Apr 10

In meiner Praxis habe ich sehr hĂ€ufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat natĂŒrlich fast immer psychische GrĂŒnde – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer Ängste oder (meiner Erfahrung nach der hĂ€ufigste Grund) an zu geringem SelbstwertgefĂŒhl.

Image source: imhomir.com

Die Probleme rund um Partnersuche, AttraktivitĂ€t und sexuelle Anziehungskraft beflĂŒgeln Forscher und KĂŒnstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel möchte ich die Ergebnisse einschlĂ€giger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie fĂŒr PlausibilitĂ€t oder gar Erfolg ĂŒbernehme ich keine! 😉

AttraktivitÀt und Partnerwahl

  • “Attraktive Körper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf Ă€sthetische EindrĂŒcke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um ReproduktionsfĂ€higkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem Körperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealmaße sind stĂ€rker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer grĂ¶ĂŸeren Waist-Hip-Ratio (Taille-HĂŒft-VerhĂ€ltnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind fĂŒr Krisenzeiten aber besser gerĂŒstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • Östrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – wĂ€hrend der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Testosteron macht MĂ€nnergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen stĂ€rken die AbwehrkrĂ€fte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
  • Frauen werden eher gewĂ€hlt, wenn sie schön sind, MĂ€nner eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angefĂŒhrten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Schönheit verunsichert.” – dies, und daß es attraktive Frauen und MĂ€nner bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, wĂ€re eine mögliche Schlußfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg Ă€nderten FußgĂ€nger ihre Gehrichtung, um mehr von MĂ€nnern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer hĂŒbschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, daß AttraktivitĂ€t, GruppengrĂ¶ĂŸe und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begrĂŒndeten (Quelle).
  • Von der AttraktivitĂ€t der Kleidung wird auf andere AttraktivitĂ€ts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingeschĂ€tzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Große MĂ€nner kommen sexuell und sozial besser weg.” – MĂ€nner haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten, mit zunehmender KörpergrĂ¶ĂŸe scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine MĂ€nner sind tendenziell am eifersĂŒchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die großen eifersĂŒchtiger als die durchschnittlich großen. Allerdings werden die durchschnittlich großen Frauen am ehesten von großen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen Ă€ltere MĂ€nner und diese jĂŒngere Frauen vor.” – Eine ErklĂ€rungsmöglichkeit fĂŒr die biologischen Ursachen dieses PhĂ€nomens lieferte eine Studie, die herausfand, daß  Frauen mit einem vier Jahre Ă€lteren Partner und MĂ€nner mit einer sechs Jahre jĂŒngeren Partnerin den grĂ¶ĂŸten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine Körperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung fĂŒr GlatzentrĂ€ger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer ökonometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: MĂ€nner, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine AffĂ€re aus waren. FĂŒr MĂ€nner ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, fĂŒr Frauen das Einkommen eines Mannes von grĂ¶ĂŸter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erhĂ€lt er. Die AttraktivitĂ€t einer Frau wĂ€chst fĂŒr MĂ€nner zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. [..] MĂ€nner fĂŒhlen sich angezogen von Studentinnen, KĂŒnstlerinnen, Musikerinnen, TierĂ€rztinnen, und BerĂŒhmtheiten, sie meiden SekretĂ€rinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim MilitĂ€r oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und FeuerwehrmĂ€nner, außerdem RechtsanwĂ€lte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass MĂ€nner vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. FĂŒr Frauen hingegen ist Übergewicht tödlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar hĂ€ufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas grĂ¶ĂŸer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare fĂŒr eine Frau ungefĂ€hr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • In Partnerbörsen, speziell solchen in Dating-Apps, waren als Ersteindruck Fotos, die eine offene, gestreckte Körperposition zeigten, am erfolgreichsten – und zwar sowohl bei MĂ€nnern als auch bei Frauen (Quelle).
  • “”Fiese” MĂ€nner bekommen die meisten und schönsten Frauen ab” – in den meisten einschlĂ€gigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden MĂ€nner eine (auch unterschiedlich ausgeprĂ€gte) Kombination aus Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
  • MĂ€nner sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit ĂŒber die GefĂŒhle des GegenĂŒbers erhöht dessen AttraktivitĂ€t (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).


