Dec 17

Hyperhidrose kann eine schwere Belastung f√ľr die Betroffenen darstellen (Bild: dermnetz)

Nach einer Studie in der Dezember-Ausgabe des Journal of the American Academy of Dermatology ist Hyperhidrosis bzw. Hyperhidrose (HH), also das verstärkte Schwitzen, mit einer erhöhten Prävalenz von Angst und Depression verbunden.

Wirklich wahr! Nun, diese Erkenntnis best√§tigt etwas, das in der Psychotherapie der diesbez√ľglichen St√∂rung schon seit jeher die g√§ngige Arbeitshypothese darstellt: das Schwitzen der Hyperhydrose-Betroffenen ist in aller Regel ein Zeichen chronischer (nicht immer bewu√üter) Stress-Spannung. Angst und psychische Spannung aber erzeugen √ľber das sympathische (im Gegensatz zum parasympathischen) System eine erh√∂hte Produktion der Schwei√üdr√ľsen. Die Hyperhidrose-Betroffenen leiden im Alltag oder spezifischen (z.B. sozialen) Situationen also unter erh√∂hten Angst- und Stressgef√ľhlen, h√§ufig leiden die Betroffenen dar√ľber hinaus auch an einer depressiven Symptomatik.

In der Studie untersuchten Dr. R. Bahar von der Universität von British Columbia in Vancouver, Canada, und Kollegen die Prävalenz von Angst und Depression bei Patienten mit oder ohne Hyperhidrose. Insgesamt wurden 2.017 Dermatologie-Patienten mit standardisierten psychologischen Testfragebögen auf Depression und Angst hin getestet.

Das Vorkommen von Angst wurde bei 21.3% und Depressionen bei 27.2% der Hyperhidrose-Patienten vorgefunden, verglichen mit 7.5% und 9.7% bei Patienten ohne Hyperhidrose (beide p<0,001). Positive Korrelationen wurden f√ľr Hyperhydrose-Intensit√§t und Angst- und Depressions-Vorkommen gefunden. In der multivarianten Analyse war die Hyperhidrose-assoziierte Zunahme des Vorkommens von Angstsymptomen und Depression unabh√§ngig von demographischen Faktoren und bereits vorhandenen Hauterkrankungen.

“Sowohl einzelvariante als auch multivariable Analysen zeigten eine signifikante Assoziation zwischen Hyperhidrose und dem Vorliegen von Angst- und Depressionssymptomen je nach Intensit√§t der Hyperhidrose-Symptomatik”, schreiben die Autoren.

Quelle: Prevalence of anxiety and depression in patients with or without hyperhidrosis (HH) in: Journal of the American Academy of Dermatology , Volume 75 , Issue 6 , 1126 – 1130

Apr 10

In meiner Praxis habe ich sehr h√§ufig mit KlientInnen zu tun, die in irgendeiner Weise darunter leiden, nicht den geeigneten Partner oder die geeignete Partnerin zu finden. Dies hat nat√ľrlich fast immer psychische Gr√ľnde – auf die eine oder andere Weise sabotierten sie sich selbst, sie leiden an Formen sozialer √Ąngste oder (meiner Erfahrung nach der h√§ufigste Grund) an zu geringem Selbstwertgef√ľhl.

Image source: imhomir.com

Die Probleme rund um Partnersuche, Attraktivit√§t und sexuelle Anziehungskraft befl√ľgeln Forscher und K√ľnstler schon seit Menschengedenken. Unter diesem – eher ironisch gemeinten – Blogtitel m√∂chte ich die Ergebnisse einschl√§giger Studien und Forschungsergebnisse zusammenfassen – diese Sammlung wird laufend erweitert und aktualisiert.

Doch Achtung: Garantie f√ľr Plausibilit√§t oder gar Erfolg √ľbernehme ich keine! ūüėČ

