Oct 11
Pupillen Sexuelle Reaktionen Männer Frauen

Was unsere Pupillenreaktionen über uns aussagen…
Image src: S. Cartwright, popsci.com

Überraschende Ergebnisse erbrachte eine Untersuchung von Pupillen-Reaktionen auf Pornographie an der University of Sydney in Australien (bereits im Jahre 2012).

Bei heterosexuellen Männern erweiterten sich die Pupillen am meisten, wenn sie in Pornofilmen oder -bildern weibliche Darstellerinnen beim Masturbieren sahen. Bei homosexuellen Männern erweiterten sie sich am meisten, wenn sie dabei Männer zu sehen bekamen, und bei bisexuellen Männern mehr als bei anderen Männern, wenn sie Darsteller beider Geschlechter sahen”, schreiben die Autoren Rieger & Savin-Williams.

Dasselbe gilt aber nicht für Frauen. Im Durchschnitt erweiterten sich die Pupillen heterosexueller Frauen stärker beim Betrachten von Abbildungen und Videos mit männlichen Darstellern als von neutralen Bildern, aber sie reagierten auch stärker auf Bilder von masturbierenden Frauen im Vergleich zu heterosexuellen Männern, die Männer beobachteten.

Die Pupillen-Reaktionen lesbischer und bisexueller Frauen ähnelten in der Studie tendenziell jenen männlicher Reaktions-Muster.

Die Erkenntnis, dass heterosexuelle Frauen mehr als heterosexuelle Männer von beiden Geschlechtern erregt werden, könnte den Überlegungen der Autoren zufolge durch die Evolutionstheorie erklärt werden: in der Frühgeschichte der Menschheit kam es häufig zu Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausschweifungen. Während sich dabei die körperlich überlegenen Männer erlauben konnten, sich voll auf ihre (i.d.R. heterosexuellen) Vorlieben zu konzentrieren, mußten sich Frauen vor Verletzungen im Intimbereich schützen – Frauen, die hier unabhängiger von rein heterosexuellen Stimuli waren und unabhängig davon sexuelle Erregung (z.B. Feuchtwerden des Scheideneingangs) entwickeln konnten, waren evolutionär im Vorteil. Dies deckt sich auch mit diversen theoretischen Arbeiten zu diesem Thema, die sich mit der größeren Offenheit von Frauen in Richtung homosexueller Kontakte beschäftigten.

(Quellen: Rieger G, Savin-Williams RC (2012) The Eyes Have It: Sex and Sexual Orientation Differences in Pupil Dilation Patterns. PLoS ONE 7(8): e40256., [PopSci])

Jul 23

Fetisch oder Sexualstörung? BuchempfehlungBin ich “pervers” oder erfreue ich mich schlicht am Außergewöhnlichen? Die Antwort auf diese Frage erfuhr im Laufe der menschlichen Geschichte signifikante Veränderungen. So manche Sexualpraktik, bei deren Ausübung man vor wenigen hundert Jahren noch als “Besessener” am Scheiterhaufen verbrannt oder in den “Narrenturm” gesperrt worden wäre, wird heute als durchaus normal betrachtet. Dennoch existieren Formen des sexuellen Verhaltens, die selbst dann als pathologisch betrachtet werden, wenn man moralische Gesichtspunkte außer Acht läßt: als Störung oder sogenannte “Paraphilie” wird bezeichnet, wenn die sexuellen Verhaltensweisen oder Triebkräfte die Betroffenen belasten oder sie selbst oder andere schädigen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, um Abwertungen schlicht “ungewöhnlicherer” Vorlieben wie etwa einer sexuellen Attraktivität des gleichen Geschlechts – welche bis 1973 immer noch Teil der Diagnosehandbücher war – zu vermeiden.

Zukünftige Versionen dieser Diagnoseschlüssel werden vermutlich noch weiter zwischen Paraphilien und “paraphilen Störungen” unterscheiden. Eine Paraphilie selbst würde nicht automatisch als therapiebedürftig betrachtet, sondern lediglich Störungen – das, was Betroffenen belastet oder sie selbst oder ihre Sexualpartner schädigen könnte. Außergewöhnlichere Vorlieben wie etwa “cross-dressing” würden demnach nicht mehr automatisch als krankheitswertig (z.B. “Transvestitismus”) diagnostiziert werden – außer, die betreffende Person wäre damit unglücklich oder ihr Leben beeinträchtigt.

Während diese neue Generation der Diagnoseschemata definitiv viele Formen von Abwertung verhindern wird, werden sich die Diagnosen andererseits auch wieder stärker an kulturellen Wertungen orientieren: in Gesellschaften mit engeren kulturellen Normen wie etwa den meisten asiatischen Ländern werden dann wohl wieder häufiger Menschen als “sexuell abnorm” diagnostiziert werden, sobald diese neuen Klassifikationen zum neuen medizinischen Standard erklärt wurden, da das Verhalten der Betreffenden viel eher als “schädigend” oder “belastend” für andere betrachtet werden dürfte.

Die häufigsten Paraphilien, die heute als Störungen gelten, sind Exhibitionismus, Fetischismus (sofern bestimmte Objekte erforderlich sind, um Erregung zu verspüren oder einen sexuellen Höhepunkt zu erreichen), Frotteurismus (das Bedürfnis, fremde Personen zu berühren), Pädophilie, sexueller Masochismus und Sadismus, Transvestitismus, Urophilie und Voyeurismus. Diese Formen sexueller Abweichung können zu einem massiven Problem werden, wenn die ausgewählten SexualpartnerInnen diese ablehnen oder nicht mündig sind, wenn lokale Gesetze verletzt werden oder die sexuelle Erlebensfähigkeit einer Person ausschließlich davon abhängt…

Können Paraphilien “geheilt” werden? Viele Experten meinen, dies sei nicht möglich, zumindest nicht mit Standardmethoden der Sexualtherapie. Immerhin aber können viele Personen in einer solchen lernen, ihr Sexualverhalten besser zu “managen” und flexibler zu gestalten – zumindest in einem Ausmaß, in dem Gesetzesverstöße oder eine Zerstörung ihrer Partnerschaften vermieden werden können.

Weiterführende Artikel und Literaturtipps:

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011)

01.09.19