Sep 09

Gewalterfahrungen und andere traumatische Erlebnisse k√∂nnen langfristig nicht nur zu psychischen sondern auch zu k√∂rperlichen Erkrankungen f√ľhren, wie aktuelle Studien aus den USA und Deutschland zeigen. So haben Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) ein erh√∂htes Risiko f√ľr Herzerkrankungen, Diabetes und andere chronische Krankheiten, wie Experten auf der internationalen Tagung ‚ÄěFolgen der interpersonellen Gewalt‚Äú an der Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen referierten.

Bis zu 10% der Erwachsenen in Deutschland geben an, in ihrem Leben gewaltt√§tige √úbergriffe erlebt zu haben. Solche traumatischen Erlebnisse haben Folgen, auf k√∂rperlicher Ebene beg√ľnstigen sie insbesondere die Entwicklung von chronischen k√∂rperlichen Erkrankungen. Wissenschafter des ‚ÄěUS Department of Veterans Affairs‚Äú etwa haben festgestellt, dass Kriegsveteranen mit einer posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) deutlich h√§ufiger an einer koronaren Herzerkrankung (KHK) leiden als Veteranen ohne PTBS. Bei 76% der Veteranen mit PTBS (im Unterschied zu 59% bei nicht traumatisierten Veteranen) konnten die Forscher so genannten Koronarkalk, einen Risikomarker f√ľr zuk√ľnftige Herzinfarkte, nachweisen.

Auch andere chronische Leiden wie etwa Asthma, Diabetes, chronische Schmerzerkrankungen, Osteoporose oder Schilddr√ľsenerkrankungen k√∂nnen Folge eines Traumas sein. Eine gro√üe, an der √§lteren deutschen Bev√∂lkerung durchgef√ľhrte epidemiologische Untersuchung der Universit√§tsklinik Leipzig zeigte auf, dass Menschen mit PTBS durchschnittlich fast 3x so h√§ufig von chronischen Krankheiten betroffen sind wie Menschen ohne Traumatisierung. Dazu kann zum einen der risikoreiche Lebensstil von PTBS-Erkrankten, wie ein erh√∂hter Zigarettenkonsum, beitragen. Doch viele Erkrankungen sind vermutlich durchaus auch direkte Folge des Traumas: Patienten mit PTBS reagieren auf Belastung mit intensiveren und l√§nger anhaltenden Aussch√ľttungen von Stresshormonen, ihre Blutwerte zeigen zudem h√§ufig Zeichen einer chronischen Entz√ľndung. ‚ÄěStresshormone und Entz√ľndungsbotenstoffe sind Risikofaktoren f√ľr Typ 2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen‚Äú, erkl√§rt der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft f√ľr Psychosomatische Medizin und √Ąrztliche Psychotherapie (DGPM) Johannes Kruse.

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsst√∂rung (PTBS) werden ungewollt ‚Äď etwa in Albtr√§umen ‚Äď immer wieder mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert. Sie versuchen, Gedanken, Orte und Aktivit√§ten zu vermeiden, die mit dem Trauma zusammenh√§ngen. Symptome wie Depressionen, Schlafst√∂rungen, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialer R√ľckzug k√∂nnen Folgen eines Traumas sein.

(Quellen: MedAustria, Psychosomatic Medicine issue 73(5), p401-406; Image src:loddmedicalgroup.com)

Jan 26

Migration kann indirekt krank machen. Das in etwa ist die Schlu√üfolgerung von Andrea Topitz, der Leiterin der Abteilung f√ľr Transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische St√∂rungen am AKH.

Besonders h√§ufig sei sie in ihrer T√§tigkeit mit PatientInnen konfrontiert, die entweder der Landessprache nicht m√§chtig sind – und daher ihre Probleme nur unzureichend oder gar nicht beschreiben k√∂nnen. Und gerade bei ungekl√§rtem Asylstatus verf√ľgen sie h√§ufig auch √ľber keine Versicherung, was dann nicht nur f√ľr die Patienten selbst problematisch und riskant ist, sondern auch f√ľr die medizinischen Einrichtungen ein gro√ües Problem darstellt. Gar nicht selten kommt es zu beidem: sehr geringe prachliche Ausdrucksm√∂glichkeiten der Patienten UND keine Versicherung.

