Jan 16
Body Dysmorphic Disorder - Körperbildstörung

(Photo:Asia Group/Getty Images)

Feministinnen wettern zwar gegen angebliche “patriarchale Normierungen” – ein Blick auf den Boom der sogenannten “Schönheits-Chirurgie” und den Druck selbst innerhalb der peer groups junger Schülerinnen, als “sexy” zu gelten, demonstriert jedoch, dass es den meisten Menschen – in stark zunehmendem Maße auch Männern – alles andere als leicht fällt, sich den durch Medien und Werbung geprägten Attraktivitäts- und Jugendlichkeits-Idealen zu entziehen.

Die Disziplinierung des möglichst normgerecht erotischen Körpers geschieht nämlich nicht, weil man bzw. frau muss, sondern weil sie will. Und gegen Freiwilligkeit lässt sich schwer argumentieren. Natürlich weiß heute jeder um die Manipulation der machtvollen Vorbilder aus endlos langen Streichholzbeinen, Minitaille und Superbusen mittels Photoshop, was aber am Streben, diese in glanzvollen Bildern “realisierten” Idealen auch selbst möglichst zu entsprechen, nichts ändert. Es vermittelt nun einmal Sicherheit, zu entsprechen, zu genügen.
All die Make-Over-Sendungen und Schönheits-OP-Tests haben darüber hinaus den Nebeneffekt, die Schwellenangst, auch den eigenen Körper zu “modellieren”, zu reduzieren. Ja die dort auftretenden Ärzte erklären sogar bescheiden, sie würden der Natur “etwas nachhelfen” – suggerierend, dass es nur die Zustimmung der Patientin (Kundin) benötigte, und auch sie könne “optimiert” werden.

Zwei psychische Störungen, die Menschen fast zwangsartig in die Kliniken und Praxen der Chirurgen treiben, sind der sog. “Salome-Komplex” (der quälende Zwang, stets schön aussehen zu müssen, und nur dann liebenswert und wertvoll zu sein, wenn man attraktiv und anziehend ist) und die Dysmorphophobie (auch: körperdysmorphe Störung (DSM-IV-TR) oder Körperbildstörung, mitunter auch Thersites-Komplex oder Adonis-Komplex genannt).

Carla Bruni im März 2010

Carla Bruni im März 2010

Die von Dysmorphophobie Betroffenen nehmen ihren Körper oder einzelne Körperteile (zumeist das Gesicht oder Bereiche des Kopfes, Brüste, Geschlechtsorgane, Bauch,..) als häßlich wahr. Um diese Wahrnehmung herum können sich regelrecht zwanghafte Gedanken und ritualisierte Verhaltensweisen entwickeln: bei jeder Gelegenheit wird das Aussehen kontrolliert oder mit dem anderer Personen verglichen, Puder, Cremes oder Makeup im Gesicht aufgetragen. In extremen Fällen werden aus Furcht negativer Bewertung soziale Situationen (z.B. gesellschaftliche Veranstaltungen, Einkaufszentren etc.) vermieden (Komorbidität mit  Sozialphobie). Signifikant für die Symptomatik bei “OP-Süchtigen” ist das Auseinanderklaffen der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Es besteht nur selten Krankheitseinsicht, überhaupt “werde ohnehin alles passen, wenn erst mal der Makel XY behoben ist…” Wenige Monate später verlegt sich dann der Fokus auf eine andere körperliche Eigenheit oder die “Optimierung” muß noch weiter vorangetrieben werden.

Symptomatisch ist auch, dass sich Betroffene zumeist nicht rechtzeitig in Behandlung begeben – meist aus Scham oder Unwissenheit, dass sie unter einer Krankheit leiden, die man psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandeln kann. Der berufsethischen Verpflichtung der “Schönheitschirurgen”, PatientInnen/KundInnen zu psychotherapeutischen oder psychologischen Konsultationen zu raten, sofern sie bereits mehr als 2 plastische Operationen hinter sich haben und eine weitere anstreben, und die gewünschte OP bis dahin abzulehnen, kommen leider nur die wenigsten Ärzte nach.

Oct 28

In bestimmten Städten Südostasiens über “Sex-Sucht” zu sprechen, ist etwa so, wie während des Oktoberfestes über Alkoholismus zu referieren: ein Feuerwerk von Witzen und augenzwinkernden “Geständnissen” (“ja, ich bin auch ein Abhängiger!”) sind beinahe unvermeidlich… Doch nur die wenigsten Leute wissen, was Sex-Sucht eigentlich ist oder bedeutet.

