Aug 16

Die Medizin, Psychologie und andere Humandisziplinen der Forschung befassen sich traditionellerweise vorrangig mit den Ursachen von Problemen und der Suche nach M√∂glichkeiten, diese zu beheben. Seit einigen Jahren jedoch gewinnt ein neuer Ansatz verst√§rkte Bedeutung: die Resilienzforschung. Der Begriff stammt vom lateinischen resilio ab (“abprallen”, “zur√ľckspringen”) und bezeichnet in der Physik hochelastische Materialien, die nach Verformungen ihre urspr√ľngliche Form wieder annehmen. In den Humanwissenschaften forscht man nach jenen Potentialen, die Menschen dazu bef√§higen, Niederlagen, Ungl√ľck, Stressoren und Schicksalsschl√§ge besser und schneller zu meistern oder den K√∂rper zu heilen.

In der Verhaltensforschung und Psychologie werden Menschen als resilient bezeichnet, die aus Schwierigkeiten das Beste machen, daraus lernen und reifen, oder zumindest weniger Schaden nehmen als andere unter ähnlichen Umständen. Resilienz ist jedoch keineswegs mit Unempfindlichkeit oder der Selbstverleugnung traumatischer Erlebnisse oder zwischenmenschlicher Schwierigkeiten in unserem Leben zu verwechseln. Vielmehr beschreibt diese Fähigkeit eine Haltung innerer Stabilität, eine positive Grundhaltung, die Menschen in die Lage versetzt, an Leidenserfahrungen und Konflikten zu wachsen, statt sich in den damit verbundenen Emotionen festzulaufen und damit ihre Lebensqualität noch weiter einzuschränken. In der Regel erfolgt bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit ein Perspektivenwechsel: entweder wird die Situation neu interpretiert oder der Fokus verlagert sich auf andere, positive Lebensbereiche. Befragt man diese Personen nach ihrer problematischen Erfahrung, werden häufig positive Seiteneffekte oder durch das einschneidende Ereignis verursachte Lernmöglichkeiten mit erwähnt. In besonders schwierigen Lebenssituationen suchen Personen mit hoher Resilienz aktiv professionelle Hilfe, um baldmöglichst wieder auf die Beine zu kommen, statt sich einer womöglich chronisch belastenden Situation auszusetzen.

In der kultur√ľbergreifenden Forschung wurde beobachtet, dass Resilienz eine F√§higkeit ist, die nicht durch die individuelle Person allein erkl√§rt werden kann. “Gute” Familien, Schulen, eine “gesunde” soziale Umgebung und faire gesellschaftliche Bedingungen helfen dabei, die entsprechenden F√§higkeiten zu entwickeln, und j√ľngere Menschen haben diese eher als √§ltere. Ebenso existieren entsprechende Risikofaktoren: etwa fr√ľhe psychische oder k√∂rperliche Gewalterfahrungen, psychische Leiden enger Bezugspersonen sowie diverse kulturelle Faktoren.

Psychologen haben 7 S√§ulen der Resilienz ausgemacht – Indikatoren f√ľr eine starke F√§higkeit zur Stress- und Krisenbew√§ltigung. √úber je mehr dieser Eigenschaften jemand verf√ľgt, umso resilienter die betreffende Person:

