Nov 08

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Testosteron gilt als das M√§nnlichkeitshormon schlechthin – es steht f√ľr Aggression und Imponiergehabe, sorgt f√ľr die Ausbildung der Geschlechtsmerkmale, f√∂rdert die Libido und steigert den Muskelaufbau. Ihm wird nachgesagt, dass es aggressiv macht sowie riskantes Verhalten und Imponiergehabe steigert. Doch nicht nur verf√ľgen auch Frauen √ľber dieses Geschlechtshormon (wenn auch in viel geringerem Ma√ü), sondern nun deutet eine aktuelle Studie auch noch darauf hin, dass das Geschlechtshormon auch das Sozialverhalten f√∂rdert.

Wissenschaftler von der Universit√§t Bonn konnten zusammen mit Kollegen der Maastricht University n√§mlich zeigen, dass das Geschlechtshormon auch soziales Verhalten f√∂rdert. In Spielsituationen erwies sich, dass Probanden nach Gabe von Testosteron deutlich seltener logen als Personen die nur ein Placebo erhielten. “Der Nachteil vieler Studien ist jedoch, dass sie lediglich den Testosteronspiegel der Probanden mit deren Verhalten vergleichen”, schildert Erstautor M. Wibral. Dieser Ansatz gebe aber lediglich statistische Zusammenh√§nge wieder und erlaube keine Einblicke in die Ursachen des Verhaltens. “Denn das Testosteron beeinflusst nicht nur das Verhalten, sondern das Verhalten umgekehrt auch den Hormonspiegel.” Die Wissenschaftler des CENS suchten deshalb nach einem experimentellen Ansatz, der auch R√ľckschl√ľsse auf Ursache und Wirkung erlaubt.

Die Forscher gewannen insgesamt 91 gesunde M√§nner f√ľr ein Verhaltensexperiment. Von diesen Probanden wurden 46 mit Testosteron behandelt, indem das Hormon als Gel auf die Haut aufgetragen wurde. Endokrinologen des Bonner Universit√§tsklinikums √ľberpr√ľften am Tag danach, ob bei ihnen der Testosteronspiegel im Blut tats√§chlich h√∂her war als in der Placebogruppe. Die anderen 45 Testpersonen bekamen lediglich ein Placebo-Gel. “Weder die Probanden selbst, noch die durchf√ľhrenden Wissenschaftler wussten, wer Testosteron bekommen hat und wer nicht”, berichtet Wibral. Damit sollten m√∂gliche Einfl√ľsse auf das Verhalten ausgeschlossen werden.

Dann folgten die Verhaltensexperimente: Die Testpersonen f√ľhrten ein einfaches W√ľrfelspiel in separaten Kabinen durch. Je h√∂her die gew√ľrfelte Augenzahl, desto gr√∂√üer war der Geldbetrag, den es als Belohnung gab. “Diese Versuche waren so konzipiert, dass die Probanden l√ľgen konnten”, berichtet Weber. “Niemand bekam in den abgeschirmten Kabinen mit, ob sie tats√§chlich die gew√ľrfelte Zahl in den Computer eingaben – oder eine h√∂here, um mehr Geld zu bekommen.” Allerdings konnten die Wissenschaftler im Nachhinein feststellen, ob die verschiedenen Testpersonengruppen geschummelt hatten oder nicht. “Statistisch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit f√ľr alle W√ľrfelzahlen von eins bis sechs gleich hoch”, erl√§utert der Neurowissenschaftler. “Wenn also bei diesen Zahlen ein Ausrei√üer nach oben vorkommt, ist dies ein klares Indiz, dass Probanden gelogen haben.”

Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Testosterongruppe mit der Kontrollgruppe. “Dabei zeigte sich, dass die Probanden mit den h√∂heren Testosteronwerten deutlich seltener logen als die unbehandelten Testpersonen”, berichten die Direktoren des CENS. “Dieses Ergebnis widerspricht klar dem sehr verk√ľrzten und eindimensionalen Ansatz, dass Testosteron zu antisozialem Verhalten f√ľhrt.” Das Hormon steigere wahrscheinlich den Stolz und das Bed√ľrfnis, ein positives Selbstbild zu entwickeln. “Vor diesem Hintergrund reichten offenbar ein paar Euro als Anreiz nicht aus, das Selbstwertgef√ľhl aufs Spiel zu setzen”, vermutet Falk.

Das Ph√§nomen zu l√ľgen ist mit gro√üen Tabus behaftet. So verbietet etwa das achte Gebot im Christentum, “falsch Zeugnis” zu reden. “L√ľgen spielen jedoch auf gesch√§ftlicher als auch privater Ebene eine wichtige Rolle”, sagt Falk. H√§ufig werde nicht nur aus Eigennutz gelogen, sondern auch, um einen anderen Menschen zu sch√ľtzen oder zu beg√ľnstigen. In vielen Studien sei dieses Verhalten und seine √∂konomischen Auswirkungen untersucht worden. “Es gibt allerdings nur sehr wenige Untersuchungen zu den biologischen Ursachen der L√ľge”, sagt der √Ėkonom der Universit√§t Bonn. “Hier sind wir nun mit unserer Studie einen gro√üen Schritt vorangekommen.”

(Quellen und Textausz√ľge: C. Eisenegger, M. Naef, R. Snozzi, M. Heinrichs, E. Fehr: Prejudice and truth about the effect of testosterone on human bargaining behaviour. In: Nature. 463, 2010, S. 356-359; Der Standard v. 11.10.2012; “Testosterone administration reduces lying in men” in: “PLoS ONE”, DOI: 'Noch keine Kommentare » | Link zum Artikel

Abgelegt unter: Psy-Pressespiegel von r.l.fellner
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Nov 05

Sexuelle Lustlosigkeit belasted zumeist beide Beziehungspartner stark. (photo source: doesitreallywork.org)

“Sind Sexualprobleme bei Frauen eher psychischer oder k√∂rperlicher Natur? Welche Faktoren spielen da mit?”

Man ist in diesem Bereich auf Sch√§tzungen angewiesen, da zu diesem Thema sehr unterschiedliche Studien existieren. Manche Studien behaupten bis zu 80% k√∂rperliche (i.d.R. stoffwechselbedingte / hormonelle) Ursachen, andere vermuten mehr als 70% psychische Gr√ľnde f√ľr sexuelle Lustlosigkeit bei Frauen. Das Problem f√ľr die Betroffenen: sie k√∂nnen sich gewissermassen “aussuchen”, welchen Theorien sie Glauben schenken und sind am Ende so schlau wie zuvor… Seri√∂se √Ąrzte oder Therapeuten werden deshalb – letztlich auch, beide Ans√§tze respektierend – beide Erkl√§rungsmodelle pr√ľfen.

Besonders im Fall lang anhaltender und emotional unerkl√§rlicher sexueller Lustlosigkeit ist somit zun√§chst eine √§rztliche Abkl√§rung empfehlenswert, um k√∂rperliche Ursachen wie etwa St√∂rungen des Hormonspiegels, Stoffwechselerkrankungen u.dgl. auszuschliessen. Werden dabei keine eindeutigen Hinweise gefunden, d√ľrften zumindest psychische Mit-Ursachen vorliegen – von denen aber gibt es viele, die in Frage kommen. Bei Frauen unterscheiden sich diese meinen Erfahrungen in der Sexualberatung zufolge √ľbrigens bemerkenswerterweise gar nicht so sehr von jenen, die auch bei M√§nnern zu sexuellen Problemen f√ľhren k√∂nnen: etwa Probleme in der Partnerschaft, sexueller¬†Leistungsdruck oder Depression, um nur einige davon zu nennen.

“Was gibt es f√ľr Therapiem√∂glichkeiten – psychologisch und medikament√∂s?”