Sex-Sucht (bei Männern mitunter auch Satyriasis oder „Donjuanismus“ und bei der Frau Nymphomanie genannt) ist ein umgangssprachlicher Begriff für Hypersexualität, bei der die betroffene Person nicht in der Lage ist, ihr Sexualverhalten zu steuern. Exzessiver sexueller Antrieb, die empfundene Machtlosigkeit und die Benutzung von Sex als Schmerzmittel erzeugt aber grossen Druck nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für jene, die mit ihnen zu tun haben. Viele Betroffene investieren eine Menge Zeit und Geld, um ihrer Obsession mit allem, was mit Sex zu tun hat, nachzugehen, und riskieren damit mitunter sogar ihren Job, ihre Partnerschaften, sie beeinflussen ihr tägliches Sozialleben und nehmen – bewusst oder unbewußt – das Risiko körperlicher und seelischer Schäden in Kauf. Bei den meisten bleibt es zwar bei zwanghafter Masturbation oder intensivem Konsum von Pornografie oder bezahltem Sex, bei anderen aber kann die Abhängigkeit auch illegale Aktivitäten wie Exhebitionismus, Voyeurismus, obszöne Anrufe, sexuelle Belästigung oder sexuellen Missbrauch einschliessen. Besonders hier in Asien möchte ich diesbezüglich auch auf die Verletzung verschiedener lokaler Gesetze wie das Filmen von sexuellen Akten oder das organisieren von Sex-Parties hinweisen. Manche Sex-Abhängigen geben grosse Teile ihres Geldes zur Befriedigung ihrer sexuellen Lust aus – im Prinzip ist ihr Gelderwerb und ihr gesamtes Denken stark mit der Befriedigung ihres sexuellen Antriebs verbunden. Und all dies, obwohl “Sex-Junkies” nur selten dauerhafte Befriedigung durch ihre sexuellen Aktivitäten erlangen und auch so gut wie nie emotionale Verbindungen mit ihren Sexpartnern eingehen können. Viele vergleichen ihre damit verbundenen Gefühle mit einer dauerhaften Jagd – doch ohne jemals die Befriedigung zu erleben, “satt” zu werden.

Leider ist es für Sex-Abhängige auch verzerrtes Denken typisch – sie rechtfertigen und rationalisieren ihr Verhalten und beschuldigen andere für die Probleme, die ihre Handlungen zur Folge haben. So lange wie möglich wird ein Eingeständnis von Problemen vermieden. Aus diesem Grund benötigt es häufig ein einschneidendes Ereignis wie eine Kündigung, Trennung des Partners, eine Verhaftung oder Gesundheitsprobleme, um beim Abhängigen eine erste echte Konfrontation mit dem Problem zu bewirken.

Fachleute kämpfen immer noch mit der exakten Definition und Diagnose von Hypersexualität, es gibt jedoch keinen Zweifel darüber, dass das Problem an sich existiert. Hypersexualität ist auch ein Symptom der manischen Phasen bei bipolaren (“manisch-depressiven”) und sogenannten schizoaffektiven Störungen und häufig auch verbunden mit Depression oder anderen Formen der Abhängigkeit, wie etwa Alkoholismus oder Drogenmissbrauch. Die Behandlung von Hypersexualität konzentriert sich auf die Kontrolle des Suchtverhaltens und die Unterstützung der Betroffenen, wieder zu einer gesunden Ausübung der Sexualität zurückzufinden.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:vgstudio/Shutterstock)

Interessiert Sie dieses Thema? Dann ist für Sie vielleicht auch mein umfangreicherer Artikel zur Hypersexualität (“Sex-Sucht”) interessant.

Oct 01

Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht für chronische (= länger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von Krampfzuständen) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabhängig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf.

Weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind Pelvipathia, chronic pelvic pain (CPP) und Hysteralgie.

In den USA leiden ca. 15% oder ca. 9,2 Mio. Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen. Etwa 10% aller ambulanten Patientinnen, 30–40% aller Laparoskopien und ca. 10–20% der Hysterektomien werden jährlich wegen Pelvipathie in den USA durchgeführt.

Doch eine Frau, die ständig Unterleibsschmerzen hat, streicht das Thema Sexualkontakt selbstverständlich. Dies und die Häufigkeit des Störungsbildes dürften ein Grund dafür sein, dass von dieser versteckten Sexualstörung – im Vordergrund stehen ja die Schmerzen, die den Gedanken an Geschlechtsverkehr erst gar nicht aufkommen lassen – den USA etwa 15 Prozent der Frauen betroffen sind. Die bei den Betroffenen häufige depressive Symptomatik wiederum kann den Teufelskreis von Schmerzen und Beeinträchtigung der Lebensqualität noch weiter anheizen.

