Jan 11

Tribut f√ľr die Todesopfer w√§hrend der Attacke auf “Charlie Hebdo” am Place de la R√©publique (Paris). Bild: Aurelien Meunier/Getty

Der Schock √ľber das Attentat in Paris sitzt tief – und trifft auf ein bereits seit Jahren tief sitzendes, aber immer noch weiter wachsendes Mi√ütrauen gegen√ľber der islamischen Religion selbst ebenso wie ihren Anh√§ngern. Schon 2012 etwa waren einer Emnid-Umfrage zufolge 53% von befragten nichtmuslimischen Deutschen der Meinung, der Islam sei sehr oder eher bedrohlich – 2014 waren es bereits 57%. Dass der Islam nicht in die westliche Welt passe, sagten letztes Jahr bereits 61%, 2012 waren es noch 52%. Auch als invasiv wird der Islam erlebt: laut einer Umfrage des Linzer Market-Instituts empfinden die H√§lfte der √Ėsterreicher den Islam als Gefahr f√ľr die √∂sterreichische Kultur, 45% meinen, dass der Islam schon jetzt zu viel Einfluss in √Ėsterreich habe.

Eine der Ursachen f√ľr diese Entwicklung k√∂nnte im wachsenden Anteil der muslimischen Bev√∂lkerung an der europ√§ischen Bev√∂lkerung und einem damit verbundenen, subjektiven Gef√ľhl von “Unterwanderung” liegen. Aus soziologischen Untersuchungen wei√ü man, das hief√ľr bei vielen Menschen schon scheinbar banale Gr√ľnde wie in kulturellen Unterschieden oder religi√∂sen Vorschriften begr√ľndete √Ąu√üerlichkeiten ausreichen (etwa die Art der Kleidung, man erinnere sich an die teils sogar gerichtlich ausgetragenen Konflikte z.B. rund um das Tragen von Niqabs/Hijabs/Burkas). Doch auch mangelnde Integration eingewanderter Muslime (z.B. schon auf grundlegendsten Ebenen wie z.B. des Erlernens der jeweiligen Landessprachen), insbesondere aber wohl die massive Expansion des sog. “Islamischen Staates” in Syrien und dem Irak verbunden mit per Bild- und Videoclips verbreiteten grausamen Massakern und Exekutionen durch die salafistischen Islamisten, all dies verst√§rkt das Gef√ľhl von “unheimlichen”, “gef√§hrlichen” Muslimen.

Bemerkenswert ist hinsichtlich der Statistik, dass Menschen, die keinen Kontakt mit Muslimen haben, diese mit 66% deutlich h√§ufiger als bedrohlich empfinden als jene mit Kontakten (43%). 71% der Menschen ohne Kontakte halten den Islam f√ľr nicht in die westliche Welt passend, bei den anderen sind es 42%; 29% ohne Kontakte wollen Muslime nicht mehr ins Land lassen, bei den anderen sind es 15%. Dennoch verbleibt auch bei Menschen, die Muslime kennen, ein relativ hoher Anteil von Ablehnung, wohl aufgrund des Umstandes, dass pers√∂nlich Bekannte nicht zuallererst √ľber ihren religi√∂sen Glauben wahrgenommen werden. Sind Vorurteile aber erst einmal verankert, dann haben positive Attribute es schwer, sich durchzusetzen. Aber wie kann man als Atheist, Christ oder als Angeh√∂riger anderer religi√∂ser Richtungen den Islam √ľberhaupt korrekt einsch√§tzen? Selbst unter den Muslimen gibt es solche, die die Position vertreten, der Koran als Grundpfeiler dieser Religion w√§re “wortw√∂rtlich zu nehmen”, w√§hrend andere auf die sog. Suren verweisen, welche gewisserma√üen “Aktualisierungen” der urspr√ľnglichen Schriften darstellen. Zudem wird in einer klassischen Koran-Interpretation aus dem 8. oder 9. Jahrhundert jeder Koranvers mit mehreren Interpretationen und sodann “..aber Gott wei√ü es besser.” abgeschlossen, also ausgedr√ľckt, dass man als Mensch die m√∂gliche Bedeutung des Verses wom√∂glich gar nicht verstehen k√∂nne. Aufgrund dieser Unklarheit ist es m√∂glich, dass einzelne Vertreter des Islam Lehrmeinungen anf√ľhren, denen zufolge etwa “Ungl√§ubige zu vernichten seien”, andere jedoch diese Interpretation entschieden ablehnen.