Attraktivität und Partnerwahl

  • “Attraktive K√∂rper und Gesichter sind symmetrisch” – bei der Partnerwahl springen wir auf √§sthetische Eindr√ľcke an, die indizieren, dass es um die Gesundheit und Fitness, also auch um Reproduktionsf√§higkeit, gut bestellt ist (Quelle)
  • Menschen mit symmetrischem K√∂rperbau kommen beim Tanzen besser an und haben bei der Partnerwahl die Nase vorn.” (Quelle)
  • Frauen ohne Idealma√üe sind st√§rker, robuster und krisenresistenter” – im Westen gelten Frauen mit einer gr√∂√üeren Waist-Hip-Ratio (Taille-H√ľft-Verh√§ltnis) als 0,7 als weniger attraktiv als in anderen Weltregionen, sind f√ľr Krisenzeiten aber besser ger√ľstet (Quellen: [1],[2],[3])
  • √Ėstrogen macht Frauengesichter attraktiver.” – w√§hrend der fruchtbaren Tage wirken die Gesichter von Frauen offenbar attraktiver (Link)
  • Testosteron macht M√§nnergesichter attraktiver.” – hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen st√§rken die Abwehrkr√§fte und lassen das Gesicht eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen (Link zu Markus J. Rantala et.al., “Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans”)
  • Frauen werden eher gew√§hlt, wenn sie sch√∂n sind, M√§nner eher, wenn sie dominant wirken“- dies bezieht sich auf politische Wahlen ..aber vielleicht nicht nur, wenn man die weiter unten angef√ľhrten Forschungsergebnisse liest (Quelle)
  • Sch√∂nheit verunsichert.” – dies, und da√ü es attraktive Frauen und M√§nner bei der Partnersuche schwerer haben als durchschnittlich attraktive Personen, w√§re eine m√∂gliche Schlu√üfolgerung aus dem sog. “Gehwegexperiment” von James Dubbs u. Neil Stokes (“Beauty is Power: The Use of Space on the Sidewalk”, 1975): auf einem Gehweg √§nderten Fu√üg√§nger ihre Gehrichtung, um mehr von M√§nnern als Frauen auszuweichen, mehr von 2 als von 1 Person, und weiter von einer h√ľbschen als von einer unattraktiven Frau. Ihre Theorie war, da√ü Attraktivit√§t, Gruppengr√∂√üe und Geschlecht Aspekte von Macht sind, die territorialen Anspruch und damit das genannte Ausweichverhalten begr√ľndeten (Quelle).
  • Von der Attraktivit√§t der Kleidung wird auf andere Attraktivit√§ts-Attribute geschlossen.” – attraktiv gekleidete Testpersonen wurden kompetenter und sozialer eingesch√§tzt als nicht attraktiv gekleidete, und, wie die Forscher vermuteten, wohl auch als physisch attraktiver (Quelle).
  • Gro√üe M√§nner kommen sexuell und sozial besser weg.” – M√§nner haben mit starken, attraktiven und reichen Konkurrenten ihre gr√∂√üten Schwierigkeiten, mit zunehmender K√∂rpergr√∂√üe scheint die Beeindruckung von Konkurrenten abzunehmen. Kleine M√§nner sind tendenziell am eifers√ľchtigsten. Bei Frauen hingegen sind die kleinen und die gro√üen eifers√ľchtiger als die durchschnittlich gro√üen. Allerdings werden die durchschnittlich gro√üen Frauen am ehesten von gro√üen und sozial dominanten Konkurrentinnen beeindruckt (Link)
  • Frauen ziehen √§ltere M√§nner und diese j√ľngere Frauen vor.” – Eine Erkl√§rungsm√∂glichkeit f√ľr die biologischen Ursachen dieses Ph√§nomens lieferte eine Studie, die herausfand, da√ü¬† Frauen mit einem vier Jahre √§lteren Partner und M√§nner mit einer sechs Jahre j√ľngeren Partnerin den gr√∂√üten Reproduktionserfolg haben (Quelle)
  • Der Mensch verlor vielleicht seine K√∂rperbehaarung, da dies sexy auf das andere Geschlecht wirkte.” – eine Hoffnung f√ľr Glatzentr√§ger? (Quelle)
  • Ergebnisse einer √∂konometrischen Analyse von Online-Dating-Verhalten: M√§nner, die angaben, sie seien auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung, schnitten sehr viel besser ab als jene, die lediglich auf eine Aff√§re aus waren. F√ľr M√§nner ist das Aussehen der Frauen von herausragender Bedeutung, f√ľr Frauen das Einkommen eines Mannes von gr√∂√üter Wichtigkeit: je reicher der Mann ist, desto mehr Mails erh√§lt er. Die Attraktivit√§t einer Frau w√§chst f√ľr M√§nner zwar auch mit dem Einkommen, aber nur bis zu einer bestimmten H√∂he. [..] M√§nner f√ľhlen sich angezogen von Studentinnen, K√ľnstlerinnen, Musikerinnen, Tier√§rztinnen, und Ber√ľhmtheiten, sie meiden Sekret√§rinnen, Rentnerinnen sowie Frauen, die beim Milit√§r oder der Polizei arbeiten. Frauen bevorzugen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrm√§nner, au√üerdem Rechtsanw√§lte und Finanzexperten in leitender Position. Frauen meiden Arbeiter, Schauspieler, Studenten [..]. Die Analyse der Daten von etwa 30.000 Nutzern ergab weiterhin, dass M√§nner vor allem erhebliche Nachteile haben, wenn sie klein sind. F√ľr Frauen hingegen ist √úbergewicht t√∂dlich. Deswegen wird in diesen Bereichen offenbar h√§ufig auch etwas nachgeholfen: der interessierte Online-Dater ist z.B. etwas gr√∂√üer als der Durchschnittsmann und die typische Online-Daterin 10 kg leichter als ihre reale Kollegin. Im Buch “Freakonomics“, in dem die Ergebnisse komplett nachzulesen sind, beschrieben die Autoren ihre durch mathematische Methoden gewonnenen Erkenntnisse so: “In der Welt des Online-Dating ist ein Kopf voller blonder Haare f√ľr eine Frau ungef√§hr so viel wert wie ein College-Abschluss.
  • In Partnerb√∂rsen, speziell solchen in Dating-Apps, waren als Ersteindruck Fotos, die eine offene, gestreckte K√∂rperposition zeigten, am erfolgreichsten – und zwar sowohl bei M√§nnern als auch bei Frauen (Quelle).
  • “”Fiese” M√§nner bekommen die meisten und sch√∂nsten Frauen ab” – in den meisten einschl√§gigen Studien zu diesem Thema wiesen die betreffenden M√§nner eine (auch unterschiedlich ausgepr√§gte) Kombination aus¬†Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus auf (Quellen: [1], [2], [3])
  • M√§nner sollten nicht “hingerissen” wirken: Ungewissheit √ľber die Gef√ľhle des Gegen√ľbers erh√∂ht dessen Attraktivit√§t (Quelle: E. Whitchurch et.al in: “Uncertainty Can Increase Romantic Attraction”, Psychological Science, 01/2011).


Sexualität

  • “Schon die blo√üe Anwesenheit einer Frau erh√∂ht den Testosteronspiegel” – unabh√§ngig vom Aussehen einer im gleichen Raum befindlichen Frau steigt der Testosteronspiegel von M√§nnern innerhalb von 300 Sekunden um 8% an ([1],[2])
  • Die H√§ufigkeit weiblicher Orgasmen steigt mit dem Einkommen ihrer Partner” – Sex mit wohlhabenden oder m√§chtigen M√§nnern wird von Frauen wom√∂glich als besser erlebt, weil sie sich damit einen Zugang zu Reichtum und Macht verschaffen und diesen erhalten wollen (Quellen: [1], [2], [3])
    Nachtrag 04/2010: Hierzu existiert allerdings nun eine andere Ergebnisse zeigende Gegenstudie.
  • Je attraktiver sich Frauen finden, desto h√∂here Anspr√ľche stellen sie an ihren Sexualpartner” – bei M√§nnern gibt es diese Korrelation nicht, was hei√üen k√∂nnte, da√ü sie weniger w√§hlerisch oder auch weniger geneigt sind, dauerhafte Beziehungen zur Reproduktion einzugehen (Quellen: [1], [2])
  • (indirekter) “Zusammenhang zwischen Stimme und sexueller Aktivit√§t” – Probanden mit als attraktiv empfundener Stimme hatten an ihren beiden H√§nden ungef√§hr gleich lange Finger (Hinweis auf Zusammenhang mit Attraktivit√§t durch Symmetrie, siehe oben), eher in j√ľngerem Alter Geschlechtsverkehr, mehr Sexualpartner und mehr au√üerpartnerschaftliche Aff√§ren (Quellen: [1], [2])
  • Frauen reagieren unterschiedlich auf m√§nnlichen Schwei√ügeruch.” – ihr Hirn kann normalen von unter sexueller Erregung entstandenen Schwei√ügeruch von M√§nnern unterscheiden (Quelle)
  • Frauentr√§nen wirken “abt√∂rnend” auf M√§nner, sie reduzieren den Testosteronspiegel. Quelle: Shani Gelstein et.al, “Human tears contain a chemosignal” in: Science 01/2011, DOI: 10.1126/science.1198331)
  • Z√§hlt “die Gr√∂√üe”? Ja.” – Befragungen, denen zufolge die Penisgr√∂√üe f√ľr Frauen keine Rolle spiele, waren angeblich h√§ufig “zu direkt”; beurteilen Frauen dagegen ohne Wissen um den eigentlichen Inhalt der Befragung Computer-generierte Gestalten, bei denen sich u.a. die Penisgr√∂√üen unterscheiden, werden jene mit gr√∂√üerem Penis als mehr attraktiv eingestuft (Quellen: [1], [2])