Beim Gynäkologen werden die Patientinnen meist mit einer invasiven Diagnostik und Therapie versorgt – die einseitig organbezogenen Eingriffe wie Adhäsiolysen und Hysterektomien verstärken die Symptomatik aber häufig sogar noch. Denn ganz wesentlich dürften psychovegetative Zusammenhänge an der Entstehung von Pelvipathien zumindest mitbeteiligt sein. In den zahlreichen Fällen (etwa 40%) ohne ausreichenden Organbefund handelt es sich meist um stressbedingte Erkrankungen. Die Schmerzen können ferner auch ein Ausdruck unbewältigter Konflikte sein, etwa in der Partnerschaft, aber auch nach Missbrauch oder anderen traumatischen Erlebnissen. Der psychische Druck äußert sich dann in einer Anspannung des Unterleibs, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Oft rühren die ständigen Beschwerden auch von Myomen, Bindegewebsverwachsungen oder einer Endometriose. Für 60 Prozent der Pelvipathiefälle könnten sogar Erkrankungen verantwortlich sein, die nicht im gynäkologischen Bereich liegen, etwa Darm-, Nieren- oder Rückenleiden, wie eine amerikanische Studie im Jahre 2006 (s.u.) aufzeigte. Ein “blinder Fleck” scheint in der Studie allerdings bestanden zu haben, dass ja auch psychische Ursachen dazu führen können, dass keine Befunde in den Fortpflanzungsorganen zutage gefördert werden können.
So haben Frauen mit chronischen Unterbauchbeschwerden häufig auch andere (etwa somatoforme) Störungen oder Depressionen (60%). Von den Betroffenen beklagen 65–79 % ein Reizdarmsyndrom, 30–70 % “abdominale myofasziale Schmerzen” (häufig in der Nähe von Operationsnarben) und 5–10 % urologische Symptome (Reizblase, Schmerzen beim oder nach dem Harnlassen, Pollakisurie,..). Daneben besteht mitunter auch ein nichtorganischer Fluor vaginalis als Ausdruck der vegetativen Erregung, ein genitaler Juckreiz (meist im Vulva-Bereich, aber auch in der Scheide), ein analer Juckreiz, eine Dysmenorrhö, prämenstruelle Beschwerden und funktionelle Sexualstörungen. Bei manchen Patientinnen besteht auch eine nichtorganische Vulvodynie.

Aus den angeführten Gründen sollten sorgfältige körperliche Untersuchungen, die nicht nur die Genitalorgane einschließen, am Beginn der Behandlung stehen und deren weiteren Verlauf bestimmen. Je nach Befund können dann etwa Medikamente, eine Operation oder physikalische Maßnahmen erfolgen. Wurden keine körperlichen Ursachen gefunden, sollte Psychotherapie oder Sexualtherapie in Anspruch genommen werden – nicht nur, um herauszufinden, welche psychischen Ursachen zu den körperlichen Schmerzen führen, sondern auch im Laufe der Behandlung wieder zu einer entspannten und erfüllten Sexualität zurückfinden zu können. Hypnotherapie kann sich speziell für die Schmerztherapie sowie als Entspannungsverfahren als nützlich erweisen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut ist bei Pelvipathie eine Vorgangsweise, die sich für die effiziente Behandlung gut bewährt hat.

(Quellen: Leserman J, Zolnoun D, Meltzer-Brody S, Lamvu G, Steege JF. Identification of diagnostic subtypes of chronic pelvic pain and how subtypes differ in health status and trauma history. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2006;195(2):554-560; Wikipedia, Pelvipathie.de; Image src:medfuehrer.de)

Sep 10
Testosteron-Spiegel erhöhen

Testosteron-Mangel hat eine Vielzahl potenzieller Auswirkungen – auf Psyche und Körper. (img:Getty)

Die Andropause ist eine meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr bei Männern einsetzende hormonelle Veränderung, welche durch einen reduzierten Testosteron-Spiegel ausgelöst wird.

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon und wird in den Hoden gebildet. Es wirkt auf alle Körperzellen und ist nicht nur für die Geschlechtsentwicklung zuständig, sondern auch für den bei Männern spezifischen Haut-, Knochen- und Muskelaufbau. Ebenso wichtig ist es für die Produktion der roten Blutkörperchen, welche den Körper mit Sauerstoff versorgen. Dem Testosteron fällt auch die keineswegs unbedeutende Aufgabe zu, für seelische Ausgeglichenheit und sexuelle Lust zu sorgen. Ab der Lebensmitte jedoch lässt die Produktion dieses Hormons sukzessive nach und der Testosteronspiegel sinkt ab. Diese Verminderung beschert vielen Männern Beschwerden: “die Fitness ist kraftlos und die Lenden sind saftlos”… Die so genannte Andropause tritt ein: depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Abnahme der Konzentration und der Vitalität.

Zu den möglichen Symptomen der eintretenden Andropause gehören:

  • Stimmungsschwankungen wie Angst, Reizbarkeit, Aggression
  • Neigung zu Depression
  • Erhöhtes Gewicht und Körperfett, wachsender Bauchumfang
  • Schlechter werdendes Kurzzeitgedächtnis
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne
  • Schlafprobleme und/oder stärkere Müdigkeit als früher
  • Reduzierter Wunsch nach Intimität und niedrigerer Sexualtrieb
  • oder rationaler Wunsch nach Sex, aber Gefühl von Lustlosigkeit
  • Erektile Dysfunktion
  • Weniger häufige und intensive Ejakulation
  • Osteoporose
  • reduziertes Selbstwertgefühl
  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • weniger Energie und Ausdauer, langsamere Regeneration nach körperlicher Anstrengung

Es existieren jedoch in Fachkreisen beträchtliche Auffassungsunterschiede darüber,  welche der genannten Symptome tatsächlich auf eine sog. “männliche Menopause” bzw. Andropause hinweisen und letztlich auf Testosteron-Mangel zurückzuführen sind. Für jedes der Symptome könnten genauso gut andere Ursachen vorliegen – selbst dann, wenn tatsächlich ein reduzierter Testosteron-Spiegel diagnostiziert würde. In gewissem Sinne stellen so genannte “Testosteron-Ersatz-Therapien” also einen “Schuß ins Blaue” dar.