  • Selbstbewusstsein: Resiliente Menschen glauben an die eigenen Kompetenzen. Sie werden aktiv statt zu jammern und damit in eine Opferrolle zu verfallen, und sie vertrauen ihren F√§higkeiten, √ľber kurz oder lang Probleml√∂sungen zu finden.
  • Kontaktfreude: Resiliente Menschen kommunizieren gern. Sie l√∂sen Schwierigkeiten bevorzugt gemeinsam mit anderen Menschen statt im Alleingang und suchen sich daf√ľr passende Partner aus. Ihren h√§ufig gut entwickelten sozialen Fertigkeiten versetzen sie in die Lage, gute und lang anhaltende Beziehungen aufzubauen.
  • Gef√ľhlsstabilit√§t: Resiliente Menschen verf√ľgen √ľber gute Fertigkeiten, ihre Emotionen und gedanklichen Muster zu analysieren. Dadurch k√∂nnen sie die eigene Gef√ľhlswelt und ihre Reaktionen so steuern, dass sie hohe Belastungen nicht nur als Stress, sondern auch als Herausforderung empfinden, wodurch sie in der Regel handlungsf√§higer als andere bleiben.
  • Optimismus: eine Grund√ľberzeugung hinsichtlich positiver M√∂glichkeiten, die selbst in schwierigen Lebenssituationen stecken, ist eine integrale Voraussetzung f√ľr Widerstandsf√§higkeit. Man wird von resilienten Menschen deshalb in schwierigen Situationen nur selten negative Verallgemeinerungen h√∂ren, sondern eher hoffnungsvolle Formulierungen wie ‚ÄěDiesmal hatte ich keinen Erfolg, n√§chstes Mal schon.‚Äú
  • Handlungskontrolle: Resiliente Menschen sind alles andere als impulsiv, sondern vielmehr in der Lage, auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen kontrolliert und √ľberlegt zu reagieren. Dazu geh√∂rt auch die F√§higkeit, sofortige Belohnungen zugunsten eines h√∂heren Ziels in der Zukunft aufzuschieben ‚Äď im Fachjargon hei√üt das Gratifikationsverzicht. Diese Kontrolle ist zugleich eine wichtige Komponente der emotionalen Intelligenz (EQ).
  • Realismus: Resiliente Menschen denken langfristig und entwickeln f√ľr sich realistische Ziele. Dadurch werden sie von vor√ľbergehenden Krisen im Leben – etwa Trennungen, dem Tod der Eltern oder bei beruflichen Problemen – nicht so leicht aus dem Gleichgewicht geworfen. Da sie eine l√§ngere Perspektive im Kopf haben, stabilisiert sich ihr emotionaler Zustand zumeist rascher wieder.
  • Analysest√§rke: Resiliente Menschen sind in der Lage, kreativ zu denken und sich leichter von eingefahrenen Denkpfaden zu l√∂sen. Ihre F√§higkeit, die Ursachen von Krisen zu identifizieren, zu analysieren und damit zukunftsorientiert umzugehen, erm√∂glicht ihnen, ad√§quate L√∂sungen zu entwickeln. Und wenn sie dazu einmal nicht selbst in der Lage sein sollten, holen sie sich pragmatisch Hilfe.

In der Literatur werden eine Reihe von Ans√§tzen angef√ľhrt, mit denen die eigene Resilienz √ľber bereits vorhandene F√§higkeiten hinaus erh√∂ht bzw. angeregt werden kann:

  • Resiliente Kommunikation: “Das, was bei mir okay ist, hat mehr Einflu√ü als das, was nicht passt.”
  • Fokus auf die St√§rken einer Person – und die Frage: “wie kann ich diese St√§rken dazu nutzen, um Probleme zu √ľberwinden?”
  • Positiv sein: das Leben als herausfordernd, dynamisch und gef√ľllt mit Chancen wahrnehmen
  • Fokus: ein Ziel festlegen und dieses bewusst anpeilen
  • Flexibilit√§t: sich bei Unsicherheiten alle Optionen offen halten
  • Selbstorganisation: unsicheres Terrain ben√∂tigt durchdachte Strategien
  • Eigeninitiative: vorausschauend und aktiv handeln
  • Coaching: wenn sich nichts zu bewegen scheint, professionellen Input holen
  • Geduld: sich zu erholen, ben√∂tigt selbst bei den besten Strategien Zeit
  • anderen helfen

 

(Quellenangabe: die Beschreibung der Resilienzs√§ulen basiert auf einem Artikel der “Wirtschaftswoche”).

Jan 14

Wenn sie das Wort “Depression” h√∂ren, denken viele Leute an traurige oder hoffnungslose Menschen, die nach einem nicht verkrafteten Lebensereignis zur√ľckgezogen und h√§ufig weinend ihr Dasein fristen.

Doch tats√§chlich ist das nur in den seltensten F√§llen so. In einer US-Studie aus dem Jahr 1996 konnte beispielsweise nur ein Drittel der an einer Depression Leidenden ein belastendes oder einschneidendes Erlebnis vor der Erkrankung nennen. Und es sind auch keineswegs nur negative Ereignisse, die bei manchen Menschen Depressionen ausl√∂sen k√∂nnen, sondern auch solche wie etwa die Geburt eines Kindes oder das Gelingen eines Gesch√§ftsabschlusses. Dass nicht alle Menschen bei einschl√§gigen Ereignissen Depressionen entwickeln, legt dar√ľber hinaus nahe, dass auch andere Faktoren, wie etwa genetische oder Stress-Faktoren mitbeteiligt sein d√ľrften. F√ľr die Betroffenen selbst und ihre Umwelt also ist in der √ľberwiegenden Zahl der F√§lle auf Anhieb gar kein klarer Grund f√ľr eine etwaige Depression auszumachen – was in aller Regel zu langj√§hrigen Verz√∂gerungen auf der Suche nach der korrekten Diagnose f√ľr das eigene Unwohlbefinden f√ľhrt.

