Jul 30

Wurden Menschen als Kinder gemobbt, haben sie in der frĂŒhen Jugend doppelt so hĂ€ufig mit psychotischen Symptomen zu kĂ€mpfen als diejenigen, die nicht gemobbt wurden. Das Risiko steigt dabei mit der Dauer und der Schwere des Mobbings, wie eine Langzeitstudie mit 6.437 Kindern an der Warwick Medical School in Coventry, England, ergab.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene hĂ€tten “hĂ€ufig” psychoseartige Symptome oder Erlebnisse (z.B. visuelle oder auditive Halluzinationen bzw. Dissoziationen, die Wahnvorstellung, bespitzelt zu werden oder die Überzeugung, ihre Gedanken an andere ĂŒbertragen zu können), ohne eine ausgewachsene psychische Erkrankung zu haben. Kleine Kinder, die diese Symptome hĂ€tten, erkrankten mit höherer Wahrscheinlichkeit als junge Erwachsene an Schizophrenie und Ă€hnlichen psychischen Störungen, ergĂ€nzen die Forscher, wĂ€hrend Traumata in der Kindheit ebenfalls mit dem Psychoserisiko im Erwachsenenalter in Zusammenhang gebracht worden seien.

Fast 14 Prozent der Kinder hatten definitive oder vermutliche psychotische Symptome, auch wenn dies Symptome einschloss, die auftraten, wenn die Kinder einschliefen oder aufwachten, Fieber hatten oder unter dem Einfluss von Medikamenten standen; 11,5 Prozent zeigten intermediĂ€re Symptome, das heißt sie hatten mindestens ein vermutliches oder definitives Symptom, das nicht im Zusammenhang mit Schlaf, Fieber oder Medikamenten auftrat; 5,6 Prozent hatten mindestens ein definitives Psychosesymptom. 46 Prozent dieser Kinder gaben an, im Alter von acht oder zehn Jahren schon einmal von Kameraden gemobbt worden zu sein – entweder durch direktes Mobbing oder durch “relationale” Viktimisierung, zum Beispiel ausgeschlossen zu werden -, wĂ€hrend 54 Prozent zu keinem der beiden Zeitpunkte viktimisiert worden waren. Kinder, die angaben, in einer der beiden Altersstufen gemobbt worden zu sein, hatten etwa mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit psychotische Symptome – unabhĂ€ngig von anderen psychischen Problemen, der Familiensituation oder dem IQ.

Wenn Kinder in beiden Altersstufen gemobbt wurden oder das Mobbing sehr schwerwiegend war (d.h., sowohl offen als auch relational), dann war ihr Risiko fĂŒr psychotische Symptome um das 4,6-fache erhöht. Auch wenn Kinder, die gemobbt werden, oft weniger durchsetzungsfĂ€hig und leichter mitgenommen seien als ihre Kameraden, welche nicht viktimisiert werden, schreiben die Forscher, deute die Tatsache, dass die Ergebnisse eine “Dosis-Response-Beziehung” zwischen Mobbing und psychotischen Symptomen zeigten, darauf hin, dass das Mobbing tatsĂ€chlich dazu beitrage, psychotische Symptome bei diesen Kindern zu verursachen – und nicht umgekehrt.

Um psychische Erkrankungen und Psychosen frĂŒhzeitig entgegenzuwirken, wĂ€re es daher ein lohnendes Ziel fĂŒr die öffentliche FĂŒrsorge, die Viktimisierung durch Kameraden und den daraus resultierenden Stress fĂŒr die Opfer zu reduzieren.

(Quellen: Reuter’s Health Jul 2009,  Archives of General Psychiatry; 2009, 66: 527-536, MedAustria. Photo Credit: Words Hurt/Concerned Children Adv.)

Dec 11

FĂŒr seelische Erkrankungen gilt dasselbe wie fĂŒr die des Körpers: Je frĂŒher man sie behandelt, desto weniger schlimm verlaufen sie. Ein Konzept fĂŒr die FrĂŒherkennung und Behandlung von Schizophrenie, das schon bei den ersten Vorzeichen der Erkrankung greift, entwickeln Forscher der RUB-Klinik fĂŒr Psychiatrie um Prof. Dr. Martin BrĂŒne. Denn auch eine frĂŒhe Behandlung von Schizophreniepatienten verringert in Vorstadien der Erkrankung das Risiko, dass die Störung chronisch wird.

Zur FrĂŒherkennung werden heute wahnhafte Symptome, flĂŒchtige Halluzinationen, die kognitive FlexibilitĂ€t und die allgemeine Intelligenz herangezogen. Dabei bleibt jedoch ein wichtiger Bereich unberĂŒcksichtigt, bemĂ€ngeln die Bochumer Forscher: die “soziale Kognition”. Die FĂ€higkeit, sich in andere hineinzuversetzen und emotionale Reize zu verarbeiten, ist besonders in frĂŒhen Stadien einer Schizophrenie deutlich beeintrĂ€chtigt, und das unabhĂ€ngig von anderen Symptomen. Entsprechend sind zur Behandlung psychoedukative Methoden wirksamer als antipsychotische Medikamente. Bildgebende Untersuchungen haben gezeigt, dass bei schizophrenen Patienten auch die fĂŒr die soziale Kognition verantwortlichen Hirnbereiche vermindert aktiviert werden. FĂŒr Patienten in frĂŒhen Stadien gab es solche Untersuchungen bisher noch nicht.

Quelle: MedAustria, Ruhr-UniversitÀtsklinik Bochum (www.lwl.org)

Zum Weiterlesen: Literaturtipps zum Thema “Psychosen”

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ï»ż01.09.19