SexualitÀt

  • “Schon die bloße Anwesenheit einer Frau erhöht den Testosteronspiegel” – unabhĂ€ngig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von MĂ€nnern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die HĂ€ufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder mĂ€chtigen MĂ€nnern wird von Frauen womöglich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
    Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto höhere AnsprĂŒche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei MĂ€nnern gibt es diese Korrelation nicht, was heißen könnte, daß sie weniger wĂ€hlerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller AktivitĂ€t” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden HĂ€nden ungefĂ€hr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit AttraktivitĂ€t durch Symmetrie, siehe oben), eher in jĂŒngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr außerpartnerschaftliche AffĂ€ren (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf mĂ€nnlichen Schweißgeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schweißgeruch von MĂ€nnern unterscheiden (Quelle)
  • FrauentrĂ€nen wirken “abtörnend” auf MĂ€nner, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
  • ZĂ€hlt “die GrĂ¶ĂŸe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die PenisgrĂ¶ĂŸe fĂŒr Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich hĂ€ufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die PenisgrĂ¶ĂŸen unterscheiden, werden jene mit grĂ¶ĂŸerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])

Familie / Kinder / FertilitÀt (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen MĂ€nnern wurde in einer Studie höherer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergÀnzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2016)

Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche – wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann

Mar 14

("Old Love" by PrincessMemi @ Deviantart)

Der FrĂŒhling naht: alles beginnt wieder zu blĂŒhen, und auch viele von uns merken, wie die “LebenssĂ€fte” wieder verstĂ€rkt zu fließen beginnen. Der FrĂŒhling gilt traditionell als Zeit des Verliebens, der Romantik. Doch wie geht es den Ă€lteren Menschen, wie erleben sie diese Zeit? Hat sich bei ihnen das Thema “Liebe” erledigt oder handelt es sich vielleicht mehr um ein gesellschaftliches Tabu, sich ein ernsthaftes “Verlieben” oder gar sexuelle Beziehungen bei Ă€lteren Menschen gar nicht mehr zu erwarten oder abzuwerten?

Der Wiener Psychotherapeut und Paartherapeut Richard L. Fellner fĂŒhrte zu diesem Thema ein GesprĂ€ch mit einem Redakteur der Zeitschrift “GesĂŒnder Leben“.

GL: “Sind Schmetterlinge im Bauch unabhĂ€ngig vom Alter?”

rlf: “Zum Verlieben ist man nie zu alt! Und wĂ€re es nicht auch traurig, wenn ab einem bestimmten Alter niemand mehr die Chance hĂ€tte, bei uns auch nur das geringste KribbelgefĂŒhl in der Brust zu erzeugen..?

GL: “Was ist das Geheimnis wahrer Liebe?”

rlf: “Diese Frage ließe ich lieber “Julia” oder “Romeo” beantworten! 😉

Aus paartherapeutischer Sicht gibt es dafĂŒr kein Universalrezept. Vielmehr wissen wir heute, dass das GefĂŒhl von “Liebe” sowohl historisch als auch kulturell immer schon sehr grossen Wandlungen unterworfen war und bis heute ist. Unser “ideales Liebes-Modell” von heute wird also vermutlich nicht auch das von morgen sein, und in unterschiedlichen Kulturen werden von Partnern mitunter höchst unterschiedlichste QualitĂ€ten erwartet. Was aber die meisten “Liebes-Ideen” vereint, ist a) die Bedeutung der KompatibilitĂ€t (Vereinbarkeit) der jeweiligen BedĂŒrfnisse und Erwartungen der Partner, dass b) diese BedĂŒrfnisse und Erwartungen von beiden kommuniziert werden können und – das ist ebenfalls ganz wesentlich – c) dass diese in ihrer Umwelt lebbar sind.
Selbst in unserer vordergrĂŒndig toleranten Gesellschaft gibt es ja ganz bestimmte Kriterien, an denen die “QualitĂ€t” von Beziehungen gemessen wird, und mitunter kann es dazu kommen, dass Partnerschaften letztendlich vor allem daran zerbrechen, weil sie von Freunden und Bekannten nicht respektiert werden. Und schon wieder könnten “Romeo & Julia” mitdiskutieren 
”

GL: “In wieweit erlebt man eine Beziehung als 20jĂ€hriger anders als als 50/60jĂ€hriger?”

rlf: “JĂŒngere Menschen werfen sich meist mit ihrer gesamten Persönlichkeit in ihre Partnerschaften. Eine Beziehungskrise wird dann rasch auch zu einer regelrechten Lebenskrise. Ältere Menschen dagegen verfĂŒgen bereits ĂŒber mehr Beziehungserfahrung, sind zudem meist in der Lage, auftretende Probleme in einem grĂ¶ĂŸeren und damit auch gelasseneren Kontext zu sehen.
Es kann ihnen dadurch allerdings auch schwerer fallen, zu vertrauen, oder den “Schmetterlingen im Bauch” Flugfreiheit zu geben.