Wir als Angeh√∂rige eines stark christlich gepr√§gten Kulturkreises werden hierbei durchaus an die Schwierigkeit der Interpretation “hiesiger” heiliger Schriften erinnert. So ist ja beispielsweise auch in der Bibel nachzulesen, dass ein Kind get√∂tet werden soll, wenn es seine Eltern schimpft, oder dass Sex w√§hrend der Menstruation mit dem Tode zu bestrafen ist (Levitikus, Kapitel 20). Doch auch wenn es in unserer sogenannten “aufgekl√§rten Gesellschaft” immer noch viele strenggl√§ubige Christen gibt: nicht einmal die extremsten unter ihnen w√ľrden tats√§chlich solchen T√∂tungsaufrufen folgen (hoffe ich doch). Das ist beim Islam aufgrund seiner Verwurzelung in zum Teil auch heute noch sehr archaisch gepr√§gten Gesellschaften und seines impliziten Anspruches, auch politischen Einfluss auszu√ľben (Scharia), zumindest in Teilbereichen anders – aus diesen Gr√ľnden kann jedoch auch nicht, wie manche Islamtheoretiker argumentieren, einfach generalisierend behauptet werden, “der Islam an sich” sei eine friedliche, gewaltlose Religion – ebenso wie auch in der christlichen Religionsgeschichte sind auch in jener des des Islam Gewaltakte explizit religi√∂s begr√ľndet worden.

Photo src: AlJazeera.com

Ich m√∂chte mich hier jedoch nicht als Religionskenner oder Kulturhistoriker ausgeben – der bin ich nicht. Aus psychologischer Sicht und als jemand, der sich recht eingehend mit der Dynamik von Gewalt, Traumata etc. befa√üt hat, bef√ľrchte ich allerdings, dass eine weitere Ausweitung des Drucks gegen Muslime in unserer Gesellschaft keineswegs die gew√ľnschten Effekte haben, sondern nur zu einer noch st√§rkeren Isolierung der orthodox Gl√§ubigen f√ľhren d√ľrfte. Alle historischen Erfahrungen mit der Repression von Bev√∂lkerungsgruppen weisen in genau diese Richtung. Versteht man den Jihadismus als “Bewegung der [√∂konomischen, politischen] Verlierer”, kann man eigentlich gar nicht anders, als sich zu fragen, wie diesen Menschen wieder eine positive Perspektive erm√∂glicht werden kann. In Europa w√§re es essenziell, die Integration jenes Teiles unserer Gesellschaft, der der islamischen Richtung angeh√∂rt (und zu dem √ľbrigens auch “originale” Mitteleurop√§er z√§hlen!), wo immer es relevant sein k√∂nnte, voranzutreiben. Sicherlich gibt es auch Bereiche, in denen den Betreffenden Integration durchaus auch abverlangt werden kann. Ebenso wie sog. “Sekten” haben sich auch Religionen ultimativ der Staatsautorit√§t zu unterwerfen, unsere Gesellschaft und ihre Individuen sind vor Schaden zu bewahren. Diese Einstellung findet sich √ľbrigens auch in den muslimischen L√§ndern selbst, wo sich selbstverst√§ndlich auch Touristen oder westliche Expats weitestgehend in die jeweiligen landes- und kulturspezifischen Regeln und Normen einzuf√ľgen haben.

Hinsichtlich gef√ľrchteter Attent√§ter m√∂chte ich auf die Arbeiten von Arno Gruen verweisen, der nachwies, wie Gewaltneigungen in sozialen Systemen wie etwa den Familien weitergegeben werden. Zum einen k√∂nnen Gewalterfahrungen und Repression offenbar selbst bei sp√§ter gegen die Gewaltsysteme Revoltierenden zu neuen Formen der Gewaltaus√ľbung f√ľhren. Die Unterdr√ľckten bleiben – gerade auch bei Hassgef√ľhlen den Beherrschenden gegen√ľber – mit diesen identifiziert, haben aber den Kontakt zu ihren Gef√ľhlen und zu ihrer Kernidentit√§t verloren. Derartig emotional gest√∂rte Menschen agieren h√§ufig mit Gewalt gegen das, was sie (zumindest subjektiv) als gewaltt√§tig erlebt haben.