Körperliche Symptome sind eine weitere, häufig fehlinterpretierte Facette depressiver Störungen. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, reduzierte Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit, aber auch andere körperliche Schmerzen, Probleme der Verdauungsorgane oder Energielosigkeit sind typische körperliche Symptome einer vorliegenden Depression.

Die mit der Depression h√§ufig verbundene Perspektivenlosigkeit f√ľhrt viele Betroffenen zu selbstsch√§digendem Verhalten. Die meisten Menschen, die Suizid begingen, litten vorher an einer (h√§ufig nicht erkannten oder behandelten) Depression. Doch es mu√ü nicht gleich Suizid sein: auch andere selbstsch√§digende Formen des Verhaltens, wie etwa Alkohol- und Drogenmi√übrauch, selbstsch√§digendes E√üverhalten oder riskantes Verhalten im Verkehr sind, wie Untersuchungen zeigen, in mehr als 60% der F√§lle an Depressionen gekoppelt.

Besonders bei √§lteren M√§nnern √§u√üert sich Depression h√§ufig auch √ľber Aggression, speziell verbale Unfreundlichkeiten, Zynismus, Schimpfen und andere Formen aggressiver Ausdrucksweise. Auch hier ist es den Betroffenen nur selten bewu√üt, dass sie an einer Depression leiden, sondern sie f√ľhren ihre innere Unzufriedenheit und ihren √Ąrger auf √§u√üere Umst√§nde zur√ľck, √ľber die sie sich regelm√§√üig und nicht selten auch lautstark beschweren.

Etwa 4 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Depressionen, die Dunkelziffer d√ľrfte aber aufgrund der h√§ufigen Fehldiagnosen und jahrelangen Leidenswege ohne passenden Befund und ad√§quate Therapie deutlich h√∂her liegen.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2011; Image src:TRBfoto)

Nov 28

Die Lebensqualit√§t von Tinnitus-Patienten kann laut Experten durch eine Psychotherapie erheblich verbessert werden. Viele Menschen mit dem belastenden Pfeifen, Zischen oder Brummen im Ohr litten auch unter Depressionen oder Angstst√∂rungen, teilt der Berufsverband Deutscher Nerven√§rzte (BVDN) in Neuss mit. “Eine Behandlung dieser begleitenden seelischen St√∂rungen erleichtere den Betroffenen oftmals den Umgang mit dem Ohrger√§usch”, erl√§utert der BVDN-Vorsitzende Frank Bergmann. Dar√ľber hinaus helfen Entspannungsverfahren Tinnitus-Patienten, Stress in den Griff zu bekommen und ihren Alltag besser zu bew√§ltigen. Andere psychotherapeutische Methoden helfen dabei, die seelischen Belastungen, die hinter dem Tinnitus h√§ufig stecken, zu reduzieren. Hypnotherapie hat sich als Methode bew√§hrt: der Patient erlernt hierbei Methoden, die ihm helfen, das belastende Ohrger√§usche besser zu bew√§ltigen, was zu vermehrter Selbstkompetenz bez√ľglich des Problems verhilft. Weitere mitunter bew√§hrte Verfahren sind Osteopathie, Akupunktur und TCM (Traditionelle Chinesische Medizin).

H√§ufige Ausl√∂ser eines Tinnitus sind Stress, meist im Berufsleben, oder auch permanenter oder kurzfristig auftretender starker L√§rm, wie z.B. nach B√∂ller-Explosionen, Konzerten oder Disco-Besuchen. Ein pl√∂tzlich auftretender Tinnitus infolge eines H√∂rsturzes oder starker L√§rmeinwirkung sollte unverz√ľglich mit durchblutungsf√∂rdernden Medikamenten behandelt werden. Nur so l√§√üt sich verhindern, dass die Ohrger√§usche chronisch werden. Eine √§rztliche Diagnose ist daher zur Abkl√§rung der korrekten Therapiema√ünahmen unbedingt erforderlich.

Besteht ein Hörgeräusch länger als sechs Monate, wird von einem chronischen Tinnitus gesprochen. Die Wahrscheinlichkeit einer Spontanheilung oder einer medizinischen Beseitigung wird dann als unwahrscheinlich eingeschätzt. In Deutschland leiden etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung dauerhaft unter Tinnitus.

