Sep 11

Kaufsucht ist kein ausschlie√üliches Frauenproblem, sondern betrifft auch M√§nner, wie Marketing-Forscher der Zeppelin Universit√§t aufzeigten. Die bei Suchtverhalten spezifischen neuronalen Muster sind bei kaufs√ľchtigen M√§nnern wie Frauen vergleichbar mit jenen bei Alkohol- oder Nikotins√ľchtigen. “M√§nner sind weit h√§ufiger kaufs√ľchtig als vielfach vermutet wird. Man sollte dieses Suchtverhalten auch bei ihnen nicht bel√§cheln”, fordert Studienleiter P. Kenning.

Rund eine Million Menschen wird in den deutschsprachigen L√§ndern als kaufs√ľchtig gesch√§tzt, und jeder Zwanzigste ist davon gef√§hrdet. Die Problematik der Kaufsucht ergibt sich zun√§chst aus dem Leben √ľber die eigenen finanziellen Verh√§ltnisse. Teure Artikel werden impulshaft gekauft, h√§ufig auch nicht ausgepackte Ware gehortet. In Folge ergeben sich weitere, teils dramatische Konsequenzen, etwa an der Arbeitsstelle, hinsichtlich der Altersversorgung, soziale Folgen sowie solche f√ľr die Familien der Betroffenen.

In der Untersuchung verglichen nun die Forscher die Reaktionen von M√§nnern mit und ohne starker Kaufsucht-Tendenz und verwendeten dabei typische M√§nner-Markenprodukte als Stimuli. Hierbei war in der funktionellen Magnetresonanz bei potenziell Kaufs√ľchtigen das Belohnungszentrum des Gehirns deutlich aktiver als bei M√§nnern ohne Kaufsucht. “Es ist dieselbe √ľbersteigerte Reaktion, die man bei Alkoholikern mit einer Flasche Wein oder bei Nikotins√ľchtigen mit einer Schachtel Zigaretten ausl√∂st. Sie spiegelt Vorfreude und starkes Verlangen oder Echo erfahrener Belohnung wider”, berichtet Kenning.

Die meisten M√§nner bejahen die Frage, ob sie Marken wie Rolex oder Mercedes attraktiv finden und gerne kaufen w√ľrden. “Den Unterschied, der Kaufsucht-Gef√§hrdete kennzeichnet, sieht man erst in der √ľbersteigerten Hirnaktivit√§t. Das ist ein Grund mehr, warum man Kaufsucht als Krankheit definieren sollte”, so der Forscher. Wie sehr die festgestellte Reaktion sozialisiert sei oder auf genetische oder epigenetische Strukturen zur√ľckgehe, sei bisher aber noch nicht nachweisbar.

Kaufsucht-gef√§hrdete M√§nner reagieren stark auf Marken, vor allem bei Textilien, Uhren, technischen Accessoires und Gadgets, Sportartikel, Wein, Schuhen und Autos. “Manche haben einen Fuhrpark von 70 Autos, obwohl sie immer nur eines fahren k√∂nnen. Auch hier ist √ľbersteigerte Belohnung im Spiel”, so der Forscher.

Frauen werden h√§ufiger mit Kaufsucht in Verbindung gebracht, da sie meist die Haushalte f√ľhren und h√§ufiger einkaufen, weshalb auch die Werbung √ľberwiegend auf sie zugeschnitten sei. Doch bestehe bei einschl√§gigen Studien lt. “Kaufsucht-Forscherin” L. Reisch von der Universit√§t Kopenhagen ‚Äě…meistens das Problem unzureichender Stichproben. Frauen sind therapiewilliger, selbstkritischer und melden sich eher f√ľr solche Studien”, so die Expertin. Auch seien die Fragen der Skalen, die Kaufsucht messen, eher auf das weibliche Einkaufen ausgerichtet, da M√§nner andere Artikel und mit anderen Emotionen kaufen.

Marketing konzentriert sich heute zunehmend auf den Aufbau einer Beziehung statt auf die Transaktion des Produkterwerbs. Kenning hinterfragt “… ob wir langfristig Marken derart emotional aufladen d√ľrfen, dass Menschen davon s√ľchtig werden. Einerseits m√ľssen die Unternehmen vor derart negativen Folgen gesch√ľtzt werden, andererseits aber nat√ľrlich auch die Konsumenten”.

