Mar 09

Im Sinne der geistigen Gesundheit ist es besser, öfters auch mal “nein” zu sagen
 (pic: andybhatti.com)

Bis zu 39% aller Demenz-Erkrankungen könnten laut einer kĂŒrzlich im Fachmagazin “The Lancet Public Health” veröffentlichten langjĂ€hrigen Studie zufolge auf ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum zurĂŒckzufĂŒhren sein.

FĂŒr die Studie wurden die Daten von 57.000 Personen, welche an HirnschĂ€den, vaskulĂ€rer Demenz und anderen Demenz-Erkrankungsformen (wie z.B. Alzheimer) in französischen SpitĂ€lern ausgewertet. 39% dieser FĂ€lle ließen sich auf alkoholbedingte HirnschĂ€den zurĂŒckfĂŒhren. 18% litten an weiteren Erkrankungen im Zusammenhang mit Alkohol. So gesehen verdreifache sich das Erkrankungsrisiko, an einer Form von Demenz zu erkranken, durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum: “Höchstwahrscheinlich fĂŒhrt Alkohol zu dauerhaften strukturellen und funktionellen HirnschĂ€den”, sagte Studienautor Michael Schwarzinger vom Translational Health Economics Network. Außerdem erhöht Alkoholkonsum das Risiko an Bluthochdruck, Diabetes, SchlaganfĂ€llen, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken, was wiederum das vaskulĂ€re Demenzrisiko erhöht.

Der Studie zufolge ist das Risiko durch ĂŒbermĂ€ĂŸigen Alkoholkonsum fĂŒr damit verbundene HirnschĂ€den viel grĂ¶ĂŸer als bisher angenommen, Schwarzinger fordert, Alkohol als Hauptrisikofaktor fĂŒr alle Arten von Demenz einzustufen. Hinzu kommt, dass starker Alkoholkonsum hĂ€ufig mit Rauchen, Depressionen und niedrigem Bildungsstand korreliert – all dies sind weitere Risikofaktoren fĂŒr Demenz.

Hintergrundwissen: von vorzeitiger Demenz sprechen Mediziner, wenn die Erkrankung vor dem 65 Lebensjahr auftritt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 47 Millionen Menschen an Demenz. Bei 60 bis 70 Prozent handelt es sich demnach um Alzheimer. Von “chronisch starkem Trinken” ist laut WHO die Rede ab dem Konsum von mehr als 60 Gramm reinem Alkohol pro Tag fĂŒr MĂ€nner (= ca. 4-5 Flaschen Bier ĂĄ 330ml oder 7 “Achterl”-GlĂ€ser Wein ĂĄ 100ml pro Tag) und mehr als 40 Gramm pro Tag bei Frauen (= 3 Flaschen Bier oder 4-5 GlĂ€ser Wein).

WeiterfĂŒhrende Informationen:

Alkohol-Selbsttest auf dieser Website

Literatur-Tipps zum Thema Alkoholismus

(Sources: Contribution of alcohol use disorders to the burden ofdementia in France 2008–13: a nationwide retrospectivecohort study; Image source: andybhatti.com)

Dec 24

Einer kĂŒrzlich veröffentlichten Studie zufolge haben Depressive ein um 45% erhöhtes Risiko, einen Hirnschlag zu erleiden, und eine um 55% höhere Wahrscheinlichkeit, daran zu versterben. Depression ist also offenbar neben zahlreichen anderen Erkrankungen und Störungsbildern, mit denen zumindest Wechselwirkungen und z.T. kausale ZusammenhĂ€nge bestehen, wie:

offenbar auch ein wichtiger Risikofaktor fĂŒr SchlaganfĂ€lle, so die Studienautoren von der Harvard Medical School of Public Health, Boston.

“Gerade Menschen mit Depressionen mĂŒssen ĂŒber die bekannten Risikofaktoren fĂŒr einen Schlaganfall, wie hoher Blutdruck, schlechte ErnĂ€hrung oder wenig Bewegung, aufgeklĂ€rt werden”, rĂ€t deshalb Prof. Martin Grond aus Siegen, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

Denn dass depressive Menschen auch ein höheres Risiko tragen, einen Schlaganfall zu erleiden, war bisher unklar. Mit jĂ€hrlich mehr als 250.000 FĂ€llen zĂ€hlt auch der Schlaganfall in Deutschland zu den Volkskrankheiten, die Studienergebnisse sind somit auch ökonomisch bedeutsam fĂŒr das Gesundheitssystem.

