Sep 06

Nun befasste sich mein letzter Blog-Artikel mit Fragen der “Gleichberechtigung” zwischen M√§nnern und Frauen, diesmal scheint es ein kritischer Artikel zur Gender-Forschung zu werden: sp√§testens jetzt werden sich die ersten kritischen Leser/innen fragen: ist der Fellner etwa ein Frauenfeind?

Weit gefehlt, ganz ehrlich!

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Und doch war mir die Gender-Forschung immer schon einigerma√üen suspekt: die meisten Argumente heutiger Feministinnen fand ich zumeist weder besonders fundiert, noch deckten sie sich mit meiner eigenen Erfahrungswelt. Doch der Konstruktivist in mir ist ein duldsamer Gesell und kann gut mit der Idee leben, dass meine eigene Erfahrungswelt ja auch keinen Beweis daf√ľr darstellen muss, dass die Theorien der Gender-Forscherinnen und Feministinnen unberechtigt seien – oder nicht zumindest f√ľr bestimmte Gesellschaftsgruppen relevant w√§ren. Zudem gibt es speziell in den von Frauen dominierten Sozialwissenschaften etwas, das man sich als Mann so gar nicht leisten kann: das Grundaxiom der Geschlechter”gleichheit” (h√§ufig auch jenes eines immer noch existierenden Chancenungleichgewichts zu Ungunsten westlicher Frauen) in Frage zu stellen.

Nun ist einer, der es sich offenbar leisten kann, n√§mlich der norwegische Komiker (!) aber auch Soziologe Harald Eia, einer dieser merkw√ľrdigen Unstimmigkeiten, die sich wie rote F√§den durch die speziell in den westlichen OECD-Staaten bereits langj√§hrig sogar aus Steuergeldern gef√∂rderten Gender-Studien ziehen, mal ganz genau nachgegangen: n√§mlich der, dass in einem Land wie Norwegen – dem sogar die UN zuschreibt, seit Jahren weltweit zu den Vorzeigestaaten hinsichtlich des “Gender-Gap” zu geh√∂ren (also nahezu identische berufliche und bildungsm√§√üige Startpositionen f√ľr Frauen und M√§nner zu erm√∂glichen) – auch heute noch anteilsm√§√üig nahezu gleich viele Frauen klassische Frauenberufe ergreifen, und M√§nner in klassischen M√§nnerberufen zu finden sind … obwohl doch nach all den f√ľr Gleichstellungs- und F√∂rderungsma√ünahmen investierten Milliarden eigentlich das exakte Gegenteil oder doch zumindest kleine “positive” (= mehr Bauarbeiterinnen, M√ľllentsorgerinnen, aber nat√ľrlich auch Ingenieurinnen) Ver√§nderungen zu erwarten sein sollten?

Das Beklemmende ist vielmehr, dass offenbar sogar ein gegenteiliger Effekt auszumachen ist: der Anteil an Ingenieurinnen und Computerfachfrauen ist in den westlichen, “gender-bewu√üten” Industriestaaten anteilsm√§√üig sogar geringer als in den meisten anderen. Wie das m√∂glich ist, soll Ihnen jedoch am besten Herr Eia selbst erkl√§ren – seine aus einer mehrteiligen Serie zusammengefasste Kurzdoku (38 Minuten, norwegischer OT mit englischen Untertiteln) ist wirklich sehenswert und informiert Sie nebenbei √ľber einige interessante Details aus der aktuellen Humanforschung. Ihre Ausstrahlung im staatlichen TV im Jahre 2011 war √ľbrigens wesentlich an der Entstehung einer intensiven und kritischen √∂ffentlichen Diskussion in Norwegen beteiligt, deren vorl√§ufiger H√∂hepunkt eine Schlie√üung des “Nordic Gender Institutes” und die Beendigung der “Wissenschaft” der sog. “Gender Studies” darstellte. Die f√ľr Gender-Studies budgetierten Mittel von 56 Millionen Euro (!) wurden vom Parlament nicht bewilligt und konnten f√ľr andere gesellschaftliche Projekte eingesetzt werden.

Was mir pers√∂nlich bei der Kurz-Doku ein wenig kalte Schauer √ľber den R√ľcken laufen lie√ü, war die “Esoterik”-√§hnliche Argumentation der f√ľhrenden norwegischen Gender-“WissenschafterInnen” w√§hrend der Interviews, die beklemmend an die ideologische Einbunkerungs-Taktik so mancher Vertreter von Gro√üreligionen und Sekten erinnerte. Mit wissenschaftlicher Evidenz und professionell, z.T. weltweit durchgef√ľhrten Gro√üstudien konfrontiert, wurden mit leerem Blick ideologische Positionen schlicht weiter wiederholt.

Es mag gut sein, dass damit in der “Century of Declines” auch der Feminismus bzw. die Gender-“Wissenschaften” bereits ihren “peak point” (H√∂hepunkt) √ľberschritten haben. Wohlgemerkt : beide waren von enormer gesellschaftlicher Bedeutung, und niemand, der aus dieser Epoche etwas gelernt hat, wird ausser Frage stellen, wie wichtig die Befreiung der Frau aus ihrem einstmals engen sozialen und famili√§ren Korsett war, oder welche Verantwortung wir als Eltern tragen, wenn es darum geht, unseren Kindern (oder als Verantwortungstr√§ger in Firmen: den Mitarbeiter/Innen) gleiche Entwicklungs- und berufliche Chancen zu erm√∂glichen. Ebenso scheint weitere Forschung in der Medizin und Psychologie nicht nur als sinnvoll, sondern im Sinne einer Steigerung der Behandlungseffizienz auch notwendig zu sein.
Hinterfragen könnten wir allerdings die Sinnhaftigkeit und Berechtigung etwa von Pflichtquoten oder die neuerliche Bevorteiligung eines biologischen Geschlechts, diesmal ganz gezielt und aus rein ideologischen Motiven.
Irgendwann sind im Verlauf gesellschaftlicher Befreiungsbewegungen wichtige Entwicklungsschritte getan, Lektionen gelernt, legislative √Ąnderungen vollzogen – “gesunde” Staaten sollten dann daraus die Konsequenzen ziehen, so manches faktisch obsolet gewordene Institut zusperren und die freiwerdenden finanziellen Mittel anderen wichtigen sozialen Projekten zuflie√üen lassen. Und von denen gibt es ja gerade in Zeiten der europ√§ischen Depression immer mehr.

Ach ja, und der n√§chste Artikel ist, das kann ich schon jetzt versprechen, wieder einem ganz anderen Thema gewidmet. ūüėČ

Weiterf√ľhrende Links: https://en.wikipedia.org/wiki/Global_Gender_Gap_Report
Do Women Earn Less Than Men? (Video, Prof. Steven Horwitz)

ÔĽŅ01.09.19