Wie ich auch im Zuge meiner eigenen bikulturellen Arbeit immer wieder feststelle, ist der Einsatz von Kindern, Verwandten und Bekannten der Patienten und Klienten als “Gratis-Dolmetsch” nicht generell anzuraten: besonders wenn es auch um psychische Probleme geht, besteht dabei das Risiko einer Rollenumkehr oder einem Verlust von Intimit√§t und Integrit√§t.

Hinzu kommen kulturspezifische Faktoren in Behandlung und Beratung: “Psychosomatik gibt es in jedem Kulturkreis, aber der Umgang damit variiert”, schildert Topitz. So neigen etwa s√ľdosteurop√§ische Frauen dazu, Schmerzen viel dramatischer und massiver zu schildern als √Ėsterreicherinnen: “Die Patientinnen dr√ľcken ihre Schmerzen anders aus, diffuser und weniger differenziert, es tut alles weh und st√§ndig, und auch die Affektlabilit√§t ist gesteigert, die Frauen weinen und klagen viel”, erz√§hlt Topitz. Die Schmerzen k√∂nnen dann ein Ausdruck f√ľr die prek√§re Gesamtsituation sein, denn es ist leichter, √ľber k√∂rperliche Beschwerden eine Anlaufstelle und eine Ansprechperson zu finden. Der eine oder andere Arzt versorge dann die Patienten ohne Rezept mit Medikamenten, aber solche Ma√ünahmen k√∂nnen nur Tropfen auf den hei√üen Stein sein.

Die Patientengruppe der Migranten zeichne sich dar√ľber hinaus durch einen √ľberm√§√üigen und wahllosen Umgang mit Medikamenten aus. Das kann unter anderem daran liegen, dass √Ąrzte normalerweise nicht die M√∂glichkeit haben, sprachunkundigen Patienten gen√ľgend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen und diese mit Tabletten “abfertigen.”

Manche Klienten der transkulturellen Ambulanz stehen unter hohem Druck, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht gekl√§rt ist und sie st√§ndig von einer Abschiebung bedroht sind (Fellner: bzw. eine R√ľckkehr in das Heimatland aus anderen, etwa finanziellen Gr√ľnden unm√∂glich erscheint). Solche Umst√§nde generieren einen Teufelskreis von Angst, R√ľckzug und Schmerzen, aus dem die Patienten selbst mit Medikation und Betreuung kaum herausfinden k√∂nnen.

(Quellen: Der Standard v. 25.01.2011, Fellner, “Wenn zwei Welten aufeinander treffen – Bikulturelle Partnerschaft” (2011); Image src:womenhealthzone.com)

Jan 14

Wenn sie das Wort “Depression” h√∂ren, denken viele Leute an traurige oder hoffnungslose Menschen, die nach einem nicht verkrafteten Lebensereignis zur√ľckgezogen und h√§ufig weinend ihr Dasein fristen.

Doch tats√§chlich ist das nur in den seltensten F√§llen so. In einer US-Studie aus dem Jahr 1996 konnte beispielsweise nur ein Drittel der an einer Depression Leidenden ein belastendes oder einschneidendes Erlebnis vor der Erkrankung nennen. Und es sind auch keineswegs nur negative Ereignisse, die bei manchen Menschen Depressionen ausl√∂sen k√∂nnen, sondern auch solche wie etwa die Geburt eines Kindes oder das Gelingen eines Gesch√§ftsabschlusses. Dass nicht alle Menschen bei einschl√§gigen Ereignissen Depressionen entwickeln, legt dar√ľber hinaus nahe, dass auch andere Faktoren, wie etwa genetische oder Stress-Faktoren mitbeteiligt sein d√ľrften. F√ľr die Betroffenen selbst und ihre Umwelt also ist in der √ľberwiegenden Zahl der F√§lle auf Anhieb gar kein klarer Grund f√ľr eine etwaige Depression auszumachen – was in aller Regel zu langj√§hrigen Verz√∂gerungen auf der Suche nach der korrekten Diagnose f√ľr das eigene Unwohlbefinden f√ľhrt.

Körperliche Symptome sind eine weitere, häufig fehlinterpretierte Facette depressiver Störungen. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, reduzierte Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit, aber auch andere körperliche Schmerzen, Probleme der Verdauungsorgane oder Energielosigkeit sind typische körperliche Symptome einer vorliegenden Depression.