Wenn eindeutige physiologische Ursachen gefunden werden, ist eine medikament√∂se Therapie sinnvoll, etwa die Einnahme von Testosteron bei hormonell bedingtem Libidoverlust. Viele Frauen sind zun√§chst √ľberrascht, wenn sie dies h√∂ren, da Testosteron bekanntlich doch ein “m√§nnliches” Sexualhormon ist. Tats√§chlich aber wird es auch in den weiblichen Eierst√∂cken produziert, wenn auch in weitaus geringeren Mengen als es in den m√§nnlichen Sexualorganen geschieht. Testosteron ist damit sozusagen ein “gender-neutrales” Hormon ūüėČ , das bei beiden Geschlechtern eine wichtige Rolle f√ľr den Sexualtrieb und sexuelle Lust, aber auch wie bei den M√§nnern f√ľr Knochendichte und Muskelbildung spielt. Wichtig ist es mir allerdings, darauf hinzuweisen, dass k√ľnstliche Testosteron-Gaben speziell in h√∂herem Alter indiziert sind, also dann, wenn die k√∂rpereigene Testosteron-Produktion abnimmt. Bis zu den weiblichen Wechseljahren sollten Testosteron-Behandlungen nur in Ausnahmef√§llen erfolgen – denn speziell bei Frauen sind die Langzeitfolgen solcher Gaben noch nicht gut erforscht, bei M√§nnern haben sie sich als risikoreich (etwa durch ein deutlich gesteigertes Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken) erwiesen.

Die “Falle”, aber auch die Chance liegt in der Ber√ľcksichtigung der psychischen Komponenten, die ihrerseits ebenfalls die Produktion der Sexualhormone beeinflussen: diese Produktion l√§√üt nach, wenn es uns schlecht geht, und sie nimmt zu, wenn wir gl√ľcklich sind und Lust auf unseren Partner haben. Es gibt eine enge Wechselwirkung zwischen unserem Hormonhaushalt, unserem psychischen Wohlbefinden und der sexuellen Lust. So w√ľrde ich Betroffenen, die an sexueller Lustlosigkeit leiden, als ersten Schritt “daheim” empfehlen, sich zu fragen, ob sie in ihrer Partnerschaft gl√ľcklich sind und aktuell einen entspannten Zugang zur Sexualit√§t haben.
Wenn dies nicht der Fall ist oder auch keine klaren k√∂rperlichen Ursachen identifiziert werden k√∂nnen, w√§re es im Sinne sexueller Zufriedenheit empfehlenswert, sexualtherapeutische Beratung einzuholen. H√§ufig gelingt es meiner Erfahrung nach recht rasch, zumindest den Ursachen der “gebremsten Lust” auf die Spur zu kommen. Wie diese dann zu aufzul√∂sen sind, ist nat√ľrlich von Person zu Person (und mitunter von Paar zu Paar) sehr unterschiedlich.

(Interview mit A. Iiosa / “Die Presse”, Nov 2012)

Mar 14

("Old Love" by PrincessMemi @ Deviantart)

Der Fr√ľhling naht: alles beginnt wieder zu bl√ľhen, und auch viele von uns merken, wie die “Lebenss√§fte” wieder verst√§rkt zu flie√üen beginnen. Der Fr√ľhling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den √§lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema “Liebe” erledigt oder handelt es sich vielleicht mehr um ein gesellschaftliches Tabu, sich ein ernsthaftes “Verlieben” oder gar sexuelle Beziehungen bei √§lteren Menschen gar nicht mehr zu erwarten oder abzuwerten?

Der Wiener Psychotherapeut und Paartherapeut Richard L. Fellner f√ľhrte zu diesem Thema ein Gespr√§ch mit einem Redakteur der Zeitschrift “Ges√ľnder Leben“.

GL: “Sind Schmetterlinge im Bauch unabh√§ngig vom Alter?”

rlf: “Zum Verlieben ist man nie zu alt! Und w√§re es nicht auch traurig, wenn ab einem bestimmten Alter niemand mehr die Chance h√§tte, bei uns auch nur das geringste Kribbelgef√ľhl in der Brust zu erzeugen..?

