aber bei den Ursachen für den Wechsel in die Invalidenpension an zweiter Stelle.

Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut verwies darauf, dass “alle Studien zeigen, dass die psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz steigt”. Dafür verantwortlich seien Rahmenbedingungen wie Prekarisierung, Arbeitszufriedenheit und Motivation. Betriebliche Gesundheitsförderung sei bei einer systematischen Durchführung rein ökonomisch sehr lohnend: der Faktor werde in verschiedenen Studien zwischen 1:4 und 1:10 angegeben, was bedeutet, dass sich die Volkswirtschaft für einen zur Gesundheitsförderung ausgegebenen Euro vier bis zehn Euro ersparen könnte. Noch sei dafür in Österreich allerdings nicht genügend Bewusstsein geschaffen. Die hohe Zahl an Frühpensionisten wirkt sich in Österreich nach Ansicht des Experten “beschönigend” auf die Statistik aus. In der Krankenstandstatistik ganz vorne liegen skandinavische Länder, in denen höhere Pensionantrittsalter die Regel sind. (Quelle: Wifo, 27.11.2008. Photo src: photosearch.com)

01.09.19