In der Metaanalyse wurden Daten von insgesamt 317.540 Menschen aus 28 prospektiven Bevölkerungsstudien ausgewertet. Zu Beginn untersuchten Ärzte die Probanden auf depressive Symptome und betreuten sie in der Folge noch bis zu 29 Jahre lang. In diesem Zeitraum erlitten 8478 Studienteilnehmer einen Schlaganfall. Die Daten zeigen, dass Depressive ein um 45 Prozent höheres Risiko haben, einen Hirnschlag zu erleiden. Ihr Risiko an einem Schlaganfall zu versterben, lag sogar um 55 Prozent höher als bei psychisch Gesunden. „Legt man unsere Zahlen zugrunde, sind etwa 4 Prozent aller SchlaganfĂ€lle in den USA auf eine Depression zurĂŒckzufĂŒhren“, machen die Autoren die Relevanz ihrer Ergebnisse deutlich. Hochgerechnet auf Deutschland wĂ€ren dies 10.000 SchlaganfĂ€lle jĂ€hrlich. Bei genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass Depressive vor allem hĂ€ufiger einen ischĂ€mischen Hirninfarkt – nicht eine Hirnblutung – bekamen.

Hormone und ungesunde LebensfĂŒhrung könnten die Ursachen sein

Nach Meinung der Studienautoren gibt es mehrere Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklĂ€ren könnten: Zum einen beeinflussen Depressionen den Hormonhaushalt des Menschen und können EntzĂŒndungen verstĂ€rken. So findet man bei Depressiven höhere Blutspiegel fĂŒr EntzĂŒndungsfaktoren wie CRP, IL-1 und IL-6, die nachweislich zu einem höheren Schlaganfallrisiko fĂŒhren können.

DarĂŒber hinaus vernachlĂ€ssigen Depressive eher ihre Gesundheit. Studien haben gezeigt, dass depressive Menschen hĂ€ufiger rauchen, sich körperlich weniger betĂ€tigen und schlechter ernĂ€hren. Diese Faktoren und die daraus entstehenden Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck könnten fĂŒr das erhöhte Schlaganfallrisiko von Depressiven mitverantwortlich sein.

Zudem geben die Forscher zu bedenken, dass auch die Einnahme von Antidepressiva mit einem höheren Risiko fĂŒr einen Schlaganfall verbunden war. Ob die Medikation selbst oder die damit einhergehende Schwere der Depression das Risiko erhöhe, sei aber bisher unklar.

(Quellen: MedAustria; “Depression and Risk of Stroke Morbidity and Mortality. A Meta-analysis and Systematic Review.” in: Journal of the American Medical Association, 306 (11): 1241–1249 (doi: 10.1001/jama.2011.1282); Image src: TRBfoto)

Nov 18

Die meisten Betroffenen gestehen sich selbst viel zu spĂ€t ein, ‘burned out’ zu sein.
(Photo credit: Flickr/Zach Klein)

Burnout” ist eines der diagnostischen Modeworte der letzten Jahre, und von daher nicht ganz ĂŒberraschend stiegen die Zahlen der entsprechend diagnostizierten Patienten exorbitant an –  deutlich stĂ€rker, als Faktoren wie “schwierige Wirtschaftslage” oder “gestiegener Druck am Arbeitsplatz” dies erwarten lassen wĂŒrden. Dies lĂ€ĂŸt die Vermutung zu, dass es sich hĂ€ufig um Verlegenheitsdiagnosen handelt, welche dann gegeben werden, wenn die vorliegenden Symptome von Patienten nicht eindeutig einem physiologischen Krankheitsbild zuzuordnen sind oder eine “problematischer” klingende Diagnose – und das ist z.B. “Depression” fĂŒr die meisten immer noch – vermieden werden soll.

Doch worum handelt es sich tatsĂ€chlich bei diesem Diagnose-Begriff “Burnout” und was beschreibt er genau? Wie kann man feststellen, ob man selbst an “Burnout” leidet?

