Apr 03

Interessante Zusammenh√§nge zwischen Selbstwertgef√ľhl und spezifischen Faktoren der individuellen Lebenssituation ermittelte eine k√ľrzlich abgeschlossene Studie der American Psychological Association (APA) an ca. 4000 zwischen 25 und 104 Jahre alten US-AmerikanerInnen, die zwischen 1986 und 2002 wiederholt befragt wurden.

Demnach ist die Selbstsicherheit unter Jugendlichen am niedrigsten (vermutlich, da w√§hrend den j√ľngeren Lebensjahren die Pers√∂nlichkeit noch instabiler ist als bei Erwachsenen – man ist sich gewisserma√üen ‘seiner selbst noch nicht ganz sicher’), steigt dann aber im Lebensverlauf an und erreicht ihren H√∂hepunkt um die 60 Jahre. Danach f√ľhren dann vermutlich der Ruhestand und ein schlechter werdender Gesundheitszustand zu einem Abfall der Selbstsicherheit. Frauen waren generell unsicherer als M√§nner, hier wurde erst in einem Altersbereich zwischen 80 und 90 Jahren ein ungef√§hrer Gleichstand erreicht.

Menschen in einer gl√ľcklichen Liebesbeziehung, solche mit besserer Ausbildung, h√∂herem Einkommen, besserer Gesundheit und solche, die arbeiteten, verf√ľgten ebenfalls √ľber h√∂here Grade von Selbstsicherheit, speziell im Verlauf des √Ąlter-werdens (mit der Ausnahme des Beziehungsstatus, ab ca. 60 Jahren war ein gl√ľckliches Beziehungsleben nicht mehr von signifikanter Relevanz f√ľr das Selbstwertgef√ľhl). Die ethnische Zugeh√∂rigkeit schien nicht relevant zu sein, erst in hohem Alter (ab ca. 80 Jahren) war das Selbstwertgef√ľhl bei Weissen h√∂her als bei Schwarzen. Im Zuge der Alterung zeigten sich dagegen der Gesundheitszustand sowie die Verm√∂genssituation als wesentlichste Koordinaten eines gut bleibenden Selbstwertgef√ľhls. Die Wissenschafter erkl√§rten diese Zusammenh√§nge mit der Vermutung, da√ü beide Faktoren ein gr√∂√üeres Gef√ľhl von Unabh√§ngigkeit, aber auch, f√ľr ihre Umwelt Sinnvolles tun zu k√∂nnen, erm√∂glichen.

Da das Selbstwertgef√ľhl seinerseits ein wichtiger Faktor f√ľr einen besseren Gesundheitszustand, geringere Anf√§lligkeit f√ľr kriminelles Verhalten, geringere Depressionsanf√§lligkeit und generell mehr Lebenserfolg und -zufriedenheit darstellt, ist ein besseres Verst√§ndnis der unterschiedlichen Ursachen f√ľr Selbstwertgef√ľhl und Selbstsicherheit im Verlauf der Lebensspanne sehr wichtig.

(Quelle: Self-esteem development from young adulthood to old age: A cohort-sequential longitudinal study, APA online, 20100310; Photo src:erikbakke.com)

Feb 12

Immer mehr Senioren leiden an psychischen Erkrankungen. In einem Interview mit der √∂sterr. Tageszeitung “Der Standard” erkl√§rte der Chefarzt der Psychosozialen Dienste (PSD) Wiens, G. Psota: “Wir haben eine wachsende Problematik mit den ‘drei Ds’ – Demenz, Delirium und Depression. Davon sind 35 bis 45 Prozent der √ľber 80-J√§hrigen betroffen”.

Immer noch w√ľrden psychisch Kranke oft diskriminiert und stigmatisiert. Doch psychische Leiden spielen sich mitten in der Gesellschaft ab: Ein Prozent der √Ėsterreicher leiden an Schizophrenie, 870.000 haben ein Alkoholproblem, fast 110.000 Menschen sind dement, 400.000 depressiv. Psota: “Psychische Erkrankungen sind eine Herausforderung an Alle.”, eine Organisation allein k√∂nne l√§ngst nicht mehr eine Vollversorgung gew√§hrleisten. Vielmehr m√ľsste das Wissen √ľber eine ad√§quate Betreuung der Betroffenen sich in alle relevanten Bereiche erstrecken, wozu neben den Angeh√∂rigen und √Ąrzten der verschiedenen Fachrichtungen auch die sozialen Dienste ebenso wie beispielsweise auch die Exekutive geh√∂rten. Wichtig sei auch die ambulante Versorgung durch Psychiatrie und Psychotherapie.