Immerhin aber haben sie tats√§chlich, real oder subjektiv erlebt, Gewalt erfahren. Attent√§ter sind jedoch keineswegs immer nur “Betroffene”. Von Soziopathen etwa wei√ü man, dass sie h√§ufig unbewu√üt nach M√∂glichkeiten suchen, den enormen emotionalen Druck, unter dem sie stehen, durch Zerst√∂rung zu entladen. Eine solches legitimierende Ideologie entwickelt dann f√ľr sie in weiterer Folge ganz von selbst Faszination, ist aber gewisserma√üen nur ein Vehikel f√ľr die eigentlich gesuchte Gewalterfahrung. So liegt etwa bei den f√ľr viele erstaunlich hoch wirkenden Zahlen westlicher Ausl√§nder, welche in den fernen Osten “pilgern” (pun intended), um dort am Krieg teilzunehmen und “Ungl√§ubige zu vernichten”, aus psychologischer Sicht die Vermutung nahe, dass sich ihnen der radikale Islamismus schlicht als M√∂glichkeit anbot, anderen Menschen Schmerz zuzuf√ľgen oder sich gar in der archaischen Erfahrung, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, vor einer Kamera oder zumindest ebenso radikalen “Glaubensbr√ľdern” zu inszenieren und selbst zu erleben – und zwar ohne Konsequenzen bef√ľrchten zu m√ľssen. Der Islam wird damit f√ľr derartige, in ihrer Pers√∂nlichkeit und Humanit√§t schwerst gest√∂rte Menschen zu einer Projektionsfl√§che und von ihnen instrumentalisiert, um sich auszuagieren.

Von derartigen Entwicklungen und Instrumentalisierungen werden sich sowohl verantwortungsvolle westliche Politiker, als auch islamische Theoretiker und Prediger explizit abgrenzen m√ľssen: erstere, indem sie der Bev√∂lkerung gegen√ľber differenzieren – weder als Relativierer auftreten, noch im Teich der beunruhigten Teile der Bev√∂lkerung nach billigen (langfristig aber teuer zu bezahlenden) W√§hlerstimmen fischen. Islamische Schl√ľsselpers√∂nlichkeiten wiederum m√ľ√üten klar kommunizieren, dass in ihren Reihen kein Platz f√ľr Gewaltt√§ter ist. Und zwar nach innen ebenso wie nach au√üen.

Der “Shift” unserer Gesellschaft in Richtung zunehmender religi√∂ser Pluralit√§t und kultureller Vielfalt bringt erh√∂hten Dialogbedarf mit sich. Wollen wir den inneren Zusammenhalt und die Integrit√§t unserer kulturellen Werte gerade in jenen Zeiten st√§rken, in denen einfache Wahrheiten und Zuschreibungen nicht mehr greifen und einzelne Gruppierungen gezielt destruktive Absichten verfolgen, ben√∂tigt es umso mehr Anstrengungen, diese Kluften zu schlie√üen und durch gezielten Dialog zu √ľberbr√ľcken.

Quellen:

 

Mar 14

("Old Love" by PrincessMemi @ Deviantart)

Der Fr√ľhling naht: alles beginnt wieder zu bl√ľhen, und auch viele von uns merken, wie die “Lebenss√§fte” wieder verst√§rkt zu flie√üen beginnen. Der Fr√ľhling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den √§lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema “Liebe” erledigt oder handelt es sich vielleicht mehr um ein gesellschaftliches Tabu, sich ein ernsthaftes “Verlieben” oder gar sexuelle Beziehungen bei √§lteren Menschen gar nicht mehr zu erwarten oder abzuwerten?

Der Wiener Psychotherapeut und Paartherapeut Richard L. Fellner f√ľhrte zu diesem Thema ein Gespr√§ch mit einem Redakteur der Zeitschrift “Ges√ľnder Leben“.

GL: “Sind Schmetterlinge im Bauch unabh√§ngig vom Alter?”

rlf: “Zum Verlieben ist man nie zu alt! Und w√§re es nicht auch traurig, wenn ab einem bestimmten Alter niemand mehr die Chance h√§tte, bei uns auch nur das geringste Kribbelgef√ľhl in der Brust zu erzeugen..?

GL: “Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?”

rlf: “Diese Frage lie√üe ich lieber “Julia” oder “Romeo” beantworten! ūüėČ

Aus paartherapeutischer Sicht gibt es daf√ľr kein Universalrezept. Vielmehr wissen wir heute, dass das Gef√ľhl von “Liebe” sowohl historisch als auch kulturell immer schon sehr grossen Wandlungen unterworfen war und bis heute ist. Unser “ideales Liebes-Modell” von heute wird also vermutlich nicht auch das von morgen sein, und in unterschiedlichen Kulturen werden von Partnern mitunter h√∂chst unterschiedlichste Qualit√§ten erwartet. Was aber die meisten “Liebes-Ideen” vereint, ist a) die Bedeutung der Kompatibilit√§t (Vereinbarkeit) der jeweiligen Bed√ľrfnisse und Erwartungen der Partner, dass b) diese Bed√ľrfnisse und Erwartungen von beiden kommuniziert werden k√∂nnen und – das ist ebenfalls ganz wesentlich – c) dass diese in ihrer Umwelt lebbar sind.
Selbst in unserer vordergr√ľndig toleranten Gesellschaft gibt es ja ganz bestimmte Kriterien, an denen die “Qualit√§t” von Beziehungen gemessen wird, und mitunter kann es dazu kommen, dass Partnerschaften letztendlich vor allem daran zerbrechen, weil sie von Freunden und Bekannten nicht respektiert werden. Und schon wieder k√∂nnten “Romeo & Julia” mitdiskutieren ‚Ķ”

