Sep 03

Trennung und Scheidung verĂ€ndert nicht nur unser Leben “danach”, sondern auch bevor die Absicht ĂŒberhaupt noch klar gefasst ist. (Bild: Getty)

Hier einige von mir im Laufe der Zeit gesammelten Daten und Fakten zum Thema Trennung und Scheidung. Neue Informationen, “FundstĂŒcke” oder Studien werde ich sukzessive in die Liste mit aufnehmen. Gerne können auch Sie mir aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema zukommen lassen (bitte unbedingt mit Quellenangabe!).

  • Arbeitsteilung im Haushalt? Vielleicht lieber doch nicht: denn eine norwegische Studie aus dem August 2012 stellte fest, dass die Scheidungsrate von Paaren, die die haushaltlichen TĂ€tigkeiten gezielt aufteilen, etwa 50% höher ist als bei solchen, bei denen die Frau die hĂ€uslichen Arbeiten erledigt. Oder, gar nicht unwahrscheinlich: die höhere Scheidungsrate könnte auch mit “modernen” Werten und Einstellungen in Zusammenhang stehen, wie etwa, die Ehe generell nicht mehr als sakrosankt zu betrachten. Eine weitere ErklĂ€rung könnte aber auch sein, dass Paare mit klaren “ZustĂ€ndigkeitsbereichen” weniger anfĂ€lliger fĂŒr Konflikte und MachtkĂ€mpfe sind.
  • “Die Gene”: 02/2012 wurde eine Studie schwedischer Wissenschaftler veröffentlicht, der zufolge es bedingt durch ein spezifisches Gen manchen Frauen schwerer fallen könnte als anderen, in einer Paarbeziehung treu zu bleiben. Konkret hatten TrĂ€gerinnen einer Variation eines Oxytocin-Rezeptor-Gens, das als A-Allel bekannt ist, aufgrund höherer Schwierigkeiten, mit anderen Menschen emotionale Verbindungen herzustellen, nur schwer Heiratspartner. Bereits verheirate TrĂ€gerinnen dieser Genvariation jedoch mussten sich etwa 50% hĂ€ufiger mit Ehekrisen oder “Androhungen der Scheidung” arrangieren.
  • Wie klappt’s mit den Schwiegereltern? 11/2012 wurde eine 26-Jahres-Langzeitstudie der UniversitĂ€t von Michigan veröffentlicht, der zufolge das Scheidungs-Risiko um etwa 20% reduziert ist, wenn der Mann eine gute Beziehung zu den Eltern seiner Frau unterhĂ€lt. Wenn eine Frau eine enge Beziehung zu den Eltern ihres Mannes unterhĂ€lt, ist das Scheidungs-Risiko des Paares dagegen um 20 Prozent erhöht.Warum der Unterschied? Forscher Terry Orbuch glaubt einem Interview zufolge, dass viele Frauen ihre Schwiegereltern als aufdringlich empfinden, wĂ€hrend MĂ€nner die Aktionen ihrer Schwiegereltern tendenziell weniger persönlich nehmen.
  • MĂ€nner “ertrĂ€nken” hĂ€ufig ihren Scheidungsschmerz – eine Studie der University of Cincinnati (07/2012) stellte fest, dass MĂ€nner nach Scheidungen hĂ€ufig beginnen, ihren Alkohol-Konsum massiv zu steigern. Verheiratete Frauen wiederum trinken der Studie zufolge mehr als ihre verwitweten oder geschiedenen Freunde – teils, weil sie mit MĂ€nnern, die höheren Alkoholkonsum an den Tag legten, leben.
  • Zweifel an der Heirat können ein FrĂŒhwarnzeichen sein: in einer Studie der UCLA, welche 09/2012 im Journal of Family Psychology veröffentlicht wurde, fragten die Forscher 232 erstverheiratete Brautpaare, ob sie nach ihrer Verlobung “jemals unsicher oder zögerlich gewesen wĂ€ren, zu heiraten”. Das Forscherteam folgte sodann den Paaren alle sechs Monate die ersten vier Jahre ihrer Ehe hindurch. Es stellte sich heraus, dass “19 Prozent der Paare, in denen Frauen zuvor Zweifel gehabt hatte, vier Jahre spĂ€ter geschieden wurden, aber nur 8 Prozent der Paare, in denen Frauen keine Zweifel gehabt hatte. Auch die Zweifel der MĂ€nner korrelierten mit einer nahezu doppelt so hohen Scheidungsrate (MĂ€nner mit Zweifeln: 14% Scheidungsrate, MĂ€nner ohne Zweifel: 9%).
  • Fremdgehende MĂ€nner erleiden beim Sex eher Herzinfarkte: laut einer Studie, welche 05/2012 von der UniversitĂ€t Florenz veröffentlicht wurde, ereignet sich wĂ€hrend außerehelichem Sex hĂ€ufiger ein “koitaler Herzinfarkt” als in der gewohnten Umgebung. “Außerehelicher Sex ist riskant und emotional anstrengend, weil die Geliebte oft jĂŒnger ist als die Hauptpartnerin, hĂ€ufig folgt der Sex auch ĂŒbermĂ€ĂŸigem Trinken und/oder Essen,” so Dr. Alessandra Fisher in einem Interview. “Eine geheime sexuelle Begegnung in einer ungewohnten Umgebung kann den Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich erhöhen, was zu einem erhöhten Sauerstoffbedarf fĂŒhrt.”
  • Zusammenleben vor der Ehe ist nicht lĂ€nger ein starker PrĂ€diktor fĂŒr Scheidung, wie eine Studie des Centers for Disease Control and Prevention im FrĂŒhjahr 2012 ergab. Die Auswertung einer Befragung von 22.000 MĂ€nnern und Frauen ergab keine Unterschiede hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit, mindestens 15 Jahre verheiratet zu bleiben bei verlobten Paaren, die vor der Hochzeit zusammengelebt hatten und solchen, die dies nicht getan hatten. Bei nicht verlobten, aber zusammenlebenden Paaren allerdings zeigte sich eine geringere Wahrscheinlichkeit, dass die Partnerschaft die 10-Jahres- oder 15-Jahres-Marke ĂŒberlebte.
  • Scheidung in jĂŒngeren Jahren gesundheitsgefĂ€hrdender: einer Studie der Michigan State University (01/2012) zufolge erlitten diejenigen von 1.282 ĂŒber einen Zeitraum von 15 Jahren hindurch beobachteten Personen, die sich von ihrem Partner in einem jĂŒngeren Alter trennen, mehr gesundheitliche Probleme als jene, die sich erst in mittleren oder spĂ€ten Lebensabschnitten scheiden lassen. Möglicherweise verfĂŒgen Ă€ltere Menschen ĂŒber mehr BewĂ€ltigungsstrategien, um mit dem Stress der Scheidung umzugehen.
  • Frauen mit Trennungsabsicht arbeiten mehr: Ende 2012 veröffentlichte die European Economic Review eine Studie, derzufolge bei Frauen, die zusĂ€tzliche 12 Minuten pro Woche arbeiten, das Risiko einer Trennung oder Scheidung um 1% zunimmt. Ein Grund dafĂŒr könnte dem Soziologen Berkay Özcan sein, dass lĂ€ngere Arbeitszeiten eine Form der “Versicherung” fĂŒr Frauen darstellen, wenn ihre Ehe zugrunde zu gehen droht. Auch bei MĂ€nnern wurden diese Tendenzen beobachtet, auch wenn die Minutenzahlen im Schnitt geringer ausfielen.
ï»ż01.09.19