GL: “Stimmt es, dass Verliebt-Sein und Liebe nicht dasselbe ist?”

rlf: “Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich dabei schlicht um unterschiedliche hormonelle Stadien. Am Beginn einer Beziehung gibt es hormonelle “peaks”, intensivste GlĂŒcksgefĂŒhle, der Partner wird dann hĂ€ufig idealisiert gesehen. Von “Liebe” wĂŒrde ich dagegen insbesondere dann sprechen, wenn bei einer Beziehung eine gewisse “Selbstlosigkeit” der Partner zu beobachten ist, und “Partnerschaft” nicht nur der Arbeitstitel ist, sondern echten Teamgeist und Kooperation ausdrĂŒckt.
Wenn man sich also auch mal selbst hintanstellt und bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sogar eigene BedĂŒrfnisse eine gewisse Zeit lang im Interesse des Partners unterzuordnen, das ist Liebe: ein langfristiges Fundament, bei dem einer fĂŒr den anderen sorgt und fĂŒr ihn da ist. Wo versucht wird, mit Krisen umzugehen und diese aufzulösen, statt gleich das Weite zu suchen, “weil mir das nicht mehr gut tut“.

Das letztere Modell entspricht eher einer konsumorientierten Sicht von Beziehung, in der man sich bedient und genießt – aber weiterzieht, wenn der Genuss auszubleiben droht oder sich gar in ein UnwohlgefĂŒhl verkehrt. Damit, also eigentlich mit dem heute bei uns im Westen dominierenden Beziehungsmodell verglichen, sind etwa die traditionellen (bei uns aber hĂ€ufig abgewerteten) afrikanischen oder asiatischen Beziehungsmodelle, in denen es mehr um Versorgung und StabilitĂ€t geht, aber die Partnerschaften deutlich weniger mit emotionalen BedĂŒrfnissen aller Art aufgeladen sind, deutlich tragfĂ€higer und krisenresistenter. Meine TĂ€tigkeit in Asien und mit bikulturellen Paaren war in dieser Hinsicht sehr lehrreich und denk-erweiternd fĂŒr mich.

GL: “Was sind die hĂ€ufigsten Fehler, die junge, aber auch Ă€ltere Paare machen?”

rlf: “1) Kommunizieren Sie! Wenn Probleme und Unannehmlichkeiten im Beziehungsleben stĂ€ndig nur verdrĂ€ngt werden, ist ein “dickes Ende” meist unausweichlich. Es ist  wichtig, dass Ihr Partner, Ihre Partnerin weiss, woran er/sie mit Ihnen ist, was Sie brauchen, um sich wohlzufĂŒhlen, und was Sie stört.

2) Lassen Sie es auch mal gut sein! Wer glaubt, alles ausdiskutieren zu mĂŒssen, oder irgendwann den Partner endlich so zurechtformen zu können, dass er fĂŒr einen keine Ecken und Kanten mehr hat, fĂŒr den wird die Beziehung nicht nur zu einer Art “Zweitjob”, sondern frĂŒher oder spĂ€ter geht wohl auch die Freude an ihr – oder am Partner – verloren.

3) SchĂŒtzen Sie Ihre Partnerschaft vor anderen! Jeder darf die “ideale Beziehung” fĂŒr sich selbst definieren, doch fordern Sie diesen Respekt durchaus auch fĂŒr Ihre eigene Partnerschaft ein. Diese muss in erster Linie nĂ€mlich nicht den AnsprĂŒchen der anderen genĂŒgen, sondern vor allem Ihren eigenen und jenen Ihres Partners/Ihrer Partnerin.

(Das Interview erschien in der Ausgabe 04/2012 der Zeitschrift)

Dec 01

Einem Essener Psychotherapeuten wurde Berufsverbot erteilt, da er im Jahre 2008 mit einer Langzeitklientin intim geworden war. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bestÀtigte nun dieses Urteil und wies die Berufung des Therapeuten ab.

Und ich finde das auch ganz gut so. Wie widrig die UmstĂ€nde auch sein mögen, wie manipulativ sich auch manche AblĂ€ufe in Psychotherapien mitunter gestalten: ein(e) Psychotherapeut(in) sollte in jeder Situation “Herr(in) der Lage” bleiben, das VertrauensverhĂ€ltnis muss funktions- und tragfĂ€hig bleiben.