Testosteronersatz-Therapie – ja oder nein?

Von manchen Ärzten und Kliniken werden heute Männern ohne viel Zögern Ersatztherapien zur Erhöhung des Testosteron-Spiegels angeboten – häufig speziell mit dem Ziel, um die Lust auf das Liebesleben wieder zurückzuerobern. Sogar bei drohenden Herz-/Kreislaufkrankheiten wird dieses Hormon gelegentlich präventiv eingesetzt, da Untersuchungen zeigten, dass Testosteron auch einen Schutzeffekt für Arterien und Venen hat, wodurch sich diese Art von Therapie (meist in Form von Tabletten, Gel, Pflaster oder Nasenspray) Patienten gegenüber gut “argumentieren” läßt. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen: eine Hormonersatztherapie nützt nichts, wenn man gleichzeitig Raubbau mit seiner Gesundheit und seinen Ressourcen betreibt. Es ist bemerkenswert, aber vielleicht nicht ganz zufällig, dass viele Männer, die bereit sind, Hormonersatztherapien an sich durchführen zu lassen (oder diesbezüglich gar Selbstmedikation betreiben), häufig auch leichtfertiger als andere zu anderen “Konditionsbooster-Arzneimitteln” greifen.

Im Idealfall nehmen bei einer künstlichen Testosteron-Gabe Muskelmasse, Knochendichte, Libido und Leistungsfähigkeit zu. Unter gewissen Bedingungen kann die “Extra-Dosis” Testosteron jedoch auch die Entwicklung eines bereits bestehenden Prostatakrebs beschleunigen. Eine Vorsorgekontrolle (PSA-Kontrolle) ist deshalb unbedingt anzuraten.

Doch es gibt auch bewährte Gesundheitstipps für Männer, welche – im Unterschied zu künstlichen Zuführung von Testosteron – zuverlässig keine Gesundheitsrisiken bergen und ebenfalls bestens geeignet sind, den Testosteron-Spiegel anzuheben:

  • Entwicklung von mehr Selbst-Disziplin für einen gesunden Lebensstil – etwas, das vielen Männer zeitlebens nicht erworben haben
  • Auf ausgewogene Ernährung achten (vitaminreich: mehr Obst und Gemüse; fettarm: fettige, ölige Speisen und raffinierte Kohlenhydrate können zu Übergewicht führen, Adipositas jedoch scheint die Produktion von Testosteron zu beeinflussen). Fastenkuren erhöhen verschiedenen kleinen Studien zufolge auch den Testosteron-Spiegel, vermutlich durch die dabei stattfindende Entschlackung und Entgiftung. Eier sind der wichtigste Cholesterin-Lieferant, welches wiederum ein wichtiger Baustein für die Testosteron-Produktion darstellt. Zucker senkt dagegen sukzessive den Testosteron-Spiegel im Blut: also lieber Früchte, die wenig Fruchtzucker enthalten, essen wie z.B. Granatäpfel, Zitrusfrüchte, Mangosteen, Datteln, Kokosnüsse, Avokados oder Weintrauben. Softdrinks, Limonaden, Mehlspeisen und Süßigkeiten aller Art sind möglichst radikal zu vermeiden.
  • Relevante Nahrungsbestandteile: Vitamin A und D sowie Zink (siehe auch weiter unten).
  • Östrogene vermeiden: diese weiblichen Hormone kommen zunehmend in Nahrungsmitteln vor, speziell der Weichmacher Bisphenol-A auch in vielen Alltagsprodukten, v.a. solchen aus Plastik: man sollte deshalb Getränke aus Plastikflaschen oder in Plastik verpackte Nahrungsmittel möglichst umgehen.
  • weniger Stress: Stress erzeugt Cortisol, und dieses wirkt sich negativ auf den Testosteron-Spiegel aus.
  • der Taillenumfang sollte weniger als 100 cm betragen (siehe BMI-Test)
  • genügend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden pro Tag. Testosteron wird während der REM-Phasen produziert, insofern sollten genügend davon stattfinden können.
  • Achten Sie auf eine gesunde und möglichst wenig belastete Psyche und holen Sie sich ggf. Unterstützung durch Psychotherapie oder Coaching: Optimismus und ein ausgeglichener Seelenzustand helfen, Stress zu vermindern. Wenn Männer dagegen (womöglich sogar chronisch) belastet sind, produzieren die endokrinen Drüsen signifikant weniger männliche Geschlechtshormone.
  • Rauchen und trinken Sie weniger. Die Leber baut normalerweise überschüssiges Östrogen ab – ist sie aber mit dem Abbau vom Alkohol beschäftigt, kann sie das nicht.
  • natürliche Mittel – Hafer und Ginseng haben eine testosteronähnliche Wirkung, Bockshornkleesamen-Extrakt aktiviert den Testosteron-Umsatz und eine Extraportion Zink hilft dem Testosteron ebenfalls auf die Sprünge: Hummer, Austern und Garnelen; Sojabohnen, Weizenkleie und Kürbiskerne. Casanova ass bekanntlich 40 Austern pro Tag!
  • Bewegung kurbelt die Testosteronausschüttung ebenfalls stark an: beste Ergebnisse bietet diesbezüglich ein hochintensives Krafttraining (man muss wirklich schwitzen und dabei – im Rahmen der gesundheitlichen Verträglichkeit – knapp über seine Grenzen gehen!) mit Serien von 10-15 Wiederholungen, gespickt mit Pausen von 60-90 Sekunden (Pausen von 15-30 Sek. dagegen stimulieren vor allem die Ausschüttung von Wachstumshormon).
  • Pornografie: wenig oder gar nicht. Suchtähnliche Effekte von zu viel Pornografie-Konsum haben eine negative Auswirkung auf die Libido und die Testosteron-Produktion.
  • guter Sex: intensive Erregung und Spiele der Lust heben unseren Hormonspiegel über einen Zeitraum von bis zu zwei Tagen an und wirken so auf natürliche Weise Mangelerscheinungen entgegen. Selbst erotische Fantasien kurbeln kurzfristig die Testosteronproduktion an. Der Zustand der Verliebtheit reduziert den Testosteron-Spiegel bei Männern, bei Frauen hebt er ihn an.