GL: “In wieweit erlebt man eine Beziehung als 20j√§hriger anders als als 50/60j√§hriger?”

rlf: “J√ľngere Menschen werfen sich meist mit ihrer gesamten Pers√∂nlichkeit in ihre Partnerschaften. Eine Beziehungskrise wird dann rasch auch zu einer regelrechten Lebenskrise. √Ąltere Menschen dagegen verf√ľgen bereits √ľber mehr Beziehungserfahrung, sind zudem meist in der Lage, auftretende Probleme in einem gr√∂√üeren und damit auch gelasseneren Kontext zu sehen.
Es kann ihnen dadurch allerdings auch schwerer fallen, zu vertrauen, oder den “Schmetterlingen im Bauch” Flugfreiheit zu geben.

GL: “Stimmt es, dass Verliebt-Sein und Liebe nicht dasselbe ist?”

rlf: “Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei schlicht um unterschiedliche hormonelle Stadien. Am Beginn einer Beziehung gibt es hormonelle “peaks”, intensivste Gl√ľcksgef√ľhle, der Partner wird dann h√§ufig idealisiert gesehen. Von “Liebe” w√ľrde ich dagegen insbesondere dann sprechen, wenn bei einer Beziehung eine gewisse “Selbstlosigkeit” der Partner zu beobachten ist, und “Partnerschaft” nicht nur der Arbeitstitel ist, sondern echten Teamgeist und Kooperation ausdr√ľckt.
Wenn man sich also auch mal selbst hintanstellt und bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sogar eigene Bed√ľrfnisse eine gewisse Zeit lang im Interesse des Partners unterzuordnen, das ist Liebe: ein langfristiges Fundament, bei dem einer f√ľr den anderen sorgt und f√ľr ihn da ist. Wo versucht wird, mit Krisen umzugehen und diese aufzul√∂sen, statt gleich das Weite zu suchen, “weil mir das nicht mehr gut tut“.

Das letztere Modell entspricht eher einer konsumorientierten Sicht von Beziehung, in der man sich bedient und genie√üt – aber weiterzieht, wenn der Genuss auszubleiben droht oder sich gar in ein Unwohlgef√ľhl verkehrt. Damit, also eigentlich mit dem heute bei uns im Westen dominierenden Beziehungsmodell verglichen, sind etwa die traditionellen (bei uns aber h√§ufig abgewerteten) afrikanischen oder asiatischen Beziehungsmodelle, in denen es mehr um Versorgung und Stabilit√§t geht, aber die Partnerschaften deutlich weniger mit emotionalen Bed√ľrfnissen aller Art aufgeladen sind, deutlich tragf√§higer und krisenresistenter. Meine T√§tigkeit in Asien und mit bikulturellen Paaren war in dieser Hinsicht sehr lehrreich und denk-erweiternd f√ľr mich.

GL: “Was sind die h√§ufigsten Fehler, die junge, aber auch √§ltere Paare machen?”

rlf: “1) Kommunizieren Sie! Wenn Probleme und Unannehmlichkeiten im Beziehungsleben st√§ndig nur verdr√§ngt werden, ist ein “dickes Ende” meist unausweichlich. Es ist¬† wichtig, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin weiss, woran er/sie mit Ihnen ist, was Sie brauchen, um sich wohlzuf√ľhlen, und was Sie st√∂rt.

2) Lassen Sie es auch mal gut sein! Wer glaubt, alles ausdiskutieren zu m√ľssen, oder irgendwann den Partner endlich so zurechtformen zu k√∂nnen, dass er f√ľr einen keine Ecken und Kanten mehr hat, f√ľr den wird die Beziehung nicht nur zu einer Art “Zweitjob”, sondern fr√ľher oder sp√§ter geht wohl auch die Freude an ihr – oder am Partner – verloren.

3) Sch√ľtzen Sie Ihre Partnerschaft vor anderen! Jeder darf die “ideale Beziehung” f√ľr sich selbst definieren, doch fordern Sie diesen Respekt durchaus auch f√ľr Ihre eigene Partnerschaft ein. Diese muss in erster Linie n√§mlich nicht den Anspr√ľchen der anderen gen√ľgen, sondern vor allem Ihren eigenen und jenen Ihres Partners/Ihrer Partnerin.