Referenzen:
https://plus.google.com/107937498049518094865/posts/YiBR4JNx1yS
http://www.derwesten.de/staedte/essen/laut-richterurteil-ist-sex-mit-patientin-absolut-tabu-id6123061.html

(Bildquelle: treatment4addiction.com)

Nov 06

Fast jeder von Ihnen dĂŒrfte jemanden kennen, der in einer sogenannten “abhĂ€ngigen Beziehung” bzw. “BeziehungsabhĂ€ngigkeit” verstrickt ist – oder diesen leidvollen Zustand sogar aus eigener Erfahrung kennen. Dies sind jene Beziehungsformen, bei denen jeder ringsum die HĂ€nde ĂŒber dem Kopf zusammenschlĂ€gt und sich wundert, warum sich diese beiden Menschen trotz ihrer chronischen Probleme nicht voneinander lösen können.

HĂ€ufig besteht ein starkes und auffĂ€lliges Ungleichgewicht zwischen beiden Partnern, und immer wieder kommt es zu Aggression, Eifersucht oder emotionaler Erpressung – und dennoch kann sich der “abhĂ€ngige” Partner nicht dauerhaft lösen, ja entschuldigt vielleicht sogar das Verhalten des anderen. Auf der Suche nach Antworten fielen mir im Zuge meiner jahrlangen UnterstĂŒtzung von suchtkranken Menschen und Paaren in Krisensituationen bei letzteren Dynamiken auf, die sehr an die Probleme von substanzabhĂ€ngigen (“drogenabhĂ€ngigen”) Menschen und deren PartnerInnen erinnern.

So findet sich in abhĂ€ngigen Beziehungen fast immer ein Partner, der emotional instabil ist und im Grunde professionelle Hilfe benötigen wĂŒrde, um seine psychischen Probleme zu bearbeiten. Da dies aber nicht stattfindet (z.B. weil das Ausmaß des Problems verdrĂ€ngt wird), wird jemand benötigt, der bereit ist, zu “unterstĂŒtzen”, oder anders gesagt: seine Zeit, Energie und hĂ€ufig genug auch sein Geld zu investieren, um die Situation wieder zu beruhigen und die Beziehung am Laufen zu erhalten – immer in der Hoffnung, dass die Zukunft Besserung bringt.

TatsĂ€chlich aber erhĂ€lt die “UnterstĂŒtzung” hĂ€ufig nur einen Teufelskreis aufrecht. FĂŒr die labileren Beziehungspartner ist dies hĂ€ufig ein durchaus vertrauter und auch gesuchter Zustand: viele von ihnen fanden in Ihrem Leben immer wieder “hilfreiche Seelen”, die sie selbstlos unterstĂŒtzten, was wirkliche VerĂ€nderung ĂŒberflĂŒssig machte.

7 Indikatoren fĂŒr BeziehungsabhĂ€ngigkeit:

  • Unehrlichkeit. Beide Partner kommunizieren nicht offen ĂŒber ihre wahren Absichten, BedĂŒrfnisse und Sorgen.
  • Unrealistische Erwartungen. Beide Partner hoffen darauf, dass der andere ihre Probleme löst – das SelbstwertgefĂŒhl, das Körperbild, Familien- oder existenzielle Probleme. Sie glauben, die “richtige Beziehung” wĂŒrde alles besser machen. TatsĂ€chlich jedoch leben sie in einer defizitĂ€ren, abhĂ€ngigen Partnerschaft.
  • Instant-Befriedigung. Einer der beiden erwartet, dass der andere immer fĂŒr ihn da zu sein hat, wann immer er ihn/sie braucht; der Partner ist dazu da, sich besser zu fĂŒhlen – aber eben weniger als “Partner”, sondern mehr als “Droge”.
  • Zwanghafte Kontrolle. Wenn sich der Partner nicht so verhĂ€lt, wie man das will oder zu benötigen glaubt, wird mit “Abhauen” oder Trennung gedroht; im anderen mögen stĂ€ndig Sorgen ĂŒber eine solche Trennung aufkommen, wann immer eine Krise entsteht. Beide Partner können sich “aneinander gekettet” fĂŒhlen – in negativer oder positiver Hinsicht.
  • Mangelndes Vertrauen. Keiner der Partner ist sich 100%ig sicher, “wirklich” vom anderen geliebt zu werden, denn manchmal werden allzu deutlich GefĂŒhle von Hass oder Verzweiflung des anderen wahrnommen.
  • Soziale Isolation. Niemand wird eingeladen – weder Freunde, noch Familienmitglieder oder Bekannte aus der Arbeit. BeziehungsabhĂ€ngige Menschen wollen in Ruhe gelassen werden und können unwirsch reagieren, wenn jemand Fragen zu ihrer Partnerschaft stellt.
  • Teufelskreis aus Schmerz. Paare, die in einer Beziehung mit AbhĂ€ngigkeitscharakteristika leben, durchlaufen regelmĂ€ĂŸig Zyklen von Freude, Schmerz, EnttĂ€uschung, SchuldgefĂŒhlen und (hĂ€ufig emotional oder sexuell aufgeladener) Versöhnung. Diese Zyklen wiederholen sich so lange, bis beide Partner professionelle Hilfe suchen oder einer der Beziehungspartner aus der abhĂ€ngigen Partnerschaft ausbricht.