Die mit der Depression h√§ufig verbundene Perspektivenlosigkeit f√ľhrt viele Betroffenen zu selbstsch√§digendem Verhalten. Die meisten Menschen, die Suizid begingen, litten vorher an einer (h√§ufig nicht erkannten oder behandelten) Depression. Doch es mu√ü nicht gleich Suizid sein: auch andere selbstsch√§digende Formen des Verhaltens, wie etwa Alkohol- und Drogenmi√übrauch, selbstsch√§digendes E√üverhalten oder riskantes Verhalten im Verkehr sind, wie Untersuchungen zeigen, in mehr als 60% der F√§lle an Depressionen gekoppelt.

Besonders bei √§lteren M√§nnern √§u√üert sich Depression h√§ufig auch √ľber Aggression, speziell verbale Unfreundlichkeiten, Zynismus, Schimpfen und andere Formen aggressiver Ausdrucksweise. Auch hier ist es den Betroffenen nur selten bewu√üt, dass sie an einer Depression leiden, sondern sie f√ľhren ihre innere Unzufriedenheit und ihren √Ąrger auf √§u√üere Umst√§nde zur√ľck, √ľber die sie sich regelm√§√üig und nicht selten auch lautstark beschweren.

Etwa 4 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen, die Dunkelziffer d√ľrfte aber aufgrund der h√§ufigen Fehldiagnosen und jahrelangen Leidenswege ohne passenden Befund und ad√§quate Therapie deutlich h√∂her liegen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:TRBfoto)

Oct 28

Die Psychosomatik beruht auf der Idee, dass zwischen Körper und der Seele eine Verbindung existiert Рdass das, was eine Person wahrnimmt und empfindet, ihren Körper beeinflussen kann. Heute anerkennt die Wissenschaft den Wert von Psychotherapie in der medizinischen Behandlung: in westlichen Kliniken stellt es daher ein Zeichen professioneller Behandlung dar, wenn Patienten, welche an schweren Erkrankungen wie Krebs, genetischen Krankheiten, Parkinson oder Herz- und Kreislauferkrankungen leiden, sowie vor und nach schweren Operationen ergänzend Psychotherapie angeboten wird. Therapeutische Beratung gehört nach vorherrschender Fachmeinung eigentlich auch zur seriösen Behandlung von Unfruchtbarkeit, psychosomatischen Erkrankungen, schweren chronischen Allergien oder anderen körperlichen Problemen, bei welchen psychische Faktoren eine Rolle spielen können.

Psychotherapie erh√∂ht nachweislich die Vertr√§glichkeit medizinischer Behandlung und reduziert √Ąngste, die h√§ufig mit der Behandlung verbunden sind. Auch kann sie Depression vermeiden oder reduzieren sowie die Kooperation mit den behandelnden √Ąrzten verbessern. Beobachtungsstudien, welche den psychosozialen Status von Patienten untersuchten, die unter schweren Erkrankungen wie Krebs litten, zeigten sogar, dass Patienten mit geringer sozialer und emotionaler Unterst√ľtzung eine erh√∂hte Sterblichkeitsrate aufwiesen. Studien der US-Krebsforscherin S. Levy zeigten auf, dass Brustkrebspatientinnen mit Anpassungsschwierigkeiten und geringer Unterst√ľtzung der Umwelt auch eine geringere Killerzellen-Aktivit√§t aufwiesen – diese jedoch hat unmittelbare Auswirkungen auf den Fortschritt der Erkrankung und ihr Wiederauftreten.

Auch wenn manche Studien keine signifikanten Unterschiede aufwiesen und noch viel Forschung √ľber die Zusammenh√§nge zwischen Wohlbefinden und k√∂rperlicher Erholung nach Krankheiten erforderlich sind, l√§sst sich das Faktum nicht verleugnen, dass erg√§nzende Beratung oder Psychotherapie w√§hrend der Behandlung und in der Regenerationsphase die Lebensqualit√§t deutlich erh√∂hen und zu einem ausgeglicheneren Seelenzustand f√ľhren kann. Sie stellt somit ein grundlegendes Element ganzheitlicher Behandlung dar. Viel zu h√§ufig entwickeln Patienten, die sich von schweren Operationen oder anderen Krankheitsfolgen erholen m√ľssen, Depressionen oder Angsterkrankungen, und h√§ufig genug liegt es an uns – guten Freunden oder Verwandten – sie beim Wiedererlangen ihres Wohlbefindens und ihrer St√§rke zu unterst√ľtzen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:nationalnursingreview.com)

Oct 01

Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht f√ľr chronische (= l√§nger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von Krampfzust√§nden) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabh√§ngig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf.