(Das Interview erschien in der Ausgabe 04/2012 der Zeitschrift)

Jul 23

Fetisch oder Sexualst√∂rung? BuchempfehlungBin ich “pervers” oder erfreue ich mich schlicht am Au√üergew√∂hnlichen? Die Antwort auf diese Frage erfuhr im Laufe der menschlichen Geschichte signifikante Ver√§nderungen. So manche Sexualpraktik, bei deren Aus√ľbung man vor wenigen hundert Jahren noch als “Besessener” am Scheiterhaufen verbrannt oder in den “Narrenturm” gesperrt worden w√§re, wird heute als durchaus normal betrachtet. Dennoch existieren Formen des sexuellen Verhaltens, die selbst dann als pathologisch betrachtet werden, wenn man moralische Gesichtspunkte au√üer Acht l√§√üt: als St√∂rung oder sogenannte “Paraphilie” wird bezeichnet, wenn die sexuellen Verhaltensweisen oder Triebkr√§fte die Betroffenen belasten oder sie selbst oder andere sch√§digen. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, um Abwertungen schlicht “ungew√∂hnlicherer” Vorlieben wie etwa einer sexuellen Attraktivit√§t des gleichen Geschlechts – welche bis 1973 immer noch Teil der Diagnosehandb√ľcher war – zu vermeiden.

Zuk√ľnftige Versionen dieser Diagnoseschl√ľssel werden vermutlich noch weiter zwischen Paraphilien und “paraphilen St√∂rungen” unterscheiden. Eine Paraphilie selbst w√ľrde nicht automatisch als therapiebed√ľrftig betrachtet, sondern lediglich St√∂rungen – das, was Betroffenen belastet oder sie selbst oder ihre Sexualpartner sch√§digen k√∂nnte. Au√üergew√∂hnlichere Vorlieben wie etwa “cross-dressing” w√ľrden demnach nicht mehr automatisch als krankheitswertig (z.B. “Transvestitismus”) diagnostiziert werden – au√üer, die betreffende Person w√§re damit ungl√ľcklich oder ihr Leben beeintr√§chtigt.

W√§hrend diese neue Generation der Diagnoseschemata definitiv viele Formen von Abwertung verhindern wird, werden sich die Diagnosen andererseits auch wieder st√§rker an kulturellen Wertungen orientieren: in Gesellschaften mit engeren kulturellen Normen wie etwa den meisten asiatischen L√§ndern werden dann wohl wieder h√§ufiger Menschen als “sexuell abnorm” diagnostiziert werden, sobald diese neuen Klassifikationen zum neuen medizinischen Standard erkl√§rt wurden, da das Verhalten der Betreffenden viel eher als “sch√§digend” oder “belastend” f√ľr andere betrachtet werden d√ľrfte.

Die h√§ufigsten Paraphilien, die heute als St√∂rungen gelten, sind Exhibitionismus, Fetischismus (sofern bestimmte Objekte erforderlich sind, um Erregung zu versp√ľren oder einen sexuellen H√∂hepunkt zu erreichen), Frotteurismus (das Bed√ľrfnis, fremde Personen zu ber√ľhren), P√§dophilie, sexueller Masochismus und Sadismus, Transvestitismus, Urophilie und Voyeurismus. Diese Formen sexueller Abweichung k√∂nnen zu einem massiven Problem werden, wenn die ausgew√§hlten SexualpartnerInnen diese ablehnen oder nicht m√ľndig sind, wenn lokale Gesetze verletzt werden oder die sexuelle Erlebensf√§higkeit einer Person ausschlie√ülich davon abh√§ngt…

K√∂nnen Paraphilien “geheilt” werden? Viele Experten meinen, dies sei nicht m√∂glich, zumindest nicht mit Standardmethoden der Sexualtherapie. Immerhin aber k√∂nnen viele Personen in einer solchen lernen, ihr Sexualverhalten besser zu “managen” und flexibler zu gestalten – zumindest in einem Ausma√ü, in dem Gesetzesverst√∂√üe oder eine Zerst√∂rung ihrer Partnerschaften vermieden werden k√∂nnen.

Weiterf√ľhrende Artikel und Literaturtipps:

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011)

May 03

Wenn der Blutdruck steigt, die Halsvenen anschwellen – und der rationale Verstand auszusetzen droht: Aggression “beamt” uns in ein Fr√ľhstadium unserer Entwicklung zur√ľck ‚Ķ und ist der Adrenalinrausch erst einmal verflogen, kehrt h√§ufig Reue ein √ľber das, was im Rausch der Emotionen an Zerst√∂rungsarbeit (verbal oder physisch) geleistet wurde.