(Quellen: Angstnetz.de, Der Standard; Photo src:overdriveonline.com)

Sep 26

Sie haben eigentlich viel Zeit, k√∂nnen aber die wichtigsten Dinge nicht zu Ende f√ľhren? Sie sind mit vielerlei kleinen Erledigungen besch√§ftigt, aber viel zu h√§ufig verschieben Sie das wirklich Wichtige?

Dann k√∂nnte es sein, dass Sie eine jener vielen Personen sind, die unter sogenannter Prokrastination leiden. Prokrastination wirkt h√§ufig wie Selbstsabotage, da man dadurch mitunter wichtige Gesch√§ftschancen vers√§umt, Freunde und Bekannte durch h√§ufiges Zusp√§tkommen ver√§rgert, oder es werden gar wichtige Schritte zum Abschluss von Ausbildungs- oder beruflichen Zielen verabs√§umt. Dieses Verhalten f√ľhrt deshalb h√§ufig zu Schuldgef√ľhlen, Stress und einem Verlust von Selbstwertgef√ľhl, was die Prokrastination noch weiter verst√§rken kann. Sogenannte ‚ÄěMessies‚Äú zeigen ebenfalls h√§ufig Symptome von Prokrastination.

Ein anderer Grund f√ľr die Schwierigkeit, Dinge zu Ende zu f√ľhren, kann aber auch in jugendlicher oder Erwachsenen-ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivit√§tsst√∂rung) bestehen. Wird diese nicht behandelt, wirkt man h√§ufig desorganisiert oder chaotisch, viele neigen zum Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch, um im Alltag √ľber die Runden zu kommen. √úber ADHS bei Kindern und Jugendlichen finden sich heute viele Medienberichte, doch auch zahlreiche Erwachsene leiden darunter, wenn auch mit leicht unterschiedlichen Symptomen.

Wie aber kann man diese Probleme in den Griff bekommen? Meine Beobachtung ist, dass viele Betroffene dutzendweise Ratgeberliteratur mit verhei√üungsvollen Titeln wie ‚ÄěMit Methode XY jedes Ziel erreichen!‚Äú in ihren B√ľcherregalen sammeln, von denen jedes √ľblicherweise mindestens ein Dutzend an Tipps bereith√§lt – doch im Endeffekt verst√§rkt diese Art von Literatur das Versagensgef√ľhl sogar noch weiter. Wenn Sie an die Wurzel des Problems kommen m√∂chten, lassen Sie sich zun√§chst durch einen Psychiater, Psychotherapeuten oder Psychologen auf ADHS hin untersuchen. ADHS kann in schwereren F√§llen medikament√∂se Unterst√ľtzung erfordern, bei dem Psychotherapie stabilisierend und ressourcenverst√§rkend wirkt, speziell Prokrastination aber ist ein Problem, das sowohl mit therapeutischer Unterst√ľtzung, aber auch mit regelm√§√üig eingehaltenen Coaching- oder Beratungssitzungen in √ľberschaubarer Zeit gut bew√§ltigt werden kann.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:psychologytoday.com)

Aug 16

Ein kleiner Streit zur rechten Zeit ist gut – vor allem dann, wenn es um gute Gr√ľnde geht. Diese Schlu√üfolgerung war es in etwa, die ein Forscherteam des Institute for Social Research an der University of Michigan k√ľrzlich beim Treffen der American Psychological Society in San Diego ver√∂ffentlichte. Unterdr√ľckter oder latent schwelender √Ąrger ist n√§mlich – egal ob in der Partnerschaft, im Beruf oder im Familienverband – schlecht f√ľr die Gesundheit.

Studienleiterin K. Birditt hatte sich bereits fr√ľher mit dem Konfliktverhalten von Paaren befa√üt – ihre letzte Studie hatte aufgezeigt, da√ü die meisten Menschen dazu neigen, Konflikte einfach “laufen zu lassen”, also nichts zu unternehmen, diese zu kl√§ren oder sich genauer mit ihren Ursachen auseinanderzusetzen: “Vogel-Strau√ü-Politik”. Nur 41% gingen zumindest gelegentlich offensiv vor und unternahmen pers√∂nliche Kl√§rungsversuche. In einer Folgestudie untersuchte sie nun die Gesundheitsdaten von mehr als 1.800 Erwachsenen zwischen 33 und 84 Lebensjahren, um herauszufinden, wie sich die unterschiedlichen Strategien, mit Konflikten umzugehen, gesundheitlich auswirkten.