WĂ€hrend der letzten Jahre wurde von Psychologen, Ärzten und Therapeuten fĂŒr die Diagnosestellung, PrĂ€ventions- und TherapieansĂ€tze des “Burnout-Syndroms” eine ganze FĂŒlle an Publikationen herausgebracht. Im Wesentlichen wird das Burnout-Syndrom dabei als Resultat einer chronischen Arbeits- oder interpersonellen Stressbelastung beschrieben, die sich in den drei Dimensionen emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung  / Zynismus und subjektiv empfundene reduzierte LeistungsfĂ€higkeit Ă€ussert (Maslach, C., 1976):

  • Emotionale Erschöpfung wird als der wesentlichste Aspekt des Syndroms betrachtet und zeigt sich als emotionale und körperliche Kraftlosigkeit.
  • Depersonalisation/Zynismus beschreibt eine gefĂŒhllose, abgestumpfte Reaktion auf Klienten wie z.B. SchĂŒler, Patienten, Kunden oder Mitarbeiter. Dieses Verhalten wird als Versuch interpretiert, Distanz zu schaffen.
  • Verminderte subjektive Leistungsbewertung beschreibt GefĂŒhle des Versagens und UngenĂŒgens, den zunehmenden Verlust des Vertrauens in die eigenen FĂ€higkeiten.

Der in der Psychologie verwendete und dort noch etwas genauer spezifizierte  Begriff, der den prozesshaften Verlauf des Burnout-Zustandes (im Unterschied zum Burnout-Syndrom) beschreibt, wird auf den in Frankfurt geborenen US-Psychologen Herbert Freudenberger zurĂŒckgefĂŒhrt, der diesen im Jahre 1974 auf der Basis persönlicher Überlastungs-Erfahrungen in seinem Buch “Staff Burnout” geprĂ€gt (und selbst vermutlich einer Novelle von Graham Greene entliehen) hat. Gemeinsam mit seiner Kollegin Gail North definierte er 12 sogenannte “Burnout-Phasen”, die im Gesundheitswesen bis heute hĂ€ufig zum Zweck der Diagnose herangezogen werden. Die Symptome mĂŒssen allerdings weder in der beschriebenen Reihenfolge auftreten noch alle vorhanden sein, damit man laut H. Freudenberger / G. North1 von “Burnout” sprechen kann:

Die 12 Burnout-Phasen

  • Drang, sich selbst und anderen etwas beweisen zu wollen
  • Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen zu erfĂŒllen
  • Überarbeitung mit VernachlĂ€ssigung anderer persönlicher BedĂŒrfnisse und sozialer Kontakte
  • Überspielen oder Übergehen der inneren Probleme und Konflikte
  • Zweifel am eigenen Wertesystem und ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden
  • Verleugnung entstehender Probleme, zunehmende Intoleranz und GeringschĂ€tzung Anderer
  • RĂŒckzug und Vermeidung sozialer Kontakte auf ein Minimum
  • Offensichtliche VerhaltensĂ€nderungen, fortschreitendes GefĂŒhl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  • Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen, das Leben verlĂ€uft zunehmend „mechanistisch”
  • Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese GefĂŒhle durch Überreaktionen zu ĂŒberspielen (SexualitĂ€t, Essgewohnheiten, Alkohol und Drogen)
  • Depression mit Symptomen wie GleichgĂŒltigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit
  • Erste Selbstmordgedanken als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

Zu diesen psychischen Anzeichen kommen meist nach einiger Zeit des Leidens auch noch körperliche. Abgesehen von der reduzierten Performance und EffektivitĂ€t im Beruf wird bei “Burnout”-PatientInnen meist auch eine erhöhte AusschĂŒttung von Stresshormonen festgestellt. Die Betroffenen werden dadurch deutlich anfĂ€lliger fĂŒr Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems und zahlreiche andere psychosomatische und rein somatische (sind es diese dann noch?) Erkrankungen, aber auch Depression.

Und hier liegt das SchlĂŒsselwort, denn “Burnout” ist tatsĂ€chlich (zumindest derzeit) gar kein wissenschaftlich anerkannter Diagnosebegriff, weder im Klassifikationsschema ICD-10, noch im aktuell gĂŒltigen und vor allem im angloamerikanischen Raum hĂ€ufig eingesetzten DSM-IV. Und es sieht auch nicht danach aus, dass sich das in den derzeit in Begutachtung befindlichen nĂ€chsten Versionen dieser Manuals, dem ICD-11 und DSM-V Ă€ndern wĂŒrde. Wie also lĂ€sst sich “Burnout” medizinisch korrekt definieren und wie ist es von anderen Störungsbildern abzugrenzen?

