Sep 18

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Politische Einstellungen basieren auf freien Entscheidungen und jeder sollte die Freiheit haben, zu seinen Überzeugungen zu stehen – das stellt einen Grundpfeiler der westlichen Demokratien dar. Doch jĂŒngste Untersuchungen zeigen, dass diese Freiheit tatsĂ€chlich vielleicht nicht so groß ist, wie wir das bisher annahmen, da viele dieser Einstellungen im Hirn “fest verdrahtet” und z.T. auch genetisch prĂ€determiniert sein dĂŒrften – und dass die politische Einstellung darĂŒber hinaus auch RĂŒckschlĂŒsse auf spezifische, strukturelle Persönlichkeitsanteile zulĂ€sst.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Gehirne von Menschen mit konservativen Ansichten hĂ€ufig eine grĂ¶ĂŸere Amygdala (ein mandelförmiger Bereich im Zentrum des Gehirns) haben – ein Hirnbereich, der hĂ€ufig mit “primitiven” Reflexemotionen wie Angst und Emotionen assoziiert ist. DarĂŒber hinaus haben sie hĂ€ufig auch eine kleineres sog. anteriores Cingulum, eine Region im vorderen Hirnbereich, die wichtig fĂŒr die Entwicklung von Mut und Optimismus ist und bei Störungen mit Depressionen und neurotischen Verhaltensmustern in Verbindung gebracht wird.

Gelingt es, diese Ergebnisse wissenschaftlich abzusichern, könnten sie eine medizinische ErklĂ€rung dafĂŒr bieten, warum konservative WĂ€hler eher empfĂ€nglich fĂŒr terroristische Bedrohungen sind als zum Beispiel Liberale. Und es wĂŒrde dabei helfen, zu erklĂ€ren, warum die Konservative eher auf der Grundlage von Worst-Case-Szenarien planen möchten, wĂ€hrend die Liberalen eher zu rosigen Aussichten neigen.

Geraint Rees, Leiter des UCL Institute of Cognitive Neuroscience in London, wurde ursprĂŒnglich halb im Scherz eingeladen, fĂŒr eine Episode der “BBC 4 Today” Show die Unterschiede zwischen liberalen und konservativen Köpfen zu studieren. Nach dem Studium von 90 UCL-Studenten und zwei britischen Parlamentariern konnte der Neurologe, einigermaßen schockiert, eine klare Korrelation zwischen der GrĂ¶ĂŸe der erwĂ€hnten Hirnregionen und politischen Ansichten entdecken. Er warnt jedoch, dass es auf der Basis des bisherigen Standes der Untersuchungen, bei denen nur die Gehirne von Erwachsenen untersucht wurden, noch keine Möglichkeit gĂ€be, zu sagen, was zuerst da war – die hirnorganischen Unterschiede oder die politischen Meinungen. Doch es scheint nicht weit gegriffen, dass die politischen Grundeinstellungen einer Person bald schon durch Gehirn-Scans – oder auch DNA-Tests ermittelt werden könnten.

Denn Untersuchungen an den UniversitĂ€ten University of California, Harvard and UC-San Diego zeigten, dass eine Variante des Neurotransmitters DRD4 Menschen scheinbar zu liberalen Einstellungen prĂ€disponiert, jedoch nur, wenn sie auch ein aktives soziales Leben als Jugendliche hatten. TrĂ€ger des “liberalen Gens” haben auch eher den Wunsch, neue Dinge auszuprobieren sowie weitere, gemeinhin mit liberalen Einstellungen verbundene Persönlichkeitsmerkmale.

Sind Rassisten dumm?

Damit aber noch nicht genug. Weitere Untersuchungsergebnisse lassen vermuten, dass ein niedriger IQ (Intelligenzquotient) eine der Ursachen fĂŒr rassistische Vorurteile und sozial-konservative politische Einstellungen sein könnte. Die zugrundeliegende im Jahre 2012 veröffentlichte Studie, (durchgefĂŒhrt von der Brock University in Ontario und geleitet von Gordon Hodson) besagt, dass Kinder mit vergleichsweise geringerer Intelligenz im Erwachsenenalter eher konservative Überzeugungen und Vorurteile entwickeln als Kinder mit vergleichsweise höherer Intelligenz. ErklĂ€rt wird dies damit, dass diese Menschen mehr Angst vor VerĂ€nderungen haben. Sie streben also nach dem GefĂŒhl von Sicherheit – konservative Ideologien aber beinhalten mehr Struktur, befĂŒrworten gesellschaftliche “Ordnung” und fördern hierarchische Systeme. All dies und ihr Widerstand gegenĂŒber gesellschaftlichen VerĂ€nderungen macht es fĂŒr Konservative ebenfalls leichter, mit einer komplizierten und komplexen Welt umzugehen. Gleichzeitig fördern solche Grundeinstellungen aber auch Vorurteile.