Unterdr√ľckte Konflikte f√ľhrten den gefundenen Ergebnissen zufolge zum Anstieg des Stresshormons Cortisol (was mit eine Erkl√§rung f√ľr die Belastung des Herzens ist, die sie einer anderen Studie zufolge ebenfalls verursachen k√∂nnen). Besonders am Morgen zeigte der Cortison-Spiegel im Blut Spitzenwerte, und diese nahmen dann im Tagesverlauf nur langsamer ab als bei offensiver vorgehenden Personen, welche bemerkenswerterweise sogar am Morgen einen vergleichsweise niedrigen Cortisol-Spiegel zeigten. “Beziehungen haben einen gro√üen Einfluss darauf, wie wir uns tagt√§glich f√ľhlen – vor allem Probleme in unseren Beziehungen”, so Birditt. “Wie wir mit unseren Problemen umgehen, schl√§gt sich demnach auf unser Wohlergehen nieder.”

Vorhergehende Studien zeigten, dass verheiratete Paare, die Streitigkeiten vermeiden, fr√ľher sterben als jene, die expressiv sind. Eine andere Studie wiederum ergab, dass der Ausdruck von √Ąrger zu einem Gef√ľhl der Selbstkontrolle und zu Optimismus f√ľhrt. Bei jenen Menschen, die √§ngstlich reagieren, ist das nicht der Fall.

(Quelle: LiveScience.com 20100813; Image src:goodtherapy.org)

Aug 01

Stress, Burn-out, Depression: Psychische Probleme haben sich zur Volkskrankheit Nummer eins und zu einem enormen Kostenfaktor f√ľr das Gesundheitssystem und die Arbeitswelt entwickelt. Das Dilemma: Viele Erkrankte wissen gar nicht, dass ihre Beschwerden psychisch bedingt sind. Der Arztbesuch hilft oft nicht weiter, da sich auch der Mediziner vorrangig auf die k√∂rperlichen Aspekte konzentriert und an psychische Ausl√∂ser nicht einmal denkt oder diese unterbewertet. Allgemeinmediziner behandeln bis zu 90 Prozent aller depressiv Erkrankten – erkennen die Ausl√∂ser aber h√§ufig gar nicht. An der Universit√§t Trier hat nun eine Forschergruppe eine Methode entwickelt, um die wahren Ursachen solcher St√∂rungen fr√ľhzeitig aufzudecken, sodass √Ąrzte sie effektiver behandeln bzw. Patienten eine Psychotherapie nahelegen k√∂nnen.

Das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit steckt in einem Karton der Gr√∂√üe eines Schul-Atlasses: 16 R√∂hrchen, eine Tablette, ein Mini-EKG, ein Fragebogen. Mehr braucht es nicht, um psychischen Erkrankungen auf die Schliche zu kommen. ‚ÄěUnsere Methode misst biologische Signale und setzt sie in Beziehung zu psychischen und k√∂rperlichen Stressreaktionen. Unser Ziel ist es, sie zu diagnostizieren und dabei zu helfen, sie individuell zu behandeln‚Äú, erl√§utert der wissenschaftliche Leiter Prof. Hellhammer das Verfahren. ‚ÄěNeuropattern ist auch weltweit der erste Versuch, das Wissen der Grundlagenforschung systematisch in die Patientenversorgung einzubringen. Wir hoffen, dass auf diese Weise eine nachhaltige Verbesserung von stresskranken Patienten erreicht werden kann.‚Äú

√úber teilnehmende Haus√§rzte, die m√∂gliche Ausschlusskriterien ihrer Patienten pr√ľfen, kann das Neuropattern-Set angefordert werden. Nach einer Einweisung f√ľhrt der Erkrankte die erforderlichen Tests ‚Äď √ľberwiegend per Speichelproben ‚Äď zu Hause durch. Die Auswertungen der Proben und Messungen dienen als Grundlage f√ľr eine erfolgreiche Therapie. Patienten k√∂nnen die
Behandlung aktiv unterst√ľtzen. Sie erhalten Zugang zu einem Online-Service mit individuellen Angeboten zur Selbsthilfe, die auch Wartezeiten f√ľr psychotherapeutische Behandlungen √ľberbr√ľcken sollen.

Das sog. “Neuropattern II-Set” wurde innerhalb von acht Jahren auf der Basis der Daten von mehr als 2200 Patienten und Probanden erfolgreich entwickelt.

