Jul 01

Psychotherapie und Private Krankenversicherung (Image src: krankenversichern.at)

Psychotherapie und private Krankenversicherung – was ist zu beachten?

Psychotherapie: was gibt es im Zusammenhang mit der privaten Krankenversicherung zu beachten?

Grundsätzlich gilt, dass sich die Höhe der übernommenen Leistungen für Psychotherapie immer nach den individuellen geschlossenen Versicherungsvertrag in der privaten Krankenversicherung richten. Das heißt, ihre konkrete vorhandene Polizze ist die Grundlage für die Frage, ob die Rückerstattung von Leistungen zur Psychotherapie in Ihrem Vertrag gedeckt sind oder nicht. Es gibt keine allgemein gültige Grundlage des Versicherungsverbandes, ob eine Deckung besteht oder nicht.

Die private Krankenversicherung in Ă–sterreich besteht im Kern aus 3 Bausteinen: der

  • Sonderklasseversicherung, der
  • Wahlarztversicherung und
  • Sonderleistungen der privaten Krankenversicherung.

Diese 3 Bestandteile können individuell miteinander kombiniert werden.

Die Übernahme der psychotherapeutischen Leistungen sind in diesem Fall in der sogenannten Wahlarztversicherung geregelt. Ursprünglich gedacht als reine Kostenrückerstattung von Wahlarztkosten, hat sich dieser Tarifbaustein in dem letzten Jahr weiterentwickelt. Psychotherapie, Physiotherapie und andere Leistungen werden nun zusätzlich abgedeckt.

Dabei ist besonders zu beachten, dass in Ă–sterreich ĂĽblicherweise sogenannte 80%-Tarife existieren. Das heiĂźt, wenn Sie zum Psychotherapeuten gehen und die gesetzliche Krankenkasse (Ă–GK oder SVS) leistet nicht, erhalten Sie zumindest 80% des Rechnungsbetrages zurĂĽck. Leistet die gesetzliche Krankenversicherung, erhalten Sie immer den Differenzbetrag zwischen Rechnungsbetrag und RĂĽckerstattung.

Bis zu welcher Höhe werden meine Kosten rückerstattet & was muss ich beachten?

Die Wahlarztversicherung sieht üblicherweise eine Höchstsumme der Rückerstattung der Wahlarztkosten vor (zwischen 1.100 € und 3.200 € pro Kalenderjahr, abhängig vom Anbieter). ABER, beim Thema Psychotherapie sind sogenannte „Subsummen“ eingezogen. Das heißt: in Ihrer Polizze können Sie einen Betrag zwischen 300 € & 900€ (abhängig vom Anbieter) rückerstatten lassen. Beachten Sie allerdings, dass die Rückerstattung der Subsumme immer von der Gesamtsumme abgezogen wird und ihr verbleibendes Wahlarztbudget reduziert.

Weiters ist noch zu beachten, dass die Behandlung durch einen Psychologen oder Psychotherapeuten immer ärztlich verordnet sein muss. Sollte diese nicht ärztlich verordnet sein, gibt es keine Deckung seitens der privaten Krankenversicherung. Die Leistungen für Psychotherapie werden nur erbracht, sofern die Behandlung durch in Österreich zugelassene Psychotherapeuten durchgeführt werden. Psychotherapeuten im Ausland zu nutzen ist nicht möglich.

Was sollte man bei der Antragsstellung beachten?

In Ă–sterreich herrscht im Zuge der Antragsstellung eine vorvertragliche Anzeigepflicht. Vereinfacht gesagt sind konkrete schriftliche Diagnosen eines Arztes oder Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus im Zuge der Gesundheitsfragen verpflichtend anzugeben.

Sofern Sie einen Antrag gestellt und die Gesundheitsfragen übermittelt haben, startet der Prozess der Risikoprüfung seitens der privaten Krankenversicherung. Dieser Prozess hat erfahrungsgemäß 4 mögliche Ergebnisse:

  • Der Antrag wird ohne weiteres angenommen und die Polizze wird ausgestellt
  • Der Antrag wird mit Prämienerhöhung angenommen und Sie mĂĽssen dem zustimmen
  • Der Antrag wird mit Risikoausschluss angenommen und Sie mĂĽssen dem zustimmen
  • Der Antrag wird abgelehnt.