Familie / Kinder / Fertilität (Fruchtbarkeit)

  • Korrelation zwischen Wohlstand und Reproduktionserfolg“: bei reichen britischen M√§nnern wurde in einer Studie h√∂herer Reproduktionserfolg nachgewiesen, bei Frauen sinkt mit zunehmender Bildung und zunehmenden Einkommen die Zahl der Kinder (Quelle)

Dieser Artikel wird laufend erweitert und mit neuen Forschungsergebnissen ergänzt (Erstveröffentlichung: 01/2009; zuletzt aktualisiert: 04/2016)

Weiterer Artikel zum Thema “Partnersuche”:
Partnersuche ‚Äď wie der Ausbruch aus dem Teufelskreis gelingen kann

Oct 09

Die Partnersuche geh√∂rt f√ľr viele Menschen zu den schwierigsten und nicht selten auch frustrierendsten Herausforderungen im Lebensverlauf. Tausende B√ľcher und Websites widmen sich folglich diesem Thema, und ebenso viele Partnervermittlungsagenturen und Internet-Singleb√∂rsen suchen nach immer neuen Wegen, M√§nner und Frauen dabei zu unterst√ľtzen, die richtige Partnerin oder den richtigen Partner zu finden.

Doch was macht diese Suche zu einem solch schwierigen Unterfangen, an dem selbst hochintelligente Menschen immer wieder scheitern? Im Zuge meiner Unterst√ľtzung zahlreicher Klienten bei ihrer Partnersuche zeigten sich h√§ufig folgende Grundprobleme:

Das Gef√ľhl, man/frau m√ľsse allein aufgrund ihres “Wertes” geliebt werden

Gerade leistungsorientierte Menschen erleben w√§hrend ihrer Ausbildungszeit, dass ihnen harte Arbeit auch Erfolg bringt (und intelligente Menschen, dass sie sich daf√ľr wom√∂glich nicht einmal besonders anzustrengen brauchen). Erfolge bringen uns Anerkennung, Respekt und positive Verst√§rkung. Doch die Annahme, dass dies wohl auch beim Kennenlernen gilt, d√ľrfte sich h√§ufig als Trugschluss herausstellen: denn bei den ersten Dates geht es so gut wie ausschlie√ülich darum, wie sich der andere f√ľhlt. Man kann einen potenziellen Partner nicht f√ľr sich “gewinnen”, sondern in gewissem Sinne geht es darum, sich von ihm “entdecken” zu lassen – wobei jedoch weniger leistungsbezogene Attribute z√§hlen (wie auch wissenschaftliche Untersuchungen immer wieder belegen), sondern vielmehr emotionale Attribute wie das Erzeugen einer positiven, ja spielerischen Atmosph√§re, ein kommunikatives Eintauchen-k√∂nnen in die Welt des anderen und das Vermitteln eines Gef√ľhls, dass der andere Bedeutung f√ľr einen hat. Eine Bedeutung, f√ľr die man auch etwas zu tun bereit ist – ohne jedoch “bed√ľrftig” zu wirken. Dies sind jedoch F√§higkeiten, die man in der Universit√§t, wenn √ľberhaupt, dann eher w√§hrend der Pausen als den Vorlesungen erwerben kann…

Conclusio: vergi√ü’ das, was du kannst oder darstellst. Verschaffe dem anderen eine gute Zeit, und er/sie wird sich daran erinnern – und mit ein bi√üchen Gl√ľck mehr davon wollen.

Mangel an Erfahrung

Den vorigen Gedanken aufgegriffen, sind wir bereits bei einem weiteren h√§ufigen Grund f√ľr langfristige Partnerlosigkeit: Zeit, die man f√ľr das Studium, die Arbeit, im Fitness-Studio oder vor dem Fernseher verbringt, ist auch Zeit, die einem f√ľr wichtige andere Dinge abgeht – etwa das Kennenlernen potenzieller Partner. Ung√ľnstigerweise f√ľhren Entt√§uschungen bei der Partnersuche aber bei vielen Menschen dazu, sich nur noch st√§rker in ihre Arbeit, den Computer oder ihren Sport zu vertiefen. Deshalb steht bedauerlicherweise sogar eine sehr hohe Zahl von Menschen, die sich bereits in ihrer Lebensmitte befinden, hinsichtlich ihres Beziehungslebens noch ganz am Anfang – trotz oder gerade wegen gro√üen beruflichen Erfolgs oder h√∂chst aktiver Freizeitgestaltung.

Entfremdung von der Identität als Mann oder Frau

Gerade arbeitsbezogene und intelligente Menschen haben h√§ufig noch mit einem zus√§tzlichen Problem zu k√§mpfen: ihr Selbstbild als erfolgreiche und intelligente Person, die sich vor allem mit ihren mentalen F√§higkeiten im Leben durchsetzen kann, f√ľhrt zu einem eher ungeeigneten Auftreten bei der Partnersuche, bei der v√∂llig andere Priorit√§ten gelten. Viele dieser Menschen legen zu wenig Wert auf ihr √§u√üeres Erscheinungsbild oder dieses wirkt k√ľhl und zu f√∂rmlich – auf Kosten der sinnlichen Ausstrahlung bei Frauen und sexuellem “Prickeln” der M√§nner. Es m√∂gen sich dann interessante Diskussionen zwischen zwei Dating-Partnern entwickeln, aber, wie man so sch√∂n sagt: “der Funke springt nicht √ľber”. Denn die Energien sind gewisserma√üen im Kopf konzentriert, aber vom Herz und dem Rest des K√∂rpers abgeschnitten – auf Kosten einer klar m√§nnlichen bzw. weiblichen Ausstrahlung.