Emotionale Erschöpfung: es gibt starke Parallelen zwischen dem Auftreten beider Störungsbilder, auch kann emotionale Erschöpfung unbehandelt in Burnout mĂŒnden.

– Auch zwischen Schlafstörungen und Burnout bestehen ZusammenhĂ€nge und Wechselwirkungen: der Schlaf wird von vielen Burnout-Patienten als mangelhaft und nicht erholsam beschrieben, tagsĂŒber besteht hĂ€ufig SchlĂ€frigkeit und mentaler Energiemangel. Umgekehrt können Schlafprobleme einen Risikofaktor fĂŒr spĂ€teres Burnout darstellen.

Stress und Psychosomatik: akuter Stress kann kardiale Störungen, Herzinfarkte und Diabetes Typ-2 auslösen. Chronisch höhere Spannungen in der Arbeit wiederum fĂŒhren zu erhöhter Kortisol-AusschĂŒttung, die ihrerseits die Bildung des metabolischen Syndroms mit HyperlipidĂ€mie und arterieller Hypertonie begĂŒnstigt. Die hĂ€ufig stressbedingten gesundheitsschĂ€digenden Verhaltensweisen, etwa erhöhter Nikotin- oder Alkoholkonsum und schlechte Planung körperlicher und psychischer Erholung, dĂŒrften nach einiger Zeit auch ohne körperliche Stressreaktionen massivste Auswirkungen zur Folge haben. Bemerkenswerterweise scheinen Frauen vor allem auf muskuloskelettaler und Stoffwechselebene zu reagieren, MĂ€nner dagegen nahezu ausschließlich auf kardiovaskulĂ€rer Ebene.

Depression: Die hĂ€ufigsten Fehldiagnosen finden vermutlich im vielen Ärzten und Therapeuten nur vage bekannten Graubereich zwischen Depression und “Burnout” statt. Ahola und Hakanen (2007) schlussfolgern auf Basis ihrer Untersuchungen, dass Burnout und Depressionen nicht gleichzusetzen sind, dass aber chronische Stressbelastungen ĂŒber Burnout-ZustĂ€nde in Depressionen mĂŒnden können. So steigt bei zunehmendem Schweregrad von Burnout die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, auf bis zu 50% an (Ahola, Honkonen et al., 2005). Iacovides et al. (2003) betrachten Burnout und Depression jedoch als zwei separate PhĂ€nomene und Krankheitskonzepte, die aber gemeinsame Charakteristika aufweisen. Auch ihnen zufolge mĂŒndet unbehandeltes Burnout in seiner schwersten Stufe letztlich hĂ€ufig in Verzweiflung und Depression.

Zum Vergleich mit den oben beschriebenen Spezifika von “Burnout” hier die Merkmale einer depressiven Episode gemĂ€ĂŸ ICD-10:

“Bei den typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren (F32.2 und F32.3) Episoden, leidet der betroffene Patient unter einer gedrĂŒckten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb und AktivitĂ€t. Die FĂ€higkeit zu Freude, das Interesse und die Konzentration sind vermindert. AusgeprĂ€gte MĂŒdigkeit kann nach jeder kleinsten Anstrengung auftreten. Der Schlaf ist meist gestört, der Appetit vermindert. SelbstwertgefĂŒhl und Selbstvertrauen sind fast immer beeintrĂ€chtigt. Sogar bei der leichten Form kommen SchuldgefĂŒhle oder Gedanken ĂŒber eigene Wertlosigkeit vor. Die gedrĂŒckte Stimmung verĂ€ndert sich von Tag zu Tag wenig, reagiert nicht auf LebensumstĂ€nde und kann von sogenannten “somatischen” Symptomen begleitet werden, wie Interessenverlust oder Verlust der Freude, FrĂŒherwachen, Morgentief, deutliche psychomotorische Hemmung, Agitiertheit, Appetitverlust, Gewichtsverlust und Libidoverlust. AbhĂ€ngig von Anzahl und Schwere der Symptome ist eine depressive Episode als leicht, mittelgradig oder schwer zu bezeichnen.”

