Dec 01

Einem Essener Psychotherapeuten wurde Berufsverbot erteilt, da er im Jahre 2008 mit einer Langzeitklientin intim geworden war. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bestätigte nun dieses Urteil und wies die Berufung des Therapeuten ab.

Und ich finde das auch ganz gut so. Wie widrig die Umst√§nde auch sein m√∂gen, wie manipulativ sich auch manche Abl√§ufe in Psychotherapien mitunter gestalten: ein(e) Psychotherapeut(in) sollte in jeder Situation “Herr(in) der Lage” bleiben, das Vertrauensverh√§ltnis muss funktions- und tragf√§hig bleiben.

Referenzen:
https://plus.google.com/107937498049518094865/posts/YiBR4JNx1yS
http://www.derwesten.de/staedte/essen/laut-richterurteil-ist-sex-mit-patientin-absolut-tabu-id6123061.html

(Bildquelle: treatment4addiction.com)

Feb 17

Im Jahre 2008 wurden laut dem “Verein Vertretungsnetz f√ľr Sachwalterschaft, Patientenanwaltschaft, Bewohnervertretung” 20.000 Personen gegen ihren Willen zumindest f√ľr kurze Zeit in geschlossene psychiatrische Abteilungen gebracht – also etwa ein Viertel aller station√§r behandelten psychisch Kranken.

Bisher musste diese Ma√ünahme mit zwei Gutachten gerichtlich beeideter Sachverst√§ndiger (Psychiatern) begr√ľndet werden, das soll nun jedoch anders werden: das Justizministerium plant eine Novelle zum “Unterbringungs- und Heimaufenthaltsgesetz”, die nur mehr ein psychiatrisches Gutachten als Grundlage f√ľr die Einweisung vorsieht – es sei denn, der Patient, sein Rechtsvertreter oder ein Angeh√∂riger verlangen dezidiert ein zweites Gutachten. Die offizielle Begr√ľndung f√ľr diese Ma√ünahme: Wenn ein Patient “auf die Psychiatrie” komme, m√ľssten alle Beteiligten schnell handeln. Und dies scheitere oft daran, dass es vor allem am Wochenende, an Feiertagen oder nachts zu wenige Psychiater gebe. Aller Voraussicht nach wird der Justizausschuss die Novelle am 17. Februar mit den Stimmen von SP√Ė und √ĖVP beschlie√üen – trotz der zum Teil massiven Bedenken und Einspr√ľche von Experten, die das Vier-Augen-Prinzip bei einer solch drastischen Ma√ünahme f√ľr unumg√§nglich halten.

Neben dem Berufsverband der Psychologen haben sich auch die Kinder- und Jugendanwaltschaften, der √ĖGB sowie diverse Patientenvertretungs-Organisationen gegen den Wegfall der Zweituntersuchung ausgesprochen. Die √Ėsterreichische Gesellschaft f√ľr Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Hilfe f√ľr Angeh√∂rige und Freunde psychisch Erkrankter sowie die Salzburger und die Wiener Landesregierung fordern zus√§tzliche Bestimmungen.

Diese habe man erf√ľllt, argumentiert SP√Ė-Justizsprecher Hannes Jarolim im Gespr√§ch mit der √∂sterr. Zeitung Der Standard: “Patienten, die das w√ľnschen, k√∂nnen ja ein zweites Gutachten verlangen.” Gr√ľnen-Justizsprecher Albert Steinhauser h√§lt dies f√ľr eine “maximal theoretische M√∂glichkeit”. Steinhauser: “Welcher Patient wei√ü das schon oder ist in einer Ausnahmesituation in der Lage, sein Recht durchzusetzen?” Die Gr√ľnen werden daher im Ausschuss diesen Passus des Gesetzes ablehnen – die Novelle insgesamt aber bef√ľrworten, da sie eine Evaluierung der neuen Regelung durchsetzen konnten. Dies sei deshalb wichtig, “weil wir nicht wollen, dass wir dahin kommen, dass wieder mehr Menschen, die sich auff√§llig benehmen, auf der Psychiatrie landen” (Steinhauser).

Hinweis R.L.Fellner: die Gesetzesnovelle ist aus meiner Sicht bedenklich, auch ich selbst halte das Vier-Augen-Prinzip sowohl f√ľr sinnvoll als auch notwendig. Sollte es im Grunde um Einsparungsma√ünahmen gehen, dann w√ľrde hier meiner Ansicht nach am falschen Fleck – n√§mlich bei den B√ľrgerrechten – gespart. Wenn angeblich Psychiater nicht erreichbar sind, k√∂nnten auch PsychologInnen und PsychotherapeutInnen in die Begutachtung einbezogen werden – diese sind f√ľr derartige Begutachtungen ausreichend qualifiziert und vor allem auch bundesweit in einer deutlich gr√∂√üeren Anzahl verf√ľgbar als Fach√§rzte.

(Quellen: Der Standard, Unterbringungsgesetz aktuell; Foto: Regine Henrich)

ÔĽŅ01.09.19