Nach Angaben der Universit√§t Trier kosten Arztbesuche, Medikamente und Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund von Stress und Depressionen j√§hrlich rund 65 Milliarden Euro. Knapp 38 Prozent aller Fr√ľhrentner wurden den Angaben nach 2009 in Deutschland wegen psychischer Erkrankungen vorzeitig in den Ruhestand geschickt – 1993 waren es mit 15 Prozent nicht einmal halb so viele. Auch die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Probleme habe sich seit 1990 verdoppelt. ‚ÄěDas kann sich nur √§ndern, wenn psychische und psychosomatische Gesundheitsst√∂rungen fr√ľhzeitig und effizient von den √Ąrzten behandelt werden, die die Prim√§rversorgung dieser Patienten durchf√ľhren‚Äú, sagt Hellhammer.

(Quelle: daacro.de)

Jun 13

Schlaflosigkeit stellt eines der h√§ufigsten Probleme in der Bev√∂lkerung dar: zwischen 30% und 50% leiden darunter, etwa 10% sogar an chronischer (langdauernder) Schlaflosigkeit. Diese St√∂rung betrifft Menschen aller Altersstufen – ihrer H√§ufigkeit nimmt allerdings im Alter zu. Die Folgen von Schlaflosigkeit sind h√§ufig M√ľdigkeit w√§hrend des Tages, eine geschw√§chte Immunabwehr, Neigung zu Depressionen, geringere Konzentrationsf√§higkeit und h√∂here Anf√§lligkeit f√ľr Diabetes und Herzkrankheiten.

Drei Arten von Schlaflosigkeit werden unterschieden:

a) Vor√ľbergehende Schlaflosigkeit dauert weniger als eine Woche, und wird meist durch andere Erkrankungen, eine ung√ľnstige Ver√§nderung der Schlafgewohnheiten, schwere Depressionen oder Stress verursacht. Ihre Folgen sind ein Gef√ľhl von Schl√§frigkeit und eine Beeintr√§chtigung der psychomotorischen Leistungsf√§higkeit.
b) Akute Schlaflosigkeit ist die Unfähigkeit, weniger als 1 Monat lang konsequent gut schlafen.
c) Chronische Schlaflosigkeit ist die Bezeichnung f√ľr Schlafst√∂rungen, die l√§nger als 1 Monat dauern. Die Ursachen sind h√∂chst unterschiedlich und sollten daher medizinisch abgekl√§rt werden. Zu den Auswirkungen chronischer Schlaflosigkeit geh√∂ren Muskelerm√ľdung, Halluzinationen und / oder geistige Ersch√∂pfung, oder aber auch Reizbarkeit auf.

Die Muster von Schlafstörungen:

a) Einschlafstörungen sind Schwierigkeiten beim Einschlafen zu Beginn der Nacht, häufig sind diese mit Angststörungen assoziiert.
b) Durchschlafst√∂rungen sind gekennzeichnet durch Schwierigkeiten, bis in den fr√ľhen Morgen durchzuschlafen. H√§ufig ist diese Variante durch Schmerzen oder k√∂rperliche Erkrankungen bedingt.
c) Vorzeitiges Erwachen Рhäufig ist dies altersbedingt, ein Merkmal der klinischen Depression, oder es liegen andere psychische Ursachen vor.
d) Albträume und Schlafwandeln Рfurchterregende Träume oder das Herumwandern in der Wohnung sind zumeist häufig psychisch Рetwa durch belastende Ereignisse Рbedingt, aber auch durch Drogenkonsum.
e) Hypersomnia ist gesteigertes Schlafbed√ľrfnis, bei dem trotz ausreichendem Schlaf tags√ľber st√§ndig ein Gef√ľhl von M√ľdigkeit und Ersch√∂pfung besteht. H√§ufig ist diese Schlafst√∂rung k√∂rperlich verursacht und sollte medizinisch abgekl√§rt werden.

Sehr oft wird jede Form von Schlaflosigkeit leider falsch, n√§mlich ausschlie√ülich mit Medikamenten behandelt. Die Botschaft unseres K√∂rpers, da√ü etwas nicht in Ordnung ist, wird damit jedoch ignoriert und unterdr√ľckt – k√∂rperliche Folgeerkrankungen k√∂nnen auftreten, und durch die entstehende psychische Abh√§ngigkeit vom Medikament wird das Einschlafen ohne ‚ÄěP√ľlverchen‚Äú noch schwieriger als zuvor.