Es ist also davon auszugehen, dass ein betrĂ€chtlicher Teil der Menschen, die wegen „Burnout” eine lĂ€ngere Auszeit nehmen, de facto an einer depressiven Erkrankung leiden (wobei diese durchaus auch mit beruflichen Problemen in Zusammenhang stehen kann) – nĂ€mlich dann, wenn alle fĂŒr die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen vorliegen. Zur Depression gehört immer auch das GefĂŒhl tiefer Erschöpftheit, welches so manchen Arzt, Coach oder Therapeuten zur vorschnellen Diagnose “Burnout” verleiten dĂŒrfte, da dieser Zustand SelbstĂŒberforderung oder Überforderung durch außen als Ursache suggeriert. Doch fatalerweise ist nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsĂ€chliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung, was dann zu Fehlbehandlungen fĂŒhren kann. Viele depressiv Erkrankte etwa fĂŒhlen sich in einer schweren depressiven Episode zu erschöpft, um ihrer Arbeit nachzugehen, ja um sich selbst zu versorgen; doch nach erfolgreicher Behandlung und Abklingen der Depression empfinden sie die zuvor als völlige Überforderung wahrgenommene berufliche TĂ€tigkeit wieder als befriedigenden und sinnvollen Teil ihres Lebens. Das ist bei Burnout jedoch nicht so: hier wird als Teil der Behandlungsstrategie hĂ€ufig empfohlen, langsamer zu treten, lĂ€nger zu schlafen und Urlaub zu machen. Liegt jedoch tatsĂ€chlich eine depressive Erkrankung vor, wĂ€ren dies zumeist keine empfehlenswerten oder sogar gefĂ€hrliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf lĂ€ngeren Schlaf und eine lĂ€ngere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und weiterer Stimmungsverschlechterung. Auch sind Urlaube oder Krankschreibungen etwas, von dem vielen depressiv Erkrankten abgeraten wird, da man die Depression “mitnimmt” und der eigene Zustand mit Antriebsstörung, GrĂŒbeln und der UnfĂ€higkeit, irgendeine Freude zu empfinden, allein daheim oder im Urlaub in fremder Umgebung als besonders bedrĂŒckend und schmerzlich erlebt wird. Nicht selten treten gerade in solchen Situationen dann erste Suizidgedanken auf. Aus diesem Grund ist eine fachkundige Diagnose, idealerweise durch Ärzte, Psychologen oder Psychotherapeuten, die sowohl im Feld der Depressions- als auch der Burnout-Betreuung Erfahrung haben, dringend anzuraten. Nur eine korrekte Diagnose ermöglicht einen adĂ€quaten Therapieansatz sowie ein möglichst rasches Greifen des therapeutischen Angebots!

TherapieansÀtze bei Burnout-Symptomatik

Aufgrund der KomplexitĂ€t der möglichen Ursachen und ZusammenhĂ€nge, aber auch aus GrĂŒnden der hĂ€ufig schwierigen Abgrenzung der Ätiologie und gegenĂŒber anderen Störungsbildern steht am Beginn einer erfolgreichen Therapie eine sorgfĂ€ltige medizinische und psychotherapeutische oder psychiatrische, sowie ggf. eine schlafmedizinische Diagnose. Die Therapie richtet sich dann naturgemĂ€ĂŸ nach den Erkenntnissen dieser Diagnosestellung.

Bei leichteren Beschwerden ohne Depression genĂŒgen mitunter geringe Interventionen wie die Ausarbeitung alternativer Strategien fĂŒr das Arbeitsumfeld, Entspannungsverfahren und StressbewĂ€ltigungs-Techniken. Dies kann direkt am Arbeitsplatz (z.B. Arbeitspsychologe oder Coach) oder privat (Kurzzeit-Psychotherapie oder Coaching) geschehen.