Das mag zun√§chst ein wenig “esoterisch” klingen, als professionell eingestellter und sich der Wissenschaftlichkeit verpflichtet f√ľhlender Psychotherapeut und Paartherapeut aber m√∂chte ich sagen: niemand von uns sollte meinen, sich √ľber zehntausende Jahre lange “Programmierungen” einfach hinwegsetzen zu k√∂nnen. Auch am Beginn moderner und gleichberechtigter Partnerschaften steht “das gewisse Kribbeln” … und gar nicht selten auch die eine oder andere sexuelle Idee! Die F√§higkeit zu entwickeln, diese Signale zu induzieren – oder zumindest nicht zu verhindern – kann jedoch gerade in unserer leistungsbezogenen Informationsgesellschaft eine ernstzunehmende Herausforderung darstellen.

H√§ufig l√§uft diese darauf hinaus, unsere “wilde Seite”, unsere Urinstinkte wieder st√§rker zuzulassen. Stellten wir unser hochkomplexes (und gerade im Beziehungsbereich h√§ufig von Verboten, Regeln und gut gemeinten “Tipps” √ľberfrachtetes) Denken einmal f√ľr einige Minuten zur√ľck, w√ľrde mancher Mann wohl eher den richtigen Zeitpunkt finden, eine Offensive zu wagen, oder eine Frau, ihr Haar zur√ľckzuwerfen und dem Mann ihres Interesses ein klares Signal zu senden.

Zu hohe Selektivität

Unsere Kultur, unsere Medien machen uns zu Konsumenten: wir sind es gewohnt, zu selektieren und darin trainiert, uns nur “das Beste zu g√∂nnen”. Jeder von uns kann auf Abruf zumindest 5 Eigenschaften unseres gew√ľnschten Traumpartners definieren, zu denen h√§ufig auch die einen oder anderen k√∂rperlichen Charakteristika z√§hlen. Das Problem ist nur: jede “Muss-Eigenschaft”, die wir an potenzielle Partner anlegen, schlie√üt hunderttausende m√∂gliche “Zuk√ľnftige” √ľber unseren Suchfilter von vornherein aus. Lebt man zu allem √úberflu√ü wom√∂glich noch in einer kleineren Stadt, verbleibt h√§ufig nur die M√∂glichkeit, die Suche entweder auf den gesamten Kontinent auszudehnen (und dann wom√∂glich eine Beziehung auf Distanz f√ľhren oder gro√ür√§umig √ľbersiedeln zu m√ľssen), das Thema “Partnerschaft” v√∂llig abzuschreiben – oder aber auch: etwas gelassener und offener zu werden!

Jede dieser M√∂glichkeiten ist legitim – doch die zuletzt genannte hat meiner Ansicht nach einen gewissen Charme: realistisch betrachtet n√§mlich w√ľrde es ohnehin schwierig sein, einen perfekten Partner zu finden. Viel eher wird sich bei ihm oder ihr sp√§testens nach einem genaueren Kennenlernen der eine oder andere “Sch√∂nheitsfehler” enth√ľllen. Weiten wir hingegen unseren Blick, so wird sich herausstellen, dass es auch ganz generell eine sch√∂ne und befriedigende Erfahrung sein kann und unsere Beziehungen belebt, wenn wir Menschen f√ľr das wertsch√§tzen, was sie sind, statt uns darauf zu konzentrieren, was ihnen fehlt.

Wahre Liebe ist, jemanden f√ľr das zu lieben, was er ist. Das bedeutet keineswegs, dass wir uns mit dem Mittelma√ü zufriedengeben sollten. Sehr wohl aber ist es sinnvoll, hohe Standards gelegentlich auf ihre N√ľtzlichkeit f√ľr das reale Leben hin zu √ľberpr√ľfen. H√§ufig l√§uft die Entscheidung n√§mlich gerade im Bereich der Partnersuche ultimativ auf die Wahl hinaus, entweder mit den eigenen Idealen jeden Abend alleine daheim zu sitzen oder sich f√ľr die M√∂glichkeiten zwischenmenschlicher Erfahrungen und auch √úberraschungen zu √∂ffnen – ja dabei vielleicht sogar von uns selbst √ľberrascht zu werden…

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Wissenschaftliche Aufriss”-Tipps

(Image src: answersfrommen.com)

May 21
Jesse Eisenberg als Mark Zuckerberg

Jesse Eisenberg als ‘Mark Zuckerberg’

Wie immer einigerma√üen versp√§tet, was die aktuellen “hast-du-schon/warst-du-schon?”-Trends betrifft, kam ich k√ľrzlich dann doch endlich dazu, mir den Film “The Social Network” anzusehen, der bekanntlich die Entstehungsgeschichte von “Facebook” rund um seinen Entwickler Mark Zuckerberg darstellt. Zuckerberg wird im Film von Jesse Eisenberg als brillanter Harvard-Student dargestellt, der jedoch sozial ungeschickt und r√ľcksichtslos agiert und schlie√ülich, als Facebook rasant zu wachsen beginnt, von ehemaligen Freunden und Mitstudenten mit dem Vorwurf verklagt wird, er habe ihre Ideen gestohlen und sie um ihre rechtm√§√üigen Anteile betrogen. Sp√§ter werden auf Anraten der Anw√§lte Vergleiche geschlossen und dutzende Millionen Dollar an Abfindungen gezahlt –¬†dennoch ist Zuckerberg heute der weltweit j√ľngste Milliard√§r.

Auch wenn nat√ľrlich keinerlei Sicherheit dar√ľber besteht, ob die dargestellten Pers√∂nlichkeitscharakteristika Zuckerbergs und Situationen authentisch dargestellt wurden, beklemmt am Film doch die k√ľhle Atmosphere und scheinbare Emotionslosigkeit, die einige der Hauptdarsteller ausstrahlen. Wie in den meisten Hollywood-Filmen geht es auch in “The Social Network” um Freundschaft und Liebe – doch bereits w√§hrend der ersten Minuten sagt Zuckerberg’s Freundin Erica ihm im Zuge ihrer Trennung, dass er mit M√§dchen wohl immer Probleme haben werde … und zwar nicht, weil er ein “Sonderling” (was auch immer das bedeuten mag, es ist allerdings ein Begriff, der f√ľr “Aspies” h√§ufig verwendet wird), sondern weil er ein “Arschloch” sei. Sie bezieht sich dabei auf seine v√∂llige Au√üerachtlassung ihrer Gef√ľhle, als er Details aus ihrer Beziehung in seinem Blog ver√∂ffentlicht und andere Vorf√§lle.