GL: “Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?”

rlf: “Diese Frage lie√üe ich lieber “Julia” oder “Romeo” beantworten! ūüėČ

Aus paartherapeutischer Sicht gibt es daf√ľr kein Universalrezept. Vielmehr wissen wir heute, dass das Gef√ľhl von “Liebe” sowohl historisch als auch kulturell immer schon sehr grossen Wandlungen unterworfen war und bis heute ist. Unser “ideales Liebes-Modell” von heute wird also vermutlich nicht auch das von morgen sein, und in unterschiedlichen Kulturen werden von Partnern mitunter h√∂chst unterschiedlichste Qualit√§ten erwartet. Was aber die meisten “Liebes-Ideen” vereint, ist a) die Bedeutung der Kompatibilit√§t (Vereinbarkeit) der jeweiligen Bed√ľrfnisse und Erwartungen der Partner, dass b) diese Bed√ľrfnisse und Erwartungen von beiden kommuniziert werden k√∂nnen und – das ist ebenfalls ganz wesentlich – c) dass diese in ihrer Umwelt lebbar sind.
Selbst in unserer vordergr√ľndig toleranten Gesellschaft gibt es ja ganz bestimmte Kriterien, an denen die “Qualit√§t” von Beziehungen gemessen wird, und mitunter kann es dazu kommen, dass Partnerschaften letztendlich vor allem daran zerbrechen, weil sie von Freunden und Bekannten nicht respektiert werden. Und schon wieder k√∂nnten “Romeo & Julia” mitdiskutieren ‚Ķ”

GL: “In wieweit erlebt man eine Beziehung als 20j√§hriger anders als als 50/60j√§hriger?”

rlf: “J√ľngere Menschen werfen sich meist mit ihrer gesamten Pers√∂nlichkeit in ihre Partnerschaften. Eine Beziehungskrise wird dann rasch auch zu einer regelrechten Lebenskrise. √Ąltere Menschen dagegen verf√ľgen bereits √ľber mehr Beziehungserfahrung, sind zudem meist in der Lage, auftretende Probleme in einem gr√∂√üeren und damit auch gelasseneren Kontext zu sehen.
Es kann ihnen dadurch allerdings auch schwerer fallen, zu vertrauen, oder den “Schmetterlingen im Bauch” Flugfreiheit zu geben.

GL: “Stimmt es, dass Verliebt-Sein und Liebe nicht dasselbe ist?”

rlf: “Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei schlicht um unterschiedliche hormonelle Stadien. Am Beginn einer Beziehung gibt es hormonelle “peaks”, intensivste Gl√ľcksgef√ľhle, der Partner wird dann h√§ufig idealisiert gesehen. Von “Liebe” w√ľrde ich dagegen insbesondere dann sprechen, wenn bei einer Beziehung eine gewisse “Selbstlosigkeit” der Partner zu beobachten ist, und “Partnerschaft” nicht nur der Arbeitstitel ist, sondern echten Teamgeist und Kooperation ausdr√ľckt.
Wenn man sich also auch mal selbst hintanstellt und bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sogar eigene Bed√ľrfnisse eine gewisse Zeit lang im Interesse des Partners unterzuordnen, das ist Liebe: ein langfristiges Fundament, bei dem einer f√ľr den anderen sorgt und f√ľr ihn da ist. Wo versucht wird, mit Krisen umzugehen und diese aufzul√∂sen, statt gleich das Weite zu suchen, “weil mir das nicht mehr gut tut“.

