Dec 01

Einem Essener Psychotherapeuten wurde Berufsverbot erteilt, da er im Jahre 2008 mit einer Langzeitklientin intim geworden war. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen bestÀtigte nun dieses Urteil und wies die Berufung des Therapeuten ab.

Und ich finde das auch ganz gut so. Wie widrig die UmstĂ€nde auch sein mögen, wie manipulativ sich auch manche AblĂ€ufe in Psychotherapien mitunter gestalten: ein(e) Psychotherapeut(in) sollte in jeder Situation “Herr(in) der Lage” bleiben, das VertrauensverhĂ€ltnis muss funktions- und tragfĂ€hig bleiben.

Referenzen:
https://plus.google.com/107937498049518094865/posts/YiBR4JNx1yS
http://www.derwesten.de/staedte/essen/laut-richterurteil-ist-sex-mit-patientin-absolut-tabu-id6123061.html

(Bildquelle: treatment4addiction.com)

Oct 30

Eine SchwĂ€che ist besonders unter den Menschen, die in Helfer- und Service-Berufen arbeiten, hĂ€ufig: das sogenannte “Helfer-Syndrom“. Der starke Impuls, anderen Menschen zu helfen, sich wohler zu fĂŒhlen, ist dabei unbewußt mit dem Ziel verbunden, das auch selbst zu tun und sich von eigenen LeeregefĂŒhlen abzulenken. Wenn die Betroffenen dabei jedoch laufend ĂŒber die eigenen Grenzen gehen, sind Burnout und Depression nicht mehr weit – nicht ganz zufĂ€llig sind Angehörige dieser Berufssparten (z.B. Ärzten, Therapeuten oder anderer Sozialberufe) ĂŒberaus hĂ€ufig davon betroffen.
Doch man kein professioneller Helfer sein, um ein “Helfer-Syndrom” zu entwickeln: genauso gut kann es auch ein Nachbar, ein Freund, ein Mitarbeiter oder Sie selbst sein, der dazu neigt, Verantwortungen und Aufgaben zu ĂŒbernehmen, um die andere instinktiv einen weiten Bogen machen wĂŒrden.

Doch das ist nicht alles: das Helfer-Syndrom kann zu regelrecht mißbrĂ€uchlichen Beziehungs-Konstellationen fĂŒhren. Der “Helfer” auf der einen Seite mag zunehmend Burnout-Symptome entwickeln und sich ausgebeutet fĂŒhlen, wenn seine Anstrengungen als selbstverstĂ€ndlich betrachtet werden und ihm wenig Dankbarkeit erwiesen wird. Nicht und nicht scheint er den Punkt zu erreichen, an dem jeder zufrieden ist.
Doch es existieren auch mißbrauchende bzw. narzißtische Helfer: das mangelnde GefĂŒhl fĂŒr die eigenen Grenzen fĂŒhrt bei ihnen indirekt auch dazu, auf die Verantwortung dem anderen gegenĂŒber zu “vergessen”. WĂ€hrend ein verantwortungsvoller Helfer seine eigenen Grenzen kennt und den anderen dabei unterstĂŒtzen wird, stĂ€rker zu werden und sich nach Möglichkeit professionelle Hilfe zu suchen, möchte der narzißtische Helfer ihn nicht aus seinem Einfluß entlassen – er kann nicht loslassen, bevor jene Ziele erreicht sind, von denen er selbst ĂŒberzeugt ist.

UnabhĂ€ngig davon, ob die Motive fĂŒr das Helfer-Verhalten altruistisch (“Ich möchte etwas zurĂŒck geben”, “
verhindern, dass er/sie dieselben Fehler wie ich macht!”, “Ich möchte etwas weitergeben” oder “Ich kann es schaffen!”‘) oder neurotisch motiviert sind: es ist immer ein Zeichen emotionalen Ungleichgewichts, wenn jemand die eigenen Grenzen ignoriert und versucht, alle Probleme im Alleingang zu lösen.