UnglĂŒcklicherweise gibt es kein “Patentrezept”, wie die betreffenden Beziehungen zu verbessern wĂ€ren, denn in der Regel zeigen auch die in der Beziehung “ausgebeuteten” Partner eine hohe Resistenz allen gutgemeinten RatschlĂ€gen gegenĂŒber – besonders solchen, die eine gesĂŒndere Distanz zur Partnerschaft zur Folge haben wĂŒrden. Vielleicht aber helfen als erste Orientierungsmöglichkeit die folgenden

Tipps zur Überwindung von BeziehungabhĂ€ngigkeit:

  • ErklĂ€ren Sie Ihre “Heilung” zur ersten PrioritĂ€t Ihrer aktuellen Lebensphase.
  • Sehen Sie mutig Ihren eigenen Problemen und MĂ€ngeln ins Auge.
  • Kultivieren Sie all das, an was es Ihnen selbst fehlt: fĂŒllen Sie z.B. jene LĂŒcken aus, die Sie manchmal schlecht oder ungenĂŒgend fĂŒhlen lassen und/oder beseitigen Sie die Probleme, die Sie ursprĂŒnglich anfĂ€llig fĂŒr ihr Suchtverhalten machten.
  • Lernen Sie, damit aufzuhören, andere steuern und kontrollieren zu wollen; konzentrieren Sie sich statt dessen mehr auf Ihre eigenen BedĂŒrfnisse und verbessern Sie Ihr SelbstwertgefĂŒhl, um emotional unabhĂ€ngiger zu werden.
  • Finden Sie heraus, was Ihnen einen Zustand von Ruhe und Gelassenheit erleichtert und reservieren Sie eine bestimmte Tageszeit dafĂŒr, sich dies auf tĂ€glicher Basis zu ermöglichen.
  • Erlernen Sie, die Spiele und Rituale des Suchtverhaltens zu vermeiden und vermeiden Sie, fĂŒr Sie verfĂ€ngliche Rollen anzunehmen (z.B. “Retter”/”Helfer”, “AnklĂ€ger”, “Opfer” (der/die Hilflose).
  • Finden Sie Freunde, die Sie verstehen und Ihre Erfahrungen teilen können (z.B. Selbsthilfe-Gruppe).
  • Überlegen Sie, sich professionelle UnterstĂŒtzung zu gönnen, um den Erholungsprozess zu beschleunigen.

Vielen Blog-LeserInnen dĂŒrfte vertraut sein, wie hĂ€ufig Freunde oder Bekannte, die in solche Beziehungen verstrickt sind, in diesen emotional geschĂ€digt, finanziell ausgebeutet oder sogar körperlich verletzt werden. Was Sie als guter Freund oder gute Freundin aber tun können, ist, es zu vermeiden, auch selbst mit in das “schwarze Loch” gezogen zu werden, indem Sie beide unnachgiebig dazu aufzufordern, sich professionelle Hilfe (z.B. Paarberatung) zu suchen.

(Indikatoren basieren auf einem Artikel von Laurie Pawlik-Kienlen; Tipps zum Überwinden basieren in Teilen auf Robin Norwood’s Buch “Wenn Frauen zu sehr lieben“; Image src:hubpages.com)

Oct 09

Die Partnersuche gehört fĂŒr viele Menschen zu den schwierigsten und nicht selten auch frustrierendsten Herausforderungen im Lebensverlauf. Tausende BĂŒcher und Websites widmen sich folglich diesem Thema, und ebenso viele Partnervermittlungsagenturen und Internet-Singlebörsen suchen nach immer neuen Wegen, MĂ€nner und Frauen dabei zu unterstĂŒtzen, die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden.