Das letztere Modell entspricht eher einer konsumorientierten Sicht von Beziehung, in der man sich bedient und genie√üt – aber weiterzieht, wenn der Genuss auszubleiben droht oder sich gar in ein Unwohlgef√ľhl verkehrt. Damit, also eigentlich mit dem heute bei uns im Westen dominierenden Beziehungsmodell verglichen, sind etwa die traditionellen (bei uns aber h√§ufig abgewerteten) afrikanischen oder asiatischen Beziehungsmodelle, in denen es mehr um Versorgung und Stabilit√§t geht, aber die Partnerschaften deutlich weniger mit emotionalen Bed√ľrfnissen aller Art aufgeladen sind, deutlich tragf√§higer und krisenresistenter. Meine T√§tigkeit in Asien und mit bikulturellen Paaren war in dieser Hinsicht sehr lehrreich und denk-erweiternd f√ľr mich.

GL: “Was sind die h√§ufigsten Fehler, die junge, aber auch √§ltere Paare machen?”

rlf: “1) Kommunizieren Sie! Wenn Probleme und Unannehmlichkeiten im Beziehungsleben st√§ndig nur verdr√§ngt werden, ist ein “dickes Ende” meist unausweichlich. Es ist¬† wichtig, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin weiss, woran er/sie mit Ihnen ist, was Sie brauchen, um sich wohlzuf√ľhlen, und was Sie st√∂rt.

2) Lassen Sie es auch mal gut sein! Wer glaubt, alles ausdiskutieren zu m√ľssen, oder irgendwann den Partner endlich so zurechtformen zu k√∂nnen, dass er f√ľr einen keine Ecken und Kanten mehr hat, f√ľr den wird die Beziehung nicht nur zu einer Art “Zweitjob”, sondern fr√ľher oder sp√§ter geht wohl auch die Freude an ihr – oder am Partner – verloren.

3) Sch√ľtzen Sie Ihre Partnerschaft vor anderen! Jeder darf die “ideale Beziehung” f√ľr sich selbst definieren, doch fordern Sie diesen Respekt durchaus auch f√ľr Ihre eigene Partnerschaft ein. Diese muss in erster Linie n√§mlich nicht den Anspr√ľchen der anderen gen√ľgen, sondern vor allem Ihren eigenen und jenen Ihres Partners/Ihrer Partnerin.

(Das Interview erschien in der Ausgabe 04/2012 der Zeitschrift)

May 03

Arzneimittel √ľber das Internet zu bestellen, ist heute einfach, und selbst die meisten Apotheken verkaufen in Asien ohne jegliche R√ľckfrage Medikamente, die im Westen verschreibungspflichtig w√§ren. Besonders beliebt in den Online-Katalogen: Amphetamine, Potenzmittel und Antidepressiva. Doch die “Selbstmedikation” ist gef√§hrlich: speziell von Amphetaminen wie Ritalin (Methylphenidat), die leistungssteigernd und konzentrationsf√∂rdernd wirken, werden unter dem steigenden Druck der Leistungsgesellschaft immer mehr Menschen abh√§ngig und m√ľssen sich Monate oder Jahre sp√§ter an spezialisierte Kliniken oder Psychotherapeuten wenden. Einer Studie amerikanischer Kinder√§rzte zufolge stieg in den letzten acht Jahren die Anzahl der “dopenden” Studierenden um 75 Prozent an. H√§ufig werden die Medikamente zudem falsch eingesetzt, da die Ursache etwa der Konzentrationsst√∂rungen oder Erektionsprobleme ganz woanders liegen als dort, wo das Medikament ansetzt. Erektile Dysfunktion etwa hat bei M√§nnern unter 55 Jahren zumeist rein psychische Ursachen. Durch Gew√∂hnungseffekte kommt es dann bei der gewohnheitsm√§√üigen Einnahme schlie√ülich h√§ufig zu √úberdosierungen und einer erh√∂hten Anf√§lligkeit f√ľr krankmachende Nebeneffekte. Irgendwann behandeln die Nutzer nur noch das Entzugssyndrom (bei Potenzmitteln ist das h√§ufig die Unsicherheit, Sex ohne das Medikament auszu√ľben) – sie versp√ľren keine deutliche Wirkung mehr, k√∂nnen das Medikament aber auch nicht absetzen und geraten damit in einen Teufelskreis. Erschwerend kommt die oftmalige Mehrfachabh√§ngigkeit dazu: etwa die Einnahme von Amphetaminen w√§hrend des Tags, und dann am Abend die Einnahme von Alkohol und/oder Tranquilizern bzw. Schlafmitteln.