Grunds√§tzlich gibt es 2 Kategorien von Aggression: affektive Aggression (Rache, Feindseligkeit, Neigung zu impulsivem und unkontrolliertem Verhalten) und sog. instrumentelle Aggression (z.B. Jagdverhalten, zielorientiert und √ľberlegt). Empirische Untersuchungen zeigen, dass die meisten Menschen mit einer Neigung zu affektiver Aggression √ľber einen niedrigeren IQ verf√ľgen als andere. Aggression ist nicht gleichbedeutend mit Gewalt – sie kann diese aber ausl√∂sen. Die Ausdrucksweisen von Aggression sind au√üerdem kulturell unterschiedlich: so neigen diversen Studien zufolge die Bewohner s√ľdlicher L√§nder oder auch von Amerikanern eher zu k√∂rperlicher Gewalt als Japaner oder die Bewohner n√∂rdlicher L√§nder, welche verbale Konfliktl√∂sungen bevorzugen. Auch die Mordquote ist in diesen Regionen h√∂her.

Bemerkenswerterweise gibt es auch einen wichtigen Zusammenhang zwischen der Neigung zur Gewalt und der Sozialisation: wuchsen Menschen in Familien mit hohem Aggressionspotenzial auf (verbale, psychische oder k√∂rperliche Gewalterfahrungen), passen sie ihr eigenes Verhalten entsprechend an und neigen – h√§ufig, ohne es urspr√ľnglich zu wollen! – im sp√§teren Leben auch selbst zu Ausbr√ľchen von Aggression. Dies gilt auch f√ľr die soziale Akzeptanz von Gewalt, etwa bestimmten Volksgruppen gegen√ľber: eine Dynamik, die wohl mitverantwortlich ist f√ľr die nicht endenwollende Gewaltspirale im nahen und mittleren Osten. Viele Menschen reagieren dar√ľber hinaus aggressiv, wenn sie das Gef√ľhl haben, nicht verstanden oder ernst genommen zu werden, oder Ziele und Hoffnungen nicht realisieren zu k√∂nnen. Aus psychologischer Sicht ist dies meist in einem geringen Selbstwertgef√ľhl begr√ľndet.

Auch viele Partnerschaften werden durch inad√§quaten Ausdruck von Aggression belastet: Studien zufolge neigen M√§nner eher dazu, Aggression k√∂rperlich und direkt auszudr√ľcken, Frauen dagegen tun dies eher verbal und indirekt. In Beziehungskrisen sind “Eskalationsspiralen” h√§ufig, bei denen zun√§chst ein verbaler Schlagabtausch erfolgt, und schliesslich einer der Partner die Kontrolle √ľber sich verliert und den anderen k√∂rperlich oder seelisch verletzt. Je regelm√§√üiger derartige Abl√§ufe vorkommen, desto schwieriger ist es selbst in einer Paartherapie, die Konfliktmuster aufzul√∂sen. Auch hier gilt also: je fr√ľher erfahrene Hilfe gesucht wird, desto erfolgversprechender!

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Bildquelle: allhealthsite.com)

May 03

Betrug, Verschuldung, Mordf√§lle, Suizide, Liebeskummer, Depression, Psychosomatische Erkrankungen, Mittellosigkeit, Drogenabh√§ngigkeit, berufliche Perspektivlosigkeit, Zerw√ľrfnisse mit der Herkunftsfamilie, Straff√§lligkeit in der Heimat,‚Ķ dies sind nur einige der Gr√ľnde (oder Folgen), wenn in Asien lebenden “Expats” eine R√ľckkehr in ihre Heimat unm√∂glich erscheint. Ein Blick in die Zeitung gen√ľgt: viele der Pressemeldungen √ľber in Schwierigkeiten verwickelte westliche Expats beschreiben im Grunde Personen, die keinen Ausweg mehr sahen aus dem Spannungsfeld von Problemen hier in Asien einerseits und einem “nicht mehr zur√ľck k√∂nnen” andererseits.