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind Pelvipathia, chronic pelvic pain (CPP) und Hysteralgie.

In den USA leiden ca. 15% oder ca. 9,2 Mio. Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen. Etwa 10% aller ambulanten Patientinnen, 30‚Äď40% aller Laparoskopien und ca. 10‚Äď20% der Hysterektomien werden j√§hrlich wegen Pelvipathie in den USA durchgef√ľhrt.

Doch eine Frau, die st√§ndig Unterleibsschmerzen hat, streicht das Thema Sexualkontakt selbstverst√§ndlich. Dies und die H√§ufigkeit des St√∂rungsbildes d√ľrften ein Grund daf√ľr sein, dass von dieser versteckten Sexualst√∂rung ‚Äď im Vordergrund stehen ja die Schmerzen, die den Gedanken an Geschlechtsverkehr erst gar nicht aufkommen lassen ‚Äď den USA etwa 15 Prozent der Frauen betroffen sind. Die bei den Betroffenen h√§ufige depressive Symptomatik wiederum kann den Teufelskreis von Schmerzen und Beeintr√§chtigung der Lebensqualit√§t noch weiter anheizen.

Beim Gyn√§kologen werden die Patientinnen meist mit einer invasiven Diagnostik und Therapie versorgt – die einseitig organbezogenen Eingriffe wie Adh√§siolysen und Hysterektomien verst√§rken die Symptomatik aber h√§ufig sogar noch. Denn ganz wesentlich d√ľrften psychovegetative Zusammenh√§nge an der Entstehung von Pelvipathien zumindest mitbeteiligt sein. In den zahlreichen F√§llen (etwa 40%) ohne ausreichenden Organbefund handelt es sich meist um stressbedingte Erkrankungen. Die Schmerzen k√∂nnen ferner auch ein Ausdruck unbew√§ltigter Konflikte sein, etwa in der Partnerschaft, aber auch nach Missbrauch oder anderen traumatischen Erlebnissen. Der psychische Druck √§u√üert sich dann in einer Anspannung des Unterleibs, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Oft r√ľhren die st√§ndigen Beschwerden auch von Myomen, Bindegewebsverwachsungen oder einer Endometriose. F√ľr 60 Prozent der Pelvipathief√§lle k√∂nnten sogar Erkrankungen verantwortlich sein, die nicht im gyn√§kologischen Bereich liegen, etwa Darm-, Nieren- oder R√ľckenleiden, wie eine amerikanische Studie im Jahre 2006 (s.u.) aufzeigte. Ein “blinder Fleck” scheint in der Studie allerdings bestanden zu haben, dass ja auch psychische Ursachen dazu f√ľhren k√∂nnen, dass keine Befunde in den Fortpflanzungsorganen zutage gef√∂rdert werden k√∂nnen.
So haben Frauen mit chronischen Unterbauchbeschwerden h√§ufig auch andere (etwa somatoforme) St√∂rungen oder Depressionen (60%). Von den Betroffenen beklagen 65‚Äď79 % ein Reizdarmsyndrom, 30‚Äď70 % “abdominale myofasziale Schmerzen” (h√§ufig in der N√§he von Operationsnarben) und 5‚Äď10 % urologische Symptome (Reizblase, Schmerzen beim oder nach dem Harnlassen, Pollakisurie,..). Daneben besteht mitunter auch ein nichtorganischer Fluor vaginalis als Ausdruck der vegetativen Erregung, ein genitaler Juckreiz (meist im Vulva-Bereich, aber auch in der Scheide), ein analer Juckreiz, eine Dysmenorrh√∂, pr√§menstruelle Beschwerden und funktionelle Sexualst√∂rungen. Bei manchen Patientinnen besteht auch eine nichtorganische Vulvodynie.