Im Verlauf des Filmes kann man sich eines Gef√ľhls von Absurdit√§t nicht erwehren, wie komplex und dysfunktional die realen sozialen Netzwerke einiger der Akteure doch sind, und wie diese mit dem Anspruch der Software, Freundschaftsbeziehungen abzubilden und ultimativ zu verst√§rken, kontrastieren. Enge Bezugspersonen werden durch schroffe, kalte “Sager” verletzt und verst√∂rt, Freundschaften zerbrechen am Au√üerachtlassen jeglicher emotionaler Konsequenzen, wenn abstrakte Ideen oder gesch√§ftliche Ziele verfolgt werden. Der Hauptakteur Zuckerberg wird als hochintelligenter Computer-“Nerd” mit 1600 SAT-Scores dargestellt, welcher am laufenden Band selbst den ihm nahestehendsten Personen verbale und emotionale Ohrfeigen verabreicht.

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg

Der Film bietet viele Indizien darauf, dass die Hauptperson an einer St√∂rung aus dem Autismus-Spektrum (am ehesten wohl dem sog. Asperger-Syndrom) leidet. Dieser Eindruck wurde, wie man einschl√§gigen Websites entnehmen kann, √ľbrigens auch den √ľberwiegend meisten “Aspies” (Asperger-Syndrom-Betroffenen) geteilt. Aspies zeichnen sich h√§ufig durch hohes Talent, was spezifische F√§higkeiten betrifft, aus (meist sind sie in technischen oder k√ľnstlerischen Berufen t√§tig und dort auch sehr erfolgreich), jedoch auch durch Unbeholfenheit, ja an “Tollpatschigkeit” erinnernde fehlende soziale und emotionale Fertigkeiten.

Die Frage, die ich mir bereits beim Verfassen meines ersten Artikels zum Asperger-Syndrom (siehe Link) stellte, ist, inwieweit sich unsere moderne westliche Gesellschaft – entweder versacht durch die sog. “Neuen Medien” oder diese unsere sich ver√§ndernde Gesellschaft reflektierend und darstellend – nicht graduell dem autistischen Spektrum ann√§hert. Eine zunehmende Zahl von Menschen verf√ľgt √ľber hunderte, ja tausende Freunde auf “Facebook” oder “StudiVZ”, aber wie viele authentische Freundschaftsbeziehungen existieren im realen Leben? Auch wenn man sich virtuell manchen Menschen (oder besser: dem, was man hinter ihren “Nicks” vermutet) “nahe” f√ľhlen kann – wie w√ľrde es einem ergehen, wenn man diese im wirklichen Leben tr√§fe … und w√ľrde man dies √ľberhaupt anstreben? Unsere “Smartphones”, iPads und Blackberrys versprechen, die Distanz zu anderen Menschen abzubauen und Kommunikation “einfacher” zu gestalten – aber erh√∂hen sie in elementaren Bereichen menschlicher Beziehungen nicht die reale Distanz und machen hinsichtlich unserer realen sozialen Beziehungen bei zu h√§ufiger Nutzung “unbeholfener”? Wie wirkt sich unser modernes Kommunikationsverhalten unter Ber√ľcksichtigung der Erkenntnisse √ľber Neuroplastizit√§t auf unser Gehirn aus? Trainieren wir unseren pr√§frontalen Kortex auf Kosten jener Gehirnregionen, die unsere sozialen Beziehungen und emotionalen F√§higkeit steuern? Vielleicht ist es ja (auch) damit zu erkl√§ren, dass wir immer h√§ufiger von Kindern und Jugendlichen lesen, die scheinbar emotionslos anderen Mitsch√ľlern Gewalt antun oder diese mobben, oder dass Kontaktst√∂rungen neben Depressionen zur Gruppe zur am st√§rksten zunehmenden Gruppe psychischer St√∂rungen dieses Jahrhunderts geh√∂rt.

Lesetipps:

(Hinweis: einige Gedanken dieses Artikels wurden aus dem gleichnamigen Film-Review von Norman Holland aufgegriffen; Image src:psychologytoday.com)

Jan 16
Body Dysmorphic Disorder - Körperbildstörung

(Photo:Asia Group/Getty Images)

Feministinnen wettern zwar gegen angebliche “patriarchale Normierungen” – ein Blick auf den Boom der sogenannten “Sch√∂nheits-Chirurgie” und den Druck selbst innerhalb der peer groups junger Sch√ľlerinnen, als “sexy” zu gelten, demonstriert jedoch, dass es den meisten Menschen – in stark zunehmendem Ma√üe auch M√§nnern – alles andere als leicht f√§llt, sich den durch Medien und Werbung gepr√§gten Attraktivit√§ts- und Jugendlichkeits-Idealen zu entziehen.

Die Disziplinierung des m√∂glichst normgerecht erotischen K√∂rpers geschieht n√§mlich nicht, weil man bzw. frau muss, sondern weil sie will. Und gegen Freiwilligkeit l√§sst sich schwer argumentieren. Nat√ľrlich wei√ü heute jeder um die Manipulation der machtvollen Vorbilder aus endlos langen Streichholzbeinen, Minitaille und Superbusen mittels Photoshop, was aber am Streben, diese in glanzvollen Bildern “realisierten” Idealen auch selbst m√∂glichst zu entsprechen, nichts √§ndert. Es vermittelt nun einmal Sicherheit, zu entsprechen, zu gen√ľgen.
All die Make-Over-Sendungen und Sch√∂nheits-OP-Tests haben dar√ľber hinaus den Nebeneffekt, die Schwellenangst, auch den eigenen K√∂rper zu “modellieren”, zu reduzieren. Ja die dort auftretenden √Ąrzte erkl√§ren sogar bescheiden, sie w√ľrden der Natur “etwas nachhelfen” – suggerierend, dass es nur die Zustimmung der Patientin (Kundin) ben√∂tigte, und auch sie k√∂nne “optimiert” werden.

Zwei psychische St√∂rungen, die Menschen fast zwangsartig in die Kliniken und Praxen der Chirurgen treiben, sind der sog. “Salome-Komplex” (der qu√§lende Zwang, stets sch√∂n aussehen zu m√ľssen, und nur dann liebenswert und wertvoll zu sein, wenn man attraktiv und anziehend ist) und die Dysmorphophobie (auch: k√∂rperdysmorphe St√∂rung (DSM-IV-TR) oder K√∂rperbildst√∂rung, mitunter auch Thersites-Komplex oder Adonis-Komplex genannt).