Zeichen beginnender psychischer Abh√§ngigkeit von Arzneimitteln k√∂nnen Gef√ľhle von Unsicherheit oder Angst sein, wenn auf die Einnahme verzichtet wird, oder wenn im Laufe der Zeit die Dosis gesteigert wird, die Wirkung des Medikaments jedoch gleich bleibt oder sogar geringer wird oder ganz ausbleibt. Ebenso ein Alarmsignal ist, wenn dem Organismus ohne √§rztliche Diagnose und Verschreibung im Laufe der Jahre immer mehr Substanzen zugef√ľhrt werden (hierzu geh√∂ren auch Nahrungssubstitutionsmittel, Injektionen mit Hormonen, Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Nasentropfen usw.). Zumeist wird Medikamentenabh√§ngigkeit erst sehr sp√§t eingestanden, wenn bereits Erkrankungen der Organe vorliegen oder Unf√§lle (z.B. durch Konzentrationsmangel) auftreten. F√ľr den psychischen Entzug ist eine Kombination von Psychotherapie und Selbsthilfegruppen sehr effektiv, immer ist aber eine √§rztliche Abkl√§rung auf etwaige k√∂rperliche Sch√§den dringend anzuraten.

In √Ėsterreich sind nach Angaben des API-Instituts ca. 350.000 Menschen alkoholkrank, ca. 130.000 sind von Medikamenten, knapp 30.000 von illegalen Drogen abh√§ngig.
In den USA wird einer Untersuchung der University Michigan von 2010 zufolge bei fast einer Million Kindern f√§lschlicherweise das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivit√§tsyndroms (ADHS) diagnostiziert. Davon betroffen sind vor allem die j√ľngeren Kinder einer Jahrgangsstufe in Kindergarten oder Schule.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:vth.biz)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen Рauf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste m√§nnliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle K√∂rperzellen und ist nicht nur f√ľr die Geschlechtsentwicklung zust√§ndig, sondern auch f√ľr den bei M√§nnern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es f√ľr die Produktion der roten Blutk√∂rperchen, welche den K√∂rper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron f√§llt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, f√ľr seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch l√§sst die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen M√§nnern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalit√§t.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erh√∂htes Gewicht und K√∂rperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitged√§chtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder st√§rkere M√ľdigkeit als fr√ľher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimit√§t und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gef√ľhl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger h√§ufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgef√ľhl
  • Hitzewallungen und Nachtschwei√ü
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach k√∂rperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen betr√§chtliche Auffassungsunterschiede dar√ľber,¬† welche der genannten Symptome tats√§chlich auf eine sog. “m√§nnliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zur√ľckzuf√ľhren sind. F√ľr jedes der Symptome k√∂nnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tats√§chlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert w√ľrde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schu√ü ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen √Ąrzten und Kliniken werden heute M√§nnern ohne viel Z√∂gern Ersatztherapien zur Erh√∂hung des Testosteron-Spiegels angeboten – h√§ufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zur√ľckzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich pr√§ventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt f√ľr Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegen√ľber gut “argumentieren” l√§√üt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie n√ľtzt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zuf√§llig, dass viele M√§nner, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchf√ľhren zu lassen (oder diesbez√ľglich gar Selbstmedikation betreiben), h√§ufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer k√ľnstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsf√§higkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bew√§hrte Gesundheitstipps f√ľr M√§nner, welche – im Unterschied zu k√ľnstlichen Zuf√ľhrung von Testosteron – zuverl√§ssig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin f√ľr einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen M√§nner zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ern√§hrung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gem√ľse; fettarm: fettige, √∂lige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate k√∂nnen zu √úbergewicht f√ľhren, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erh√∂hen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein f√ľr die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Fr√ľchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granat√§pfel, Zitrusfr√ľchte, Mangosteen, Datteln, Kokosn√ľsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und S√ľ√üigkeiten aller Art sind m√∂glichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • √Ėstrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getr√§nke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel m√∂glichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • gen√ľgend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird w√§hrend der REM-Phasen produziert, insofern sollten gen√ľgend davon stattfinden k√∂nnen.
  • Achten Sie auf eine gesunde und m√∂glichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterst√ľtzung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn M√§nner dagegen (wom√∂glich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Dr√ľsen signifikant weniger m√§nnliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise √ľbersch√ľssiges √Ėstrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol besch√§ftigt, kann sie das nicht.
  • nat√ľrliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteron√§hnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Spr√ľnge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und K√ľrbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronaussch√ľttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbez√ľglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Vertr√§glichkeit – knapp √ľber seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Aussch√ľttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Sucht√§hnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel √ľber einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf nat√ľrliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei M√§nnern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinsch√§tzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fach√§rztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