In den Fällen 2 und 3 müssen Sie mittels einer Einverständniserklärung der Prämienerhöhung (2) oder dem Risikoausschluss (3) gesondert zustimmen. Die Polizze wird nicht automatisch erstellt.
Ein Verschweigen etwaiger „Vorerkrankungen“ kann zu einem Leistungsverzicht, einer zusätzlichen Prämienerhöhung oder der Kündigung des Vertrages führen. Sollten Sie über eine Diagnose einer Despression oder von Burn-out verfügen, müssen Sie diese in den Gesundheitsfragen auf jeden Fall angeben.

Fazit

Die Wahlarztversicherung der privaten Krankenversicherung umfasst auch Leistungen der Psychotherapie. Diese Leistungen sind allerdings bei jedem Anbieter in Österreich mit einem „Deckel“ versehen. Das heißt man kann sich Leistungen (Rechnungen) zwischen 300€ und 900€ (abhängig vom Tarif) rückerstatten lassen. Diese Leistungen müssen ärztlich verordnet sein. Allerdings sind die Krankenversicherungstarife in Österreich in Ihrem Kern „Wahlarzttarife“. Der Abschluss einer Wahlarztversicherung macht nur dann Sinn, wenn Ihr Kernbedürfnis auch die Rückerstattung der Wahlarztkosten ist.

Gastautor: Sebastian Arthofer, MSc BSc, ist studierter Betriebswirt und Co-Gründer des unabhängigen Informations- und Vorsorgeportals krankenversichern.at. Ziel des Portals ist es, unabhängig, einfach und verständlich über das Thema der privaten Krankenversicherung in Österreich aufzuklären.

Nov 01

Manchmal werde ich gefragt, warum TherapeutInnen für Paartherapie-Sitzungen ein höheres Honorar verlangen als für Einzelgespräche. Vielleicht ist es bei den anderen ein ähnlicher Grund wie bei mir: Paartherapie-Sitzungen sind um ein Vielfaches anstrengender!

Viele Paare verpassen dem Therapeuten besonders am Beginn einer Paartherapie – bewuĂźt oder unbewuĂźt – die Rolle eines Schiedsrichters: von beiden Seiten erhält man dann innerhalb weniger Minuten dutzende Argumente, VorwĂĽrfe und Beispiele fĂĽr die Zumutungen, Unverschämtheiten oder das Versagen des jeweiligen GegenĂĽbers um die Ohren geblasen, so als wäre ein strenger Urteilsspruch des “Herrn Therapeuten” in die Richtung des jeweils Anderen das Ziel: “Sie sind schuld!
Nun ist den meisten hilfesuchenden Paaren im Grunde natürlich theoretisch klar, daß ein derartiger Zugang dem gemeinsamen Prozess kaum dienlich ist. Die emotionale Einsicht in die mentalen Sackgassen innerhalb der Beziehung muß jedoch erst erarbeitet werden, und das ist in der Regel alles andere als leicht, besonders dann, wenn sich beide Partner aufgrund monate- oder (das ist leider viel häufiger :-() schon jahrelang schwelender Konflikte bereits einen massiven Schutzpanzer zugelegt haben.

Leicht ist das Zusammenleben zwischen Mann und Frau ja wirklich nicht, wie schon Loriot in einem seiner wunderbaren Sketches zeigte:

Es kommt allerdings auch vor, daĂź Paare mich hochinteressiert und in einer derart offenen Grundhaltung aufsuchen, daĂź mitunter weniger als eine Handvoll Sitzungen ausreicht, um die “gordischen Kommunikationsknoten” dauerhaft aufzulösen. Nach den Sitzungen diskutieren sie eifrig weiter, sie fĂĽhren aufgegebene “HausĂĽbungen” oder zu versuchende Experimente mit Neugier und Engagement aus und Aufzeichnungen werden gemacht. Besonders begeistern mich Paare, bei denen sich ein GrundgefĂĽhl einer “tiefen Bande” vermittelt – einer Art Agreement zwischen beiden, dass sie es – egal wie schwierig es auch sein mag – schaffen wollen, miteinander eine Lösung zu finden. Das gemeinsame Ziel ist derart klar, daĂź es dadurch schon von vornherein unpassend wäre, den Partner/die Partnerin als in irgendeiner Weise “feindlich gesinnt” hinzustellen. Statt dessen hören beide einander genau zu und versuchen, den anderen trotz aller Schwierigkeiten positiv wahrzunehmen. In GlĂĽckszeiten zu lieben ist leicht – auch in der Krise ein offenes Herz fĂĽreinander zu behalten, dagegen eine der wohl größten Herausforderungen menschlicher Beziehungen.
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Zum Weiterlesen:
Leitfaden Paartherapie
Regeln zum Scheitern einer Paartherapie
Literatur zum Weiterlesen

10.07.20