Doch was macht diese Suche zu einem solch schwierigen Unterfangen, an dem selbst hochintelligente Menschen immer wieder scheitern? Im Zuge meiner UnterstĂŒtzung zahlreicher Klienten bei ihrer Partnersuche zeigten sich hĂ€ufig folgende Grundprobleme:

Das GefĂŒhl, man/frau mĂŒsse allein aufgrund ihres “Wertes” geliebt werden

Gerade leistungsorientierte Menschen erleben wĂ€hrend ihrer Ausbildungszeit, dass ihnen harte Arbeit auch Erfolg bringt (und intelligente Menschen, dass sie sich dafĂŒr womöglich nicht einmal besonders anzustrengen brauchen). Erfolge bringen uns Anerkennung, Respekt und positive VerstĂ€rkung. Doch die Annahme, dass dies wohl auch beim Kennenlernen gilt, dĂŒrfte sich hĂ€ufig als Trugschluss herausstellen: denn bei den ersten Dates geht es so gut wie ausschließlich darum, wie sich der andere fĂŒhlt. Man kann einen potenziellen Partner nicht fĂŒr sich “gewinnen”, sondern in gewissem Sinne geht es darum, sich von ihm “entdecken” zu lassen – wobei jedoch weniger leistungsbezogene Attribute zĂ€hlen (wie auch wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder belegen), sondern vielmehr emotionale Attribute wie das Erzeugen einer positiven, ja spielerischen AtmosphĂ€re, ein kommunikatives Eintauchen-können in die Welt des anderen und das Vermitteln eines GefĂŒhls, dass der andere Bedeutung fĂŒr einen hat. Eine Bedeutung, fĂŒr die man auch etwas zu tun bereit ist – ohne jedoch “bedĂŒrftig” zu wirken. Dies sind jedoch FĂ€higkeiten, die man in der UniversitĂ€t, wenn ĂŒberhaupt, dann eher wĂ€hrend der Pausen als den Vorlesungen erwerben kann…

Conclusio: vergiß’ das, was du kannst oder darstellst. Verschaffe dem anderen eine gute Zeit, und er/sie wird sich daran erinnern – und mit ein bißchen GlĂŒck mehr davon wollen.

Mangel an Erfahrung

Den vorigen Gedanken aufgegriffen, sind wir bereits bei einem weiteren hĂ€ufigen Grund fĂŒr langfristige Partnerlosigkeit: Zeit, die man fĂŒr das Studium, die Arbeit, im Fitness-Studio oder vor dem Fernseher verbringt, ist auch Zeit, die einem fĂŒr wichtige andere Dinge abgeht – etwa das Kennenlernen potenzieller Partner. UngĂŒnstigerweise fĂŒhren EnttĂ€uschungen bei der Partnersuche aber bei vielen Menschen dazu, sich nur noch stĂ€rker in ihre Arbeit, den Computer oder ihren Sport zu vertiefen. Deshalb steht bedauerlicherweise sogar eine sehr hohe Zahl von Menschen, die sich bereits in ihrer Lebensmitte befinden, hinsichtlich ihres Beziehungslebens noch ganz am Anfang – trotz oder gerade wegen großen beruflichen Erfolgs oder höchst aktiver Freizeitgestaltung.

Entfremdung von der IdentitÀt als Mann oder Frau

Gerade arbeitsbezogene und intelligente Menschen haben hĂ€ufig noch mit einem zusĂ€tzlichen Problem zu kĂ€mpfen: ihr Selbstbild als erfolgreiche und intelligente Person, die sich vor allem mit ihren mentalen FĂ€higkeiten im Leben durchsetzen kann, fĂŒhrt zu einem eher ungeeigneten Auftreten bei der Partnersuche, bei der völlig andere PrioritĂ€ten gelten. Viele dieser Menschen legen zu wenig Wert auf ihr Ă€ußeres Erscheinungsbild oder dieses wirkt kĂŒhl und zu förmlich – auf Kosten der sinnlichen Ausstrahlung bei Frauen und sexuellem “Prickeln” der MĂ€nner. Es mögen sich dann interessante Diskussionen zwischen zwei Dating-Partnern entwickeln, aber, wie man so schön sagt: “der Funke springt nicht ĂŒber”. Denn die Energien sind gewissermaßen im Kopf konzentriert, aber vom Herz und dem Rest des Körpers abgeschnitten – auf Kosten einer klar mĂ€nnlichen bzw. weiblichen Ausstrahlung.

