Nov 08

Eine einseitige ErnĂ€hrung vorwiegend aus industriell verarbeiteten und fettreichen Lebensmitteln erhöht das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Wer sich dagegen abwechslungsreich und ausgewogen ernĂ€hrt, kann sein Depressions-Risiko senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der jĂŒngsten Ausgabe der Fachzeitschrift “British Journal for Psychiatry” veröffentlicht wurde.

FĂŒr die Studie werteten die Forscher vom University College London die Daten von 3.500 Londoner Beamten mittleren Alters aus, von denen sich ein Teil vor allem mit gesĂŒĂŸten Desserts, fettreichen Milchprodukten, Frittiertem und verarbeitetem Fleisch ernĂ€hrte, der andere Teil ausgewogene Nahrung mit viel frischem GemĂŒse, Obst und Fisch zu sich nahm.

Bei den Liebhabern der schnellen KĂŒche lag das Risiko, an Depression zu erkranken, demnach um 58 Prozent höher, bei den Freunden einer ausgewogenen ErnĂ€hrung sank das Risiko hingegen um 26 Prozent.

(Quellen: Der Standard 02.11.09, The British Journal of Psychiatry (2009) 195: 408-413. doi: 10.1192/bjp.bp.108.058925: “Dietary pattern and depressive symptoms in middle age“. Bild:geko-frucht.de)

Nov 07

Cannabis AbhĂ€ngigkeitDer Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gefĂ€hrlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD gehören in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. FĂŒr den Handel ist die Höchststrafe lebenslĂ€nglich GefĂ€ngnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefĂ€hrliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden wĂŒrden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “kĂŒnstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgelöst wird, und auch sonst schĂ€dliche Folgen eher gering sind, plĂ€diert er fĂŒr die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher hĂ€tten ein 2,6 Mal so großes Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber mĂŒsse man etwa im VerhĂ€ltnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal grĂ¶ĂŸeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man mĂŒsse alle Drogen nach ihrer GefĂ€hrlichkeit einstufen. Dann kĂ€me Alkohol an fĂŒnfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und mĂŒsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak kĂ€me an neunter Stelle – auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man mĂŒsse offen darĂŒber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, sĂŒchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, WĂŒrstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enthĂ€lt – körperlich abhĂ€ngig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ernĂ€hrt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschrĂ€nkte Mengen an Junk Food, also an fetten, sĂŒĂŸen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen ließ sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verwöhnten Ratten immer mehr Stimulation benötigten, um die Lust zu verspĂŒren, die Ratten mit gesĂŒnderer ErnĂ€hrung hatten. Die verwöhnten Ratten aßen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fraßen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute). Photos: zamnesia, dreamtime

ï»ż01.09.19