Typische Formen ungesunder “Helfer-Beziehungen” sind Beziehungen mit wiederkehrenden emotionalen WechselbĂ€dern, hĂ€ufig mit einem abhĂ€ngigen (“sĂŒchtigen”) Partner, Partnerschaften mit selbstbezogenen, kontrollierenden oder gewalttĂ€tigen Personen oder Beziehungen mit einem starken Ungleichgewicht an Macht, Bildung oder Geld. Derartige Beziehungsformen können fĂŒr beide Partner zwar “funktionieren”, sie sind aber zumeist verĂ€nderungsresistent oder gar -feindlich und verlieren die kĂŒnstliche StabilitĂ€t der gegenseitigen AbhĂ€ngigkeit, sobald sich etwas am besagten Ungleichgewicht zu verĂ€ndern beginnt. Persönliche Weiterentwicklung ist in ihnen nur schwer möglich, und aufgrund der inneren ZwĂ€nge leider hĂ€ufig auch das Erreichen wirklichen LebensglĂŒcks. FĂŒr professionelle Helfer existiert deshalb in vielen LĂ€ndern eine Verpflichtung zur Supervision, um ihr berufliches Verhalten zu reflektieren. FĂŒr Laienhelfer bleibt hĂ€ufig nur die Möglichkeit, gut auf sich aufzupassen um uns nicht mehr als es uns und den anderen gut tut, in destruktiven “Helfer”-Ambitionen zu verstricken.

(Bildquelle: westallen.typepad.com)

Sep 09

Ärzte, Pfleger, Sozialarbeiter und Therapeuten wollen, so das Klischee, “helfen”: doch dabei laufen sie hĂ€ufig Gefahr, selbst zu erkranken.

TatsĂ€chlich sind stressbezogene Gesundheitsstörungen unter im Gesundheitswesen TĂ€tigen weit verbreitet, doch ein „Burnout“ kann grundsĂ€tzlich jeden Arbeitnehmer treffen. Professionelle Helfer wie Ärzte, Pflegepersonal oder Therapeuten haben aber ein besonders hohes Risiko, zu erkranken. Und bei professionellen Helfern, die im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie tĂ€tig sind, ist es der Statistik zufolge am grĂ¶ĂŸten. Psychiater etwa berichten hĂ€ufiger ĂŒber „Burnout“, Depression und andere psychische Erkrankungen als andere Ärzte. BerufsanfĂ€nger sind ganz besonders anfĂ€llig fĂŒr stressbedingte Gesundheitsstörungen. 76% der AssistenzĂ€rzte leiden an „Burnout“-Symptomen wie emotionaler Erschöpfung oder Demotivation. Aufgrund der oftmals idealisierten Vorstellungen von ihrem Beruf ist der Einstieg ins Berufsleben von jungen Ärzten und Therapeuten daher hĂ€ufig mit EnttĂ€uschungen verbunden.

Darauf macht die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) aufmerksam. Den Grund sieht die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft im zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen bei gleichzeitig steigenden QualitĂ€tsanforderungen und BehandlungsfĂ€llen pro Helfer. Hinzu komme, dass die therapeutischen Beziehungen im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie emotional belastend sein können. Nicht haltbar sei die These, dass gerade diejenigen das Berufsfeld Psychiatrie und Psychotherapie wĂ€hlen, die eine Neigung zu psychischen Erkrankungen haben. Wichtig ist es, Anzeichen fĂŒr ein „Burnout“ frĂŒh zu erkennen und entgegenzusteuern. Denn zu spĂ€t erkannt, können ErschöpfungszustĂ€nde in einer depressiven Erkrankung mĂŒnden. Die DGPPN empfiehlt das eigene Zeitmanagement zu verbessern, Delegationsmöglichkeiten fĂŒr Aufgaben zu nutzen oder auch mal „Nein“ zu sagen sowie exzessive Überstunden zu vermeiden. Hilfreich kann zudem eigene psychotherapeutische UnterstĂŒtzung sein, in der Betroffene ihre oftmals eingefahrenen Einstellungs- und Verhaltensmuster hinterfragen können, die zu dem emotionalen und körperlichen Erschöpfungszustand gefĂŒhrt haben. Sie lernen, wie sie mit Stress besser umgehen und auf ihren Körper hören können.

Das Thema „Burnout“ und „Burnout bei professionellen Helfern in der Psychiatrie und Psychotherapie“ gehört zum Programm des diesjĂ€hrigen DGPPN-Kongresses im November 2011 in Berlin. Der Kongress zĂ€hlt mit mehr als 10.000 erwarteten Teilnehmern inzwischen zur grĂ¶ĂŸten Fachtagung auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen.

(Quelle: MedAustria, DPPPN-Kongress-Website; Image src:theworkingcaregiver.wordpress.com)

ï»ż10.06.18