Aug 12

Die Existenz sozialer Netzwerke entscheidet, wie wohl sich Schwangere f√ľhlen, wie Forscher der University of Michigan k√ľrzlich in der Zeitschrift “Journal of Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology” aufzeigten. Sie begleiteten 300 schwangere Frauen w√§hrend ihrer Schwangerschaft und untersuchten, was f√ľr ihr psychisches Wohlbefinden den Ausschlag gab.
Status, ethnische Zugeh√∂rigkeit und Reichtum sind demnach nicht wirklich die wichtigsten Faktoren. Auch einem Teil der benachteiligten Frauen ging es blendend – bei genauem Hinsehen allerdings zeigte sich, dass diese besonders aktive soziale Kontakte hatten. “Eingebundensein in ein enges soziales Netz ist wichtiger f√ľr das Wohlbefinden von Schwangeren als Ethnizit√§t oder Status”, fasst die Psychologin und Studienleiterin C. Abdou zusammen.

Die Frage, warum Menschen trotz widriger √∂konomischer, sozialer oder genetischer Umst√§nde gesund sind, wird in der Medizin immer wichtiger. Sie wird Salutogenese oder Resilenzforschung genannt. “Drei F√§higkeiten sind daf√ľr zentral”, berichtet Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbands e.V. “Menschen sind eher gesund, wenn sie sich selbst als Handelnde statt als Opfer erkennen. Zweitens ist es wichtig, das Geschehene intellektuell und emotional zu verstehen und richtig einzuordnen. Schlie√ülich hilft es zu wissen, dass es auch einen Sinn hat”, so die Expertin.

Die Schwangerschaft ist eine psychische Ausnahmesituation. Der K√∂rper ist im Umbruch und die Hormone ver√§ndern die Emotionen und auch die Begegnung mit anderen. Zudem w√§chst Leben im Bauch der Schwangeren heran. Das verunsichert, √§ngstigt und erfordert Austausch und besondere Betreuung. Diese boten fr√ľher automatisch die in der N√§he verf√ľgbare Mutter, Schwiegermutter, Freundinnen oder Nachbarn. Heute jedoch ziehen Frauen oft weit weg von zuhause. “Viel hat sich in Internet-Foren verlagert. Es braucht jedoch emotionale, k√∂rperliche und direkte Hilfe. Diese wurde professionalisiert – in Form der Hebammen.”

