Sep 09

Gewalterfahrungen und andere traumatische Erlebnisse k√∂nnen langfristig nicht nur zu psychischen sondern auch zu k√∂rperlichen Erkrankungen f√ľhren, wie aktuelle Studien aus den USA und Deutschland zeigen. So haben Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) ein erh√∂htes Risiko f√ľr Herzerkrankungen, Diabetes und andere chronische Krankheiten, wie Experten auf der internationalen Tagung ‚ÄěFolgen der interpersonellen Gewalt‚Äú an der Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen referierten.

Bis zu 10% der Erwachsenen in Deutschland geben an, in ihrem Leben gewaltt√§tige √úbergriffe erlebt zu haben. Solche traumatischen Erlebnisse haben Folgen, auf k√∂rperlicher Ebene beg√ľnstigen sie insbesondere die Entwicklung von chronischen k√∂rperlichen Erkrankungen. Wissenschafter des ‚ÄěUS Department of Veterans Affairs‚Äú etwa haben festgestellt, dass Kriegsveteranen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) deutlich h√§ufiger an einer koronaren Herzerkrankung (KHK) leiden als Veteranen ohne PTBS. Bei 76% der Veteranen mit PTBS (im Unterschied zu 59% bei nicht traumatisierten Veteranen) konnten die Forscher so genannten Koronarkalk, einen Risikomarker f√ľr zuk√ľnftige Herzinfarkte, nachweisen.

Auch andere chronische Leiden wie etwa Asthma, Diabetes, chronische Schmerzerkrankungen, Osteoporose oder Schilddr√ľsenerkrankungen k√∂nnen Folge eines Traumas sein. Eine gro√üe, an der √§lteren deutschen Bev√∂lkerung durchgef√ľhrte epidemiologische Untersuchung der Universit√§tsklinik Leipzig zeigte auf, dass Menschen mit PTBS durchschnittlich fast 3x so h√§ufig von chronischen Krankheiten betroffen sind wie Menschen ohne Traumatisierung. Dazu kann zum einen der risikoreiche Lebensstil von PTBS-Erkrankten, wie ein erh√∂hter Zigarettenkonsum, beitragen. Doch viele Erkrankungen sind vermutlich durchaus auch direkte Folge des Traumas: Patienten mit PTBS reagieren auf Belastung mit intensiveren und l√§nger anhaltenden Aussch√ľttungen von Stresshormonen, ihre Blutwerte zeigen zudem h√§ufig Zeichen einer chronischen Entz√ľndung. ‚ÄěStresshormone und Entz√ľndungsbotenstoffe sind Risikofaktoren f√ľr Typ 2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen‚Äú, erkl√§rt der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft f√ľr Psychosomatische Medizin und √Ąrztliche Psychotherapie (DGPM) Johannes Kruse.

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) werden ungewollt ‚Äď etwa in Albtr√§umen ‚Äď immer wieder mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert. Sie versuchen, Gedanken, Orte und Aktivit√§ten zu vermeiden, die mit dem Trauma zusammenh√§ngen. Symptome wie Depressionen, Schlafst√∂rungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialer R√ľckzug k√∂nnen Folgen eines Traumas sein.

(Quellen: MedAustria, Psychosomatic Medicine issue 73(5), p401-406; Image src:loddmedicalgroup.com)

Mar 13

Anorexie und Bulimie sind in der Bevölkerung zwar stark verbreitet und schwere Erkrankungen, werden aber aus Scham und Angst vor Stigmatisierung auch heute noch von den Betroffenen lange Zeit verschwiegen.

Wie Johann Kinzl von der Klinischen Abteilung f√ľr Psychosomatische Medizin der Universit√§tsklinik f√ľr Psychiatrie der Medizinischen Universit√§t Innsbruck am Freitag anl√§sslich des Ern√§hrungskongresses in Wien referierte, suchen Betroffene meist viel zu sp√§t – durchschnittlich erst nach f√ľnf Jahren – professionelle Hilfe. “Selbst dann kommen die Patienten zumeist nicht aus eigenem Antrieb, sondern werden von ihren verzweifelten Eltern oder anderen Angeh√∂rigen in die Klinik geschleppt”, berichtet der Arzt. Nur ganz wenige von ihnen h√§tten eine “positive Motivation”, ihrer Krankheit zu begegnen, n√§mlich jene, die sich von ihr nicht weiter einschr√§nken lassen wollen. “Meist verleugnen die Betroffenen ganz einfach ihr Problem – so lange, bis es manchmal zu sp√§t ist”.

Hinsichtlich der zeitgerechten Diagnose sind Allgemeinmediziner, Internisten, Gyn√§kologen, Psychotherapeuten, Psychologen aber auch Schul√§rzte gleicherma√üen gefragt. Das Bewu√ütsein bez√ľglich der Erkrankungen nehme zwar zu, nach wie vor sei jedoch manches verbesserungsw√ľrdig. “Es ist ganz einfach wichtig, dass jegliche Essst√∂rung so fr√ľh wie m√∂glich diagnostiziert wird, um m√∂gliche negative k√∂rperliche und psychische Folgen zu verhindern”, so der Arzt. Genauso spielen Di√§tologen beim Aufsp√ľren der Krankheit sowie bei der Therapie eine wichtige und unterst√ľtzende Rolle. Unterst√ľtzung ist im Regelfall zudem durch Psychotherapie notwendig, um das “Grundproblem” der Erkrankung aufzusp√ľren.

Die Liste der Folgen von Essst√∂rungen ist lang und beunruhigend: Den Betroffenen ist st√§ndig kalt (Untertemperatur), sie haben niedrigen Blutdruck oder Amenorrhoen (Ausbleiben der Menstruation) – im schlimmsten Fall kann dies zur Infertilit√§t f√ľhren. Die Patienten haben zudem ein erh√∂htes Risiko von Knochenabbau (Osteoporose), verbunden mit einer verst√§rkten Neigung zu Knochenbr√ľchen. Durch das st√§ndige Erbrechen ist der Elektrolythaushalt gest√∂rt, die Speiser√∂hre erh√§lt Risse und es kommt zu Zahnproblemen wie Karies. Genauso wird mit der Zeit die Hirnleistung immer schlechter. Betroffene f√ľhlen sich zudem h√§ufig antriebs- und freudlos, unterliegen Stimmungsschwankungen und Libidoverlust.

Weiterf√ľhrende Links:

Artikel Essstörungen (Bulimie, Anorexie etc.)

Selbsttest auf Vorhandensein einer Essstörung

(Quelle: Der Standard 13.03.2010; Photo src:umkcwomenc.files.wordpress.com)

ÔĽŅ25.06.19