Gerade Männer können ihre Hormonwerte durch ihren Lebensstil noch stärker beeinflussen als Frauen, weil sich ihre Hormonsituation mit dem Alter nicht so abrupt und radikal verändert.

Im Bereich “Selbsttests” auf meiner Website finden Sie einen Selbsttest auf Testosteron-Mangel, der Ihnen bei einer ersten Selbsteinschätzung weiterhelfen kann. Im Zweifelsfall ist eine fachärztliche Untersuchung mit Blutbefund anzuraten.

May 18

Eine großangelegte Studie (n=1000) des Institutes für Frauengesundheit Baden Württemberg zur Häufigkeit sexueller Funktionsstörungen bei Frauen sowie möglichen Wegen, diese zu beeinflussen, wurde kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Sexual Medicine veröffentlicht.

Ziel dieser Studie war es, a) die Häufigkeit und b) die unterschiedlichen Formen von Störungen der weiblichen Sexualfunktion zu erforschen. Ebenfalls untersucht wurde der Zusammenhang von Funktionsstörungen und hormoneller Verhütung mit der “Pille”, genauer mit unterschiedlichen Formen einer hormonalen Empfängnisverhütung. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde gezielt nach der sexuellen Aktivität und möglichen Einflussfaktoren gefragt. Bezüglich einer eventuell durchgeführten Kontrazeption wurden die Auswirkungen verschiedener Verhütungsmethoden auf die Sexualfunktion wie auch unterschiedliche hormonale Kontrazeptiva vergleichend berücksichtigt.

Die Auswertung zeigt, dass von den teilnehmenden Frauen 32,4 % ein Risiko für sexuelle Dysfunktion aufweisen, und zwar in den Bereichen Orgasmus (8,7 %), Libido (5,8 %), Befriedigung (2,6 %), Lubrikation (1,2 %), Schmerzen (1,1 %) und sexuelle Erregung (1,0 %). Signifikante Auswirkungen auf die Gesamtauswertung hatten die Faktoren Verhütungsmethode und Rauchen, wobei die hormonelle Verhütung mit geringerer Libido und Erregung assoziiert war als die Nicht-Verhütung und die ausschließlich nichthormonale Kontrazeption. Weitere Variablen wie Stressbelastung, Schwangerschaft, Partnerbeziehung und Kinderwunsch hatten ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Sexualfunktion.

Die Autoren weisen darauf hin, daß die Studie primär Assoziationen, nicht aber Kausalität einzelner Sexualstörungen nachweisen kann.

(Quelle: Wallwiener CW, Wallwiener LM, Seeger H, Mueck AO, Bitzer J, and Wallwiener M; Prevalence of Sexual Dysfunction and Impact of Contraception in Female German Medical Students ; doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01742.x)

May 15

(Bild: J.Dowland/Getty Images)

In der Geschichte war der Begriff sexueller „Normalität” fast durchgehend moralischen Gesichtspunkten unterworfen, und bis heute ist die Abgrenzung zwischen Normalität und Perversion (Paraphilie) schwierig.
Auch kulturelle Unterschiede und gesetzliche Regelungen definieren mit, was „normal“ und was „abartig“ ist – das läßt sich beispielsweise im Vergleich zwischen westlichen und asiatischen, oder westlich/christlichen und muslimischen Ländern beobachten.