Carla Bruni im März 2010

Carla Bruni im März 2010

Die von Dysmorphophobie Betroffenen nehmen ihren K√∂rper oder einzelne K√∂rperteile (zumeist das Gesicht oder Bereiche des Kopfes, Br√ľste, Geschlechtsorgane, Bauch,..) als h√§√ülich wahr. Um diese Wahrnehmung herum k√∂nnen sich regelrecht zwanghafte Gedanken und ritualisierte Verhaltensweisen entwickeln: bei jeder Gelegenheit wird das Aussehen kontrolliert oder mit dem anderer Personen verglichen, Puder, Cremes oder Makeup im Gesicht aufgetragen. In extremen F√§llen werden aus Furcht negativer Bewertung soziale Situationen (z.B. gesellschaftliche Veranstaltungen, Einkaufszentren etc.) vermieden (Komorbidit√§t mit¬† Sozialphobie). Signifikant f√ľr die Symptomatik bei “OP-S√ľchtigen” ist das Auseinanderklaffen der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Es besteht nur selten Krankheitseinsicht, √ľberhaupt “werde ohnehin alles passen, wenn erst mal der Makel XY behoben ist…” Wenige Monate sp√§ter verlegt sich dann der Fokus auf eine andere k√∂rperliche Eigenheit oder die “Optimierung” mu√ü noch weiter vorangetrieben werden.

Symptomatisch ist auch, dass sich Betroffene zumeist nicht rechtzeitig in Behandlung begeben – meist aus Scham oder Unwissenheit, dass sie unter einer Krankheit leiden, die man psychiatrisch oder psychotherapeutisch behandeln kann. Der berufsethischen Verpflichtung der “Sch√∂nheitschirurgen”, PatientInnen/KundInnen zu psychotherapeutischen oder psychologischen Konsultationen zu raten, sofern sie bereits mehr als 2 plastische Operationen hinter sich haben und eine weitere anstreben, und die gew√ľnschte OP bis dahin abzulehnen, kommen leider nur die wenigsten √Ąrzte nach.

Jan 14

Haben Sie manchmal starke Angst? Wenn Ihre √Ąngste immer wiederkehren und ihr Alltagsleben einschr√§nken, k√∂nnte es sich dabei um eine Phobie, eine spezielle Form von Angstst√∂rungen, handeln. Das Hauptsymptom einer Phobie ist eine intensive und anhaltende Angst vor bestimmten Situationen, Aktivit√§ten, Dingen, Tieren oder Menschen – aber in der Regel ist diese Angst irrational, oft gab es auch keine konkreten fr√ľheren Erfahrungen, welche die Phobie ausgel√∂st haben k√∂nnten. Phobiker bem√ľhen sich oft auf das √Ąu√üerste, die angstbehafteten Situationen zu vermeiden – oft in einem Ausma√ü, dass die Angst das t√§gliche Leben st√∂rt und beeintr√§chtigt, und zunehmend das Denken dominiert.

Ein fr√ľherer Klient etwa f√ľhlte sich in normalen sozialen Situationen wie Partys oder Gesch√§ftstreffen unwohl und versuchte, diese nach M√∂glichkeit zu vermeiden. Auch das Trinken und Essen in der √Ėffentlichkeit wurde f√ľr ihn zu einem Problem und f√ľhrte zu gro√üen inneren Spannungen. Diese spezielle Form der Phobie hei√üt “soziale Phobie”, da sie andere Menschen oder gesellschaftliche Situationen betrifft. Auftrittsangst (die Angst, Reden zu halten oder auf einer B√ľhne aufzutreten), ist etwas, unter dem viele Menschen leiden und ebenfalls eine Form der sozialen Phobie.

Die Schwierigkeit, Phobien wieder loszuwerden, liegt darin, dass rationale Erkl√§rungen und Bem√ľhungen der Umwelt so gut wie nie helfen, ja manches Mal den inneren Druck sogar noch zus√§tzlich erh√∂hen. Auch die im TV gern demonstrierte “Expositionstherapie” bew√§hrt sich nur bei wenigen Menschen langfristig. Gute Erfolge verzeichnen hingegen moderne psychotherapeutische Ans√§tze, die Methoden aus der Hypnotherapie und l√∂sungsorientierten Gespr√§chsf√ľhrung nutzen. In schweren F√§llen k√∂nnen Medikamente den Einstieg in Therapie und Beratung gut unterst√ľtzen. Danach ist eine kontinuierliche Arbeit am Problem wichtig, um zu vermeiden, bald wieder in die alten Angstmuster zur√ľckzufallen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:life123.com)

Sep 07

Sein Herz schl√§gt mit jeder Sekunde st√§rker, Schwei√ü beginnt, den R√ľcken hinunterzulaufen und er bekommt kaum mehr Luft – als w√§ren seine Lungen blockiert. Pl√∂tzlich ein intensiver Schmerz in der Brustgegend: ist es nun soweit, ist das der erste Herzinfarkt? Panikgef√ľhle breiten sich in seinem K√∂rper aus: er k√∂nnte genau hier zusammenbrechen und sterben, wenn nicht rechtzeitig Hilfe kommt – unaushaltbare Angst kriecht in seinen K√∂rper hoch…

Die Symptome von Panikattacken sind unterschiedlich – die meisten Personen aber empfinden intensivste Angst, entweder eine Herzattacke zu erleiden, verr√ľckt zu werden oder vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen. Eine Panikattacke zu erleiden, kann eines der schockierendsten, unangenehmsten und bedrohlichsten Erlebnisse sein, die eine Person in ihrem Leben erf√§hrt.
Aber im Unterschied zu landl√§ufigen Vermutung sind Panikattacken bei weitem nicht immer von hohem Stress verursacht, sondern k√∂nnen gerade auch Menschen ereilen, die eigentlich ein recht entspanntes Leben f√ľhren. Relativ h√§ufig sind die Attacken etwa Zeichen f√ľr eine Angstst√∂rung, Depression oder andere psychische Belastungen, die lange Zeit hindurch ignoriert, “beiseite gewischt” oder – etwa durch Selbstmedikation – unfachgem√§√ü behandelt wurden. Andere m√∂gliche Ursachen k√∂nnen Seiteneffekte von Medikamenten, Alkoholkonsum, Medikamenten- oder Drogenentzug oder chronische Erkrankungen sein.

