Feb 18

Interessante Zahlen veröffentlichte kĂŒrzlich das englische Innenministerium: einer Gewaltstatistik zufolge leiden junge MĂ€nner ebenso sehr wie Frauen unter “Mißhandlungen” ihren jeweiligen Partner – zumindest, wenn man emotionale Gewalt wie z.B. Mobbing oder stĂ€ndiges Tyrannisieren auch als Mißhandlung (engl. “abuse”) wertet.

Vermutlich, weil MĂ€nner am Beginn einer Partnerschaft noch unsicherer sind, findet sich in der jĂŒngeren Altersgruppe von 20-24 Jahren sogar einen Überhang an weiblicher Gewalt (6,4% gegenĂŒber 5,4% mĂ€nnl.), in höheren Altersstufen gleichen sich beide Werte aneinander an, fĂŒr 2007/2008 gaben 2,2% der Frauen jeden Alters an, von ihrem Partner leichte oder schwere körperliche Gewalt erlitten haben, bei den MĂ€nnern waren es mit 2,0% nicht viel weniger. Frauen werden der Studie zufolge allerdings allgemein eher misshandelt und auch eher und wiederholt Opfer starker körperlicher Gewalt. Ein Bericht ĂŒber Gewalt gegen MĂ€nner des Deutschen Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 sowie eine vom kriminologischen Forschungsinstitut in Niedersachsen erstellte Studie kamen zu Ă€hnlichen Ergebnissen fĂŒr Deutschland; in beiden wurde angemerkt, daß die Datenlage kaum gesicherte Erkenntnisse hergibt mit dem Verweis, daß “hĂ€usliche Gewalt”, die von Partnerinnen verĂŒbt wird, oft noch ein Tabu ist.

Umstrittenes, vom österr. Frauenministerium 2008 finanziertes Plakat, das VÀter als potenzielle GewalttÀter stilisiert

Allgemein scheint es einen zunehmenden Bewußtwerdungsprozess bezĂŒglich des Themas weiblicher Gewalt (u.a. auch hĂ€uslicher Gewalt) zu geben. Von mĂ€nnerspezifischen Hilfsorganisationen wird z.B. schon seit lĂ€ngerer Zeit bemĂ€ngelt, daß es zwar z.B. in England und Wales insgesamt beinahe 500 FrauenhĂ€user gibt, in die sich Frauen bei hĂ€uslichen Problemen flĂŒchten und Beratung einholen können, jedoch nur 7 einschlĂ€gige Einrichtungen fĂŒr MĂ€nner. Auch seien Organisationen und Forschungen, die sich mit frauenspezifischen Anliegen befassen, mit erheblichen finanziellen und medialen Mitteln ausgestattet, wĂ€hrend mĂ€nnerspezifische hĂ€ufig von Jahr zu Jahr um das finanzielle Überleben kĂ€mpfen. Die Scham vieler MĂ€nner, bei hĂ€uslicher Gewalt Hilfe zu holen, unterstreicht dabei das öffentliche Bild (aber auch die Statistiken vieler allgemeiner Beratungsstellen), daß in der Regel MĂ€nner die TĂ€ter, und Frauen die Opfer psychischer und körperlicher Gewalt sind.

WeiterfĂŒhrende Links und Artikel:

aktuelle Statistiken ĂŒber hĂ€usliche Gewalt in England von Mankind.org.uk

BmF-Studie 2004 (PDF)

Assaults By Women On Their Male Partners or Spouses – Bibliografie von ca. 250 Studien und anderen wissenschaftlichen Texten zum Thema

British Crime Survey England und der betr. Artikel auf BBC Online (2008) mit einigen themenverwandt verlinkten MagazinbeitrÀgen

HĂ€usliche Gewalt ist weiblich – Artikel im Novo-Magazin 03/2000, der körperliche Gewalt in Beziehungen sogar als mehrheitlich von Frauen ausgehend sieht

Mann als Opfer – ‘pressure group’-Website mit verlinkten Artikeln und Informationen

Nov 14

Erstmals seit 1988 wurde erhoben, wie oft rechtskrĂ€ftig verurteilte StraftĂ€terInnen erneut vor Gericht bestraft werden. 62 Prozent der von den heimischen Strafgerichten Abgeurteilten werden kein zweites Mal verurteilt, und selbst unter den Vorbestraften bleiben knapp 50% ohne weitere Verurteilung, somit schaffte jeder zweite den Ausstieg aus der “Karriere”. Immerhin ein FĂŒnftel allerdings wurde öfter als viermal wieder verurteilt. Bei Suchtmittel- und Vermögensdelikten war die RĂŒckfallquote am GrĂ¶ĂŸten. Von den verurteilten SexualstraftĂ€terInnen wurden nur 4% wieder einschlĂ€gig rĂŒckfĂ€llig.

Je geringer die Strafe ausfĂ€llt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, neuerlich vor Gericht zu landen – dies lĂ€sst sich ebenfalls aus der Statistik ablesen. 74 Prozent der zu einer bedingten Geldstrafe Verurteilten wurden ĂŒberhaupt nicht mehr verurteilt, wĂ€hrend 35 Prozent der zu unbedingten Haftstrafen neuerlich eine “Unbedingte” ausfassten. Die Wiederverurteilungsstatistik belegt auch deutlich die Sinnhaftigkeit von bedingten Entlassungen: wĂ€hrend 67 Prozent der Personen, die zum vorgesehenen Zeitpunkt aus der Strafhaft entlassen wurden, wieder verurteilt wurden, waren es bei vorzeitig auf BewĂ€hrung Entlassenen nur 54 Prozent.

Diese “Wiederverurteilungsstatistik” bezieht sich auf sĂ€mtliche im Jahr 2003 rechtskrĂ€ftig abgeurteilten Personen sowie jene, die im selben Jahr aus unbedingten Freiheitsstrafen entlassen wurden. Danach beobachteten die Wissenschaftler, wie viele MĂ€nner und Frauen bis Ende 2007 neuerlich strafrechtlich schuldig gesprochen wurden.

(Quellen: APA, Der Standard 14.11.2008)

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Kommentar R.L.Fellner:

Eine hochinteressante Studie – auch wenn mir der Untersuchungszeitraum viel zu kurz erscheint, um zuverlĂ€ssige Aussagen betreffend der Wiederholungsraten bzw. -wahrscheinlichkeit zu treffen. Die Tendenz vor allem hinsichtlich der Strafeffizienz (bedingte verglichen mit unbedingten Strafen, Strafhöhe) jedoch ist bemerkenswert, und könnte leidenschaftlichen Verfechtern von möglichst hohen Strafen (hĂ€ufigstes Argument: “zur Abschreckung”) durchaus zum Nachdenken geben.

ï»ż01.09.19