Verschiedene international gültige Diagnoseschemata definieren unter anderem diverse Fetische, aber z.B. auch masochistische und sadistische Rollenspiele als Sexualstörung. Statistiken zufolge wären danach jedoch rund 50 Prozent aller europäischen Männer bewusst oder latent paraphil, bevorzugen also „abnormale“ Reizmuster und Trigger zur sexuellen Erfüllung – demnach wäre eine Definition von Normalität aber eigentlich fragwürdig und künstlich. Entwürfe für neuere Versionen der fachlichen Leitlinien unterscheiden deshalb bereits zwischen krankhaften Paraphilien, deren Ausleben andere Menschen schädigen (z.B. Pädophilie oder extreme Formen von BDSM), und harmlosen, spielerischen sexuellen Abweichungen.

Doch die Freiheit, so gut wie jede sexuelle Neigung ausleben zu können, bedeutet nicht automatisch auch, daß man selbst oder der/die Partner/in damit glücklich ist. Wenn befriedigende Sexualität nur unter sehr eingeschränkten Rahmenbedingungen möglich ist, mit dem Gesetz in Konflikt steht oder unsere Neigungen uns selbst oder die Partnerschaft belasten, bewährt es sich fast immer, im Kontext einer Sexualberatung nach möglichen Lösungen zu suchen.

(Mehr über dieses Thema und sexuelle Abweichungen finden Sie in meinem diesbezüglich wesentlich umfangreicheren Artikel zur Sexualtherapie auf dieser Website.)

Apr 30

Das Ergebnis einer Studie von britischen und niederländischen Psychologen im Jahre 2009 sorgte für hitzige Diskussionen. Eine Umfrage unter 1.500 chinesischen Frauen sollte einen Zusammenhang zwischen dem Reichtum eines Mannes und der Zahl der Orgasmen gebe, die eine Frau erlebt, nachgewiesen haben: je reicher der Partner, desto mehr weibliche Orgasmen.
Die Psychologen schlossen daraus auf einen evolutionspsychologischen Zusammenhang, nach dem Frauen von reicheren Männern stärker erotisch angezogen werden.

T. Hothorn und E. Herberich vom Institut für Statistik der LMU werteten die zugrundeliegenden Daten jedoch nochmals aus und fanden dabei heraus, dass offensichtlich ein falsches Statistikmodell zur Anwendung gekommen war. Mit einem anderen statistischen Modell dagegen zeigte sich, dass die Orgasmushäufigkeit der Frauen vielmehr am stärksten mit ihrem Bildungsniveau, aber auch mit ihrem Gesundheitszustand und dem Alter zusammenhängt. Jüngere und gesündere Frauen berichteten über häufigere sexuelle Höhepunkte als ältere und wenig gesunde. “Das Einkommen des Partners erwies sich dagegen als eher unbedeutende Variable in diesem Zusammenhang”, so die Wissenschaftler. Vereinfacht ließe sich also sagen: “je klüger die Frau..”

Zusammen mit den Psychologen der ersten Studie haben die Statistiker nun die neuen Ergebnisse in der Zeitschrift “Evolution and Human Behavior” veröffentlicht. Und sie weisen daraufhin, dass die Richtigstellung nur deswegen möglich war, weil die Daten öffentlich zugänglich waren: “Anders hätten wir ihre Schlussfolgerungen nicht überprüfen können”, sagt Hothorn. “Es sollte daher wissenschaftlicher Standard werden, sowohl die Originaldaten als auch die statistischen Analysemethoden zusammen mit den Ergebnissen zu veröffentlichen. Auf diese Art wäre der Weg, auf dem Schlussfolgerungen gezogen werden, für jedermann nachvollziehbar.”

(Quellen: tp, Evolution and Human Behavior; Photo src:sexsecrets.files.wordpress.com)

Apr 16

Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass hormonbedingte Stoffwechselstörungen bei Männern zu einem früheren Tod führen.

Wissenschafter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, der Kardiologie und der Community Medicine der Universität Greifswald sowie der Universität Erlangen-Nürnberg konnten kürzlich einen direkten Zusammenhang zwischen dem Sexualhormon Testosteron und dem Sterblichkeitsrisiko belegen. Von ca. 2000 untersuchten Männern verstarben jene signifikant häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen, die zur Zeit der Erstuntersuchung niedriger Testosteronspiegel aufwiesen. In begleitenden Analysen der Daten der Studie konnten die Wissenschaftler belegen, dass eine erniedrigte Testosteronkonzentration häufig mit Fettleibigkeit, Fettstoffwechselstörungen und einer Leberverfettung verknüpft sind. Niedrige Testosteronspiegel führen zu einer vermehrten Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen und erhöhten Gesundheitskosten im ambulanten Bereich. Zudem zeigte sich, dass ein niedriger Testosteronspiegel für die Entstehung von Bluthochdruck und Diabetes mit verantwortlich ist. “Diese hormonbedingten Stoffwechselstörungen sind bei Männern zu einem frühen Tod verknüpft”, betonte einer der Untersuchungsleiter. Das habe die Auswertung der Verlaufsbeobachtung von bereits verstorbenen Teilnehmern der Studie ergeben.