Was die wenigsten wissen: Schlafst√∂rungen lassen sich fast immer auf ganz nat√ľrliche Weise stark verbessern: dazu m√ľssen lediglich die ausl√∂senden Ursachen f√ľr die innere Unruhe, die einem den Schlaf raubt, identifiziert und dann auch ‚Äěpassend‚Äú beseitigt werden. Die h√§ufigsten Ursachen der meisten Formen von Schlafst√∂rungen sind zumeist relativ leicht in den Griff zu bekommen: Licht, Ger√§usche, kein Kaffee und keine Zigaretten mehr am Abend etwa. Chronisch Schlafgest√∂rte (die Schlafst√∂rungen dauern bereits mehr als drei Wochen an) sollten auch einen medizinischen Checkup auf Erkrankungen des Herz- und Kreislauf- sowie des Verdauungssystems, des Urinaltraktes und auf Stoffwechselst√∂rungen durchf√ľhren lassen. Lassen sich keine eindeutigen k√∂rperlichen Ursachen f√ľr die Schlafprobleme finden, hilft fast immer eine kurze Reihe gezielter therapeutischer Beratungsgespr√§che bei der langfristigen Verbesserung der Schlaff√§higkeit.

(Dieser Kurzartikel ist Teil einer wöchentlichen Serie, die sich mit psychischen Problemen von Expats und generellen Themen psychischer Gesundheit befaßt und in verschiedenen Medien Thailands veröffentlicht wird, 2010; Image src:romywilliams.files.wordpress.com)

May 18

Eine gro√üangelegte Studie (n=1000) des Institutes f√ľr Frauengesundheit Baden W√ľrttemberg zur H√§ufigkeit sexueller Funktionsst√∂rungen bei Frauen sowie m√∂glichen Wegen, diese zu beeinflussen, wurde k√ľrzlich in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Sexual Medicine ver√∂ffentlicht.

Ziel dieser Studie war es, a) die H√§ufigkeit und b) die unterschiedlichen Formen von St√∂rungen der weiblichen Sexualfunktion zu erforschen. Ebenfalls untersucht wurde der Zusammenhang von Funktionsst√∂rungen und hormoneller Verh√ľtung mit der “Pille”, genauer mit unterschiedlichen Formen einer hormonalen Empf√§ngnisverh√ľtung. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde gezielt nach der sexuellen Aktivit√§t und m√∂glichen Einflussfaktoren gefragt. Bez√ľglich einer eventuell durchgef√ľhrten Kontrazeption wurden die Auswirkungen verschiedener Verh√ľtungsmethoden auf die Sexualfunktion wie auch unterschiedliche hormonale Kontrazeptiva vergleichend ber√ľcksichtigt.

Die Auswertung zeigt, dass von den teilnehmenden Frauen 32,4 % ein Risiko f√ľr sexuelle Dysfunktion aufweisen, und zwar in den Bereichen Orgasmus (8,7 %), Libido (5,8 %), Befriedigung (2,6 %), Lubrikation (1,2 %), Schmerzen (1,1 %) und sexuelle Erregung (1,0 %). Signifikante Auswirkungen auf die Gesamtauswertung hatten die Faktoren Verh√ľtungsmethode und Rauchen, wobei die hormonelle Verh√ľtung mit geringerer Libido und Erregung assoziiert war als die Nicht-Verh√ľtung und die ausschlie√ülich nichthormonale Kontrazeption. Weitere Variablen wie Stressbelastung, Schwangerschaft, Partnerbeziehung und Kinderwunsch hatten ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die Sexualfunktion.

Die Autoren weisen darauf hin, daß die Studie primär Assoziationen, nicht aber Kausalität einzelner Sexualstörungen nachweisen kann.

(Quelle: Wallwiener CW, Wallwiener LM, Seeger H, Mueck AO, Bitzer J, and Wallwiener M; Prevalence of Sexual Dysfunction and Impact of Contraception in Female German Medical Students ; doi: 10.1111/j.1743-6109.2010.01742.x)

Jan 20

Nach einer Analyse der Daten von 2.755 m√§nnlichen Angestellten, welche zu Beginn einer k√ľrzlich abgeschlossenen Studie des Stressforskningsinstitutet der Universit√§t Stockholm noch keinen Herzanfall erlitten hatten, zeigte sich zumindest f√ľr M√§nner eine Assoziation zwischen “unterdr√ľckter Bew√§ltigung” infolge einer unfair gef√ľhlten Behandlung und gesteigertem kardialem Risiko.