Wenn Panikattacken unbehandelt bleiben, kann sich die sogenannte Agoraphobie entwickeln, bei der eine Person Angst davor entwickelt, an bestimmten Orten oder in bestimmten Situationen Panikattacken zu erleiden. In der Sorge, dass in solchen Situationen keine Fluchtm√∂glichkeit besteht oder eine Panikattacke auftreten k√∂nnte, vermeiden sie zunehmend Situationen, in denen sie in ein solches Risiko geraten k√∂nnten, wie z.B. offene Pl√§tze, Stra√üen, √∂ffentlichen Transport – zuletzt vermeiden manche von ihnen sogar, das Haus zu verlassen. Panikattacken und Agoraphobie treten h√§ufig im Zusammenhang mit sogenannter Sozialphobie auf, bei der sich die Angst auf soziale Situationen (etwa das Essen oder Sprechen in Gruppen) bezieht und die Sorge besteht, von den anderen beurteilt oder entbl√∂√üt zu werden. Dies wiederum kann eine der sch√§dlichsten Seiteneffekte der Panikst√∂rung darstellen, da es die Leidenden daran hindert, sich fr√ľhestm√∂glich fachliche Unterst√ľtzung zu suchen, und damit Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch beg√ľnstigt. Erfolgreiche Behandlung ist jedoch m√∂glich und besteht meist aus einer individuell bestimmten Anzahl von regelm√§√üigen Psychotherapie-Sitzungen, manchmal erg√§nzt durch unterst√ľtzende Medikation. Auf diese Weise k√∂nnen 90% der Agoraphobiker eine vollst√§ndige Befreiung von ihrem Problem erreichen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer w√∂chentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befa√üt und in verschiedenen Medien Thailands ver√∂ffentlicht wird, 2010; Image src:Erin O’Brien/Getty Images)

Jul 28

Einsamkeit ist nach einer neuen Studie etwa so sch√§dlich wie Rauchen oder Fettsucht. √Ąrzte und andere Gesundheitsexperten sollten daher im Zuge der Krankheitsdiagnostik das soziale Umfeld ebenso ernst nehmen wie Tabakkonsum, Ern√§hrung und Sport, wie Forscher aus einer Analyse von 148 Studien zum Sterberisiko schliessen, welche Daten von √ľber 300.000 Menschen vor allem in westlichen L√§ndern erfassten und die k√ľrzlich im Magazin “PLoS Medicine” ver√∂ffentlicht wurde. Dies sei deshalb als generelle Leitlinie zu empfehlen, da der Zusammenhang von sozialem Umfeld und Sterblichkeit altersunabh√§ngig sei.

Der Studie zufolge haben Menschen mit einem guten Freundes- und Bekanntenkreis eine um 50 Prozent h√∂here √úberlebenswahrscheinlichkeit als Menschen mit einem geringen sozialen Umfeld. Der Effekt sei in etwa so gro√ü wie der vom Rauchen, und er √ľbertreffe viele andere Risikofaktoren wie √úbergewicht oder Bewegungsmangel. Die Studie hatte die Menschen mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren im Schnitt √ľber 7,5 Jahre hinweg beobachtet. Der Effekt blieb bestehen, auch wenn man Alter, Geschlecht und sozialen Status ber√ľcksichtigte.

Den größten Effekt aller gemessenen Faktoren hatte die allgemeine soziale Integration, am wenigsten ausschlaggebend war, ob die Menschen allein oder mit anderen zusammen lebten.
Das soziale Umfeld habe Auswirkungen auf den Umgang mit der eigenen Gesundheit und auf psychologische Prozesse wie Stress und Depressionen, erl√§utern die Forscher. Einige Studien h√§tten gezeigt, dass Kontakte das Immunsystem st√§rken. Jede Art, das soziale Umfeld zu verbessern, werde sowohl die √úberlebensf√§higkeit als auch die Lebensqualit√§t verbessern, schlie√üen die Autoren. Gesundheitsvorsorge sollte daher auch das soziale Befinden betrachten, Mediziner sollten Sozialkontakte und Kliniken soziale Netzwerke f√ľr Patienten f√∂rdern.

“Mediziner, Gesundheitsexperten, Erzieher und die Medien nehmen Faktoren wie Rauchen, Ern√§hrung und Sport sehr ernst: Die hier pr√§sentierten Daten bieten ein stichhaltiges Argument, die sozialen Faktoren zu dieser Liste hinzuzuf√ľgen”, betonen die Autoren.

(Quelle: Holt-Lunstad J, Smith TB, Layton JB (2010) Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review. PLoS Med 7(7): e1000316. doi:10.1371/journal.pmed.1000316; Image src:ichwillleben.eu)

Jun 28

Der k√ľrzliche Tod von Michael Jackson lie√ü wohl die wenigsten Menschen unber√ľhrt – selbst jene, die mit seiner Musik oder den von ihm entwickelten Tanzelementen nichts anfangen konnten. Wie nur wenige √∂ffentliche Ikonen polarisierte Jackson, und sein Lebensweg wurde in einem Ausma√ü von den √∂ffentlichen Medien verfolgt und kommentiert wie kein anderer. In krassem Kontrast zu unserer Aufmerksamkeitskultur wollte dieser K√ľnstler selbst diese Aufmerksamkeit jedoch niemals: bei seinen √∂ffentlichen Auftritten – selbst den inszenierten, vorbereiteten – erlebte man einen Menschen, der sich im Rampenlicht und unter Kamerascheinwerfern alles andere als wohlf√ľhlte und um Worte verlegen war. Als jemanden, dessen Beruf es ist, mich in andere einzuf√ľhlen, schmerzte es mich beinahe, diese Gewaltakte, zu denen Medienauftritte f√ľr ihn geworden waren, mitansehen zu m√ľssen. Seine Aussage, die bevorstehende Welttournee w√ľrde voraussichtlich gleichzeitig auch sein Abschied vom Pop-Business sein, war daher so glaubhaft wie von den wenigsten seiner Berufskollegen. Die Medien werden nat√ľrlich auch nach seinem Tod nicht ruhen – in den n√§chsten Wochen und Jahren wird man jedoch vermutlich Handfesteres als bisher √ľber die Hintergr√ľnde der dramatischen Metamorphose Michael Jacksons – von einem musikalischen Wunderkind in ein emotionales und auch k√∂rperliches Wrack, einen Schatten seiner selbst – erfahren als fr√ľher. Und vermutlich wird auch erst dann die volle Tragweite seiner Traumatisierungen durch einen gewaltt√§tigen Vater und den enormen Druck, dem er von fr√ľhester Kindheit an ausgesetzt war und der nie auch nur ansatzweise nachlie√ü, in vollem Ausma√ü erahnbar. Als Coping-Versuch kann u.a. die Verwirklichung eines seiner gr√∂√üten Tr√§ume, der sog. “Neverland-Ranch”, verstanden werden: ein in seiner Abgelegenheit Schutz bietender Kokon, ein Traumland inmitten der W√ľste, benannt nach der Phantasie-Insel in der Geschichte von Peter Pan, auf der Kinder niemals erwachsen werden (m√ľssen). Als Metapher f√ľr die Themen der Realit√§tsverweigerung, Weltflucht und Unsterblichkeit, dr√§ngen sich hier diverse Analogien zum Leben Jacksons geradezu auf.