Entspricht die Symptomatik jedoch einer depressiven Episode oder bestehen körperliche Symptome, die direkt oder indirekt mit einer Burnout-Symptomatik im Zusammenhang stehen, ist adĂ€quate und regelmĂ€ĂŸige Psychotherapie, nötigenfalls mit pharmakologischer UnterstĂŒtzung, bis zum völligen Abklingen der Symptome ĂŒber einen Zeitraum zumindest mehrerer Wochen indiziert. Ziel dieser Maßnahmen ist verbesserte StressbewĂ€ltigung (Coping) und PrĂ€vention (Coaching). Die Prognose ist i.d.R. gut; in EinzelfĂ€llen jedoch – etwa, wenn die Arbeitsstrukturen nicht adĂ€quat verĂ€ndert werden können und eine positive ArbeitsatmosphĂ€re nicht erreichbar scheint – kann aber auch eine radikale berufliche VerĂ€nderung oder ein vorĂŒbergehender Berufsausstieg (Krankenstand, Sabbatical,..) erforderlich sein, um eine vollstĂ€ndige Regeneration bzw. Rehabilitation zu erreichen.

Literatur zum Thema:
Depression
Burnout

Quellen:
Ahola K, Hakanen J. Job strain, burnout, and depressive symptoms: A prospective study among dentists. J Affect Disord. 2007;104:103-10.
Ahola K, Honkonen T, IsometsĂ€ E, Kalimo R, Nykyri E, Aromaa A et al.: The relationship between job-related burnout and depressive disorders – results from the Finnish Health 2000 Study. J Affect Disord. 2005;88: 55-62.
Iacovides A, Fountoulakis KN, Kaprinis S, Kaprinis G. The relationship between job stress, burnout and clinical depression. J Affect Disord. 2003;75:209-21.
Maslach, C. Burned-out. Hum Behav. 1976;5:16–22.
Freudenberg HJ. Staff burnout. J Soc Issues. 1974;30:159–64.
Nil R, Jacobshagen N, SchĂ€chinger H, Baumann P, Höck P, HĂ€ttenschwiler J, Ramseier F, Seifritz E, Holsboer-Trachsler E. Burnout – an analysis of the status quo. Schweiz Arch Neurol Psychiatr. 2010;161(2):72–7.
Bildquelle: timsstrategy.com

Jul 23

Mark Twain sagte: “Das Rauchen aufzugeben, zĂ€hlt zu den einfachsten Dingen ĂŒberhaupt. Ich muss es wissen, schließlich habe ich es tausende Male getan!”

Nun, wir wissen es alle: mit dem Rauchen aufzuhören, reduziert das Risiko schlimmer Erkrankungen wie Krebs und GefĂ€ĂŸerkrankungen, es verbessert die ZeugungsfĂ€higkeit, das Atmen und die körperliche LeistungsfĂ€higkeit. Ein anderer Vorteil des Aufhörens ist, dass das Essen wieder besser schmeckt (fĂŒr manche ist dies allerdings ein Grund, weiterzurauchen, da dieser Vorteil mit ihrer Essstörung nicht harmoniert
). Sie wĂŒrden wieder besser und jĂŒnger aussehen, besser riechen und sich daneben noch eine Menge Geld ersparen. Aber warum fĂ€llt es dann vielen so schwer, die Gewohnheit – oder Sucht -, zu rauchen aufzugeben?

Die GrĂŒnde fĂŒr sie lassen sich auf 2 wesentliche Faktoren reduzieren: Nikotin und Gewohnheit. Nikotin ist eine stark sĂŒchtigmachende Substanz, die auf natĂŒrliche Weise in der Tabakpflanze vorkommt, und löst bei Ihrem Gehirn die Freisetzung eines Feuerwerks an Dopamin aus – dem Hormon, das uns auch an Essen und Sex erfreuen lĂ€ĂŸt. Es erhöht auch die AktivitĂ€t in Hirnbereichen, die fĂŒr kognitive Funktionen wichtig sind – zu rauchen kann also die KonzentrationsfĂ€higkeit erhöhen. Und als ob dies alles noch nicht genug wĂ€re erhöht Nikotin auch unseren Endorphinspiegel, was ein GefĂŒhl von Euphorie erzeugt. Ein solch bequemes Hilfsmittel, das einen auf so viele Weise besser fĂŒhlen lĂ€ĂŸt, gibt man natĂŒrlich nicht einfach auf. Noch dazu, wo das Aufhören meistens deutlich spĂŒrbare Entzugseffekte mit sich bringt.