F√ľr die Untersuchung wurden die verschiedenen Strategien, Dinge f√ľr sich zu behalten, als unterdr√ľckte Bew√§ltigung definiert. Die Teilnehmer wurden gefragt, welche Strategien sie anwendeten: Ereignisse vorbeigehen zu lassen ohne etwas zu sagen, aus einem Konflikt einfach auszusteigen, Symptome wie Kopf- oder Magenschmerzen zu haben oder zu Hause schlechter Laune zu sein. Faktoren wie Rauchen, Alkohol, k√∂rperliche Aktivit√§t, Bildung, Diabetes, Anforderungen im Beruf und Entscheidungsfreiheit wurden ber√ľcksichtigt, Blutdruck, BMI und Cholesterinwerte gemessen. Die M√§nner waren zu Beginn der Studie in den Jahren 1992 bis 1995 durchschnittlich 41 Jahre alt. Informationen √ľber einen Myokardinfarkt oder Tod aufgrund eines Herzanfalls bis zum Jahr 2003 wurden aus den nationalen Datenbanken zu Krankenhausaufenthalten und Todesf√§llen entnommen.

Bis 2003 hatten 47 der 2.755 M√§nner einen Myokardinfarkt oder starben an einer Herzerkrankung. Jene, die h√§ufig oder oft einfach einem Konflikt auswichen oder nichts sagten, verf√ľgten √ľber ein doppelt so hohes Herzrisiko als jene M√§nner, die sich unangenehmen Situationen stellen und versuchten sie zu l√∂sen (2,29 [95% CI 1,00-5,29]). Kopf- und Magenschmerzen oder schlechte Laune zu Hause erh√∂hten das Risiko nicht.

(Quellen: J Epidemiol Community Health; 2009, Nov 24; MedAustria; Image:nytimes.com)

Nov 30
Night Eating Syndrome / Nacht Heisshunger

Heisshunger in der Nacht: ein Problem vieler Menschen in OECD-Ländern. (img:Getty)

Bis heute ist fraglich, ob es sich beim sogenannten “Night Eating Syndrom” (“Nachtesser-Syndrom”) nur um eine schlechte Angewohnheit oder doch eine Krankheit handelt. Beim Night Eating Syndrom (NES) essen sich die betreffenden Menschen regelm√§√üig in der Nacht voll, sie schlafen schlecht und nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge sp√§tabends oder nachts zu sich. Mehr als 70 Studien zu den biologischen Hintergr√ľnden des Ph√§nomens haben keine entscheidenden neuen Erkenntnisse gebracht. Schwierig ist die Analyse deswegen, weil es in einer Grauzone verschiedener St√∂rungen liegt: es enth√§lt Spezifika von Essst√∂rungen, Schlaf- und affektiven St√∂rungen, diverse Kriterien dieser jedoch werden allerdings h√§ufig auch nicht erf√ľllt: das Kriterium von Essst√∂rungen etwa deshalb nicht, weil die meisten Betroffenen tags√ľber ein normales Essverhalten aufweisen und auch nicht jeder Nachtesser √ľbergewichtig ist.

Viele Betroffene leiden unter einem gest√∂rten Schlaf, weil sie glauben ohne Stillen ihres Hungers nicht schlafen zu k√∂nnen, tags√ľber f√ľhlen sie sich h√§ufig reizbar und m√ľde. Forscher sprechen dennoch nicht von einer Schlafst√∂rung. B. M√ľhlhans, die am Uniklinikum Erlangen eine Studie zum St√∂rungsbild leitete, sch√§tzt, dass ein bis zwei Prozent der Menschen an dem Problem leiden. Bei manchen verschwinde die Gewohnheit wieder, bei anderen chronifiziere sie mit den Jahren. Stress d√ľrfte zumindest eine wichtige Mitursache sein, fast alle Betroffenen weisen hier bei Tests h√∂here Werte auf. Psychotherapeutische Verfahren werden deshalb als am effizientesten in der Behandlung des Syndroms erachtet.

Um eine bessere Klassifikation zu erm√∂glichen, wurden nun an der Universit√§t von Pennsylvania diagnostische Kriterien definiert: betroffen sei, wer entweder seit mindestens drei Monaten mehr als ein Viertel seiner Nahrung nach dem Abendessen einnimmt oder mindestens zweimal pro Woche nachts deswegen aufsteht. Zudem m√ľssen sich die Betroffenen der Episoden bewusst sein und Leidensdruck bestehen.

ÔĽŅ01.09.19