Testosteron ist als wichtigstes männliches Sexualhormon für viele körperliche und psychische Vorgänge beim Mann verantwortlich. Die Testosteronkonzentration sinkt mit zunehmendem Alter des Mannes kontinuierlich – bei 15 bis 20 Prozent der untersuchten Männer über dem 50. Lebensjahr wurde im Rahmen der Studie eine erniedrigte Testosteronkonzentration nachgewiesen. “In Zukunft wird die hormonelle Vorsorge beim reifen Mann genauso selbstverständlich werden wie bei der Frau”, sind die Studienautoren überzeugt.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der letzten Ausgabe des medizinischen Fachmagazins “European Heart Journal” veröffentlicht, nach diesen Ergebnissen sind weitere Forschungen in Zusammenarbeit von Andrologen, Kardiologen, Gynäkologen und Psychiatern geplant.

Zum Selbst-Check: Testosteron-Selbsttest auf dieser Website

(Quelle: “Low serum testosterone levels are associated with increased risk of mortality in a population-based cohort of men aged 20–79” in: European Heart Journal, doi: 10.1093/eurheartj/ehq009)

Mar 30

Und wieder ist es passiert: die Serie an aufgeflogenen Fällen von Pädophilie während der letzten Wochen erschien wie ein Stich ins Wespennest, unweigerlich ertappte man sich bei der Frage: “..und was ist da alles noch nicht aufgedeckt?” Einzelne Theologen sehen sich veranlaßt, vor einer Gleichstellung von Zölibat mit Pädophilie bzw. Ephebophilie zu warnen, während andere zum Schrecken ihrer Kollegen einen direkten Zusammenhang zwischen beiden orten.

Einmal mehr scheint sich auch ein Konnex zwischen Berufen, in denen Erwachsene tagtäglich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und sexuellen Übergriffen auf diese zu zeigen. Wen das überrascht oder schockiert, der muß sich entgegenhalten lassen, daß wir seit Darwin, spätestens aber Freud eigentlich wissen sollten, daß wir Menschen – trotz eines enorm entwickelten Großhirnes – immer noch sehr stark sexuell gesteuerte Wesen sind. Und auch wenn sich die Gendermedizin dem heute nicht mehr so generalisierend anschließen würde: Abraham H. Maslow sah den Sexualtrieb neben Trinken, Essen und Schlafen als gleichrangig auf einer Stufe seiner “Bedürfnispyramide” stehend, und auch zahlreiche Studien – etwa über die Partnerwahl von Menschen – bestätigen, daß uns sexuelle Antriebe in unserem alltäglichen Tun wohl deutlich stärker steuern als sich dies viele von uns eingestehen mögen. Ebenso, wie es Teil der (nicht immer nur charmanten) Realität ist, daß an den allermeisten Arbeitsplätzen mitunter auch mal sexuelle Rituale und Signale ausgetauscht werden, muß damit gerechnet werden, daß derartige Spannungsfelder zumindest gelegentlich auch in jenen Berufen existieren, in denen Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Eine tragfähige und vor allem konstante bewußte Abgrenzung ist in diesen Berufen auch deshalb schwierig, da unser Unbewußtes das letztendlich ja künstlich definierte “Schutzalter” (in den meisten Ländern liegt diese Grenze zwischen 14 und 18 Jahren) kaum verarbeiten kann: gerade in jenen Ländern, in denen es vergleichsweise spät endet, wirken die laut Gesetz noch schützenswerten Jugendlichen körperlich häufig bereits “erwachsen”, zumeist agieren sie auch erwachsen, und nicht selten sind sie seit Jahren bereits auch sexuell aktiv – den “primitiven Es’s” der Umwelt wird sexuelle Reife signalisiert.
Wie ist aber mit der Problematik umzugehen, daß trotz dieser Umstände Jugendliche und insbesondere Kinder vor sexueller Ausbeutung (hier beziehe ich mich auf das bewußte Ausnutzen der emotionalen Unreife von Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene mit der Absicht, sexuelle Ziele zu erreichen), vor vorzeitiger sexueller Initiation (hier beziehe ich mich auf erste sexuelle Erfahrungen in einem Stadium der körperlichen und psychischen Reifung, in dem ein Sexualakt mit einer anderen Person  körperliche oder psychische Schäden nach sich ziehen kann) und nicht zuletzt vor einem körperlichen und emotionalen Übergriff – der Verletzung der Schutzbedürftigkeit und grundsätzlichster Elemente der Professionalität in einem pädagogischen, ärztlichen oder anderen vergleichbaren Umfeld mit “Machtgefälle” – geschützt werden müssten?