Ein weiterer wichtiger Faktor fĂŒr diese spezielle Sucht ist Gewohnheit – die kleinen AblĂ€ufe, die mit dem Rauchen verbunden sind. Rauchen ist hĂ€ufig mit tĂ€glichen AktivitĂ€ten und Auslösesituationen verbunden wie etwa: nach dem Essen, beim Plaudern mit Freunden, beim Pause-machen, am Computer, in Stress-Situationen (zur Entspannung) u.v.m. Diese Aspekte des Rauchens zu ĂŒberwinden kann genauso herausfordernd sein wie die körperliche Gewöhnung.

Folglich benötigen die meisten Menschen, die ein fĂŒr alle Mal mit dem Rauchen aufhören möchten, eine Methode, die ihnen hilft, beide Schwachpunkte anzugehen: die Sucht selbst und die Verhaltensgewohnheiten, die damit verbunden sind. Die bestehenden “Fallen” mĂŒssen identifiziert und danach neue AblĂ€ufe entwickelt werden, die es einfacher machen, die Impulse zum AnzĂŒnden der nĂ€chsten Zigarette zu ĂŒberwinden. Hypnotherapie kann hier sehr gut unterstĂŒtzen, andererseits aber auch keine Wunder bewirken ohne einen klaren Entschluss der Betroffenen, ihre AbhĂ€ngigkeit in den Griff zu bekommen. Die ersten Wochen sind meist die schwierigsten. Nach 8-12 Wochen fĂŒhlen sich die meisten jener, die es soweit geschafft haben, ohne das Rauchen bereits wohler. Aber auch davon “schaffen” es nur 3 von 10 Menschen, dauerhaft aufzuhören.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:s3.hubimg.com)

Jul 28

(Bild: iStockPhoto)

Jeder weiß um die SchĂ€dlichkeit des Tabakkonsums, der Staat macht das Rauchen immer ungemĂŒtlicher und teurer, und ganze Industriezweige leben von der Hoffnung aufhörwilliger Raucher, die Entwöhnung leichter und ertrĂ€glicher zu machen. Und doch tun sich die meisten Ă€ußerst schwer, mit dem Rauchen aufzuhören…

Wann immer aber reine Selbstdisziplin, die Macht der Chemie und der Arzneimittel nicht ausreichen, unser Verhalten zu Ă€ndern, wurde die Psyche als steuernde Kraft ĂŒbersehen – und die ist nun einmal vom bewussten Verstand kaum und ĂŒber Medikamente nur sehr begrenzt zu kontrollieren! So geraten Betroffene hĂ€ufig in ein langjĂ€hriges Wechselspiel zwischen Aufhörversuchen und einem ZurĂŒckfallen in die alten AbhĂ€ngigkeitsmuster – und natĂŒrlich fĂŒhlen sie sich die ganze Zeit hindurch schlecht, da sie ja eigentlich aufhören wollen, zu rauchen, es aber nicht schaffen. Sie wollen ihrem Körper etwas Gutes tun und ihn gesund erhalten – aber irgend etwas tief in ihnen hindert sie daran.

Wenn Sie dies auch von sich selbst kennen, kann es hilfreich und erhellend sein, sich im Rahmen einer Sequenz von BeratungsgesprĂ€chen einmal mit den GrĂŒnden Ihres AbhĂ€ngigkeitsverhaltens auseinanderzusetzen. Wenn der bewußte Verstand besser erkennt, was “tief unten im Keller” (der Psyche) vor sich geht, und ein paar bewĂ€hrte Strategien vermittelt bekommt, die er fĂŒr seine Ziele anwenden kann, dann kann er Ihren Körper weitaus effizienter unterstĂŒtzen und wieder die volle Kontrolle ĂŒber das Geschehen zurĂŒckerlangen. Hypnotherapie kann in vielen FĂ€llen dabei helfen, die neuen und “rauch-befreiten” Verhaltensmuster dauerhaft im Unterbewußten zu verankern.

Feb 27

Neues aus der beliebten Forschungsreihe “was machen Menschen mit höherem IQ eigentlich anders als solche mit vergleichsweise niedrigerem?”

Sie rauchen nicht [1], sind eher nicht religiös [2], gehen nachts spĂ€ter schlafen und stehen dafĂŒr am Morgen spĂ€ter auf (ebd.). Bei intelligenten MĂ€nnern bestĂŒnde darĂŒber hinaus auch eine Vorliebe fĂŒr sexuelle Monogamie (ebd.), was vielleicht mit der rascheren Anpassung intelligenter Menschen an neue Werte und Lebensstile erklĂ€rt werden könne.