Aus den angef√ľhrten Gr√ľnden sollten sorgf√§ltige k√∂rperliche Untersuchungen, die nicht nur die Genitalorgane einschlie√üen, am Beginn der Behandlung stehen und deren weiteren Verlauf bestimmen. Je nach Befund k√∂nnen dann etwa Medikamente, eine Operation oder physikalische Ma√ünahmen erfolgen. Wurden keine k√∂rperlichen Ursachen gefunden, sollte Psychotherapie oder Sexualtherapie in Anspruch genommen werden – nicht nur, um herauszufinden, welche psychischen Ursachen zu den k√∂rperlichen Schmerzen f√ľhren, sondern auch im Laufe der Behandlung wieder zu einer entspannten und erf√ľllten Sexualit√§t zur√ľckfinden zu k√∂nnen. Hypnotherapie kann sich speziell f√ľr die Schmerztherapie sowie als Entspannungsverfahren als n√ľtzlich erweisen. Die interdisziplin√§re Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut ist bei Pelvipathie eine Vorgangsweise, die sich f√ľr die effiziente Behandlung gut bew√§hrt hat.

(Quellen: Leserman J, Zolnoun D, Meltzer-Brody S, Lamvu G, Steege JF. Identification of diagnostic subtypes of chronic pelvic pain and how subtypes differ in health status and trauma history. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2006;195(2):554-560; Wikipedia, Pelvipathie.de; Image src:medfuehrer.de)

Sep 07

Sein Herz schl√§gt mit jeder Sekunde st√§rker, Schwei√ü beginnt, den R√ľcken hinunterzulaufen und er bekommt kaum mehr Luft – als w√§ren seine Lungen blockiert. Pl√∂tzlich ein intensiver Schmerz in der Brustgegend: ist es nun soweit, ist das der erste Herzinfarkt? Panikgef√ľhle breiten sich in seinem K√∂rper aus: er k√∂nnte genau hier zusammenbrechen und sterben, wenn nicht rechtzeitig Hilfe kommt – unaushaltbare Angst kriecht in seinen K√∂rper hoch…

Die Symptome von Panikattacken sind unterschiedlich – die meisten Personen aber empfinden intensivste Angst, entweder eine Herzattacke zu erleiden, verr√ľckt zu werden oder vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen. Eine Panikattacke zu erleiden, kann eines der schockierendsten, unangenehmsten und bedrohlichsten Erlebnisse sein, die eine Person in ihrem Leben erf√§hrt.
Aber im Unterschied zu landl√§ufigen Vermutung sind Panikattacken bei weitem nicht immer von hohem Stress verursacht, sondern k√∂nnen gerade auch Menschen ereilen, die eigentlich ein recht entspanntes Leben f√ľhren. Relativ h√§ufig sind die Attacken etwa Zeichen f√ľr eine Angstst√∂rung, Depression oder andere psychische Belastungen, die lange Zeit hindurch ignoriert, “beiseite gewischt” oder – etwa durch Selbstmedikation – unfachgem√§√ü behandelt wurden. Andere m√∂gliche Ursachen k√∂nnen Seiteneffekte von Medikamenten, Alkoholkonsum, Medikamenten- oder Drogenentzug oder chronische Erkrankungen sein.

Wenn Panikattacken unbehandelt bleiben, kann sich die sogenannte Agoraphobie entwickeln, bei der eine Person Angst davor entwickelt, an bestimmten Orten oder in bestimmten Situationen Panikattacken zu erleiden. In der Sorge, dass in solchen Situationen keine Fluchtm√∂glichkeit besteht oder eine Panikattacke auftreten k√∂nnte, vermeiden sie zunehmend Situationen, in denen sie in ein solches Risiko geraten k√∂nnten, wie z.B. offene Pl√§tze, Stra√üen, √∂ffentlichen Transport – zuletzt vermeiden manche von ihnen sogar, das Haus zu verlassen. Panikattacken und Agoraphobie treten h√§ufig im Zusammenhang mit sogenannter Sozialphobie auf, bei der sich die Angst auf soziale Situationen (etwa das Essen oder Sprechen in Gruppen) bezieht und die Sorge besteht, von den anderen beurteilt oder entbl√∂√üt zu werden. Dies wiederum kann eine der sch√§dlichsten Seiteneffekte der Panikst√∂rung darstellen, da es die Leidenden daran hindert, sich fr√ľhestm√∂glich fachliche Unterst√ľtzung zu suchen, und damit Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch beg√ľnstigt. Erfolgreiche Behandlung ist jedoch m√∂glich und besteht meist aus einer individuell bestimmten Anzahl von regelm√§√üigen Psychotherapie-Sitzungen, manchmal erg√§nzt durch unterst√ľtzende Medikation. Auf diese Weise k√∂nnen 90% der Agoraphobiker eine vollst√§ndige Befreiung von ihrem Problem erreichen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer w√∂chentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befa√üt und in verschiedenen Medien Thailands ver√∂ffentlicht wird, 2010; Image src:Erin O’Brien/Getty Images)