Auch wenn sich eine Auswanderung zun√§chst gro√üartig anf√ľhlt und viele der vorher bestehenden Probleme, Frustrationen oder “Engegef√ľhle” zu beseitigen scheint – √ľber kurz oder lang treten entweder v√∂llig neue und unerwartete Probleme auf oder die alten Probleme holen uns wieder auf die eine oder andere Weise ein. Denn nicht nur ist ein am Beginn der Auswanderung h√§ufig stark untersch√§tzter kultureller Umstellungsprozess zu leisten, sondern wir nehmen auch unseren “psychischen Problemrucksack” in das neue Land mit. Unsere “Macken”, Schw√§chen, Neigungen und Anf√§lligkeiten werden zun√§chst zwar vom Hochgef√ľhl der Auswanderung √ľberlagert, nach und nach aber merken die meisten Menschen auch im neuen Land, wie diese Schwachpunkte zunehmend f√ľr Probleme und Schwierigkeiten sorgen. Ein Mensch, der in Europa unter Depressionen litt, wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Thailand fr√ľher oder sp√§ter von der Depression eingeholt, jemand mit einer Neigung zu aggressivem Verhalten wird dieses nicht automatisch an der Grenze ablegen k√∂nnen, und es ist eher unwahrscheinlich, dass jemand, der schon im Westen Schwierigkeiten hatte, eine Lebenspartnerin zu finden, bei einem Barbesuch die ideale “Traumfrau” findet.

Das unangenehme Erwachen folgt jedoch h√§ufig erst Monate oder gar Jahre sp√§ter – nicht selten zu einem Zeitpunkt, zu dem eine R√ľckkehr in die alte Heimat schwieriger denn je erscheint, sei es aus finanziellen Gr√ľnden, aufgrund dorthin abgebrochener Beziehungen oder gar, weil eine R√ľckkehr noch weitaus unangenehmere Probleme oder Fragen aufwerfen w√ľrde. Die Folge ist ein Gef√ľhl des Gestrandet-seins … in einer Sackgasse, aus der nur mehr schwer zu entkommen ist. Viele Betroffene ertr√§nken dieses Gef√ľhl in Alkohol oder anderen Drogen, lenken sich mit Oberfl√§chlichkeiten ab oder das t√§gliche Leben wird zunehmend zu einem Wechselspiel zwischen Phasen von Aggression und Frustration.

Expat-Clubs sowie soziale Einrichtungen oder in Notf√§llen auch die lokale Landesvertretung k√∂nnen hier wichtige erste Orientierungsm√∂glichkeiten bieten. Wer seine Situation nachhaltig verbessern und die Gr√ľnde f√ľr die wiederholten Schwierigkeiten im Sinne einer besseren Lebensqualit√§t kl√§ren und ver√§ndern m√∂chte, sollte professionelle Beratung bzw. Coaching suchen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:examiner.com)

Mar 13

Jeder von uns kennt mindestens einen von ihnen: unzufriedene Expats. Tja, vielleicht muss der eine oder andere Leser nur in den Spiegel blicken.

H√§ufige Beschwerden √ľber “die Thais” und die kleineren und gr√∂√üeren √Ąrgernisse des t√§glichen Lebens in Thailand, Klagen √ľber andere Expats oder st√§ndig um Krankheit kreisende Gedanken, ein Gef√ľhl von Einsamkeit, Langeweile oder latenter √Ąrger: all diese Symptome sind ganz typisch bei Menschen, die sogenannten kulturellen Stress erleben.

In den sp√§ten 1960er Jahren beschrieb der amerikanische Anthropologe Kalervo Oberg das, was er als “Kulturschock” bezeichnete: hier folgt auf die sogenannte “Flitterwochen-Phase” (Idealisierung des Gastlandes und Freude √ľber die Auswanderung dorthin) die “Krisen-Phase” (emotionaler Stress und steigende Frustration, h√§ufig gepaart mit k√∂rperlichen Erkrankungen, √úbergewicht, reduziertem Immunsystem und Verdauungsproblemen), sp√§ter abgel√∂st von der “Erholungs-Phase” (Kennenlernen des Gastlandes, Erlernen der Sprache, das Verst√§ndnis kultureller Unterschiede) und schlie√ülich der “Anpassungs-Phase” (Integration kultureller Unterschiede und Anpassung an das Gastland).

Allerdings haben einige Leute Schwierigkeiten, die Erholungs- und Anpassungs-Phase zu erreichen oder schwanken st√§ndig mit R√ľckf√§llen in Phasen starken kulturellen Stresses, selbst nach vielen in der Fremdkultur verbrachten Monaten oder sogar Jahren. Sie leiden unter dem, was Experten als “Expat-Syndrom” bezeichnen. Der Grund f√ľr derartige Schwierigkeiten ist ein Mangel an Anpassungs- und/oder Kommunikationsf√§higkeit, ein Mangel an Informationen √ľber den ad√§quaten Umgang mit kulturellem Stress, und schlie√ülich k√∂nnen einige Expats einfach nicht akzeptieren, dass sich bestimmte Aspekte der anderen Kultur vermutlich nie √§ndern werden. Dies aber bedeutet, dass sie st√§ndig unter emotionalem Stress stehen – eine ernsthafte Belastung f√ľr den gesamten K√∂rper, die fr√ľher oder sp√§ter zur k√∂rperlichen Krankheiten f√ľhren kann. Psychologen beobachten sogar, dass viele Symptome von kulturellem Stress den Symptomen der posttraumatischen Belastungsst√∂rung √§hneln.