Psota: “Wir haben mittlerweile sehr verschiedene Gruppen von Patienten, die wir betreuen und behandeln. Da sind erstens jene alt gewordenen psychisch Kranken, die durch die Wiener Psychiatriereform aus den Anstalten heraus kamen. Die sind mittlerweile √§lter als 60 Jahre. Sie sind durch langfristige Behandlung und in geeigneten Rahmenbedingungen oft einigerma√üen stabil, man muss sich bei ihrer Betreuung aber zunehmend auch um die k√∂rperlichen Aspekte k√ľmmern, weil die Menschen eben √§lter werden.”

Die zweite Gruppe seien “relativ junge Personen, die Psychosen entwickelt haben, schwere (oft bipolare) Depressionen oder andere psychiatrische Erkrankungen wie beispielsweise das Borderline Syndrom haben und Behandlung f√ľr viele Jahre brauchen. Aber auch Patientinnen und Patienten mit mittelgradigen Depressionen und Angstst√∂rungen, die kurz bis mittelfristig eine psychiatrische Betreuung ben√∂tigen, bis sie von niedergelassenen Psychiaterinnen und Psychiatern betreut werden k√∂nnen.”

(Quellen f. Teile des Textes u. Bild): Der Standard, 11.02.2010)

Jun 26

In einem Press-Release √ľber eine im April dieses Jahres im ‚ÄěJournal of Clinical Psychiatry‚Äú vom Weill Cornell Medical College in New York ver√∂ffentlichte Studie war k√ľrzlich zu lesen, da√ü Resultate einer post mortem Studie darauf hindeuten, dass “√§ltere Menschen, die Suizid begehen, oft nicht mit Antidepressiva versorgt sind”. 72 Prozent der von der Studie erfa√üten Suizid-Opfer waren M√§nner, die h√§ufigste Suizid-Methode war ein Sprung aus gr√∂√üerer H√∂he (38,4%) und Selbststrangulation (25,1%). Die h√∂chste Suizid-Rate wurde in der Gruppe der √ľber 85j√§hrigen beobachtet (10,7 pro 100.000). Nur eines von vier Suizidopfern hatte zum Zeitpunkt des Todes Antidepressiva im K√∂rper, bei denjenigen im Alter von 85 und dar√ľber waren es sogar noch weniger. Wenn man davon ausgehe, dass viele der Suizidopfer an einer medizinisch behandelbaren Depression litten, deuten diese Ergebnisse auf “Probleme in der Versorgung der ganz Alten mit antidepressiver pharmakologischer Therapie” hin, schreiben die Autoren. Nun, medizinisch behandelbar ist heutzutage ja prinzipiell so gut wie alles, die Frage ist nur, ob bei der √ľberwiegenden Anzahl der an Depressionen leidenden √§lteren Menschen eine rein medikament√∂se Behandlung stets auch der Weisheit bester Schlu√ü ist?

Wie auch die Forscher schlu√üendlich in ihrer Studie anmerkten, w√§re es angesichts der Depressions- und Suizidraten der √§lteren Generation sicherlich sinnvoll, wenn bei Menschen hohen Alters, welche den Arzt aufsuchen, grunds√§tzlich auf Depressionen und Suizidalit√§t gescreent w√ľrde. Generell lie√üe sich der Leidensweg zahlreicher PatientInnen sicherlich deutlich abk√ľrzen, wenn schon von Beginn an psychische Mitursachen oder gar Ausl√∂ser f√ľr k√∂rperliche Erkrankungen in die √§rztliche Diagnostik miteinbezogen w√ľrden. (Quellen: MedScape, ReutersHealth; Apr 09; J Clin Psychiatry; 2009, 70: 312-317). Photo src: ucsf.edu

ÔĽŅ01.09.19