Das mag zunĂ€chst ein wenig “esoterisch” klingen, als professionell eingestellter und sich der Wissenschaftlichkeit verpflichtet fĂŒhlender Psychotherapeut und Paartherapeut aber möchte ich sagen: niemand von uns sollte meinen, sich ĂŒber zehntausende Jahre lange “Programmierungen” einfach hinwegsetzen zu können. Auch am Beginn moderner und gleichberechtigter Partnerschaften steht “das gewisse Kribbeln” … und gar nicht selten auch die eine oder andere sexuelle Idee! Die FĂ€higkeit zu entwickeln, diese Signale zu induzieren – oder zumindest nicht zu verhindern – kann jedoch gerade in unserer leistungsbezogenen Informationsgesellschaft eine ernstzunehmende Herausforderung darstellen.

HĂ€ufig lĂ€uft diese darauf hinaus, unsere “wilde Seite”, unsere Urinstinkte wieder stĂ€rker zuzulassen. Stellten wir unser hochkomplexes (und gerade im Beziehungsbereich hĂ€ufig von Verboten, Regeln und gut gemeinten “Tipps” ĂŒberfrachtetes) Denken einmal fĂŒr einige Minuten zurĂŒck, wĂŒrde mancher Mann wohl eher den richtigen Zeitpunkt finden, eine Offensive zu wagen, oder eine Frau, ihr Haar zurĂŒckzuwerfen und dem Mann ihres Interesses ein klares Signal zu senden.

Zu hohe SelektivitÀt

Unsere Kultur, unsere Medien machen uns zu Konsumenten: wir sind es gewohnt, zu selektieren und darin trainiert, uns nur “das Beste zu gönnen”. Jeder von uns kann auf Abruf zumindest 5 Eigenschaften unseres gewĂŒnschten Traumpartners definieren, zu denen hĂ€ufig auch die einen oder anderen körperlichen Charakteristika zĂ€hlen. Das Problem ist nur: jede “Muss-Eigenschaft”, die wir an potenzielle Partner anlegen, schließt hunderttausende mögliche “ZukĂŒnftige” ĂŒber unseren Suchfilter von vornherein aus. Lebt man zu allem Überfluß womöglich noch in einer kleineren Stadt, verbleibt hĂ€ufig nur die Möglichkeit, die Suche entweder auf den gesamten Kontinent auszudehnen (und dann womöglich eine Beziehung auf Distanz fĂŒhren oder großrĂ€umig ĂŒbersiedeln zu mĂŒssen), das Thema “Partnerschaft” völlig abzuschreiben – oder aber auch: etwas gelassener und offener zu werden!

Jede dieser Möglichkeiten ist legitim – doch die zuletzt genannte hat meiner Ansicht nach einen gewissen Charme: realistisch betrachtet nĂ€mlich wĂŒrde es ohnehin schwierig sein, einen perfekten Partner zu finden. Viel eher wird sich bei ihm oder ihr spĂ€testens nach einem genaueren Kennenlernen der eine oder andere “Schönheitsfehler” enthĂŒllen. Weiten wir hingegen unseren Blick, so wird sich herausstellen, dass es auch ganz generell eine schöne und befriedigende Erfahrung sein kann und unsere Beziehungen belebt, wenn wir Menschen fĂŒr das wertschĂ€tzen, was sie sind, statt uns darauf zu konzentrieren, was ihnen fehlt.

Wahre Liebe ist, jemanden fĂŒr das zu lieben, was er ist. Das bedeutet keineswegs, dass wir uns mit dem Mittelmaß zufriedengeben sollten. Sehr wohl aber ist es sinnvoll, hohe Standards gelegentlich auf ihre NĂŒtzlichkeit fĂŒr das reale Leben hin zu ĂŒberprĂŒfen. HĂ€ufig lĂ€uft die Entscheidung nĂ€mlich gerade im Bereich der Partnersuche ultimativ auf die Wahl hinaus, entweder mit den eigenen Idealen jeden Abend alleine daheim zu sitzen oder sich fĂŒr die Möglichkeiten zwischenmenschlicher Erfahrungen und auch Überraschungen zu öffnen – ja dabei vielleicht sogar von uns selbst ĂŒberrascht zu werden…

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Wissenschaftliche Aufriss”-Tipps

(Image src: answersfrommen.com)

Nov 12
Die 7 Stadien von Partnerschaften

Die 7 Stadien von Partnerschaften (img: inner-bonding.com)

von Daphne Rose Kingma

Jede Partnerschaft durchlĂ€uft 7 unterschiedliche emotionale und spirituelle Stadien. WĂ€hrend wir uns durch diese Phasen bewegen, gelangen wir auf höhere Ebenen der Liebe. Auf diese Weise können diese Phasen zu einem Fahrzeug werden, um unser Bewußtsein hin zu einer spirituellen Dimension der Liebe zu fĂŒhren.

