Mar 13

Anorexie und Bulimie sind in der Bevölkerung zwar stark verbreitet und schwere Erkrankungen, werden aber aus Scham und Angst vor Stigmatisierung auch heute noch von den Betroffenen lange Zeit verschwiegen.

Wie Johann Kinzl von der Klinischen Abteilung fĂŒr Psychosomatische Medizin der UniversitĂ€tsklinik fĂŒr Psychiatrie der Medizinischen UniversitĂ€t Innsbruck am Freitag anlĂ€sslich des ErnĂ€hrungskongresses in Wien referierte, suchen Betroffene meist viel zu spĂ€t – durchschnittlich erst nach fĂŒnf Jahren – professionelle Hilfe. “Selbst dann kommen die Patienten zumeist nicht aus eigenem Antrieb, sondern werden von ihren verzweifelten Eltern oder anderen Angehörigen in die Klinik geschleppt”, berichtet der Arzt. Nur ganz wenige von ihnen hĂ€tten eine “positive Motivation”, ihrer Krankheit zu begegnen, nĂ€mlich jene, die sich von ihr nicht weiter einschrĂ€nken lassen wollen. “Meist verleugnen die Betroffenen ganz einfach ihr Problem – so lange, bis es manchmal zu spĂ€t ist”.

Hinsichtlich der zeitgerechten Diagnose sind Allgemeinmediziner, Internisten, GynĂ€kologen, Psychotherapeuten, Psychologen aber auch SchulĂ€rzte gleichermaßen gefragt. Das Bewußtsein bezĂŒglich der Erkrankungen nehme zwar zu, nach wie vor sei jedoch manches verbesserungswĂŒrdig. “Es ist ganz einfach wichtig, dass jegliche Essstörung so frĂŒh wie möglich diagnostiziert wird, um mögliche negative körperliche und psychische Folgen zu verhindern”, so der Arzt. Genauso spielen DiĂ€tologen beim AufspĂŒren der Krankheit sowie bei der Therapie eine wichtige und unterstĂŒtzende Rolle. UnterstĂŒtzung ist im Regelfall zudem durch Psychotherapie notwendig, um das “Grundproblem” der Erkrankung aufzuspĂŒren.

Die Liste der Folgen von Essstörungen ist lang und beunruhigend: Den Betroffenen ist stĂ€ndig kalt (Untertemperatur), sie haben niedrigen Blutdruck oder Amenorrhoen (Ausbleiben der Menstruation) – im schlimmsten Fall kann dies zur InfertilitĂ€t fĂŒhren. Die Patienten haben zudem ein erhöhtes Risiko von Knochenabbau (Osteoporose), verbunden mit einer verstĂ€rkten Neigung zu KnochenbrĂŒchen. Durch das stĂ€ndige Erbrechen ist der Elektrolythaushalt gestört, die Speiseröhre erhĂ€lt Risse und es kommt zu Zahnproblemen wie Karies. Genauso wird mit der Zeit die Hirnleistung immer schlechter. Betroffene fĂŒhlen sich zudem hĂ€ufig antriebs- und freudlos, unterliegen Stimmungsschwankungen und Libidoverlust.

WeiterfĂŒhrende Links:

Artikel Essstörungen (Bulimie, Anorexie etc.)

Selbsttest auf Vorhandensein einer Essstörung

(Quelle: Der Standard 13.03.2010; Photo src:umkcwomenc.files.wordpress.com)

ï»ż01.09.19