Hudson warnt jedoch, in den aktuellen Stand der Untersuchungen allzu viel hineinzuinterpretieren: zum einen ist das Konzept der IQ-Tests unter Psychologen nicht gerade unumstritten, zum anderen ist die Entwicklung von Vorurteilen zu komplex, um einfach nur mit Unterschieden der Intelligenz erklÀrt zu werden.
Lediglich der Zusammenhang, dass auf Menschen, die stÀrker zu Angst vor VerÀnderungen neigen, reaktionÀre Positionen positiv und anziehend wirken, sei als abgesichert zu betrachten.

Allerdings kommen auch andere Forscher zu vergleichbaren Ergebnissen. So betrug gemĂ€ĂŸ einer im Jahre 2010 von Satoshi Kanazawa auf Basis der IQ-Ergebnisse aus der “Add Health”-Umfrage analysierten Ergebnisse der Durchschnitts-IQ von Erwachsenen, die sich als “sehr liberal” beschrieben, 106 Punkte, wĂ€hrend solche, die sich als “sehr konservativ” bezeichneten, durchschnittlich nur 95 IQ-Punkte erreichten.
Eine weitere Studie von L. Stankov aus dem Jahre 2009 wiederum stellte fest, dass unter Studenten an US-UniversitĂ€ten konservative Grundeinstellungen negativ mit SAT (“Scholastic Aptitude Test”, ein standardisierter Test fĂŒr die Aufnahme an US-Colleges)-Scores, dem Wortschatz und Analogietest-Ergebnissen korrelierten. Eine noch grĂ¶ĂŸere Korrelation wurde hierbei allerdings hinsichtlich wirtschaftlicher Unterschiede gefunden.

Provokant formuliert: könnte der britische Philosoph John Stuart Mill mit seinem Ausspruch “Conservatives are not necessarily stupid, but most stupid people are conservatives” gar nicht so unrecht gehabt haben?

(Quellen: [1]; [2]; [3]; [4]; 5: Larry Stankov (2009-05) in: “Conservatism and cognitive ability“. Intelligence 37 (3): 294–304. doi:10.1016/j.intell.2008.12.007; 6: Satoshi Kanazawa (2010): “Why Liberals and Atheists Are More Intelligent“. Social Psychology Quarterly. doi:10.1177/0190272510361602.)

Apr 19

Schon Babies verhalten sich ganz und gar nicht ‘genderneutral’, wie eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie zweier Psychologinnen der City University London zeigt. Hierbei wurden 83 MĂ€dchen und Buben im Alter zwischen neun und 36 Monaten mit verschiedenen Spielsachen (darunter als typisches Buben-Spielzeug geltende Dinge wie Auto, Bagger, Ball oder blauer Teddy, ebenso wie rosa Teddy, Puppe, ein KĂŒchenset etc. als klassische MĂ€dchen-SpielzeugstĂŒcke) konfrontiert, wobei die PrĂ€ferenzen der Kinder registriert wurden. Die Spielsachen wurden nach einer Befragung von Erwachsenen nach “typischen” Buben- und “typischen” MĂ€dchen-SpielgegenstĂ€nden fĂŒr die Auswahl vorbereitet.

Die Kinder zeigten hierbei eine deutliche PrĂ€ferenz fĂŒr Spielzeug, das stereotyp reprĂ€sentativ fĂŒr ihr Geschlecht war. Bei den JĂŒngsten (9-14 Monate) spielten die MĂ€dchen signifikant lĂ€nger mit der Puppe als die Buben. Die Buben wiederum vergnĂŒgten sich markant lĂ€nger mit Ball und Auto als die MĂ€dchen. “Es war offensichtlich, dass sogar die jĂŒngsten Kinder schnurstracks auf die gender-typischen Spielzeuge und Farben zugingen”, so die Psychologinnen. Beide zeigten sich erstaunt, dass die Unterschiede bereits so frĂŒh auftraten, und verwiesen auf Ă€hnliche Ergebnisse bei Affen – möglicherweise gebe es neben ErklĂ€rungen ĂŒber “frĂŒhe Sozialisierung” doch auch einen biologischen Unterschied fĂŒr die Auswahl von Spielzeug.

Doch so einfach wollen sich Proponenten der Sozialisationstheorien nicht geschlagen geben: Der Einfluss der Sozialisation dĂŒrfe niemals unterschĂ€tzt werden, so etwa Walter Gilliam, Direktor des Edward Zigler Zentrums zu kindlicher Entwicklung und Sozialpolitik an der UniversitĂ€t Yale. Studien zeigten beispielsweise, dass Eltern und andere Bezugspersonen bereits ab dem Moment der Geburt unterschiedlich mit weiblichen und mĂ€nnlichen Babies umgehen. VĂ€ter wurden etwa dabei beobachtet, dass sie mĂ€nnliche Babies öfter zu aktiven Spielen ermutigen, indem sie sie kitzeln oder liebevoll anstubsen, wĂ€hrend weibliche Babies von VĂ€tern fester gehalten werden. Eltern wurden zudem dabei beobachtet, dass sie mit weiblichem Nachwuchs mehr redeten als mit mĂ€nnlichem.

(Quellen: Medicinenet.com: Even 9-Month-Olds Choose ‘Gender-Specific’ Toy / APA / Standard; Photo:AutoGuide)

ï»ż01.09.19