Nicht eindeutig gekl√§rt ist weiter, warum es manchen Schwangeren k√∂rperlich gut geht, anderen jedoch nicht. Wolber betont allerdings auch hier den Zusammenhang zur Psyche. “Kann eine Frau ihren Seelenschmerz nicht mit Worten ausdr√ľcken, so spricht der K√∂rper.” Das sei heute immer schwieriger. “Erstgeb√§rende sind heute 30 Jahre alt, haben schon gelernt ihr Leben zu managen und sich der [..] Arbeitswelt anzupassen. Diese sieht zwar, dass die Schwangerschaft keine Krankheit ist. Doch sie duldet sie aber auch nicht als Ausnahmesituation, in der Frauen eine Auszeit w√ľnschen.” K√∂rperliche Symptome und Krankenstand seien somit f√ľr viele ein notwendiger Fluchtweg in dieser Zerrissenheit.

(Quelle: Der Standard, 08/2010; Image source:ladycarehealth.com)

May 18

Eine gro√üangelegte Studie (n=1000) des Institutes f√ľr Frauengesundheit Baden W√ľrttemberg zur H√§ufigkeit sexueller Funktionsst√∂rungen bei Frauen sowie m√∂glichen Wegen, diese zu beeinflussen, wurde k√ľrzlich in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Sexual Medicine ver√∂ffentlicht.

Ziel dieser Studie war es, a) die H√§ufigkeit und b) die unterschiedlichen Formen von St√∂rungen der weiblichen Sexualfunktion zu erforschen. Ebenfalls untersucht wurde der Zusammenhang von Funktionsst√∂rungen und hormoneller Verh√ľtung mit der “Pille”, genauer mit unterschiedlichen Formen einer hormonalen Empf√§ngnisverh√ľtung. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde gezielt nach der sexuellen Aktivit√§t und m√∂glichen Einflussfaktoren gefragt. Bez√ľglich einer eventuell durchgef√ľhrten Kontrazeption wurden die Auswirkungen verschiedener Verh√ľtungsmethoden auf die Sexualfunktion wie auch unterschiedliche hormonale Kontrazeptiva vergleichend ber√ľcksichtigt.

Die Auswertung zeigt, dass von den teilnehmenden Frauen 32,4 % ein Risiko f√ľr sexuelle Dysfunktion aufweisen, und zwar in den Bereichen Orgasmus (8,7 %), Libido (5,8 %), Befriedigung (2,6 %), Lubrikation (1,2 %), Schmerzen (1,1 %) und sexuelle Erregung (1,0 %). Signifikante Auswirkungen auf die Gesamtauswertung hatten die Faktoren Verh√ľtungsmethode und Rauchen, wobei die hormonelle Verh√ľtung mit geringerer Libido und Erregung assoziiert war als die Nicht-Verh√ľtung und die ausschlie√ülich nichthormonale Kontrazeption. Weitere Variablen wie Stressbelastung, Schwangerschaft, Partnerbeziehung und Kinderwunsch hatten ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Sexualfunktion.

Die Autoren weisen darauf hin, daß die Studie primär Assoziationen, nicht aber Kausalität einzelner Sexualstörungen nachweisen kann.

(Quelle: Wallwiener CW, Wallwiener LM, Seeger H, Mueck AO, Bitzer J, and Wallwiener M; Prevalence of Sexual Dysfunction and Impact of Contraception in Female German Medical Students ; doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01742.x)

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselst√∂rungen bei M√§nnern zu einem fr√ľheren Tod f√ľhren.

Wissenschafter des Instituts f√ľr Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der Universit√§t Greifswald sowie der Universit√§t Erlangen-N√ľrnberg konnten k√ľrzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten M√§nnern verstarben jene signifikant h√§ufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration h√§ufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselst√∂rungen und einer Leberverfettung verkn√ľpft sind. Niedrige Testosteronspiegel f√ľhren zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erh√∂hten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel f√ľr die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselst√∂rungen sind bei M√§nnern zu einem fr√ľhen Tod verkn√ľpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes m√§nnliches Sexualhormon f√ľr viele k√∂rperliche und psychische Vorg√§nge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten M√§nner √ľber dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverst√§ndlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren √ľberzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” ver√∂ffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, Gyn√§kologen und Psychiatern geplant.

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(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20‚Äď79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

ÔĽŅ01.07.20