Aug 16

Menschen mit Depressionen haben ein erh√∂htes Risiko, an der Zuckerkrankheit Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken, wie schon fr√ľhere Studien zeigten. Aber umgekehrt erh√∂ht auch eine bestehende Diabetes-Erkrankung das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Kommen jedoch beide Erkrankungen zusammen, potenzieren sich die negativen Folgen f√ľr Lebensqualit√§t und Lebensdauer der Betroffenen, wie diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) in einer Aussendung aufmerksam machten und deshalb nun eine bessere psychologische Betreuung von Diabetikern fordern.

Im Vergleich mit Diabetikern ohne Depressionen leiden depressive Diabetiker elf Mal h√§ufiger unter Komplikationen an den kleinen Blutgef√§√üen. Die Gefahr von Sch√§digungen an den gro√üen Gef√§√üen, die zu Durchblutungsst√∂rungen oder Herzinfarkt f√ľhren k√∂nnen, ist um das 2,5-Fache erh√∂ht. Die negativen Folgen sind bei Diabetes jedoch besonders hoch: Eine erfolgreiche Behandlung des Diabetes erfordert die aktive Mitarbeit des Patienten. “Depressionen stellen hierbei ein gro√üe Barriere dar, da sie sowohl die Motivation zur Behandlung als auch die Durchf√ľhrung der Therapiema√ünahmen nachhaltig erschweren”, betont Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und Gesch√§ftsf√ľhrer des Forschungsinstitutes der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM), in einer aktuellen Ver√∂ffentlichung. Damit steige die Gefahr von Sp√§tkomplikationen des Diabetes wie Verlust des Augenlichts, Fu√üamputation oder Dialysepflicht. Auch die Schwankungen im Blutzucker, die bei vielen Diabetikern auftreten, belasten die Betroffenen emotional.

Umgekehrt haben Menschen mit Depressionen ein erh√∂htes Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Das liegt zum einen daran, dass die Depression die Risikofaktoren √úbergewicht und Bewegungsmangel verst√§rkt. Au√üerdem ist die psychische Erkrankung selber ein unabh√§ngiger Risikofaktor: Depressive St√∂rungen k√∂nnen mit einem stressbedingten Anstieg der Kortisolwerte im Blut einhergehen. Dieses Hormon f√∂rdert die sogenannte Insulinresistenz, das hei√üt das k√∂rpereigene Insulin ist vorhanden, f√ľhrt aber nicht in ausreichendem Ma√üe zum Einbau des Zuckers aus dem Blut in die K√∂rperzellen.

Die deutschen Diabetes-Experten fordern daher, dass Menschen mit Depressionen gezielt auf einen Typ-2-Diabetes untersucht werden. Betroffene Diabetiker benötigen außerdem eine psychologische Betreuung, vor allem zu Beginn der Erkrankung, und wenn erstmals Spätkomplikationen auftreten. Ein Verzicht auf eine psychologische Betreuung verschlechtert nicht nur Lebensqualität und Lebensdauer der Diabetiker.

(Quellen: der Standard 20100816; B. Kulzer, N. Hermanns, J. Kruse: “Diabetes und Depression – Risiken und Zusammenh√§nge” in: Diabetologe 2010; 6: 255-265; Image source:raw-food-health.net)

Aug 16

Ein kleiner Streit zur rechten Zeit ist gut – vor allem dann, wenn es um gute Gr√ľnde geht. Diese Schlu√üfolgerung war es in etwa, die ein Forscherteam des Institute for Social Research an der University of Michigan k√ľrzlich beim Treffen der American Psychological Society in San Diego ver√∂ffentlichte. Unterdr√ľckter oder latent schwelender √Ąrger ist n√§mlich – egal ob in der Partnerschaft, im Beruf oder im Familienverband – schlecht f√ľr die Gesundheit.