Nat√ľrlich kann eine Beratung helfen, den kulturellen Anpassungsprozess zu f√∂rdern, doch es gibt auch Einrichtungen wie die Expat-Clubs, die eine sehr wertvolle Ressource an Erfahrungen darstellen, ebenso wie eine lange Liste an B√ľchern, die sich mit kulturellen Unterschieden befassen und es erleichtern, unsere Gef√ľhle zu verstehen und unsere Situation zu verbessern. G√∂nnen Sie sich etwas und n√ľtzen Sie diese Mittel, wenn Sie es einrichten k√∂nnen – denn schlie√ülich kam jeder von uns ja urspr√ľnglich hierher, um ein gl√ľcklicheres Leben zu leben, oder nicht?

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:gadling.com)

Jan 26

Migration kann indirekt krank machen. Das in etwa ist die Schlu√üfolgerung von Andrea Topitz, der Leiterin der Abteilung f√ľr Transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische St√∂rungen am AKH.

Besonders h√§ufig sei sie in ihrer T√§tigkeit mit PatientInnen konfrontiert, die entweder der Landessprache nicht m√§chtig sind – und daher ihre Probleme nur unzureichend oder gar nicht beschreiben k√∂nnen. Und gerade bei ungekl√§rtem Asylstatus verf√ľgen sie h√§ufig auch √ľber keine Versicherung, was dann nicht nur f√ľr die Patienten selbst problematisch und riskant ist, sondern auch f√ľr die medizinischen Einrichtungen ein gro√ües Problem darstellt. Gar nicht selten kommt es zu beidem: sehr geringe prachliche Ausdrucksm√∂glichkeiten der Patienten UND keine Versicherung.

Wie ich auch im Zuge meiner eigenen bikulturellen Arbeit immer wieder feststelle, ist der Einsatz von Kindern, Verwandten und Bekannten der Patienten und Klienten als “Gratis-Dolmetsch” nicht generell anzuraten: besonders wenn es auch um psychische Probleme geht, besteht dabei das Risiko einer Rollenumkehr oder einem Verlust von Intimit√§t und Integrit√§t.

Hinzu kommen kulturspezifische Faktoren in Behandlung und Beratung: “Psychosomatik gibt es in jedem Kulturkreis, aber der Umgang damit variiert”, schildert Topitz. So neigen etwa s√ľdosteurop√§ische Frauen dazu, Schmerzen viel dramatischer und massiver zu schildern als √Ėsterreicherinnen: “Die Patientinnen dr√ľcken ihre Schmerzen anders aus, diffuser und weniger differenziert, es tut alles weh und st√§ndig, und auch die Affektlabilit√§t ist gesteigert, die Frauen weinen und klagen viel”, erz√§hlt Topitz. Die Schmerzen k√∂nnen dann ein Ausdruck f√ľr die prek√§re Gesamtsituation sein, denn es ist leichter, √ľber k√∂rperliche Beschwerden eine Anlaufstelle und eine Ansprechperson zu finden. Der eine oder andere Arzt versorge dann die Patienten ohne Rezept mit Medikamenten, aber solche Ma√ünahmen k√∂nnen nur Tropfen auf den hei√üen Stein sein.

Die Patientengruppe der Migranten zeichne sich dar√ľber hinaus durch einen √ľberm√§√üigen und wahllosen Umgang mit Medikamenten aus. Das kann unter anderem daran liegen, dass √Ąrzte normalerweise nicht die M√∂glichkeit haben, sprachunkundigen Patienten gen√ľgend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen und diese mit Tabletten “abfertigen.”

Manche Klienten der transkulturellen Ambulanz stehen unter hohem Druck, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht gekl√§rt ist und sie st√§ndig von einer Abschiebung bedroht sind (Fellner: bzw. eine R√ľckkehr in das Heimatland aus anderen, etwa finanziellen Gr√ľnden unm√∂glich erscheint). Solche Umst√§nde generieren einen Teufelskreis von Angst, R√ľckzug und Schmerzen, aus dem die Patienten selbst mit Medikation und Betreuung kaum herausfinden k√∂nnen.

(Quellen: Der Standard v. 25.01.2011, Fellner, “Wenn zwei Welten aufeinander treffen – Bikulturelle Partnerschaft” (2011); Image src:womenhealthzone.com)

ÔĽŅ01.09.19