Jan 20

Laut einer k√ľrzlich publizierten Studie k√∂nnte Schlafmangel zumindest bei Jugendlichen zu Depressionen und Suizidgedanken f√ľhren. Wissenschafter der Columbia University in New York und Kollegen analysierten Daten von √ľber 15.000 Sch√ľlern der 7.-12. Schulstufe, wonach f√ľr Jugendliche, die von ihren Eltern erst nach Mitternacht oder sp√§ter zu Bett geschickt wurden, im Vergleich zu jenen, die vor 10 Uhr abends zu Bett gingen, ein um 24 Prozent h√∂heres Depressionsrisiko errechnet werden konnte (OR=1,24; 95% CI 1,04-1,49). Die Rate an Probanden mit Suizidgedanken war bei den Sp√§t-Schlafengehern um 20 Prozent gesteigert (OR=1,20; 95% CI 1,01-1,41).

Schlafmangel bei Jugendlichen stellt demnach offenbar einen Risikofaktor f√ľr die Entwicklung von Depressionen dar. Ausreichend guter Schlaf dagegen k√∂nnte als Pr√§ventivma√ünahme oder Therapie-unterst√ľtzend bei Depressionen eingesetzt werden.

Forschungsergebnisse gab es dar√ľber hinaus auch zum Thema Schlafentzug: offenbar ist es nicht m√∂glich, zu wenig Schlaf z.B. am Wochenende nachzuholen. Forscher am Bostoner Brigham and Women’s Hospital berichteten im Journal ‘Science Translational Medicine’, dass Schlafmangel √ľber einen l√§ngeren Zeitraum Konzentration und Leistungsf√§higkeit einschr√§nkt. Das sei ein Hinweis darauf, dass Menschen mit ungew√∂hnlichen Arbeitszeiten besonders anf√§llig f√ľr Fehler sind, auch wenn sie versuchen, den verlorenen Schlaf zu kompensieren.

Die US-Forscher untersuchten dazu acht Jugendliche ohne Schlafst√∂rungen, die √ľber einen Zeitraum von drei Wochen jeweils 30 Stunden ohne Unterbrechung wach blieben und anschlie√üend zehn Stunden schliefen, was in etwa mit den Arbeitszeiten von √Ąrzten, die nach einer Nacht mit Abrufbereitschaft gelegentlich 33 Stunden wach sind und dann zehn Stunden schlafen, vergleichbar ist. Dann folgten Aufmerksamkeits- und Reaktionstests, deren Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe mit regelm√§√üigen Schlafrhythmen verglichen wurden. Beide Gruppen schnitten √ľber den gesamten Versuchszeitraum gleich ab, wenn der Test zwei Stunden nach dem Aufwachen durchgef√ľhrt wurde. Je l√§nger der Versuch jedoch andauerte, desto deutlicher verschlechterten sich die Ergebnisse in Tests am Ende der Wachzeit. Lag die Reaktionsdauer in der ersten Woche bei 0,7 Sekunden, betrug sie in der dritten Woche mit 2,0 Sekunden bereits das dreifache. Wegen der geringen Anzahl an Probanden soll der Versuch nun in gr√∂√üeren Ma√üstab wiederholt werden.

Dass ausbleibender Schlaf gef√§hrliche Wirkungen haben kann, zeigen bereits fr√ľhere Forschungen. “Nach 17 Stunden Wachzeit am St√ľck reagiert der Mensch so, wie wenn er 0,5 Promille Alkohol im Blut h√§tte, nach 24 Stunden sogar wie bei 1,0 bis 1,2 Promille. Dauert die Wachzeit deutlich l√§nger, beginnen Halluzinationen”, erkl√§rt M. Walzl, Neurologe und Psychiater der Landesnervenklinik Graz. Chronischer Schlafmangel sei ein Merkmal der heutigen Zeit: “Seit 100 Jahren schon schlafen wir um zwei Stunden pro Tag zu kurz, derzeit durchschnittlich 6,5 bis 6,8 Stunden”, extrem sei dies bei Kindern und Jugendlichen zu beoachten: “Viele √ľberbr√ľcken das Nicht-einschlafen-k√∂nnen mit Fernsehen oder Videospielen, haben dann massive Alptr√§ume und zeigen am n√§chsten Tag arge Konzentrationsst√∂rungen, Unruhe und Unaufmerksamkeit.” Im Berufsalltag seien besonders Schichtarbeiter von chronischem Schlafentzug betroffen. “Medizinisch w√§re die Vorverlegung des Schichtsystems um zwei Stunden sinnvoll, auch sollte man am besten direkt vor der Nachtschicht schlafen”, r√§t Walzl. Sei es unvermeidbar, eine Nacht durchzuarbeiten, solle man zu Mitternacht ein kurzes Mittagsschl√§fchen machen. “Zwischen ein und drei Uhr morgen und auch zur selben Zeit nachmittags ist unsere Leistungskurve auf einem absoluten Minimum. 20 Minuten Schlaf zuvor k√∂nnen Wunder wirken”.

(Quellen: Der Standard, Sleep; 2010, 33: 97-106, “Uncovering Residual Effects of Chronic Sleep Loss on Human Performance” in: Science Translational Magazine Vol 2 Issue 14 (13 Jan 2010). Photo src:thomasschwenke.de)

ÔĽŅ01.09.19