Studienleiterin K. Birditt hatte sich bereits fr√ľher mit dem Konfliktverhalten von Paaren befa√üt – ihre letzte Studie hatte aufgezeigt, da√ü die meisten Menschen dazu neigen, Konflikte einfach “laufen zu lassen”, also nichts zu unternehmen, diese zu kl√§ren oder sich genauer mit ihren Ursachen auseinanderzusetzen: “Vogel-Strau√ü-Politik”. Nur 41% gingen zumindest gelegentlich offensiv vor und unternahmen pers√∂nliche Kl√§rungsversuche. In einer Folgestudie untersuchte sie nun die Gesundheitsdaten von mehr als 1.800 Erwachsenen zwischen 33 und 84 Lebensjahren, um herauszufinden, wie sich die unterschiedlichen Strategien, mit Konflikten umzugehen, gesundheitlich auswirkten.

Unterdr√ľckte Konflikte f√ľhrten den gefundenen Ergebnissen zufolge zum Anstieg des Stresshormons Cortisol (was mit eine Erkl√§rung f√ľr die Belastung des Herzens ist, die sie einer anderen Studie zufolge ebenfalls verursachen k√∂nnen). Besonders am Morgen zeigte der Cortison-Spiegel im Blut Spitzenwerte, und diese nahmen dann im Tagesverlauf nur langsamer ab als bei offensiver vorgehenden Personen, welche bemerkenswerterweise sogar am Morgen einen vergleichsweise niedrigen Cortisol-Spiegel zeigten. “Beziehungen haben einen gro√üen Einfluss darauf, wie wir uns tagt√§glich f√ľhlen – vor allem Probleme in unseren Beziehungen”, so Birditt. “Wie wir mit unseren Problemen umgehen, schl√§gt sich demnach auf unser Wohlergehen nieder.”

Vorhergehende Studien zeigten, dass verheiratete Paare, die Streitigkeiten vermeiden, fr√ľher sterben als jene, die expressiv sind. Eine andere Studie wiederum ergab, dass der Ausdruck von √Ąrger zu einem Gef√ľhl der Selbstkontrolle und zu Optimismus f√ľhrt. Bei jenen Menschen, die √§ngstlich reagieren, ist das nicht der Fall.

(Quelle: LiveScience.com 20100813; Image src:goodtherapy.org)

Aug 12

Die Existenz sozialer Netzwerke entscheidet, wie wohl sich Schwangere f√ľhlen, wie Forscher der University of Michigan k√ľrzlich in der Zeitschrift “Journal of Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology” aufzeigten. Sie begleiteten 300 schwangere Frauen w√§hrend ihrer Schwangerschaft und untersuchten, was f√ľr ihr psychisches Wohlbefinden den Ausschlag gab.
Status, ethnische Zugeh√∂rigkeit und Reichtum sind demnach nicht wirklich die wichtigsten Faktoren. Auch einem Teil der benachteiligten Frauen ging es blendend – bei genauem Hinsehen allerdings zeigte sich, dass diese besonders aktive soziale Kontakte hatten. “Eingebundensein in ein enges soziales Netz ist wichtiger f√ľr das Wohlbefinden von Schwangeren als Ethnizit√§t oder Status”, fasst die Psychologin und Studienleiterin C. Abdou zusammen.

Die Frage, warum Menschen trotz widriger √∂konomischer, sozialer oder genetischer Umst√§nde gesund sind, wird in der Medizin immer wichtiger. Sie wird Salutogenese oder Resilenzforschung genannt. “Drei F√§higkeiten sind daf√ľr zentral”, berichtet Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbands e.V. “Menschen sind eher gesund, wenn sie sich selbst als Handelnde statt als Opfer erkennen. Zweitens ist es wichtig, das Geschehene intellektuell und emotional zu verstehen und richtig einzuordnen. Schlie√ülich hilft es zu wissen, dass es auch einen Sinn hat”, so die Expertin.

Die Schwangerschaft ist eine psychische Ausnahmesituation. Der K√∂rper ist im Umbruch und die Hormone ver√§ndern die Emotionen und auch die Begegnung mit anderen. Zudem w√§chst Leben im Bauch der Schwangeren heran. Das verunsichert, √§ngstigt und erfordert Austausch und besondere Betreuung. Diese boten fr√ľher automatisch die in der N√§he verf√ľgbare Mutter, Schwiegermutter, Freundinnen oder Nachbarn. Heute jedoch ziehen Frauen oft weit weg von zuhause. “Viel hat sich in Internet-Foren verlagert. Es braucht jedoch emotionale, k√∂rperliche und direkte Hilfe. Diese wurde professionalisiert – in Form der Hebammen.”

