Oct 28

Die Psychosomatik beruht auf der Idee, dass zwischen Körper und der Seele eine Verbindung existiert – dass das, was eine Person wahrnimmt und empfindet, ihren Körper beeinflussen kann. Heute anerkennt die Wissenschaft den Wert von Psychotherapie in der medizinischen Behandlung: in westlichen Kliniken stellt es daher ein Zeichen professioneller Behandlung dar, wenn Patienten, welche an schweren Erkrankungen wie Krebs, genetischen Krankheiten, Parkinson oder Herz- und Kreislauferkrankungen leiden, sowie vor und nach schweren Operationen ergänzend Psychotherapie angeboten wird. Therapeutische Beratung gehört nach vorherrschender Fachmeinung eigentlich auch zur seriösen Behandlung von Unfruchtbarkeit, psychosomatischen Erkrankungen, schweren chronischen Allergien oder anderen körperlichen Problemen, bei welchen psychische Faktoren eine Rolle spielen können.

Psychotherapie erhöht nachweislich die Verträglichkeit medizinischer Behandlung und reduziert Ängste, die häufig mit der Behandlung verbunden sind. Auch kann sie Depression vermeiden oder reduzieren sowie die Kooperation mit den behandelnden Ärzten verbessern. Beobachtungsstudien, welche den psychosozialen Status von Patienten untersuchten, die unter schweren Erkrankungen wie Krebs litten, zeigten sogar, dass Patienten mit geringer sozialer und emotionaler Unterstützung eine erhöhte Sterblichkeitsrate aufwiesen. Studien der US-Krebsforscherin S. Levy zeigten auf, dass Brustkrebspatientinnen mit Anpassungsschwierigkeiten und geringer Unterstützung der Umwelt auch eine geringere Killerzellen-Aktivität aufwiesen – diese jedoch hat unmittelbare Auswirkungen auf den Fortschritt der Erkrankung und ihr Wiederauftreten.

Auch wenn manche Studien keine signifikanten Unterschiede aufwiesen und noch viel Forschung über die Zusammenhänge zwischen Wohlbefinden und körperlicher Erholung nach Krankheiten erforderlich sind, lässt sich das Faktum nicht verleugnen, dass ergänzende Beratung oder Psychotherapie während der Behandlung und in der Regenerationsphase die Lebensqualität deutlich erhöhen und zu einem ausgeglicheneren Seelenzustand führen kann. Sie stellt somit ein grundlegendes Element ganzheitlicher Behandlung dar. Viel zu häufig entwickeln Patienten, die sich von schweren Operationen oder anderen Krankheitsfolgen erholen müssen, Depressionen oder Angsterkrankungen, und häufig genug liegt es an uns – guten Freunden oder Verwandten – sie beim Wiedererlangen ihres Wohlbefindens und ihrer Stärke zu unterstützen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:nationalnursingreview.com)

Mar 13

Anorexie und Bulimie sind in der Bevölkerung zwar stark verbreitet und schwere Erkrankungen, werden aber aus Scham und Angst vor Stigmatisierung auch heute noch von den Betroffenen lange Zeit verschwiegen.

Wie Johann Kinzl von der Klinischen Abteilung für Psychosomatische Medizin der Universitätsklinik für Psychiatrie der Medizinischen Universität Innsbruck am Freitag anlässlich des Ernährungskongresses in Wien referierte, suchen Betroffene meist viel zu spät – durchschnittlich erst nach fünf Jahren – professionelle Hilfe. “Selbst dann kommen die Patienten zumeist nicht aus eigenem Antrieb, sondern werden von ihren verzweifelten Eltern oder anderen Angehörigen in die Klinik geschleppt”, berichtet der Arzt. Nur ganz wenige von ihnen hätten eine “positive Motivation”, ihrer Krankheit zu begegnen, nämlich jene, die sich von ihr nicht weiter einschränken lassen wollen. “Meist verleugnen die Betroffenen ganz einfach ihr Problem – so lange, bis es manchmal zu spät ist”.

Hinsichtlich der zeitgerechten Diagnose sind Allgemeinmediziner, Internisten, Gynäkologen, Psychotherapeuten, Psychologen aber auch Schulärzte gleichermaßen gefragt. Das Bewußtsein bezüglich der Erkrankungen nehme zwar zu, nach wie vor sei jedoch manches verbesserungswürdig. “Es ist ganz einfach wichtig, dass jegliche Essstörung so früh wie möglich diagnostiziert wird, um mögliche negative körperliche und psychische Folgen zu verhindern”, so der Arzt. Genauso spielen Diätologen beim Aufspüren der Krankheit sowie bei der Therapie eine wichtige und unterstützende Rolle. Unterstützung ist im Regelfall zudem durch Psychotherapie notwendig, um das “Grundproblem” der Erkrankung aufzuspüren.

Die Liste der Folgen von Essstörungen ist lang und beunruhigend: Den Betroffenen ist ständig kalt (Untertemperatur), sie haben niedrigen Blutdruck oder Amenorrhoen (Ausbleiben der Menstruation) – im schlimmsten Fall kann dies zur Infertilität führen. Die Patienten haben zudem ein erhöhtes Risiko von Knochenabbau (Osteoporose), verbunden mit einer verstärkten Neigung zu Knochenbrüchen. Durch das ständige Erbrechen ist der Elektrolythaushalt gestört, die Speiseröhre erhält Risse und es kommt zu Zahnproblemen wie Karies. Genauso wird mit der Zeit die Hirnleistung immer schlechter. Betroffene fühlen sich zudem häufig antriebs- und freudlos, unterliegen Stimmungsschwankungen und Libidoverlust.

Weiterführende Links:

Artikel Essstörungen (Bulimie, Anorexie etc.)

Selbsttest auf Vorhandensein einer Essstörung

(Quelle: Der Standard 13.03.2010; Photo src:umkcwomenc.files.wordpress.com)

01.09.19