(Quelle: Zeppelin-Universität; Image src: 1:netdoktor.de 2:rhein-zeitung.de)

Jan 20

Laut internen Statistiken der italienischen Gesellschaft zur Bek√§mpfung der Suchtkrankheiten (SIIPAC) ist im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der einkaufss√ľchtigen ItalienerInnen um zehn Prozent gewachsen und betrifft heute in Italien ca. 5% der erwachsenen Bev√∂lkerung.

85 Prozent der “Shopaholics” seien Frauen, doch in den vergangenen Jahren habe auch die Zahl der betroffenen M√§nner stark zugenommen. “An Shopping-Manie leiden normale Menschen, die meist zwischen 35 und 40 Jahren sind. Einige sind sogar zu illegalem Verhalten bereit, um sich das Geld zum Einkaufen neuer Dinge zu verschaffen”, so C. Guerreschi, Pr√§sident der Gesellschaft.

In einem Interview mit dem Magazin “Girl” hat Victoria Beckham offen ihr zwanghaftes Einkaufen zugegeben: “Zu Weihnachten habe ich zu viel ausgegeben. Konsum ist wie eine Droge. Je mehr man hat, desto mehr w√ľnscht man sich. Wenn ich in Mailand bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen. All diese Waren in den wundersch√∂nen Boutiquen rufen mir zu: ‘Kauf mich, bitte kauf mich”, erkl√§rte sie. Zur Entschuldigung meinte sie: “Shopping hilft der Wirtschaft in dieser Krisensituation.”

Beckham liegt offenbar im Trend, denn viele Betroffenen kaufen aus Frust, Mangel an sozialen Kontakten oder Depression ein. Nur selten werden die gekauften Kleider, elektronischen Artikel oder Accessoires wirklich benötigt, sondern bleiben meist ungenutzt in den Schränken liegen. Ein Problem erkennen die meisten erst dann, wenn sie sich wegen ihrer Sucht verschulden.

Die “Shopping-Manie” wird in Italien wie auch die Spielsucht bereits als Krankheit behandelt. “Oft werden Patienten von ihren Angeh√∂rigen zu uns gebracht, nachdem sie die Familie finanziell an den Rand des Bankrotts getrieben haben”, so ein Psychologe der Organisation. “Die tiefe Ursache ist Depression, die zum Zwang f√ľhrt, mit Materiellem die innere Leere zu f√ľllen. Hinter der Sucht stehen auch Angst und Flucht vor der Verantwortung”, so der Psychologe.

(Bild: VLC/DailyMail.co.uk)

Oct 19

Wenn jemand viel mehr Waren erwirbt, als er sich leisten kann, dann ist dieses Verhalten vermutlich die Folge tiefliegender psychischer St√∂rungen, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen aufzeigt. Der Anteil der einschl√§gig Suchtgef√§hrdeten zwischen 14 und 24 Jahren ist in den letzten Jahren in Gesamteuropa deutlich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in √Ėsterreich ist zumindest kaufsuchtgef√§hrdet.

Im Rahmen der Studie wurde anhand standardisierter psychologischer Tests die psychische Gesundheit von kaufs√ľchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgest√∂rten Menschen verglichen. Das Ergebnis: Kaufs√ľchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern leiden sehr h√§ufig dar√ľber hinaus auch unter Depressionen, Angst- und Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen. 80% der Kaufs√ľchtigen hatten schwere √Ąngste, 63% litten an Depressionen, 23% an Essst√∂rungen. “Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausma√ü psychischer Komorbidit√§t bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten”, so die Wissenschafter. In einer Therapiegruppe der √Ėsterreichischen Arbeiterkammer war fast die H√§lfte der von Kaufsucht betroffenen Personen auch vom so genannten ‘Messie-Syndrom’ betroffen. M√∂glicherweise ist also Kaufsucht keine eigenst√§ndige St√∂rung, sondern vielmehr ein Symptom des Verm√ľllungssyndroms.

“Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufs√ľchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte”, schreibt die Psychologin A. M√ľller im Fachblatt “PPmP – Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie”.

Kaufs√ľchtige sp√ľren regelm√§√üig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unn√∂tiger Waren, die das finanzielle Budget weit √ľbersteigen. Die meisten untersuchten Betroffenen sind verschuldet (was gro√üz√ľgige √úberziehungskonditionen von Banken und Kreditkartenfirmen h√§ufig verschleiern), durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit Psychotherapie.
Kaufsucht zählt zu den nicht substanzbezogenen Abhängigkeitsformen. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. Von Männern werden im Zuge von Kaufsucht besonders häufig Autos sowie elektronische Geräte erworben, von Frauen Kleidung, Schmuck und Dekorationsgegenstände.

(Quelle: APA 08/2009. Photo src:DerStandard.at)

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