Ich bin davon überzeugt, daß mit sämtlichen Ansätzen, in denen von Menschen verlangt wird, ihren Sexualtrieb zu negieren oder gar abzuschalten, dieser Konflikt nicht zu lösen, und der Kampf gegen den Mißbrauch im institutionellen Kontext nicht zu gewinnen ist. Unsere inneren Konflikte und die Versuchungen des Lebens lassen sich nicht lösen, indem wir sie ausblenden oder negieren. Und die – zumindest gelegentlich – bei allen von uns aufkommenden Impulse körperlicher Lust lassen sich nicht besser kontrollieren, indem wir sie “wegdefinieren”: indem wir etwa sagen, daß “wir unsere Sexualität Gott schenkten” , wenn das an die Oberfläche dringende sogleich wegzensiert wird oder wenn über sexuelle Gedanken nicht einmal gesprochen werden kann, da dies sofort mit entrüsteten und funkelnden Blicken bestraft würde (etwas, das besonders häufig im – von Frauen dominierten – pädagogischen Bereich beobachtbar ist).
Konsequenterweise prognostiziere ich auch, daß solange Institutionen existieren, in denen Sexualität per definitionem nicht gelebt werden darf, sexuelle Übergriffe auch weiterhin stattfinden werden – trotz aller, sicherlich gut gemeinter, Absichtsbekundungen der jeweiligen “Chefs”. Solange ein Zölibat existiert, werden sich die sexuellen Triebkräfte – Geister, die zumindest gelegentlich ihren Weg auch in das beste Kloster finden – unweigerlich auf jene richten, die greifbar sind und bei denen ein gewisses (alters- oder hierarchisch bedingtes) Machtgefälle die Hoffnung zuläßt, daß nichts davon je bekannt werden wird. Ganz unabhängig von einem ebenfalls existierenden Kreis an Menschen, die sich ganz bewußt in Bereichen und Institutionen niederlassen, in denen Opfer verfügbar sind. Und will man wirklich ehrlich sein, kann man auch die Anziehungskraft nicht verleugnen, welche Institutionen, in denen ein vor herkömmlichen Ansprüchen an ein “geglücktes Leben” freier Raum existiert (wie etwa dem, eine sexuelle Beziehung zu einer erwachsenen Frau zu unterhalten) auf manche Menschen haben müssen. Man kann davon ausgehen, daß religiöse Institutionen deshalb eine gewisse Sogwirkung auf homosexuelle Männer und Frauen ausüben, ebenso auf Menschen, die entweder eine eigene Mißbrauchsvergangenheit haben und deshalb einst ein vor Sexualität geschütztes Umfeld suchten, aber auch solche, die Mißbrauchserfahrungen autoritärer Art machten und massive Selbstwertprobleme haben. Wer sich aber selbst als schwach erlebt oder tatsächlich eine schwache Persönlichkeit ist, in dem wächst leicht der Wunsch, auch einmal der Stärkere zu sein und dieses Gefühl in einer Weise auszuleben, in der er existierende Machtgefälle ausnützt. Noch einmal: all dies sind größtenteils völlig unbewußt ablaufende Prozesse und Emotionen, die gerade im Dunkel von Denkverboten und Tabus gut gedeihen.

Insofern scheint mir zusätzlich auch ein offenerer und weniger tabubestimmter Umgang mit Sexualität in den Institutionen, ja in der Gesellschaft an sich notwendig. Auch erotische Gefühle zwischen “Erwachsenen” und “Kindern” (die Anführungszeichen sollen die Schwierigkeiten der Grenzziehung unterstreichen) müssen sowohl in Berufen, in denen es “Helfer” und “Anvertraute” gibt, als auch in unserer Gesellschaft, artikulierbar werden. Es muß darüber gesprochen werden können, ohne, daß man sich “verdächtig” macht und einen die Berufslaufbahn gefährdenden Schlag mit der moralischen Keule riskiert. Denn erst wenn Menschen über ihre Gefühle ohne Einschränkung sprechen können und es keine der menschlichen Lebensrealität widersprechenden Dogmen mehr gibt, ist es möglich, sich über potenziell destruktive Gedanken offen auszutauschen. Erst dann kann man das, was einem auf der Seele liegt, ans Tageslicht lassen, wird man es wagen, sich Hilfe und Stärkung zu suchen. Ein Ja zum Menschen – das sich viele Religionen gerne auf die Fahne schreiben – das muß auch das Ja zu seiner Sexualität einschließen!

(Lesetipp zu den Kämpfen zwischen “Über-Ich”, dem bewußten “Ich” und dem “Es”: Sigmund Freud, “Das Ich und das Es“; Photo: Shutterstock)

Feb 27

Neues aus der beliebten Forschungsreihe “was machen Menschen mit höherem IQ eigentlich anders als solche mit vergleichsweise niedrigerem?”

Sie rauchen nicht [1], sind eher nicht religiös [2], gehen nachts später schlafen und stehen dafür am Morgen später auf (ebd.). Bei intelligenten Männern bestünde darüber hinaus auch eine Vorliebe für sexuelle Monogamie (ebd.), was vielleicht mit der rascheren Anpassung intelligenter Menschen an neue Werte und Lebensstile erklärt werden könne.

Da seit Jahren alle paar Monate neue Studien rund um mögliche Zusammenhänge zwischen Intelligenz und anderen Daten aus der Psychologie, Verhaltensforschung, Soziologie, Medizin u.dgl. erscheinen (merke: eine Koinzidenz bedeutet nicht unbedingt auch eine Korrelation… ;-)), werde ich diesen Blog-Eintrag laufend mit den neuesten “Erkenntnisen” zu diesem Thema ergänzen.

(Photo src:copyblogger.com)

01.09.19