Nicht eindeutig gekl√§rt ist weiter, warum es manchen Schwangeren k√∂rperlich gut geht, anderen jedoch nicht. Wolber betont allerdings auch hier den Zusammenhang zur Psyche. “Kann eine Frau ihren Seelenschmerz nicht mit Worten ausdr√ľcken, so spricht der K√∂rper.” Das sei heute immer schwieriger. “Erstgeb√§rende sind heute 30 Jahre alt, haben schon gelernt ihr Leben zu managen und sich der [..] Arbeitswelt anzupassen. Diese sieht zwar, dass die Schwangerschaft keine Krankheit ist. Doch sie duldet sie aber auch nicht als Ausnahmesituation, in der Frauen eine Auszeit w√ľnschen.” K√∂rperliche Symptome und Krankenstand seien somit f√ľr viele ein notwendiger Fluchtweg in dieser Zerrissenheit.

(Quelle: Der Standard, 08/2010; Image source:ladycarehealth.com)

Aug 01

Stress, Burn-out, Depression: Psychische Probleme haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins und zu einem enormen Kostenfaktor f√ľr das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt entwickelt. Das Dilemma: Viele Erkrankte wissen gar nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind. Der Arztbesuch hilft oft nicht weiter, da sich auch der Mediziner vorrangig auf die k√∂rperlichen Aspekte konzentriert und an psychische Ausl√∂ser nicht einmal denkt oder diese unterbewertet. Allgemeinmediziner behandeln bis zu 90 Prozent aller depressiv Erkrankten – erkennen die Ausl√∂ser aber h√§ufig gar nicht. An der Universit√§t Trier hat nun eine Forschergruppe eine Methode entwickelt, um die wahren Ursachen solcher St√∂rungen fr√ľhzeitig aufzudecken, sodass √Ąrzte sie effektiver behandeln bzw. Patienten eine Psychotherapie nahelegen k√∂nnen.

Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit steckt in einem Karton der Gr√∂√üe eines Schul-Atlasses: 16 R√∂hrchen, eine Tablette, ein Mini-EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nicht, um psychischen Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. ‚ÄěUnsere Methode misst biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und k√∂rperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln‚Äú, erl√§utert der wissenschaftliche Leiter Prof. Hellhammer das Verfahren. ‚ÄěNeuropattern ist auch weltweit der erste Versuch, das Wissen der Grundlagenforschung systematisch in die Patientenversorgung einzubringen. Wir hoffen, dass auf diese Weise eine nachhaltige Verbesserung von stresskranken Patienten erreicht werden kann.‚Äú

√úber teilnehmende Haus√§rzte, die m√∂gliche Ausschlusskriterien ihrer Patienten pr√ľfen, kann das Neuropattern-Set angefordert werden. Nach einer Einweisung f√ľhrt der Erkrankte die erforderlichen Tests ‚Äď √ľberwiegend per Speichelproben ‚Äď zu Hause durch. Die Auswertungen der Proben und Messungen dienen als Grundlage f√ľr eine erfolgreiche Therapie. Patienten k√∂nnen die
Behandlung aktiv unterst√ľtzen. Sie erhalten Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten zur Selbsthilfe, die auch Wartezeiten f√ľr psychotherapeutische Behandlungen √ľberbr√ľcken sollen.

Das sog. “Neuropattern II-Set” wurde innerhalb von acht Jahren auf der Basis der Daten von mehr als 2200 Patienten und Probanden erfolgreich entwickelt.

Nach Angaben der Universit√§t Trier kosten Arztbesuche, Medikamente und Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Stress und Depressionen j√§hrlich rund 65 Milliarden Euro. Knapp 38 Prozent aller Fr√ľhrentner wurden den Angaben nach 2009 in Deutschland wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in den Ruhestand geschickt – 1993 waren es mit 15 Prozent nicht einmal halb so viele. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme habe sich seit 1990 verdoppelt. ‚ÄěDas kann sich nur √§ndern, wenn psychische und psychosomatische Gesundheitsst√∂rungen fr√ľhzeitig und effizient von den √Ąrzten behandelt werden, die die Prim√§rversorgung dieser Patienten durchf√ľhren‚Äú, sagt Hellhammer.

(Quelle: daacro.de)

ÔĽŅ01.09.19