1. Die Flitterwochen – “Falling in Love”

Alles fĂŒhlt sich gut an – GlĂŒckseligkeit, der romantische Himmel. Rote Rosen, Mondlicht und Leidenschaft. Man sagt sich: “Ich habe die Person meiner TrĂ€ume gefunden, alles wird wunderbar. Alle meine BedĂŒrfnisse werden erfĂŒllt werden.”

2. Die Verpflichtung – Versprechen und GelĂŒbde

Wir werden einander regelmĂ€ĂŸig sehen, keine Verabredungen oder Sex mit anderen haben, zusammen leben oder heiraten. Wir anerkennen in vollem Bewußtsein, daß eine Beziehung existiert und weiter verfolgt wird.

3. Die Krise – Ein Riss in der Vase

Es zeigen sich Meinungsunterschiede, der Schleier der romantischen Illusion wird gelĂŒftet, wir kommen wieder auf die Erde und erahnen, was die RealitĂ€t ist, wir Ă€rgern uns. Es entwickelt sich Spannung, wĂ€hrend das GefĂŒhl ĂŒber die Wahrheit und Wirklichkeit zunimmt.

4. Die Tortur – Ein Machtkampf

MĂ€ngel, Fehler und grĂ¶ĂŸere -vorher noch unbemerkte- Unterschiede werden entdeckt, Zeit des emotionalen Wachstums und dunkle Seiten werden realisiert, wir versuchen, den emotionalen Schmerz, der in uns aufsteigt, zu beenden. Die Gelegenheit, eigene emotionale SchwĂ€chen zu erkennen, die unrealistischen Erwartungen an die Beziehungen werden aufgegeben.
Es ist die Zeit der Entscheidung: Leugnen/Verneinung oder der Beginn von Wachstum.
Diese Phase kann eine ganze Reihenfolge von Beziehungen umfassen.

5. Das Chaos – Verlust der Kontrolle

Aus der Qual entsteht Chaos. Eine AffĂ€re, wiederholte Konflikte, Langeweile, oder einfach nur schrittweises Auseinanderdriften. Manchmal entsteht aus dem Chaos das endgĂŒltige Ende der Beziehung oder vielleicht ein neuer Anfang. Dies ist die Einladung der Seele an die spirituelle Ebene der Liebe.

6. Der Verzicht – Das Erwachen

Wir sehen jetzt den wahren Zweck der Tortur, wir geben die alten Ansichten auf. Wir lassen unsere zwanghafte Bindung an unsere Vorstellungen ĂŒber die Form und Ziele der Beziehung los.
Wir beginnen, den Wert der Verbindung zu sehen, selbst wenn unsere Erwartungen nicht erfĂŒllt waren. Wir sind wie neugeboren, sehen den wahren Zweck der vorangegangenen Qualen und durchbrechen unsere bisherigen psychologischen Grenzen.

7. Wahre Liebe – Transformation

Wir integrieren das Wachstum, das in uns stattgefunden hat.
Es mĂŒssen jetzt keine emotionalen Bindungen oder BedĂŒrfnisse mehr gestillt werden, es gibt kein Festhalten, sodass wir jetzt die vollstĂ€ndige Annahme unserer selbst erreichen. Auf der spirituellen Ebene erkennen wir den höheren Zweck dieser Verbindung. Dies ist ein Moment großer emotionaler Lösung und spiritueller ErfĂŒllung. Auch an diesem Punkt kann die Beziehung auseinanderbrechen – oder die Partnerschaft auf eine neue Ebene gelangen, auf der das Wachstum, das beide jetzt integriert haben, mit Teil der neuen Beziehung wird.

The Future Of Love

(frei aus dem Englischen ĂŒbersetzt aus dem Buch “The Future of Love” von Daphne Rose Kingma, Doubleday, New York, 1998)

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Kommentar R.L.Fellner:

Ich halte das fĂŒr einen schönen Text – ganz unabhĂ€ngig davon, ob man den Hinweisen auf den spirituellen Aspekt einer Partnerschaft etwas abgewinnen kann oder nicht. Denn prinzipiell unterlaufen Partnerschaften i.d.R. tatsĂ€chlich die beschriebenen Stadien – und ebenso regelmĂ€ĂŸig zeigt sich fĂŒr mich bei der Begleitung von Paaren im Zuge einer Paartherapie hĂ€ufig, dass am Ende einer Krisenphase eine neue Ebene der Beziehung erreicht wird.

ï»ż01.09.19