Fr√ľhe Traumatisierungen und ein Gef√ľhl sozialer Isolation f√ľhren h√§ufig auch zu einer Affinit√§t zu Drogen – vor diesem Hintergrund ist die massive Abh√§ngigkeit Jacksons von Analgetika, Opiaten und Beruhigungsmitteln zu sehen, √ľber die erstmals bereits vor 15 Jahren Details an die √Ėffentlichkeit gelangten. Der Einstieg erfolgte wohl im Zuge der Folgetherapie der massiven medizinischen Eingriffe und Ver√§nderungen, welche Jackson an sich vornehmen lie√ü; die Suchtdynamik jedoch ist im Zusammenhang mit seinen psychischen Problemen wie etwa seiner Angst vor Infektionen, sozialen √Ąngsten, vermutlich auch K√∂rperdysmorphophobie und Anorexie, allesamt in psychotherapeutischen Praxen bekannte Problembilder, zu sehen – “nicht einmal” Jackson mit seinem enormen Stab an Betreuern und Beratern war offenbar vor der typischen Suchtdynamik wie Einengung, Abkapselung usw. gefeit. Vertraute berichteten, Jackson habe bez√ľglich seines Suchtverhaltens seit Jahren sukzessive eine Mauer um sich herum aufgebaut, hinter die nur wenige Zutritt erhielten: darunter tragischerweise exakt die Personen, welche die Abw√§rtsspirale, in der er sich befand, ebenso wie er selbst verdr√§ngten und negierten, ja teils sogar beschleunigten, indem sie ihn weiterhin mit den einschl√§gigen Arzneimitteln versorgten. Seinem sonstigen Umfeld wiederum scheint, wohl aus Angst vor den Reaktionen der Medien, der Mut gefehlt zu haben, wirkungsvolle Hilfsma√ünahmen einzuleiten. Gegen√ľber seiner Ex-Frau Lisa-Marie Presley hatte Jackson schon vor mehreren Jahren angedeutet, da√ü ihm ein √§hnliches Schicksal wie ihrem Vater bevorstehen k√∂nnte – was nun tats√§chlich der Fall gewesen zu sein scheint. Die bevorstehende Konzertserie mu√ü f√ľr Jackson unvorstellbaren Druck bedeutet und immense Versagens√§ngste ausgel√∂st haben, von den Proben durchgesickerte Details lie√üen die Frage aufkommen, ob er √ľberhaupt in der Lage gewesen w√§re, die Konzerte k√∂rperlich und psychisch durchzustehen. Michael Jackson hat versucht, diese Ausnahmevariante von Leben, in die er bis unmittelbar vor seinem Ableben wohl von Dritten stets mehr hineingedr√§ngt wurde als er es sich selbst gew√ľnscht und ausgesucht h√§tte, zu bew√§ltigen. Seine Eltern hatten ihn zu einer Ikone und Marionette geformt, welche sich alleine, ohne Ziehf√§den, zunehmends ausgeliefert und dem aggressiv-invasiven Leben drau√üen immer weniger gewachsen f√ľhlte. Nicht zuf√§llig geh√∂rten wohl Kinder in ihrer Unbefangenheit und Naivit√§t zu jenen, denen gegen√ľber er am ehesten Vertrauen und ihm sicher erscheinende Beziehungen aufbauen konnte, und die er schlie√ülich als eigentliche Zielgruppe seiner Bem√ľhungen – sowohl was seine k√ľnstlerischen, als auch seine sozialen und karitativen Ambitionen betraf – sehen wollte. Wie weit diese Vertrautheit mit Kindern in einzelnen F√§llen ging, war die Schl√ľsselfrage aufsehenerregender Prozesse, die seinem bereits angeschlagenen Image in der √Ėffentlichkeit wohl nicht wieder zu reparierenden Schaden zuf√ľgten. Michael Jackson – glitzernder “King of Pop” und sanftes, verletzliches Kind zugleich – hat versucht, dieses Leben auszuhalten, und wohl an einen bestimmten Punkt festgestellt, da√ü ihm Bet√§ubung nicht nur die Schmerzen seines K√∂rpers, sondern wohl auch den Schmerz an der Welt und seinen Lebensumst√§nden ein St√ľck weit erleichtern konnte. Und so beschleicht einen bei aller Betroffenheit die Vermutung, ob es sich der “Peter Pan” des Pop – in seinen Lebensumst√§nden und immanenten Zw√§ngen eingeschlossen wie ein Paradiesvogel in einem zu kleinen K√§fig – nicht ausgesucht haben oder zumindest in Kauf genommen haben k√∂nnte, diesen Weg, dessen Verlauf er wohl nur selten jemals das Gef√ľhl gehabt hatte, kontrollieren zu k√∂nnen, nicht mehr weitergehen zu wollen. Was Michael Jackson neben einem Berg an Schulden und offenen Fragen hinterl√§√üt, ist jedoch vor allem auch eines: ein zeitloses kreatives Verm√§chtnis und ein Reigen unverge√ülicher Erinnerungen vor den Plattenspielern und TV-Ger√§ten (Thriller“!) seiner abermillionen Fans.

Nov 09

Wenn sie Kritik √ľber sich selbst h√∂ren oder lesen, reagieren die Gehirne von Personen, die an Sozialphobie leiden, anders als jene, die nicht darunter leiden.

Unter der Anwendung von Magnetresonanztomographen zeigte sich, da√ü beim Lesen von negativer Kritik die Blutzirkulation im mittleren pr√§frontalen Cortex und der Amygdala der Probanden, welche unter Sozialphobie litten, erh√∂ht war. Beim Lesen von Kritik an anderen, neutralen oder positiven Beschreibungen der eigenen Person trat diese Schwankung nicht auf. Der pr√§frontale Cortex und die Amygdala sind u.a. f√ľr Selbstwahrnehmung, Angst und Stressreaktionen zust√§ndig.

(Quelle: Oktober-Ausgabe der Archives of General Psychiatry)

Zum Weiterlesen:
Info-Artikel “Sozialphobie”
Literatur zu Selbstsicherheit und Kommunikation

ÔĽŅ25.06.19