Da seit Jahren alle paar Monate neue Studien rund um mögliche ZusammenhĂ€nge zwischen Intelligenz und anderen Daten aus der Psychologie, Verhaltensforschung, Soziologie, Medizin u.dgl. erscheinen (merke: eine Koinzidenz bedeutet nicht unbedingt auch eine Korrelation… ;-)), werde ich diesen Blog-Eintrag laufend mit den neuesten “Erkenntnisen” zu diesem Thema ergĂ€nzen.

(Photo src:copyblogger.com)

Dec 19

Das österreichische Testmagazin “Konsument” vergleicht in seiner JĂ€nner-Ausgabe nikotinfreie Therapiehilfen. Das Ergebnis: Beratung und psychotherapeutische UnterstĂŒtzung, eventuell in Kombination mit Medikamenten, fĂŒhren eher zur Abstinenz als viele “alternative” Mittel.

Unter den rezeptpflichtigen Medikamenten zeigte sich bei Varenicilin, daß es hĂ€ufig Nebeneffekte mit sich bringt, etwa Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlaflosigkeit sowie depressive Verstimmungen. Nach einem Jahr liegt die Abstinenzrate bei 20%, unklar ist jedoch, ob der Effekt ĂŒber die Anwendungsdauer hinaus anhĂ€lt. Beim “Antidepressivum” Bupropion (aka Wellbutrin, Amfebutamon, Zyban) existieren noch zu wenig Daten bezĂŒglich Nebenwirkungen und Langzeiterfolg, kurzfristig jedoch kann es bei der Entwöhnung unterstĂŒtzen.

Zu Homöopathie, BachblĂŒtentherapie und Akupunktur wurde von Konsument festgestellt, daß bisher “kein wissenschaftlicher Beweis fĂŒr eine ĂŒber den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung vorliegt”.

Die Papaya, Haselnuß, Pfefferminz und Eukalyptus enthaltenden NTB-KrĂ€uterretten sind gĂŒnstig, die Belastung “mit toxischen und kanzerogenen Rauchinhaltstoffen” sei allerdings ebenfalls sehr hoch, so die Analyse. Zur Zigarettenattrappe Smoz aus Kunststoff mit Pfefferminz-, Erdbeer- oder Zitronenaroma weist der Hersteller selbst darauf hin, dass Smoz nicht fĂŒr den Nikotinentzug geeignet ist.

Auch fĂŒr den Einsatz von Hypnose in der Raucherentwöhnung gibt es laut “Konsument” bisher keine wissenschaftlichen Nachweise.

Raucherberatung und Psychotherapie: Die von Krankenkassen und Ärzten angebotenen Beratungen sowie psychotherapeutische Verfahren erhöhen die Erfolgsquoten deutlich, so die Tester. Bei einzelnen davon entspricht die Wirksamkeit jener einer Zyban-Behandlung: nach einem Jahr waren 39% rauchfrei, wĂ€hrend im gleichen Zeitraum nur 12% der medikamentös behandelten Raucher abstinent blieben.

Hinweis R.L.Fellner:
Den Testergebnissen zur Hypnose muß allerdings deutlich widersprochen werden, jedenfalls, sofern “Hypnose” mit speziellen, auf Hypnotherapie basierenden Entwöhungsprogrammen (Link fĂŒhrt zu Info-Artikel) gleichgesetzt wird. Zur Wirksamkeit letzterer existieren umfangreiche Studien, die erste davon jene von Kline aus dem Jahre 1980. Allerdings weisen viele dieser Studien z.T. erhebliche methodische MĂ€ngel auf, wie C.C.Schweizer in ihrer Arbeit “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” korrekt feststellt. Dieser zufolge dĂŒrfte die Erfolgsquote von Hypnotherapie je nach eingesetzter Methodik zwischen 25% und 46% liegen.

(Quellen: Konsument 01/2010, Der Standard 18.12.2009, Schweizer, Cornelie C., “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” (Diss. , 2006), Kline M.V., “The Use Of Extended Group Hypnotherapy Sessions in Controlling Cigarette Habituation” in: The Internations Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. 18. 270-282. Bildquelle:mentaltraining-hypnose.de)

Blog-Begriffswolke:
ï»ż10.06.18